Medienkompetenz ist eine Schluesselfaehigkeit, die weit ueber den Schulalltag hinausreicht. Wer medienmuendig ist, kann fundierte Entscheidungen treffen, Informationen kritisch bewerten und in vielfaeltigen medialen Umgebungen sicher agieren. Die hier vorgestellten prototypischen Aufgaben uebersetzen den Kompetenzrahmen der 21 Medienkompetenzen in konkrete Unterrichtssituationen. Sie beschreiben, was Schuelerinnen und Schueler im Bereich der Medienbildung wissen und koennen sollen, und bieten erprobte Aufgabenformate fuer die praktische Umsetzung im Klassenzimmer.

Aufbau des Aufgabenhefts

Das Arbeitsheft richtet sich an Lehrkraefte der Sekundarstufe I und II und ist so konzipiert, dass die Aufgaben flexibel in unterschiedlichen Faechern und Unterrichtszusammenhaengen eingesetzt werden koennen. Zu jeder der 21 Kompetenzen finden sich ein oder mehrere Aufgaben, die zusammen ein Spektrum von 32 praxisorientierten Uebungen ergeben.

Jede Aufgabe folgt einem einheitlichen Aufbau:

  • Kompetenzbezug: Welche der 21 Medienkompetenzen wird durch die Aufgabe gefoerdert?
  • Beschreibung: Eine klare Darstellung der Aufgabenstellung und des erwarteten Ergebnisses.
  • Didaktische Hinweise: Empfehlungen fuer die Durchfuehrung im Unterricht, moegliche Varianten und Differenzierungsmoeglichkeiten.
  • Reflexionsfragen: Leitfragen, die nach der Bearbeitung der Aufgabe zur Vertiefung und Sicherung dienen.

Die Kompetenzbereiche im Ueberblick

Analyse und Reflexion

Der erste grosse Aufgabenbereich konzentriert sich auf die Faehigkeit, Medien zu analysieren und zu reflektieren. Schuelerinnen und Schueler lernen hier, mediale Produkte systematisch zu untersuchen und deren Gestaltungsprinzipien zu durchschauen.

Aufgabenbeispiel: Nachrichtenvergleich Schuelerinnen und Schueler waehlen ein aktuelles Thema und vergleichen die Berichterstattung in mindestens drei verschiedenen Medien – etwa einer Tageszeitung, einem Online-Nachrichtenportal und einer Fernsehnachrichtensendung. Sie dokumentieren die Unterschiede in Darstellung, Wortwahl, Bildauswahl und Gewichtung und reflektieren, welche Ursachen diese Unterschiede haben koennten.

Aufgabenbeispiel: Werbebotschaften entschluesseln Die Schuelerinnen und Schueler sammeln Werbebeispiele und analysieren die eingesetzten Strategien. Sie identifizieren die Zielgruppe, die versprochenen Vorteile, die verwendeten Gestaltungsmittel und die zugrunde liegenden Beduerfnisse, an die appelliert wird. Anschliessend verfassen sie einen analytischen Text, der die Ergebnisse zusammenfasst.

Aufgabenbeispiel: Mediendarstellungen von Geschlechterrollen Schuelerinnen und Schueler untersuchen, wie Frauen und Maenner in verschiedenen Medienformaten dargestellt werden – in Werbung, Serien, Nachrichtensendungen oder Computerspielen. Sie sammeln Beispiele, ordnen sie nach Kategorien und diskutieren, welche Rollenbilder vermittelt werden und welche Wirkung dies auf die Wahrnehmung haben kann.

Produktion und Gestaltung

Im zweiten Aufgabenbereich stehen die aktive Mediengestaltung und die Produktion eigener Medienprodukte im Mittelpunkt. Hier erleben Schuelerinnen und Schueler, dass hinter jedem Medienprodukt bewusste Entscheidungen stehen.

Aufgabenbeispiel: Einen Kurzfilm planen und drehen In Gruppen entwickeln Schuelerinnen und Schueler eine kurze Geschichte, verfassen ein Drehbuch, erstellen ein Storyboard und setzen die Geschichte filmisch um. Der Schwerpunkt liegt nicht auf technischer Perfektion, sondern auf dem bewussten Einsatz von Gestaltungsmitteln wie Kameraperspektive, Einstellungsgroesse, Schnitt und Ton.

Aufgabenbeispiel: Podcast produzieren Schuelerinnen und Schueler erstellen einen Podcast zu einem selbst gewaehlten Thema. Sie recherchieren, fuehren gegebenenfalls Interviews, nehmen auf, schneiden und veroeffentlichen ihren Beitrag. Dabei lernen sie, Informationen fuer ein rein auditives Medium aufzubereiten und die spezifischen Gestaltungsmittel des Hoerens gezielt einzusetzen.

Aufgabenbeispiel: Infografik erstellen Zu einem vorgegebenen oder selbst gewaehlten Thema gestalten Schuelerinnen und Schueler eine Infografik, die komplexe Zusammenhaenge visuell verstaendlich darstellt. Sie lernen dabei Grundprinzipien der Informationsvisualisierung und ueberpruefen ihre Ergebnisse auf Klarheit und Genauigkeit.

Verantwortung und Teilhabe

Der dritte Aufgabenbereich befasst sich mit den ethischen und sozialen Dimensionen der Mediennutzung. Schuelerinnen und Schueler setzen sich mit Fragen von Verantwortung, Privatsphaere und demokratischer Teilhabe auseinander.

Aufgabenbeispiel: Faktencheck durchfuehren Die Schuelerinnen und Schueler erhalten eine Reihe von Behauptungen, die in sozialen Medien kursieren. Sie recherchieren mithilfe verschiedener Quellen und Methoden, ob die Behauptungen zutreffen, und dokumentieren ihren Rechercheprozess. Dabei lernen sie Werkzeuge und Strategien kennen, mit denen sich Desinformation erkennen laesst.

Aufgabenbeispiel: Digitale Spuren analysieren Schuelerinnen und Schueler untersuchen, welche Daten sie bei der alltaeglichen Nutzung digitaler Dienste hinterlassen. Sie erstellen ein Profil der Informationen, die ueber sie gesammelt werden koennten, und diskutieren die Auswirkungen auf ihre Privatsphaere. Abschliessend formulieren sie Empfehlungen fuer einen bewussteren Umgang mit persoenlichen Daten.

Aufgabenbeispiel: Online-Debatte fuehren Schuelerinnen und Schueler fuehren eine strukturierte Debatte zu einem kontroversen medienethischen Thema – etwa zur Frage, ob Plattformbetreiber Inhalte loeschen duerfen, oder zur Spannung zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz vor Hassrede. Sie uebernahmen dabei verschiedene Rollen und argumentieren aus unterschiedlichen Perspektiven.

Hinweise zur Durchfuehrung im Unterricht

Differenzierung

Die 32 Aufgaben sind so gestaltet, dass sie an unterschiedliche Leistungsniveaus angepasst werden koennen. Fuer leistungsstaerkere Schuelerinnen und Schueler bieten Vertiefungsfragen zusaetzliche Herausforderungen, waehrend vereinfachte Varianten den Einstieg fuer Lernende mit Unterstuetzungsbedarf erleichtern.

Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit

Die meisten Aufgaben eignen sich sowohl fuer Einzel- als auch fuer Partner- oder Gruppenarbeit. Gerade bei den produktionsorientierten Aufgaben foerdert die Zusammenarbeit in Teams nicht nur die mediale, sondern auch die soziale Kompetenz.

Reflexion als integraler Bestandteil

Jede Aufgabe enthaelt eine Reflexionsphase, in der die Schuelerinnen und Schueler ihre Ergebnisse und ihren Arbeitsprozess ueberdenken. Diese Phase ist kein optionaler Zusatz, sondern ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses. Erst durch die Reflexion wird aus der Aktivitaet eine bewusste Lernerfahrung.

Faecheruebergreifender Einsatz

Die Aufgaben sind bewusst nicht einem einzelnen Fach zugeordnet. Sie koennen im Deutsch-, Fremdsprachen-, Geschichts-, Geografie-, Kunst- oder Informatikunterricht eingesetzt werden. Lehrkraefte waehlen jene Aufgaben aus, die zum aktuellen Unterrichtsthema und zu den Lernzielen passen.

Coaching und Begleitung

Fuer Lehrkraefte, die mit den prototypischen Aufgaben arbeiten moechten, empfiehlt sich ein begleitetes Coaching. In mehrstuendigen Workshops koennen die Aufgaben gemeinsam erprobt, an die spezifischen Rahmenbedingungen der eigenen Schule angepasst und Erfahrungen ausgetauscht werden. Solche Coaching-Formate eignen sich fuer Lehrkraefte aller Faecher und Schulstufen und bieten einen niederschwelligen Einstieg in die kompetenzorientierte Medienbildung.

Besonders wirkungsvoll ist die kollegiale Erprobung: Zwei oder mehr Lehrkraefte arbeiten parallel mit denselben Aufgaben in ihren jeweiligen Klassen und tauschen anschliessend ihre Beobachtungen und Erfahrungen aus. Dieser Austausch foerdert die professionelle Weiterentwicklung und verhindert, dass Medienbildung zur Einzelleistung wird.

Medienkompetenz als Schluesselqualifikation

Die 32 Aufgaben bilden ein umfassendes Werkzeugset fuer den Aufbau von Medienkompetenz im Unterricht. Sie foerdern kritisches Denken, kreatives Gestalten, verantwortungsvolles Handeln und die Faehigkeit zur Teilhabe an der Mediengesellschaft. Gemeinsam decken sie alle 21 Kompetenzen ab und bieten Lehrkraeften die Moeglichkeit, Medienbildung systematisch und aufbauend zu gestalten.

Medienkompetenz ist keine Fertigkeit, die einmal erworben wird und dann fuer immer genuegt. Sie muss kontinuierlich weiterentwickelt werden, weil sich die Medienlandschaft staendig veraendert. Die hier vorgestellten Aufgaben liefern dafuer ein solides Fundament, auf dem Schuelerinnen und Schueler im Laufe ihrer gesamten Bildungslaufbahn aufbauen koennen.