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Wie präsentiert der Text sein Thema?
Die Mediendarstellung kann ein schwieriger und oft auch strittiger Unterrichtsbereich sein. Warum? Häufig ist er zu eng gefasst; Überlegungen, wie ein Text sein Thema präsentiert, Fragen, wie sich Medieninhalte gegenüber der realen Welt verhalten, werden allzu gerne reduziert auf einige sicherlich bedeutende Themen wie Vorurteil, Sexismus usw. Das sind zweifellos wichtige Fragen, aber auch sie müssen in einem breiteren Zusammenhang der Darstellung betrachtet werden.

Zum Verständnis dieses Zusammenhanges kann das einfache Schema einer Dreiecksbeziehung gute Dienste leisten.

Zunächst hängt das Urteil der Empfänger von den jeweiligen Erfahrungen mit der im Text dargestellten "Realität" (Menschen, Ereignisse, Orte, Ideen usw.) und den Ansichten darüber ab. Aber auch die Umstände, unter denen der Text wahrgenommen wird, spielen eine nicht unwesentliche Rolle bei der Urteilsbildung, nicht zu vergessen den Medienproduzenten, die Gestaltungsmittel, ob man den Text hört, liest oder sieht. Gerade bei der Frage der Mediendarstellung merken wir, wie die Bausteine, oder anders ausgedrückt, die Schlüsselfragen der Medienerziehung, miteinander verzahnt sind.

Das bis jetzt Gesagte mag auf den ersten Blick abstrakt erscheinen - einige im Zusammenhang mit Mediennutzung immer wieder fallende, geradezu typische Gemeinplätze befassen sich gerade mit der Beziehung des Textes zur jeweiligen Wirklichkeit.

Zur Veranschaulichung einige Beispiele:

"Auf dem Foto schaue ich entsetzlich aus!"
"Also, das war ganz genau wie im wirklichen Leben!"
"Ja, ja, ich weiß, die Story war ein Unsinn, aber trotzdem hat mir die XY irrsinnig leid getan!"
"Das wirkt unheimlich gestellt"
"Das Spielzeug sieht doch in der Werbung ganz anders aus!"

Die Beispielsammlung lässt sich mühelos erweitern; je älter Kinder werden, umso häufiger taucht die Beziehung des Gesehenen/Gehörten mit deren "Wirklichkeit" auf. Doch auch ganz Kleine können hier ansetzen: die Frage, wie "real" denn ein Text ist, kann auch junge Kinder außerordentlich beschäftigen.

In der Beurteilung der Mediendarstellung greifen wir alle, auch Kinder, auf einen uns innewohnenden Standard über die Art der Realität in unserer Vorstellung zurück, der auf unserem Wissen, unseren Erfahrungen begründet ist. Eigentlich müsste man an dieser Stelle auch einfügen: gelegentlich ist unser Standard auf dem Mangel an Wissen und/oder Erfahrungen begründet. Meist unbewusst messen wir Mediendarstellungen an dieser Normvorstellung und bewerten sie entweder als überzeugend (= "echt") oder nicht glaubhaft (= "gestellt").

Medienerzieherisches Handeln muss also unweigerlich zur Frage führen, wie gültig unsere eigenen Realitätsstandards eigentlich sind. Stimmt unsere Ansicht von der Welt eher oder weniger mit der Realität überein als die eines jeweiligen Textes? All diese Fragen können dazu dienen, unsere eigene subjektive und beschränkte Wahrnehmung der Realität zu hinterfragen und zu erweitern. Wie wäre es z. B., männliche und weibliche Rollen in Kindersendungen gegen den Strich, d. h. gegen die übliche Stereotypisierung, zu besetzen?

Sobald Kinder von den Medien reden, zeigen sie Interesse an der Beziehung zwischen Text und Realität (Filmanalyse). Der Begriff "Realität" umfasst hier nicht allein die Wahrnehmung von Vorgängen in der realen Welt, sie schließt auch die emotionale Realität von imaginären Vorgängen mit ein: Was könnte passieren, wie würden wir uns verhalten, wenn diese imaginären Vorgänge stattfänden?

Das Sterben einer Person in einer Geschichte ist zwar nur "vorgetäuscht", kann uns aber doch zum Weinen bringen.

Die Gremlins sind zwar nur Marionetten, lehren uns aber trotzdem das Fürchten.

Eine Reportage über einen Unfall in den Nachrichten ist "wahr", "wirklich"; empfinden wir ähnliche Gefühle wie beim imaginären Sterben einer uns in der Serie liebenswert und vertraut gewordenen Person?

Wenn wir über verschiedene Realitätsebenen in verschiedenen Texten - oder sogar im selben Text - sprechen, schaffen wir eine gute Grundlage für die später komplexeren und schwierigeren Fragen der Mediendarstellung und Stereotypisierung.


Wenn wir darüber nachdenken, wer wen darstellt und zu wessen Nutzen, wenn wir darüber nachdenken, wer davon Vorteile hat, wenn wir nachdenken, wer oder was nicht dargestellt wird, bringen wir alle Wissensbereiche, d. h. alle Schlüsselfragen ein, über die wir bis jetzt gesprochen haben.

Es genügt nicht, bestimmte Bilder, bestimmte Stereotypen und Klischees zu erkennen, die Kinder sollen auch lernen, wie und unter welchen Umständen solche Bilder entstehen. Mit steigendem Alter können sich Kinder schon der Frage zuwenden, was in keinem Text dargestellt werden sollte. Probleme wie Zensur, Geschmack und Propaganda tauchen auf, Fragen über Pressefreiheit, Enthüllungsjournalismus werden relevant.

Und nun einige Vorschläge zur Formulierung von Bildungs- und Lehraufgaben:
(Welche Fähigkeiten können wir entwickeln, was sollten Kinder in diesem Bereich verstehen und wissen?)

Die Kinder sollen fähig sein,
  • die verschiedenen "Realitätsebenen in Medientexten zu beurteilen und nachzudenken, was "real" bedeutet (so ist z. B. "Das A-Team" realer als "Bugs Bunny", weil echte Menschen darin vorkommen, aber nicht so real wie Nachrichten),
  • Unterschiede in der Darstellung derselben Objekte und Menschen in verschiedenen Texten zu erkennen (z. B. eine Katze - im Märchen "Der gestiefelte Kater" und in einer Folge von "Tom und Jerry" jeweils in einem anderen Licht),
  • zu entscheiden, wie man sich selbst und andere Menschen in einem Medientext (z. B. Foto) nach folgenden Kriterien darstellt: Größe der Figur im Bild, Kleidung, Hintergrund, Frisur (Arbeitsbereiche), Kamerawinkel, Ausdruck, Position usw.,
  • Objekte, Menschen oder Ereignisse von verschiedenen Standpunkten unter Verwendung verschiedener Medien darzustellen, verschiedene emotionale Zustände in Medientexten darzustellen,
  • Unterschiede in der Darstellung von Objekten, Menschen und Ereignissen in verschiedenen Texten zu bezeichnen und zu erklären,
  • Argumente gegen allfällige stereotype Darstellungen vorzubringen und Änderungen vorzuschlagen.

Die Kinder sollen verstehen, dass

  • sich ein Medientext notwendigerweise von den Orten, Menschen oder Ereignissen, die er darstellt, unterscheidet, dieser Unterschied nach Art und Umfang verschieden ist und die jeweilige Empfängergruppe zu einem jeweils anderen Urteil über den Text gelangen kann,
  • verschiedene Leute Texte verschieden verstehen und genießen und dass diese Unterschiede mit Faktoren, wie Alter, Geschlecht, wirtschaftlichem Status, persönlichen Erfahrungen usw. zusammenhängen können,
  • die Entscheidung, eine bestimmte Empfängergruppe anzusprechen, Inhalt, Präsentation und Verbreitung des Textes beeinflusst,
  • sich Medientexte an eine Empfängergruppe richten, die die Produzentinnen nicht persönlich kennen und die Auswahl der speziellen Gruppen häufig nach den Angaben der Marktforschung erfolgt,
  • verschiedene Rahmenbedingungen der Mediennutzung die Bedeutung eines Textes für die Empfängergruppe beeinflussen können, z. B. wo man den Text sieht/hört, mit wem, wann, in welcher Stimmung.
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