Aufgabe 6: Medien und Gesellschaft – Clickbait verstehen und kreativ nutzen
Reisserische Ueberschriften, dramatische Bilder, Saetze wie “Das wirst du nicht glauben!” – solche Elemente begegnen uns taeglich im Netz. Man nennt sie Clickbait: Inhalte, die gezielt neugierig machen und zum Anklicken verleiten sollen. Die tatsaechliche Geschichte dahinter ist oft weit weniger spektakulaer als der Titel verspricht – oder sogar frei erfunden. In dieser Aufgabe dreht ihr den Spiess um: Ihr erstellt selbst Clickbait-Beitraege, allerdings mit serioeser Botschaft und echtem Informationsgehalt.
Hintergrund: Wie Clickbait funktioniert
Clickbait nutzt grundlegende psychologische Mechanismen aus: Neugier, Ueberraschung und das Beduerfnis nach Abschluss einer Information (die sogenannte “Informationsluecke”). Die Technik ist so alt wie die Boulevardpresse, hat aber durch soziale Medien eine neue Dimension erreicht.
Typische Clickbait-Merkmale sind:
- Cliffhanger: “Doch dann geschah etwas Unerwartetes…”
- Dringlichkeit: “Das musst du gesehen haben!”
- Uebertreibung: “Unfassbar”, “unglaublich”, “historisch”
- Emotionalisierung: Bilder, die Lachen, Weinen oder Staunen ausloesen
- Listen: “Die 10 besten, wichtigsten, ueberraschendsten…”
- Persoenliche Ansprache: Direkte Formulierungen, die eine Beziehung zur Leserin oder zum Leser herstellen
Clickbait ist ein Geschaeftsmodell: Mehr Klicks bedeuten mehr Werbeeinnahmen. Doch die Methode unterhoe die Glaubwuerdigkeit von Medieninhalten und traegt dazu bei, dass serioeser Journalismus zunehmend um Aufmerksamkeit kaempfen muss.
Die Herausforderung
Erstellt innerhalb einer Stunde eigene Clickbait-Beitraege, die auf serioeser Information und wichtigen Themen basieren. Gelingt es euch, einem bedeutsamen Anliegen durch aufmerksamkeitsstarke Gestaltung zu groesserer Verbreitung zu verhelfen?
Schritt 1: Eine wichtige Nachricht auswaehlen
Bildet Gruppen von drei bis fuenf Personen. Sucht im Internet nach Meldungen, die ihr fuer wichtig haltet und die mehr Aufmerksamkeit verdienen. Waehlt eine Nachricht zur “Clickbait-Behandlung” aus. Achtet darauf, nur vertrauenswuerdige Quellen zu verwenden – oeffentlich-rechtliche Medien, anerkannte Nachrichtenagenturen oder etablierte Qualitaetsmedien.
Schritt 2: Ein passendes Bild finden
Das Bild soll auf den ersten Blick neugierig machen. Es muss nicht direkt mit der Nachricht zu tun haben – schliesslich macht ihr bewusst Clickbait. Achtet aber auf die Bildrechte: Verwendet nur Bilder, fuer die ihr die Nutzungsgenehmigung habt.
Schritt 3: Einen Clickbait-Titel formulieren
Verwandelt die sachliche Schlagzeile der Ursprungsmeldung in einen reisserischen Clickbait-Titel. Nutzt dabei die typischen Clickbait-Techniken. Beispiel:
- Originaltitel: “Neue Studie zeigt Zusammenhang zwischen Mediennutzung und Schlafqualitaet”
- Clickbait-Version: “Was dein Smartphone jede Nacht mit deinem Gehirn macht – die Wahrheit wird dich ueberraschen!”
Der Unterschied: Euer Clickbait fuehrt nicht in die Irre, sondern leitet zur echten, serioeser Nachricht.
Schritt 4: Verbreiten und beobachten
Teilt eure Clickbait-Beitraege (wenn moeglich) ueber soziale Medien, zusammen mit dem Link zur Ursprungsmeldung. Beobachtet die Reaktionen: Wie viele Menschen klicken? Welche Kommentare gibt es?
Schritt 5: Ergebnisse vergleichen
Praesentiert eure Clickbaits in der gesamten Gruppe und diskutiert:
- Welche Beitraege haben am meisten Aufmerksamkeit erregt?
- Welche Clickbait-Techniken waren am wirksamsten?
- Wie haben die Leserinnen und Leser reagiert, als sie feststellten, dass der Inhalt serioes war?
- Ist es ethisch vertretbar, Clickbait-Methoden fuer gute Zwecke einzusetzen?
Reflexionsfragen
- Wie veraendert Clickbait unser Informationsverhalten?
- Warum klicken wir auf reisserische Ueberschriften, obwohl wir wissen, dass dahinter oft wenig Substanz steckt?
- Welche langfristigen Folgen hat es fuer die Gesellschaft, wenn Aufmerksamkeit wichtiger wird als Wahrheit?
- Koennte “serioeser Clickbait” ein Modell sein, um wichtigen Themen mehr Sichtbarkeit zu geben? Oder verfaelscht die Methode zwangslaeufig den Inhalt?
Weiter zur letzten Aufgabe
Das war der letzte Praxistest der Challenge. Nun erwartet euch die abschliessende Reflexion. Weiter zu Aufgabe 7: Abschlussreflexion.