Kinder im Volksschulalter bringen bereits eine Fuelle von Medienerfahrungen mit in den Unterricht. Sie kennen Zeichentrickserien, nutzen Tablets, hoeren Hoerbuecher und beobachten, wie Erwachsene mit Smartphones umgehen. Diese alltaeglichen Erfahrungen bilden den natuerlichen Ausgangspunkt fuer Medienerziehung in der Grundstufe. Der Ansatz lautet: Dort ansetzen, wo die Kinder stehen, und von der eigenen Medienwelt ausgehend Schritt fuer Schritt ein bewussteres Verhaeltnis zu Medien aufbauen.

Der Ansatz “Ich und Medien”

Im Mittelpunkt der Medienerziehung auf der Grundstufe steht die persoenliche Beziehung des Kindes zu seinen Medien. Der Ansatz “Ich und Medien” beginnt mit einfachen Fragen: Welche Medien benutzt du? Was gefaellt dir daran? Wie fuehlst du dich, wenn du lange fernsiehst? Diese Fragen erfordern kein spezielles Vorwissen, sondern laden die Kinder ein, ueber etwas zu sprechen, das sie gut kennen – ihren eigenen Alltag.

Durch das gemeinsame Gespraech ueber Medienerfahrungen entsteht ein geschuetzter Raum, in dem Kinder lernen, ihre Wahrnehmungen zu artikulieren und die Erfahrungen anderer kennenzulernen. Dabei wird rasch deutlich, dass verschiedene Kinder ganz unterschiedliche Medienvorlieben und Mediengewohnheiten haben – ein wertvoller Anlass fuer erste Reflexionen.

Medienerziehung im Fach Deutsch

Der Deutschunterricht bietet zahlreiche natuerliche Anknuepfungspunkte fuer Medienerziehung. Kinder vergleichen eine Geschichte in Buchform mit deren Verfilmung und entdecken dabei, wie unterschiedlich dieselbe Handlung erzaehlt werden kann. Sie beschreiben Bilder aus Zeitschriften, erzaehlen von Sendungen, die sie gesehen haben, oder verfassen eigene kleine Texte zu Medienerlebnissen.

Besonders ertragreich ist die Arbeit mit Bilderbuechern und deren medialen Umsetzungen. Wenn Kinder ein Bilderbuch zunaechst vorgelesen bekommen und anschliessend die Hoerbuchversion oder einen animierten Kurzfilm dazu erleben, koennen sie die Unterschiede benennen: Was war anders? Was hat dir besser gefallen? Welche Version hat dich mehr beruehrt? Solche Vergleiche schulen das genaue Hinsehen und Hinhoeren und legen den Grundstein fuer spaetere Medienanalyse.

Medienerziehung im Sachunterricht

Im Sachunterricht koennen Kinder erforschen, welche Medien es in ihrer Umgebung gibt. Eine Medienrallye durch die Schule oder den Wohnort macht sichtbar, wo ueberall Medien eine Rolle spielen – von der Anzeigentafel am Schultor ueber Plakate im Ort bis hin zu den Buechern in der Schulbibliothek.

Auch das Thema “Wie Nachrichten entstehen” laesst sich altersgerecht aufbereiten. Kinder koennen in einem Rollenspiel eine einfache Nachrichtensendung gestalten und erleben dabei, dass Nachrichten nicht einfach passieren, sondern von Menschen ausgewaehlt und aufbereitet werden. Wer bestimmt, was berichtet wird? Was passiert mit Ereignissen, ueber die niemand berichtet? Diese Fragen wecken ein erstes Verstaendnis fuer die Konstruiertheit medialer Berichterstattung.

Medienerziehung in Musik und Bildnerischer Erziehung

Die musisch-kuenstlerischen Faecher sind fuer die Medienerziehung auf der Grundstufe besonders bedeutsam, weil sie spielerische und kreative Zugaenge ermoeglichen.

Bildnerische Erziehung

Im Bereich der Bildnerischen Erziehung setzen sich Kinder mit dem visuellen Aspekt von Medien auseinander. Sie untersuchen Bilder in Zeitschriften, gestalten eigene Collagen aus Werbebildern, malen ihre Lieblingsfiguren aus dem Fernsehen oder entwerfen ein Plakat fuer ein erfundenes Produkt. Durch das eigene Gestalten erfahren die Kinder unmittelbar, dass Bilder gemacht werden – dass jemand entscheidet, was gezeigt wird und wie es gezeigt wird.

Ein besonders wirksames Projekt ist die Arbeit mit Mandalas und anderen strukturierten Gestaltungsaufgaben. Wenn Kinder waehrend des Malens Musik hoeren und anschliessend ueber ihre Erfahrungen sprechen – Konntest du dich entspannen? Welche Farben hast du gewaehlt? – entsteht eine Verbindung zwischen kreativem Schaffen und Selbstreflexion, die weit ueber den Medienbereich hinausreicht.

Musik

Im Musikunterricht koennen Kinder auf die Geraeusche ihrer Umgebung achten lernen. Was hoerst du auf dem Schulweg? Welche Rolle spielt Musik im Fernsehen? Warum klingt Werbung anders als eine Nachrichtensendung? Kinder entdecken, dass Klaenge und Musik in Medien gezielt eingesetzt werden, um Stimmungen zu erzeugen.

Einfache Klangexperimente – etwa das Unterlegen eines Bilderbuches mit selbst erzeugten Geraeuschen – machen die Wirkung von Ton auf die Wahrnehmung erfahrbar. Die Kinder erleben, wie derselbe Inhalt durch unterschiedliche Vertonung voellig verschiedene Wirkungen entfalten kann.

Praktische Projektideen fuer die Grundstufe

Medientagebuch fuehren

Kinder dokumentieren ueber eine Woche, welche Medien sie taeglich nutzen. Dafuer koennen einfache Symbole oder Sticker verwendet werden. Anschliessend wird gemeinsam ausgewertet: Welche Medien nutzen wir am meisten? Gibt es Unterschiede zwischen Schultagen und dem Wochenende?

Fotogeschichte erzaehlen

Mit einer einfachen Kamera oder einem Tablet fotografieren die Kinder eine kleine Geschichte in mehreren Bildern. Sie lernen dabei, dass die Reihenfolge der Bilder wichtig ist, dass der Bildausschnitt die Wirkung beeinflusst und dass eine Geschichte einen Anfang, eine Mitte und ein Ende braucht.

Schuelerzeitung gestalten

Schon in der Volksschule koennen Kinder einfache Beitraege fuer eine Schuelerzeitung verfassen und illustrieren. Sie erleben dabei den gesamten Prozess von der Idee ueber die Gestaltung bis zur Veroeffentlichung und erfahren, wie Auswahl und Darstellung zusammenwirken.

Werbung entdecken

Kinder sammeln Werbebeispiele und ordnen sie: Werbung im Fernsehen, auf Plakaten, in Zeitschriften, im Internet. Sie ueberlegen, was die Werbung verspricht und ob sie das Versprechen einhalten kann. Eine besonders anregende Uebung besteht darin, selbst eine Werbung fuer ein erfundenes Produkt zu gestalten.

Grundhaltungen der Medienerziehung auf der Grundstufe

Fuer die Medienerziehung in der Volksschule sind einige Grundhaltungen besonders wichtig:

  • Neugier statt Verbote: Medienerziehung soll die Neugier der Kinder aufgreifen und nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommen. Es geht nicht darum, Mediennutzung zu verbieten, sondern sie bewusster zu gestalten.
  • Erfahrung vor Theorie: Auf der Grundstufe stehen konkrete Erfahrungen und Aktivitaeten im Vordergrund. Abstrakte Theorien ueber Medien sind fuer diese Altersgruppe noch nicht angemessen.
  • Ausdruck foerdern: Kinder sollen ermutigt werden, ueber ihre Medienerfahrungen zu sprechen, zu schreiben, zu zeichnen und zu gestalten. Jede Form des Ausdrucks ist willkommen.
  • Vertrauen schaffen: Ein wertschaetzendes Gespraechsklima ist die Voraussetzung dafuer, dass Kinder auch ueber schwierige Medienerlebnisse sprechen – etwa ueber Inhalte, die sie verstaerkt oder veraengstigt haben.

Verknuepfung mit den Unterrichtsprinzipien

Medienerziehung in der Grundstufe ist eng mit anderen Unterrichtsprinzipien verknuepft. Sie beruehrt die Gesundheitserziehung (Bildschirmzeit und Wohlbefinden), die musische Erziehung (kreatives Gestalten), die Erziehung zur Gleichstellung (Geschlechterbilder in Medien) und die Verkehrserziehung (Ablenkung durch Medien im Strassenverkehr). Diese Querverbindungen zeigen, dass Medienerziehung kein Zusatzthema ist, sondern ein integraler Bestandteil ganzheitlicher Bildung auf der Grundstufe.

Die hier vorgestellten Aktivitaeten und Zugaenge bilden ein Fundament, auf dem in der Mittelstufe und Oberstufe aufgebaut werden kann. Je solider dieses Fundament gelegt wird, desto leichter finden Schuelerinnen und Schueler spaeter Zugang zu vertiefter Medienanalyse und eigenstaendiger Medienproduktion.