Medienbildung an Schulen gelingt dann am besten, wenn sie nicht dem Zufall oder dem Engagement einzelner Lehrkraefte ueberlassen bleibt, sondern systematisch im Schulprogramm verankert ist. Ein Medienentwicklungsplan bietet den Rahmen dafuer. Er beschreibt, wie eine Schule Medienbildung in allen Fachbereichen und Schulstufen umsetzen will, welche Ziele sie verfolgt, welche Ressourcen sie dafuer benoetigt und wie sie den Erfolg ihrer Bemuerungen ueberpruefen kann.

Warum ein Medienentwicklungsplan?

Viele Schulen fuehren bereits einzelne Medienprojekte durch – eine Projektwoche hier, ein Filmprojekt dort, eine Einheit zur Internetrecherche im Informatikunterricht. Solche Einzelaktivitaeten sind wertvoll, reichen aber nicht aus, um Medienkompetenz bei allen Schuelerinnen und Schuelern systematisch aufzubauen. Ein Medienentwicklungsplan stellt sicher, dass:

  • Alle Schuelerinnen und Schueler Medienbildung erhalten, nicht nur jene in den Klassen engagierter Einzelkaempfer.
  • Kompetenzen aufbauend entwickelt werden, statt in jeder Schulstufe wieder bei Null zu beginnen.
  • Ressourcen effizient eingesetzt werden, von der technischen Ausstattung bis zur Fortbildung der Lehrkraefte.
  • Qualitaet gesichert wird, durch klare Ziele und regelmaessige Evaluation.
  • Das Kollegium gemeinsam an der Medienbildung arbeitet, statt dass wenige Enthusiasten die Last allein tragen.

Phase 1: Bestandsaufnahme

Bevor ein Plan erstellt werden kann, muss der Ist-Zustand erfasst werden. Die Bestandsaufnahme umfasst mehrere Dimensionen:

Technische Ausstattung

Welche Geraete stehen zur Verfuegung – Computer, Laptops, Tablets, Kameras, Mikrofone, Beamer? Wie ist der Zustand der vorhandenen Technik? Gibt es einen zuverlaessigen Internetzugang? Welche Software und welche Lernplattformen werden genutzt?

Kompetenzen im Kollegium

Welche Lehrkraefte verfuegen ueber medienpaedagogische Kompetenzen? Wer hat Erfahrung mit Medienprojekten? Wo gibt es Fortbildungsbedarf? Eine ehrliche Einschaetzung der vorhandenen Kompetenzen ist die Voraussetzung fuer zielgerichtete Personalentwicklung.

Bisherige Medienbildung

Welche medienpaedagogischen Aktivitaeten finden bereits statt? In welchen Faechern und Schulstufen? Gibt es bereits faecheruebergreifende Projekte? Welche Erfahrungen – positive wie negative – wurden gemacht?

Beduerfnisse und Erwartungen

Was wuenschen sich die Schuelerinnen und Schueler? Welche Erwartungen haben die Eltern? Welche Anforderungen stellen die Lehrplaene und uebergeordneten Bildungsziele? Die Einbeziehung verschiedener Perspektiven stellt sicher, dass der Plan nicht an den tatsaechlichen Beduerfnissen vorbei entwickelt wird.

Phase 2: Zielformulierung

Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme werden konkrete Ziele formuliert. Gute Ziele sind spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und zeitgebunden. Beispiele:

  • “Bis zum Ende des naechsten Schuljahres haben alle Schuelerinnen und Schueler der dritten Klasse ein eigenes Medienprodukt erstellt.”
  • “Innerhalb von zwei Jahren nehmen alle Lehrkraefte an mindestens einer medienpaedagogischen Fortbildung teil.”
  • “Im naechsten Schuljahr wird in jedem Fachbereich mindestens eine Unterrichtseinheit mit medienpaedagogischem Schwerpunkt durchgefuehrt.”

Die Ziele sollten sowohl kurzfristige Meilensteine als auch eine langfristige Vision umfassen. Es empfiehlt sich, die Ziele nach den verschiedenen Kompetenzbereichen der Medienbildung zu gliedern – Analyse, Produktion, Reflexion und verantwortungsvolle Nutzung.

Phase 3: Massnahmenplanung

Zu jedem Ziel werden konkrete Massnahmen festgelegt. Die Massnahmenplanung klaert:

Curriculum-Integration

Wie wird Medienbildung in die bestehenden Lehrplaene und Unterrichtsplanungen integriert? Welche Faecher uebernehmen welche Schwerpunkte? Wie wird sichergestellt, dass ein aufbauender Kompetenzerwerb von der ersten bis zur letzten Schulstufe stattfindet?

Ein bewährtes Vorgehen ist die Erstellung einer Kompetenzmatrix, die fuer jede Schulstufe und jedes Fach festhält, welche medienpaedagogischen Kompetenzen dort besonders gefoerdert werden. So wird sichtbar, wo bereits Abdeckung besteht und wo Luecken geschlossen werden muessen.

Fortbildung

Welche Fortbildungsmassnahmen sind erforderlich? Moegliche Formate sind:

  • Interne Workshops: Lehrkraefte mit Medienerfahrung geben ihr Wissen an Kolleginnen und Kollegen weiter.
  • Externe Fortbildungen: Teilnahme an Seminaren, Konferenzen oder Online-Kursen zu medienpaedagogischen Themen.
  • Hospitationen: Lehrkraefte besuchen Schulen, die Medienbildung bereits erfolgreich umsetzen.
  • Begleitetes Coaching: Externe Medienpaedagogen unterstuetzen Lehrkraefte bei der Planung und Durchfuehrung erster Medienprojekte.

Technische Infrastruktur

Welche technischen Anschaffungen oder Verbesserungen sind noetig? Wie wird die Wartung und Aktualisierung der Geraete und Software sichergestellt? Wer ist fuer den technischen Support zustaendig?

Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass Technik allein keine Medienbildung bewirkt. Ein Raum voller Tablets nuetzt wenig, wenn Lehrkraefte nicht wissen, wie sie die Geraete paedagogisch sinnvoll einsetzen koennen. Die Fortbildung des Kollegiums hat daher mindestens denselben Stellenwert wie die technische Ausstattung.

Kooperationen

Welche externen Partner koennen die Medienbildung an der Schule unterstuetzen? Medienpaedagogische Einrichtungen, Bibliotheken, Museen, Medienunternehmen oder Hochschulen koennen wertvolle Beitraege leisten – durch Workshops, Materialien, Expertise oder Praxiseinblicke.

Phase 4: Umsetzung

Die Umsetzung des Medienentwicklungsplans erfordert klare Verantwortlichkeiten und einen realistischen Zeitplan.

Koordination

Eine Koordinationsperson oder ein kleines Team uebernimmt die Steuerung des Prozesses. Diese Person oder Gruppe sorgt dafuer, dass Massnahmen umgesetzt werden, ist Ansprechpartner fuer das Kollegium und haelt den Kontakt zu externen Partnern.

Schrittweises Vorgehen

Es ist ratsam, nicht alle Massnahmen gleichzeitig starten zu wollen, sondern Prioritaeten zu setzen und schrittweise vorzugehen. Erste sichtbare Erfolge motivieren das gesamte Kollegium und schaffen Akzeptanz fuer den weiteren Prozess.

Kommunikation

Der Medienentwicklungsplan und seine Fortschritte sollten im Kollegium, gegenueber den Eltern und gegenueberden Schuelerinnen und Schuelern kommuniziert werden. Transparenz foerdert die Beteiligung und das Engagement aller Beteiligten.

Phase 5: Evaluation und Weiterentwicklung

Ein Medienentwicklungsplan ist kein statisches Dokument, sondern ein lebendiger Prozess, der regelmaessig ueberprueft und angepasst werden muss.

Ziele ueberpruefen

Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Welche Ziele muessen angepasst werden? Was hat gut funktioniert und was nicht? Dafuer koennen verschiedene Evaluationsmethoden eingesetzt werden – von einfachen Befragungen ueber die Analyse von Schuelerarbeiten bis hin zu kollegialen Unterrichtsbesuchen.

Erfahrungen sichern

Die gesammelten Erfahrungen sollten dokumentiert und fuer das gesamte Kollegium zugaenglich gemacht werden. Was hat sich bei einem Medienprojekt bewaehrt? Welche Stolpersteine gibt es? Welche Materialien und Methoden koennen weiterempfohlen werden?

Plan fortschreiben

Auf der Grundlage der Evaluationsergebnisse wird der Plan fortgeschrieben. Neue Ziele werden formuliert, Massnahmen angepasst und der naechste Entwicklungszyklus beginnt. Medienbildung ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein fortlaufender Prozess der Schulentwicklung.

Erfolgsfaktoren

Die Erfahrung zeigt, dass folgende Faktoren massgeblich zum Gelingen eines Medienentwicklungsplans beitragen:

  • Unterstuetzung durch die Schulleitung: Ohne die aktive Unterstuetzung der Schulleitung bleibt ein Medienentwicklungsplan ein Stueck Papier. Die Schulleitung muss Medienbildung als Prioritaet kommunizieren und die noetigen Ressourcen bereitstellen.
  • Beteiligung des gesamten Kollegiums: Medienbildung ist keine Aufgabe fuer Einzelkaempfer. Alle Lehrkraefte muessen einbezogen werden – entsprechend ihren Staerken und Moeglichkeiten.
  • Realistische Zeitplanung: Veraenderungen brauchen Zeit. Ein Medienentwicklungsplan sollte in ueberschaubaren Etappen umgesetzt werden, mit klaren Meilensteinen und genuegend Zeit fuer Erprobung und Anpassung.
  • Schuelerinnen und Schueler einbeziehen: Die Lernenden sind die wichtigsten Adressaten des Plans. Ihre Beduerfnisse, Interessen und Rueckmeldungen sollten in die Planung einfliessen.
  • Fehlerkultur zulassen: Nicht alles wird beim ersten Versuch gelingen. Eine offene Fehlerkultur, in der Schwierigkeiten als Lernchancen betrachtet werden, ist fuer die erfolgreiche Umsetzung unverzichtbar.

Ein gut durchdachter und sorgfaeltig umgesetzter Medienentwicklungsplan verwandelt Medienerziehung von einer Zusatzaufgabe in einen integralen Bestandteil der Schulkultur. Er schafft die Voraussetzungen dafuer, dass alle Schuelerinnen und Schueler die Medienkompetenz erwerben, die sie fuer ein selbstbestimmtes Leben in der Mediengesellschaft brauchen.