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Was wird gesendet?
Woran denken wir als Erstes, wenn wir den Ausdruck "TEXT" hören? Sicherlich nicht an Fernsehen, Zeitung, Rundfunk, geschweige denn an noch genauere Unterteilungen der einzelnen Medienarten, wie Zeichentrickfilm, Wildwestfilm usw. TEXT wird im allgemeinen Sprachgebrauch immer nur als Gefüge von sprachlichen Zeichen verstanden - doch was spricht eigentlich dagegen, auch Gefüge von audiovisuellen Zeichensystemen als mit einer bestimmten Bedeutung versehene Mitteilungen zu betrachten und sie ähnlich der herkömmlichen Textbotschaft zu entschlüsseln?

Kleine Kinder verwenden unterschiedliche und oft auch inkonsequente Bezeichnungen, wenn sie Medientexte benennen und unterscheiden: Sie sagen: "Zeichentrickfilm", "Sendung", oder einfach "Film" und meinen häufig ein und dieselbe Fernsehsendung. Ausgeprägter ist aber die Unterscheidungsfähigkeit zwischen verschiedenen Medienarten wie Fernsehen, Rundfunk, Zeitung.

Medienerziehung verbessert die Fähigkeit der Kinder, Medien-Textsorten zu unterscheiden und sie Gruppen zuzuordnen, die der Bedeutungserkennung dienen. Warum das so wichtig ist? - Wenn man z. B. erkennt, dass ein Film in die Kategorie "Science Fiction und Fantasy" fällt, ist es leichter zu verstehen, warum Teile davon unglaubhaft wirken.

 

Wie nun beginnen, Kindern diese Unterscheidungsfähigkeit beizubringen?

Nachdem die Kinder verschiedene Medien bezeichnet haben, z. B. Film, Fernsehen, Rundfunk, Zeitung, Buch, können sie deren spezifischer Eigenart auf den Grund gehen:

Wie ändert sich eine Geschichte, wenn sie verfilmt wird?
Bringen Fernsehen, Rundfunk und Zeitung die gleichen Aspekte einer Nachricht?

Medientexte können in Untergruppen, auch generische Gruppen genannt, unterteilt werden, so z. B. in die bereits erwähnten: Fantasy- bzw. Science Fiction-Geschichten, Soap-Operas, Geistergeschichten, Abenteuergeschichten ...

An dieser Stelle werden Sie möglicherweise einwenden: "Ist denn das überhaupt wichtig? Werden die Kinder durch derart aufgeschlüsselte Analysen nicht überlastet?"

Als ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit der Schulung der Unterscheidungsfähigkeit sei der Fall eines Zehnjährigen angeführt, der nicht verstand, was "die Macht" in dem Film "Der Krieg der Sterne" bedeutet. Man schlug ihm vor, sich "die Macht" als Zauberei vorzustellen. Seine Antwort war: "Aha, dann ist Obi von Kenobi so eine Art Zauberer" und er begann, sinnvolle Überlegungen darüber anzustellen, wie ein Science-Fiction-Film nach den Gesetzen der Märchen ausgelegt werden könnte.

Das Wissen und Verständnis um die Art des Medientextes hat also wesentlichen Einfluss darauf, wie wir ihn "lesen", interpretieren und Vorhersagen über das Kommende treffen, kurz: wie wir ihn, den Medientext, entschlüsseln. Missverständnisse, und sogar die Ablehnung von Medientexten, lassen sich häufig auf einen Mangel an generischem Verständnis zurückführen. Indem wir den Kindern ein breites Spektrum diverser Texte vorlegen und Quervergleiche fördern, helfen wir ihnen, ihr bestehendes Wissen zu organisieren, das neue Material mit mehr Selbstvertrauen zu verarbeiten und auch die Möglichkeiten für eigenes Medienschaffen zu erweitern.

Im Folgenden nun zusammengefasst die drei Kategorien, die für die Entwicklung des kindlichen Medienverständnisses nützlich sind:

1) Die Medien als solche, wie zum Beispiel Kino, Fernsehen usw.

2) Die Medienformen, wie zum Beispiel Nachrichten, Fiktion, Dokumentation, leichte Unterhaltung usw. (Diese beziehen sich hauptsächlich auf die Absichten der Produzenten, beeinflussen aber auch unsere Erwartungen und unser Verständnis.)

3) Das Genre:
Western, Liebesgeschichte, Abenteuergeschichte, Fantasy und Science Fiction-Geschichten usw. (Dies bezieht sich hauptsächlich auf die Art und Weise, wie Empfängergruppen einen Text erfahren und aufnehmen.)

Fast jeder Medientext vereinigt alle diese Kategorien in sich:

Beispielsweise kann

"BUGS BUNNY" eine Fernsehsendung (Kategorie 1),
leichte Unterhaltung (Kategorie 2) und
eine komische Abenteuerserie (Kategorie 3) sein.

Aus diesem Beispiel lassen sich aber noch weitere Unterscheidungsmerkmale anderen Sendungen gegenüber ableiten: So ist

"BUGS BUNNY"
eine Kindersendung.

Das Wissen um diese Kategorien trägt zum größeren Verständnis bei den Adressaten Geschlechtsspezifische Bezeichnungenbei und hilft bei der Entschlüsselung.

Natürlich lassen sich nicht alle Texte so einfach in Kategorien einordnen. Wenn ein Film im Fernsehen gesendet wird, ist das dann Film oder Fernsehen? Wenn wir die Videokassette vom Verleih holen und dann daheim spielen, ist das wieder etwas anderes? Bei all den Überlegungen, die wir über Medienkategorien anstellen, sollten wir diese hinterfragen, ihre Grenzen abstecken und neue erfinden.

Konzeptuell wichtig ist in diesem Bereich nicht so sehr das Wissen, in welche Kategorie ein Text eingeordnet werden soll, als das Verstehen, dass die Einordnung sich darauf auswirkt, wie wir den Text aufnehmen und über ihn denken.

Und nun einige Vorschläge zur Formulierung von Bildungs- und Lehraufgaben:
(Welche Lehrziele lassen sich der Frage nach dem TEXT zuordnen?)

Die Kinder sollen befähigt werden,
  • zwischen Medien (Kino, Fernsehen, Video, Rundfunk, Bücher, Zeitung) zu unterscheiden,
  • verschiedene Medienformen (Nachrichten, Fernsehspiel, Fiktion, Werbung, Kommentar, Dokumentarsendung) zu benennen,
  • Genres (Seifenoper, Superman-Abenteuer, Geistergeschichte usw.) zu bezeichnen, zeitliche Unterschiede in Texten zu benennen,
  • eine Kategorie in eine andere zu übertragen (z. B. eine fiktive Geschichte zu einer Nachrichtensendung umzugestalten, ein Superman-Abenteuer zu einer Komödie umzufunktionieren usw.),
  • Medium, Form und Genre für eine Eigenproduktion zu wählen und die Gründe für die Wahl zu benennen.
 
Die Kinder sollen
erkennen und verstehen,
  • dass ein Medientext in drei verschiedene Ebenen eingeordnet werden kann (z.B. "Krieg der Sterne" ist ein (Kino)Film, eine Fiktion, ein Raumfahrtabenteuer),
  • dass es bestimmte Faktoren gibt, die die Unterscheidung zwischen den Kategorien bestimmen (z. B. Kino unterscheidet sich vom Rundfunk, weil sie unterschiedliche Technologien verwenden und von den Adressaten auf verschiedene Weise genutzt werden; Nachrichten unterscheiden sich von Fernsehspielen, weil sie zeigen sollen, was wirklich geschehen ist, usw.),
  • dass es technologische und institutionelle Unterschiede zwischen den Medien gibt (z. B.: Was braucht man für eine Tonbandaufzeichnung in der Schule - und was braucht man für die internationale Übertragung einer Sportveranstaltung?),
  • dass jedes Medium seinen spezifischen Charakter und seine spezifische Sprache aufweist (so ist z. B. ein Film im Fernsehen nicht dasselbe wie im Kino; eine Geschichte im Buch nicht dieselbe wie im Film).
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