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Desinformation
Desinformation ist eine Gefahr für uns alle. Wie funktioniert Desinformation und warum ist es wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?

 

Desinformation

Was ist Desinformation?
Wir starten mit Wikipedia und überprüfen, ob die hier vorgestellte Definition Sinn ergibt: 

„Desinformation ist die gezielte Verbreitung falscher oder irreführender Informationen. Motivation der Desinformation ist meist die Beeinflussung der öffentlichen Meinung bzw. von Gruppen oder Einzelpersonen, um ein bestimmtes politisches oder wirtschaftliches Anliegen des Verbreitenden zu unterstützen.“

Begriffe und ihre Bedeutung
Vorsicht: Auch wir präsentieren hier nur einen Ausschnitt aus der uns umgebenden Realität, der weder neutral noch objektiv von uns in Augenschein genommen werden kann. Unser Interesse hier ist, auf einige Phänomene des Themas „Desinformation“ hinzuweisen – und zur eigenen Reflexion anzustiften. Schauen wir uns einige wichtige Begriffe näher an.

Fake News
Heute wird alles Mögliche mit dem Etikett „Fake News” versehen: Unbewusste oder aus Schlampigkeit entstandene Falschmeldungen genauso wie bewusste Fehlinformationen. Zusätzlich dient der Begriff als abfällige Bezeichnung für faktisch korrekte, aber missliebige Berichterstattung. 

Neben dem eher schwammigen Begriff „Fake News“ bezeichnet „Desinformation“ falsche oder irreführende Nachrichten, die gezielt in Umlauf gebracht werden. Entweder um die Öffentlichkeit zu täuschen, oder um eine wirtschaftliche oder politische Agenda zu befördern. Die Bandbreite von Desinformation reicht von irreführend oder verkürzt dargestellten Fakten, über falsche Verknüpfungen von Bildern und Inhalten, bis hin zu gänzlich erfundenen Sachverhalten.

Das Informations-Desinformations-Paradox
Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen führt die Konjunktur der Desinformation auf eine veränderte Informationssituation zurück, in der Ungewissheit zum medial produzierten Dauerzustand wird: "Sehr viel Information unklarer Herkunft aus diffusen Quellen führt dazu, dass sich Gerüchte und Falschnachrichten leichter verfangen. Wir Menschen wollen Gewissheit, können sie doch nicht herstellen und versuchen sie verzweifelt, verstört, wütend zu konstruieren. Was sich hier zeigt, ist eine Art Informations-Desinformations-Paradox. Immer mehr Information macht die erfolgreiche Desinformation wahrscheinlicher."

Der eigene Informationsraum als Ziel
Selten zuvor waren dermaßen viele Falschinformationen im Umlauf, häufig gekoppelt mit feindseligen Absichten oder kruden Unterstellungen. Das hat vor allem mit der fundamentalen Veränderung der gesamten Informationsstruktur der Gesellschaft zu tun. Lange Zeit konnten nur sogenannte „Gatekeeper“ beschließen, welche Nachrichten veröffentlicht werden und welche nicht. Aufgrund des digitalen Wandels können heutzutage viele einzelne Personen darüber entscheiden.

Gleichzeitig wird die Zahl jener Menschen größer, die sich von traditionellen Medien abwenden. Dies hat zur Folge, dass sich Menschen ihre individuellen Informationsräume zusammenstellen. Genau auf diese Informationsräume zielen wiederum diverse Akteure ab. Dort verbreiten Extremisten radikale und menschenfeindliche Botschaften und versuchen junge Menschen für ihre Sache zu gewinnen. Die Ziele dahinter sind dieselben: Demokratische Einrichtungen sollen geschwächt und die Glaubwürdigkeit bestimmter Medien untergraben werden.

Emotion schlägt Information
Um diese Ziele zu erreichen, werden Feindbilder aufgebaut, Menschen diffamiert und Medien pauschal der Lüge bezichtigt. Es werden Spekulationen und halbwahre Geschichten in Umlauf gebracht, die Angst oder Wut auslösen und bestimmte Vorurteile bedienen sollen. Je häufiger diese Stories geteilt werden und in den Newsfeeds auftauchen, desto eher neigt man dazu, sie zu glauben: An Geschichten, die mehrmals in verschiedenen Beiträgen auftauchen, wird schließlich etwas dran sein, oder? Diesen gezielt platzierten Falschnachrichten nachträglich beizukommen ist schwer, da die Richtigstellungen seltener geteilt werden als die falschen Ursprungsbeiträge.

Desinformation im Internet ist zu einem Problem für die Demokratie geworden. Jede/r Einzelne ist gefragt zu verstehen, wie diese Form der Manipulation funktioniert.

Literatur
Michael Butter, Nichts ist, wie es scheint - Über Verschwörungstheorien, Suhrkamp Verlag Berlin 2018
Bernhard Pörksen, Die große Gereiztheit, Carl Hanser Verlag München 2017
Roberto Simanowski, Stumme Medien – Vom Verschwinden der Computer in Bildung und Gesellschaft, Matthes & Seitz Berlin 2018