Die Mittelstufe – also die Sekundarstufe I mit der fuenften bis achten Schulstufe – ist eine Phase des Uebergangs. Schuelerinnen und Schueler in diesem Alter beginnen, sich eigenstaendig in der Medienwelt zu bewegen. Viele besitzen bereits ein eigenes Smartphone, sind in sozialen Netzwerken aktiv und nutzen das Internet fuer Unterhaltung, Kommunikation und zunehmend auch fuer schulische Zwecke. Medienerziehung in der Mittelstufe baut auf den spielerischen Grundlagen der Volksschule auf und fuehrt zu einer vertieften, zunehmend analytischen Auseinandersetzung mit Medien.

Leitgedanken fuer die Mittelstufe

In dieser Altersgruppe stehen drei zentrale Zielsetzungen im Mittelpunkt:

  • Kritische Medienanalyse: Schuelerinnen und Schueler lernen, mediale Botschaften systematisch zu untersuchen und deren Absichten und Wirkungen zu durchschauen.
  • Erste eigene Medienproduktionen: Durch die Gestaltung eigener Medienprodukte vertiefen die Lernenden ihr Verstaendnis medialer Gestaltungsmittel und erleben sich als aktive Mediengestalter.
  • Soziale Medien und digitale Kommunikation: Der bewusste und verantwortungsvolle Umgang mit sozialen Netzwerken, Messengerdiensten und anderen digitalen Kommunikationsformen wird zum zentralen Thema.

Facheruebergreifende Anknuepfungspunkte

Deutsch

Der Deutschunterricht ist ein natuerlicher Schwerpunkt fuer Medienerziehung in der Mittelstufe. Schuelerinnen und Schueler analysieren Zeitungstexte, vergleichen die Berichterstattung verschiedener Medien ueber dasselbe Ereignis und erkennen dabei, wie unterschiedlich Sprache eingesetzt wird, um bestimmte Wirkungen zu erzielen.

Ein besonders ergiebiges Thema ist die Analyse von Schlagzeilen. Schuelerinnen und Schueler vergleichen Titelseiten verschiedener Tageszeitungen und untersuchen: Welche Nachrichten werden gross aufgemacht? Welche Sprache wird verwendet? Welche Bilder begleiten den Text? Diese Uebung schult nicht nur die sprachliche Kompetenz, sondern auch das Verstaendnis fuer die Funktionsweise von Nachrichtenmedien.

Auch das Verfassen eigener journalistischer Texte – Nachrichten, Kommentare, Interviews, Reportagen – foerdert die Medienkompetenz. Wer selbst einen Nachrichtentext schreiben muss, versteht die Herausforderungen besser, vor denen professionelle Journalisten stehen.

Mathematik

Auch in der Mathematik finden sich Anknuepfungspunkte fuer Medienerziehung. Die kritische Analyse von Diagrammen und Statistiken in Medien ist ein naheliegendes Beispiel. Schuelerinnen und Schueler lernen, wie Darstellungen manipuliert werden koennen – etwa durch verzerrte Achsen, unvollstaendige Daten oder irrefuehrende Prozentwerte. Sie ueberpruefen statistische Angaben in Zeitungsartikeln und entwickeln ein Gespuer dafuer, wann Zahlen glaubwuerdig sind und wann nicht.

Die Durchfuehrung und statistische Auswertung eigener Umfragen – etwa zur Mediennutzung in der Klasse – verbindet mathematische Methoden mit medienpaedagogischen Fragestellungen.

Englisch und Fremdsprachen

Der Fremdsprachenunterricht bietet die Moeglichkeit, Medien in einer anderen Sprache zu erleben und zu analysieren. Schuelerinnen und Schueler vergleichen die Berichterstattung englischsprachiger und deutschsprachiger Medien, untersuchen Werbeslogans in verschiedenen Sprachen oder verfassen eigene englischsprachige Medienbeitraege.

Aufgaben wie “The role of the media in my life” regen dazu an, in der Fremdsprache ueber die persoenliche Mediennutzung zu reflektieren und dabei sowohl sprachliche als auch medienpaedagogische Ziele zu verfolgen.

Geografie und Geschichte

In Geografie und Geschichte laesst sich hervorragend untersuchen, wie Medien unser Bild von Laendern und Epochen praegen. Woher beziehen wir unser Wissen ueber fremde Laender? Welche Stereotypen werden durch mediale Darstellungen verfestigt? Die Analyse von Reiseprospekten, Nachrichtenbeitraegen und Dokumentarfilmen zeigt, wie selektiv und konstruiert mediale Darstellungen sind.

Im Geschichtsunterricht koennen historische Medien – alte Zeitungen, Propagandaplakate, fruehe Filmaufnahmen – analysiert werden. Schuelerinnen und Schueler erfahren, dass Medien immer auch ein Spiegel ihrer Zeit sind und dass die Faehigkeit zur Quellenkritik fuer das Verstaendnis von Geschichte unverzichtbar ist.

Schwerpunkt: Werbeanalyse

Werbung ist ein ideales Thema fuer die Medienerziehung in der Mittelstufe, weil sie allgegenwaertig ist und gleichzeitig anschauliche Beispiele fuer mediale Gestaltungstechniken liefert.

Visuelle Analyse

Schuelerinnen und Schueler untersuchen Werbebilder: Welche Farben werden verwendet? Welche Personen sind abgebildet und in welcher Pose? Welche Beziehung besteht zwischen Bild und Text? Durch Vergleich und Veraenderung von Werbebildern – etwa durch Austausch des Slogans oder Veraenderung der Farbgebung – wird die Wirkung gestalterischer Entscheidungen unmittelbar erfahrbar.

Sprachliche Analyse

Die Sprache der Werbung bietet reichhaltiges Material fuer die sprachliche Analyse. Schuelerinnen und Schueler untersuchen rhetorische Mittel wie Wiederholungen, Uebertreibungen, Metaphern und Appelle. Sie erkennen, wie Werbetexte durch bewusste Wortwahl Beduerfnisse wecken und Kaufanreize schaffen.

Eigene Werbegestaltung

Nachdem Werbung analysiert wurde, gestalten die Schuelerinnen und Schueler selbst Werbung – fuer ein reales oder erfundenes Produkt, fuer sich selbst (“Werbung in eigener Sache”) oder als Parodie bestehender Werbung. Durch diesen Wechsel von der Analyse zur Produktion festigt sich das Verstaendnis medialer Gestaltungsprinzipien.

Schwerpunkt: Soziale Medien und digitale Kommunikation

Fuer Jugendliche in der Mittelstufe sind soziale Medien ein zentraler Bestandteil des Alltags. Die Schule hat die Aufgabe, einen reflektierten Umgang damit zu foerdern, ohne die Mediennutzung der Schuelerinnen und Schueler zu verurteilen.

Wichtige Themen in diesem Bereich sind:

  • Selbstdarstellung im Netz: Wie praesentiere ich mich online? Welches Bild moechte ich von mir vermitteln? Was ist der Unterschied zwischen meiner Online-Identitaet und meinem realen Selbst?
  • Cybermobbing: Was ist Cybermobbing und wie unterscheidet es sich von Konflikten im realen Leben? Wie kann ich mich schuetzen und wie kann ich anderen helfen?
  • Privatsphaere und Datenschutz: Welche Informationen gebe ich online preis? Wer kann meine Daten sehen und nutzen? Was bedeutet “das Internet vergisst nichts”?
  • Kommunikationsregeln: Wie kommuniziere ich respektvoll in Chats und Foren? Wie vermeide ich Missverstaendnisse in der schriftlichen Kommunikation?

Praktische Projektideen fuer die Mittelstufe

Schuelerzeitung oder Schulblog

Die Gestaltung einer Schuelerzeitung – ob gedruckt oder digital – ist eines der wirkungsvollsten Medienprojekte fuer diese Altersgruppe. Schuelerinnen und Schueler uebernehmen verschiedene redaktionelle Rollen, recherchieren Themen, fuehren Interviews, verfassen Artikel, gestalten das Layout und erleben den gesamten Produktionsprozess.

Fotogeschichten und Fotoroman

Ein Fotoroman verbindet Storytelling mit visueller Gestaltung. Schuelerinnen und Schueler entwickeln eine Geschichte, inszenieren sie fuer die Kamera und setzen die Bilder mit Sprechblasen und Text zu einer Erzaehlung zusammen. Dabei setzen sie sich mit Bildkomposition, Erzaehlperspektive und dem Zusammenspiel von Bild und Text auseinander.

Fernsehprogramm- und Nachrichtenanalyse

Schuelerinnen und Schueler dokumentieren und analysieren das Fernsehprogramm eines Abends oder vergleichen die Hauptnachrichtensendungen verschiedener Sender. Sie untersuchen die Reihenfolge der Beitraege, die verwendeten Bilder und die Gewichtung der Themen.

E-Mail-Projekte und digitale Kommunikation

Partnerklassenprojekte per E-Mail verbinden Medienkompetenz mit interkulturellem Lernen und Sprachfoerderung. Schuelerinnen und Schueler lernen die Konventionen formeller und informeller digitaler Kommunikation kennen und ueben den angemessenen Umgang mit dem Medium.

Bewertung und Reflexion

In der Mittelstufe gewinnt die Reflexion des eigenen Lernprozesses an Bedeutung. Nach jedem Medienprojekt sollte eine Phase der gemeinsamen Auswertung stehen: Was haben wir gelernt? Was hat gut funktioniert? Was wuerden wir naechstes Mal anders machen? Diese Reflexionsphasen foerdern nicht nur die Medienkompetenz, sondern auch die Faehigkeit zum selbstgesteuerten Lernen.

Die in der Mittelstufe erworbenen analytischen und produktiven Kompetenzen bilden die Grundlage fuer die vertiefte Auseinandersetzung mit Medien in der Oberstufe, wo theoretische Reflexion, eigenstaendige Projektarbeit und die Vorbereitung auf muendiges Handeln in der Mediengesellschaft in den Vordergrund ruecken.