Kinder in der Primarstufe befinden sich in einer Lebensphase, in der die Grundlagen fuer den Umgang mit Medien gelegt werden. Sie sind von klein auf von medialen Angeboten umgeben und bringen vielfaeltige, oft unbewusste Medienerfahrungen in die Schule mit. Das Material “Ich und Medien” greift diese Erfahrungen auf und macht sie zum Ausgangspunkt fuer eine spielerische, altersgerechte Medienbildung. Es richtet sich an Lehrkraefte der Volksschule und bietet erprobte Uebungen und Impulse, die sich flexibel in den Unterricht integrieren lassen.
Grundgedanke: Von der eigenen Erfahrung ausgehen
Der Titel “Ich und Medien” beschreibt den paedagogischen Zugang: Im Mittelpunkt steht das einzelne Kind mit seinen persoenlichen Medienerfahrungen. Statt mit abstrakten Begriffen oder Warnungen zu beginnen, setzt das Material bei dem an, was Kinder kennen und moegen. Welche Sendung siehst du gerne? Was spielst du am liebsten am Tablet? Hast du ein Lieblingsbuch? Solche Fragen oeffnen einen Gespraechsraum, in dem sich Kinder ernst genommen fuehlen und gerne von ihrem Medienalltag erzaehlen.
Dieser Zugang folgt einer wichtigen paedagogischen Einsicht: Medienerziehung gelingt am besten, wenn sie an die Lebenswelt der Lernenden anknuepft. Kinder sind keine unbeschriebenen Blaetter, wenn es um Medien geht. Sie haben bereits Vorlieben entwickelt, kennen Figuren und Geschichten, haben Lieblingsmusik und wissen, wie ein Touchscreen funktioniert. Diese Vorkenntnisse sind keine Stoerung, sondern eine wertvolle Ressource fuer den Unterricht.
Themenfeld 1: Mein Medienalltag
Medientagebuch
Kinder fuehren ueber mehrere Tage ein einfaches Medientagebuch. Dafuer stehen kindgerechte Vorlagen zur Verfuegung, auf denen die Kinder mit Symbolen und Bildern festhalten, welche Medien sie im Laufe des Tages nutzen. Anschliessend werten sie ihre Tagebuechern gemeinsam aus: Welche Medien nutzen wir am haefigsten? Gibt es Unterschiede zwischen Werktagen und dem Wochenende? Was machen wir stattdessen, wenn wir keine Medien nutzen?
Medien in meiner Umgebung
Die Kinder erkunden ihre Umgebung und sammeln Beispiele fuer Medien, die ihnen begegnen – von der Schulbibliothek ueber Plakate auf dem Schulweg bis hin zum Radio in der Kueche. Sie fotografieren oder zeichnen ihre Funde und praesentieren sie der Klasse. Diese Uebung macht bewusst, wie allgegenwaertig Medien im Alltag sind.
Lieblingsmedien vorstellen
Jedes Kind stellt ein Lieblingsmedium vor – ein Buch, eine Sendung, ein Spiel, ein Hoerspiel. Es beschreibt, was ihm daran gefaellt, und die anderen Kinder duerfen Fragen stellen. Diese einfache Uebung foerdert die Ausdrucksfaehigkeit und schafft ein Klima der Wertschaetzung fuer unterschiedliche Medienvorlieben.
Themenfeld 2: Bilder und Geschichten
Bilder lesen lernen
Kinder untersuchen Bilder aus Zeitschriften, Buechern oder dem Internet. Was ist auf dem Bild zu sehen? Was ist nicht zu sehen? Wer hat das Bild gemacht und warum? Schon auf dieser einfachen Ebene beginnt die Bildanalyse, die in spaeteren Schulstufen vertieft wird.
Eine besonders wirkungsvolle Uebung: Die Kinder sehen denselben Gegenstand oder dieselbe Szene aus verschiedenen Blickwinkeln fotografiert und erkennen, wie stark die Perspektive die Wirkung eines Bildes veraendert.
Geschichten in verschiedenen Medien
Eine Geschichte wird in verschiedenen medialen Formen praesentiert – als vorgelesenes Bilderbuch, als Hoerspiel, als animierter Kurzfilm. Die Kinder vergleichen die Versionen: Welche hat dir am besten gefallen? Was war bei jeder Version anders? Was hat sich gleich angefuehlt? Durch solche Vergleiche entwickeln Kinder ein erstes Verstaendnis dafuer, dass verschiedene Medien dieselbe Geschichte auf unterschiedliche Weise erzaehlen.
Eigene Geschichten gestalten
Kinder erfinden eigene Geschichten und setzen sie medial um – als Bildergeschichte, als kleine Theaterauffuehrung, als Hoerspiel mit selbst erzeugten Geraeuschen oder als Fotogeschichte. Dabei erleben sie, wie aus einer Idee ein Medienprodukt wird, und erfahren am eigenen Leib, dass Medien gemacht werden.
Themenfeld 3: Werbung und Konsum
Werbung erkennen
Kinder lernen, Werbung als solche zu erkennen – im Fernsehen, auf Plakaten, in Zeitschriften, im Internet und sogar auf ihren Schultaschen und Kleidungsstuecken. Sie sammeln Beispiele und sortieren sie: Wo begegnet uns Werbung? Was verspricht die Werbung? Stimmt das, was versprochen wird?
Werbung selbst gestalten
Kinder erfinden ein Fantasieprodukt und gestalten dafuer eine Werbung – ein Plakat, einen kurzen Werbespot oder einen Radiospot. Diese kreative Aufgabe macht auf spielerische Weise deutlich, wie Werbung funktioniert: Man muss sich ueberlegen, wen man ansprechen moechte, welches Versprechen man macht und wie man Aufmerksamkeit erzeugt.
Themenfeld 4: Kreativ mit Medien
Fotoexperimente
Mit einfachen Kameras oder Tablets fuehren die Kinder Fotoexperimente durch. Sie fotografieren denselben Gegenstand von oben, von unten, von nah und von fern und vergleichen die Ergebnisse. Sie experimentieren mit Licht und Schatten, mit Farben und Formen. Diese spielerischen Uebungen foerdern die visuelle Wahrnehmung und die Freude am Gestalten.
Hoerexperimente
Die Kinder schliessen die Augen und hoeren aufmerksam zu: Was hoerst du im Klassenzimmer? Was hoerst du auf dem Schulhof? Sie sammeln Geraeusche, ordnen sie und versuchen, mit einfachen Mitteln eigene Geraeusche zu erzeugen. Anschliessend unterlegen sie eine kurze Geschichte mit passenden Klaengen und erleben, wie stark Geraeusche die Wirkung einer Erzaehlung beeinflussen.
Collagen und Bildmontagen
Kinder schneiden Bilder aus Zeitschriften aus und setzen sie zu neuen Bildern zusammen. Dabei koennen lustige, raeselhafte oder nachdenkliche Collagen entstehen. Diese Uebung foerdert die Kreativitaet und macht gleichzeitig deutlich, dass Bilder veraendert und neu zusammengesetzt werden koennen – eine wichtige Vorbereitung auf spaetere Themen wie Bildbearbeitung und Bildmanipulation.
Themenfeld 5: Medien und Gefuehle
Wie fuehle ich mich nach dem Fernsehen?
Kinder sprechen darueber, welche Gefuehle verschiedene Medienerlebnisse bei ihnen ausloesen. Was macht dir Freude? Was macht dir Angst? Was findest du langweilig? Dieses Gespraech erfordert ein vertrauensvolles Klima und wird von der Lehrkraft behutsam moderiert. Ziel ist nicht die Bewertung von Medienerlebnissen, sondern die Faehigkeit, eigene Gefuehle wahrzunehmen und auszudruecken.
Entspannung und Medien
Kinder erleben Aktivitaeten, die Entspannung foerdern – etwa das konzentrierte Ausmalen eines Mandalas bei sanfter Musik. Anschliessend sprechen sie ueber ihre Erfahrungen: Konntest du dich entspannen? Was hat dir dabei geholfen? Diese Erfahrungen koennen mit der Frage verknuepft werden, welche Medien uns entspannen und welche uns eher aufregen oder unruhig machen.
Hinweise fuer Lehrkraefte
Kein erhobener Zeigefinger
Das Material “Ich und Medien” vermeidet bewusst eine bewahrpaedagogische Haltung. Es geht nicht darum, Mediennutzung zu verbieten oder zu verurteilen, sondern darum, Kinder in ihrer Medienkompetenz zu staerken. Kinder sollen erleben, dass ihre Medienerfahrungen in der Schule willkommen sind.
Eltern einbeziehen
Medienbildung in der Primarstufe ist besonders wirksam, wenn Eltern einbezogen werden. Elternabende zum Thema Medien, gemeinsame Medienprojekte oder Informationsblaetter koennen dazu beitragen, eine Bruecke zwischen schulischer Medienbildung und dem Medienalltag zu Hause zu schlagen.
Flexibel einsetzen
Die Uebungen und Impulse sind modular aufgebaut und koennen einzeln oder als zusammenhaengende Einheit eingesetzt werden. Lehrkraefte waehlen jene Bausteine aus, die zu ihrer Klasse, ihrem Fach und den aktuellen Beduerfnissen passen. Die Materialien eignen sich fuer alle vier Schulstufen der Volksschule, wobei der Schwierigkeitsgrad durch die Art der Reflexionsfragen und die Komplexitaet der Gestaltungsaufgaben variiert werden kann.
Das Material “Ich und Medien” legt ein solides Fundament fuer die Medienbildung in den weiterfuehrenden Schulen. Kinder, die frueh gelernt haben, ueber ihre Medienerfahrungen nachzudenken und sich kreativ mit Medien auseinanderzusetzen, sind bestens vorbereitet fuer die anspruchsvolleren Aufgaben der Mittelstufe und Oberstufe.