StartseiteStartseite Archiv
BMB
editorial
info
themen
leitfaden
projekte
workshop
e-academy
network
Medienkompetenz
Unterrichtsprinzip
Modell Medienbildung
21 Kompetenzen zur Medienbildung
Bausteine
Einleitung
Medienhersteller
Medienkategorien
Medientechnologien
Mediensprachen
Mediendarstellungen
Lehrplan
Prototypische Aufgaben
Kultur Digital
Kultur Digital
Grundelemente
Filmanalyse
Filmgeschichte
Filmkritik
Grundelemente
Darstellungsformen
Radiolandschaft
 
 

 
Wer empfängt den Text? Wie nehmen wir ihn auf?
Der erste Medienempfänger, dessen sich ein Kind bewusst wird, ist es selbst. Medienerziehung kann also damit beginnen, Kindern die Möglichkeit zu vermitteln und sie dazu zu ermutigen, über ihre eigenen Erfahrungen mit den Medien und ihre Reaktionen darauf zu sprechen:

Warum mag ich Zeichentrickfilme?
Warum finde ich die Nachrichten langweilig?
Warum darf ich den Abendfilm nicht sehen, die anderen aber schon?

Wie aus der letzten Frage ersichtlich, entwickeln Kinder sehr bald einen Sinn dafür, dass es neben ihnen und ihrer unmittelbaren Gruppe noch andere Empfänger gibt. So lernen sie, sich unterschiedliche Ansprechgruppen vorzustellen, die einen Text anders auffassen könnten. Damit Hand in Hand kann die Überlegung laufen, wie sie selbst einfache Texte für Menschen herstellen könnten, die ihnen persönlich nicht bekannt sind. Dazu kann Medienerziehung viel beitragen. Selbst eine ganz kleine Gruppe, die über einen Medientext diskutiert, kann zu einer Reihe von verschiedenen Interpretationen gelangen.


Über diese Unterschiedlichkeit nachzudenken und die Herkunft der Unterschiede zu ergründen, ist wesentlich produktiver als die Suche nach der "richtigen" Antwort. Alter, Geschlecht, soziale Herkunft genauso wie der persönliche Hintergrund beeinflussen die Interpretation.

Wenn Kinder einen Text für ein reales und spezielles Publikum, wie z. B. noch jüngere Kinder, machen, motiviert sie das zusätzlich und fördert den Prozess der Entscheidungsfindung.

Kinder können so verstehen lernen, wie Texte gemacht werden, damit diese bei verschiedenen Empfängergruppen auch ankommen. Die Betrachtung der Empfängergruppen wiederum dient als Ansatzpunkt, um zum ersten Mal bewusst über Stereotypisierung nachzudenken. Hier können wir der Frage nachgehen, was Medienproduzenten geeignet finden könnten für:

Frauen - Kinder - Männer
arme Leute - reiche Leute
Ausländer - Inländer
usw.

Wir können die Kinder auch dazu ermutigen, Fragen der Programmgestaltung im Fernsehen oder dem Verhältnis zwischen Medienkonsum und anderen Bereichen des Lebens nachzugehen, wie z. B.:

Warum werden Frauensendungen am Nachmittag ausgestrahlt?
Warum werden Kindersendungen zwischen ... und ... Uhr gezeigt?
Bist du damit einverstanden?
Wer sieht wohl spät in der Nacht/früh am Morgen fern?
usw.

Zur Frage der Empfängergruppen gehört auch die Überlegung, wie man die Gruppen erreicht:

Wie bringen wir Menschen zum Zuhören und Zuschauen?
Welche Techniken könnten wir verwenden?
Welche Techniken verwenden die Medienproduzenten, um die Aufmerksamkeit zu erregen und sie zu behalten? (z. B. große Schlagzeilenlettern, attraktive Fotos, Musik ...)

Die Frage der Technologie führt sodann zu wirtschaftlichen und technischen Fragen:

Wie kommt man in die Zeitung?
Wie erfährt man von einem neuen Buch oder Film?

In diesem Zusammenhang ergibt sich das Thema "Werbung und Marketing" fast zwangsläufig. Da aber sollten wir nicht allein vom Standpunkt des Medienproduzenten, sondern auch vom Standpunkt des Empfängers sprechen:

Wie treffen Empfänger Geschlechtsspezifische Bezeichnungen Entscheidungen über ihre jeweilige Mediennutzung?
Wer bestimmt, was gelesen, gehört, angeschaut wird?
Welche Gründe werden da angeführt?

Gehen wir diesen Fragen nach, indem wir z. B. persönliche Aufzeichnungen lesen oder eine Klassenumfrage studieren, so können wir die Kinder auf Fallen der Publikumsforschung (Recherche) hinweisen:

Was bedeuten Begriffe wie "Zuschauen", "Lesen", "Sehen", oder "Zuhören" eigentlich wirklich?
Wer entscheidet daheim, welche Videokassetten ausgeborgt, welche Sendungen angeschaut werden?
Welche Seite in der Zeitung/Zeitschrift nehmen wir uns zuerst vor?
In welchem Zimmer (oder in welchen Zimmern) steht der Fernsehapparat?

Mit all diesen Überlegungen können wir die Kinder ermutigen, sich nicht notwendigerweise oder immer als einen undifferenzierten Teil eines Massenpublikums zu sehen, sondern ihre Macht als aktive, kritische Mediennutzer zu erkennen.

Gewiss, es ist nicht ganz leicht sich vorzustellen, dass die Wirkung eines Textes anders ist, als sich das Produzenten vorgestellt haben. Wir können aber Widerstand leisten, den Text anders verstehen, jeder kann unterschiedlich reagieren und darüber auch sprechen. Indem Kinder ihre Reaktionen auf ihre eigenen Texte erforschen und die Meinungen darüber den anderen Kindern mitteilen, können sie einen Sinn dafür entwickeln, dass die Resultate nie ganz vorhersehbar und oft schwer zu bezeichnen oder zu beschreiben sind. Damit überprüfen und hinterfragen wir die landläufige Vorstellung von Ursache und einheitlicher Wirkung bzw. überhaupt das einfache Modell des simplen Ursache/Wirkung-Verständnisses, wie z. B. "Fernsehen macht die Menschen passiv/gewalttätig/gut informiert/ängstlich ..."

Und nun einige Vorschläge zur Formulierung von Bildungs- und Lehraufgaben:
(Welche Fähigkeiten können wir entwickeln, was sollten Kinder in diesem Bereich verstehen und wissen?)

Die Kinder sollen fähig sein,
  • ihre Reaktionen auf Medientexte zu benennen, zu begründen und darüber zu diskutieren, z. B.: Spaß, Langeweile, Ärger, Verwirrtheit, Furcht, Aufregung, Ablehnung, Identifikation ...,
  • Methoden vorzuschlagen, wie man Medienprodukte bekannt macht, z. B. Ankündigung von "Fortsetzung folgt nicht"; Nachspann, Verpackung, mündliche Weitergabe, TV- und Filmprogramme ...,
  • einfache Umfragen über Mediennutzung bei Freunden und Bekannten durchzuführen und die Ergebnisse in Diagrammform zu illustrieren (ev. Projekt mit Mathematikunterricht),
  • einen einfachen Medientext für eine bestimmte Empfängergruppe zu produzieren, z. B. Poster für Eltern, Zeitung für die Klassenzimmerwand ...,
  • Hypothesen über mögliche Reaktionen einer persönlich nicht bekannten Empfängergruppe anzustellen,
  • Texte, die an unterschiedliche Empfängergruppen gerichtet sind, z. B. "Zeit im Bild" und "Mini-ZiB", zu vergleichen und Gründe für die Unterschiede und Ähnlichkeiten zu benennen,
  • verschiedene Rahmenbedingungen (Kontexte) der Mediennutzung zu bezeichnen und sie miteinander zu vergleichen, z. B. Kino, Mediennutzung daheim, in der Schule ...

Die Kinder sollen verstehen, dass

  • verschiedene Leute Texte verschieden verstehen und genießen und dass diese Unterschiede mit Faktoren wie Alter, Geschlecht, wirtschaftlichem Status, persönlichen Erfahrungen usw. zusammenhängen können,
  • die Entscheidung, eine bestimmte Empfängergruppe anzusprechen, Inhalt, Präsentation und Verbreitung des Textes beeinflusst,
  • sich Medientexte an eine Empfängergruppe richten, die die Produzentinnen nicht persönlich kennen und die Auswahl der speziellen Gruppen häufig nach den Angaben der Marktforschung erfolgt,
  • verschiedene Rahmenbedingungen der Mediennutzung die Bedeutung eines Textes für die Empfängergruppe beeinflussen können, z. B. wo man den Text sieht/hört, mit wem, wann, in welcher Stimmung.
Top

©
mediamanual.at 2001-2016 | Webagentur onscreen