Interview

Wie Digitale Grundbildung den Unterricht bereichern kann – Interview mit Klaus Himpsl-Gutermann (PH Wien)

 

Prof. Klaus Himpsl-Gutermann

 

Lisa Badura: Digitale Grundbildung ist in aller Munde. Du bist in der Lehrerfortbildung tätig, befasst dich u.a. mit Life-Long Learning, eLearning und didaktischen Konzepten.

Was hat sich auf Seiten der Lehrerfortbildung seit der Einführung der Digitalen Grundbildung verändert? Worauf legt ihr verstärkt Fokus?

 

Klaus Himpsl-Gutermann: In der Fortbildung haben sich einerseits die Formate, andererseits auch die Inhalte verändert. Unsere Angebote sind vielfältig. Im sehr beliebten (einmaligen) Nachmittags-Workshop können die Lehrkräfte aus einem breiten Themenspektrum (etwa 50 pro Semester) wählen. Hier gilt: Das Ausprobieren von Hands-on und vielen praktischen Beispielen, um ein Gefühl für die unmittelbare Anwendung im Unterricht zu bekommen. Wir bieten auch Lehrgänge im Blended-Learning-Format (2 bis 4 Semester) und ein Programm zur „Schulentwicklungsbegleitung“ an. Dies ist eine Mischung aus Fortbildung, Entwicklungsprojekt und Schulentwicklungsberatung. Auch inhaltlich hat sich das Spektrum wesentlich erweitert. Nach wie vor wichtig ist der Bereich der Mediendidaktik: Wie nutze ich (digitale) Medien professionell, gewinnbringend und didaktisch versiert für die Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung? Immer wichtiger geworden sind gesellschaftlich brennende Fragen rund um die Digitalisierung in Alltag und im Beruf. Hier ermutigen wir dazu, eine kritisch-reflektierte Haltung zu Themen zu entwickeln. Stichwort: Der richtige Umgang mit Social Media, künstlicher Intelligenz und fortschreitender Automatisierung.

 

 

Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts heißen u.a. Problemlösungskompetenz und Kreativität.

Gibt es einfache, aber gute didaktische Methoden für den Unterricht, die du deinen Studentinnen und Studenten immer wieder gerne weiterempfiehlst?

 

Hier müssen wir ehrlicherweise zugeben, dass in der Vergangenheit auch Fehler gemacht worden sind. Beispielsweise dass der Informatikunterricht zu anwendungsorientiert und lediglich auf die Office-Programme (Stichwort ECDL) ausgerichtet war. Die Programme sind nach wie vor nicht bedeutungslos, aber entscheidender ist doch, das grundlegende informatische Denken zu fördern und nicht aufzuhören, hinter die Funktionsweisen der Technologien zu schauen. In den Computational-Thinking-Ansätzen wird das gekoppelt mit einer speziellen Didaktik: Schülerinnen und Schüler gehen von einer realen Problemstellung aus und je nach Altersstufe entwickeln sie die Lösungsansätze. Als wichtig erachten wir, dass neben bewährten Problemlösestrategien eben auch eigene, kreative Ansätze ausprobiert werden. Ganz entscheidend ist hierbei das aktive Tun der Lernenden in vielen Phasen des Unterrichts. So praktizieren wir das auch in den Konzepten der Lernräume „Future Learning Lab“ und „Education Innovation Studio“. Mit ganz simplen „didaktischen Tricks“ geht das eher nicht. Es gehört immer ein Verständnis für das Gesamtkonzept dazu. Eine grundlegende Botschaft lautet: Weniger Vermittlung und bloßes Nachahmen vorgegebener Rezepte! Mehr Eigenaktivität der Lernenden zulassen! Dieser Prozess muss gut vorbereitet und betreut werden (wie beispielsweise bei den Flipped-Classroom-Ansätzen). Genau hier können Digitale Medien wie Videos, interaktive Übungen oder AR/VR-Anwendungen in vielen Phasen sehr gut unterstützend eingesetzt werden.

 

 

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Das war unser Jahr 2018!

 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu – es ist an der Zeit, das Geschehene Revue passieren zu lassen.

 

Es war ein sehr ereignisreiches Jahr, das uns viele spannende Begegnungen und weiterführende Kooperationen bereit gehalten hat. Gerne möchten wir zusammenzufassen, wo wir überall dabei waren, welche Interviews wir geführt haben und welche Eindrücke und Inspirationen wir mitgenommen haben.

 

 

Zu Beginn des Jahres haben wir die wichtigsten Kompetenzen im 21. Jahrhundert zum Thema gemacht. In unserem Artikel gingen wir daher der Frage nach, wie ein Klassenblog Kollaboration und Teamfähigkeit fördern kann – und dadurch Raum für kritisches Denken entstehen kann. Im Interview mit Hajnalka Berényi-Kiss verrät uns die Lehrerin, warum sie in ihrem Englischunterricht, einen Blog eingeführt hat. Inzwischen ist der Blog zum festen Diskussions-, Dialog- und Erzählforum ihres Unterrichts geworden. Mit Ironie und Sprachgefühl erzählen die Schülerinnen und Schüler über erste Erfahrungen aus der beruflichen Praxis und diskutieren über digitale Themen. Hajnalka Berényi-Kiss wurde mit ihrem Team beim [mla] 2017 ausgezeichnet und hat über ihre Erfahrungen im Rahmen der Fachtagung 2017 berichtet.

 

Im Februar haben wir uns dem Schwerpunktthema Film gewidmet. Für Volksschülerinnen und Volksschüler hatte das Österreichische Filmmuseum Anfang des Jahres seine Tore geöffnet und zur Lecture „Auf der Suche nach dem Realen: Dokumentarfilm“ geladen. Im Rahmen der Veranstaltung hatten die jungen Cineastinnen und Cineasten die Möglichkeit gehabt, Ausschnitte von Filmen aus den verschiedensten zeitlichen Epochen anzuschauen. Angeregt diskutierten die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer über das Gesehene. Auch eigene Sehgewohnheiten und persönliche Vorlieben wurden zum Thema. Volksschullehrer Richard Cieslar hatte mit seiner Klasse die Lecture besucht und berichtet im Interview, wie seine Klasse die Veranstaltung aufgenommen hat. Alejandro Bachmann, Filmvermittler im Österreichischen Filmmuseum, verdeutlicht im Interview medienpädagogische Ansätze des Österreichischen Filmmuseums und erklärt, warum alte Filme hoch im Kurs sind – auch bei jungem Publikum!

 

Im März drehte sich alles um das Thema Radio Florian Danhel stellt uns das Radiomanual vor. Der praktische Leitfaden ist für Lehrerinnen und Lehrer aller Schultypen und Erfahrungsleveln gedacht. Florian hat das Radiomanual verfasst und erklärt im Interview, worin das Potenzial von Radio liegt. Im Leitfaden findet man auch heraus, welcher „Radiotyp“ man ist. Lehrreiche und witzige Aufbereitung!

 

Das Jahr schreitet voran – der media literacy award nähert sich seinem Anmeldeschluss. Renate Holubek und Angelika Fürst haben den [mla] des Vorjahres und 2007 unter die Lupe genommen und eine Auswertung gemacht. Im Interview fasst Angelika die wichtigsten Daten und Fakten des Festivals zusammen und erklärt, worin die größten Entwicklungen bestehen.

 

Unter dem Motto „Volksschulschülerinnen und Schüler erobern die Leinwand“ hatte Elisabeth Köbke, Volksschullehrerin an der Rötzergasse Wien, mit ihrem Team beim [mla] des vergangenen Jahres einen Preis gewonnen. Ihre Schülerinnen und Schüler hatten einen Legetrickfilm erstellt und die Herzen der Jury im Nu erobert. Im Interview berichtet Elisabeth Köbke über gelungene Teamarbeit und das medienpädagogische Potenzial von Stop-Motion-Filmen.

 

Im Juni widmeten wir uns der Kulturellen Bildung. Im Interview geben uns die Bereichsleiterinnen Sirikit Amann und Ulrike Gießner-Bogner von KulturKontakt Austria Einblick, wie gesellschaftliche Partizipation anhand von Kultureller Bildung gelingen kann und wie gemeinsame Handlungs- und Verhandlungsräume geschaffen werden können. KulturKontakt Austria bietet viele praktische und theoretische Ansätze und unterstützt Lehrerinnen und Lehrern bei der Umsetzung von Projektarbeit.

 

Auch Games sind immer wieder ein Thema bei uns. Im Rahmen des Projekts „We make Games“ wurde heuer erstmalig ein landesweites Spielentwicklungsprojekt initiiert. Die Zielgruppe: Schulklassen der Sekundarstufe II. Insgesamt wurden 78 Spielkonzepte zu Beginn des Semesters eingereicht. Acht Projekte schafften es in die Endrunde und wurden im Rahmen der „Game Jam“ auserkoren, um mittels professioneller Spieleentwicklerinnen und Entwickler realisiert zu werden. Wir wollten das Projekt von verschiedenen Seiten beleuchten und sprachen mit einem Team, das in die finale Runde gekommen war, mit Christoph Kaindel, der Juror und medienpädagogischer Begleiter des Gesamtprojekts war und Lena Robinson, die bei Playful Solution arbeitet und „We make Games“ mit initiiert hatte.

 

Im Dschungel Wien war kein Platz mehr frei als es dann im Oktober endlich hieß „Startschuss für drei Tage Festival“! Im Rahmen des media literacy award kamen über 500 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich zusammen, um ihre Projekte auf großer Leinwand vorzustellen und ihre Preise entgegenzunehmen. Die Aufregung war groß! Insgesamt wurden 21 Teams für ihre herausragenden Medienprojekte ausgezeichnet. Das Rahmenprogramm bot Raum für jede Menge Filmscreenings, gutes Essen und ausgiebiges Netzwerken und Beisammensein.

 

Im Rahmen der diesjährigen Fachtagung erörterten Bildungsexpertinnen und Bildungsexperten zusammen mit Lehrerinnen und Lehrern, worin die Chancen und Herausforderungen der neu eingeführten Übung „Digitale Grundbildung“ bestehen. Während Expertinnen und Experten aus dem Bildungskontext theoretische Aspekte erörterten, stellten Kolleginnen und Kollegen aus der Schulpraxis Best Practice Beispiele vor und gaben Einblicke in didaktische Methoden ihrer Arbeit.

 

Auch in diesem Jahr gab es wieder die Woche der Medienkompetenz. Über 120 Veranstaltungen landesweit machten das breitgefächerte Angebot zu diesem Thema deutlich. Wir sprachen mit dem Koordinator Christoph Kaindel über die Hintergründe und Ziele dieser Veranstaltung. Wir freuen uns schon auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr!

 

Wir bedanken uns bei allen Interviewpartnerinnen und Partnern für die interessanten Einblicke in ihre Arbeit! 

 

Was hat sich bei uns sonst noch getan?

 

Auch in diesem Jahr haben wir weiter an unseren Materialien gearbeitet. 

 

Jeden Monat geben wir zu einem Schwerpunktthema den NEWSLETTER heraus und freuen uns über die vielen Kooperationen, die sich auch in diesem Jahr wieder ergeben haben.

Unsere Medienfit Challenge zeigt auf, wie man anhand von sechs medienpädagogischen Aufgaben das eigene Smartphone als Werkzeug sinnvoll nutzen kann.

Die Prototypischen Aufgaben für den Sekundarbereich I und II laden dazu ein, mit gezielten Beispielen die Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern aufzubauen und zu vertiefen. Die Aufgaben können auszugsweise downgeloaded oder als Heft zugeschickt und erprobt werden.

Ich und Medien – Medienbildung in der Primarstufe laden gezielt junge Schülerinnen und Schüler dazu ein, mit einfachen, aber gezielten Aufgaben ihre Medienkompetenz zu fördern und über das eigene Medienverhalten zu reflektieren.

 

Und was erwartet uns im nächsten Jahr? So viel können wir schon verraten: Unsere Themen werden wieder bunt und vielfältig. Es wird unter anderem um Digitale Bildung gehen, um Populismus, Medienkritik und Medienanalyse, um Frauen und Medien, Game Based Learning – und natürlich um den media literacy award 2019!

 

Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr und wünschen allen eine schöne Adventszeit und alles Gute für das kommende Jahr!

Das war die Woche der Medienkompetenz – Interview mit Koordinator Christoph Kaindel

 

Wenn Christoph Kaindel mal nicht gerade Kooperationen voran treibt, mag er es gern sportlich (zum Beispiel wie hier in den Schladminger Tauern)

 

 

 

 

„Mein eigener Medienbegriff ist sehr umfassend und fängt bei der gesprochenen Sprache an.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Lisa Badura: Die Woche der Medienkompetenz ist vorbei und wir blicken auf ein beachtliches Programm zurück! Über 120 Aktivitäten wurden heuer bundesweit in den Veranstaltungskalender eingetragen. Was hat dich persönlich am meisten erfreut?

 

Christoph Kaindel: Es ist toll, dass es heuer so unglaublich viele Beiträge geworden sind. Im Vergleich zum vergangenen, ersten Jahr, wurde die Zahl der Eintragungen nahezu verdoppelt. Das bedeutet aber nicht, dass es wegen der Woche der Medienkompetenz mehr medienpädagogische Angebote gibt; nur wenige Angebote sind eigens für die Aktionswoche veranstaltet worden. Es zeigt hingegen, dass die Akteurinnen und Akteure aufmerksam geworden sind, ihre Aktivitäten eintragen und damit das vielfältige medienpädagogische Angebot in Österreich sichtbar machen.

 

Das Programm zeichnete sich durch eine große medienpädagogische Vielfalt aus. Es gab Führungen und Workshops sowohl in „klassisch“ ausgerichteten Institutionen, wie beispielsweise der Österreichischen Nationalbibliothek, Unis und Medienzentren. Es gab aber auch Programm mit Fokus auf Gaming und Coding.

Welche Fragen und Themen gehören deiner Meinung nach noch mehr in den Unterricht? Welche Institutionen sollten nächstes Jahr im besonderen Maße adressiert werden?

 

Ich finde die Arbeit mit Medien soll ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts sein: Medien aller Art als Thema, als Methode zur Bearbeitung von Themen oder als Lehrmittel. Dabei müssen es durchaus nicht nur elektronische Medien sein: Heuer war zum Beispiel das Volkstheater mit der multimedialen Produktion „Verteidigung der Demokratie“ im Veranstaltungskalender. Und eben die Nationalbibliothek mit Führungen im Papyrusmuseum. Mein eigener Medienbegriff ist ohnehin sehr umfassend und fängt bei der gesprochenen Sprache an.

Allerdings finde ich auch, dass das Smartphone ein tolles Medienproduktionsgerät ist, welches in dieser Funktion eingesetzt werden sollte. Einige Ideen dazu haben wir in unserem neuen Unterrichtsmaterial, der „Medienfit Challenge“ zusammengefasst und laden Lehrerinnen und Lehrer ein, es auszuprobieren.

 

Anmerkung: Die „Medienfit Challenge“ enthält sechs medienpädagogische Aufgaben. Man benötigt dafür nur das eigene Smartphone. Hier weitere Infos!

 

 

Schülerinnen und Schüler arrangieren eigene Film-Screenings. Wo das geht? Bei „One World Filmclubs“. Mehr Infos hier: https://www.oneworldfilmclubs.at/

 

Ein Ziel der Woche der Medienkompetenz war es, Schulen, Institutionen und Medien zusammenzubringen. Ist dieses Vorhaben aufgegangen? Wo lagen für dich als Koordinator die Herausforderungen? Und wo gab es erfreuliches mediales Echo? 

 

Es haben wieder einige Schulen teilgenommen, allerdings nicht so viele wie ich es mir gewünscht hätte. Da müssen wir eventuell im nächsten Jahr eine eigene Schiene anbieten. Die Medienberichterstattung war sehr erfreulich, dank einer Kooperation mit dem KURIER gab es dort einige Ankündigungen und die Artikel-Serie „Mit Medien umgehen«“. Diese ist die online unter https://kurier.at/wissen abrufbar. In einigen anderen Medien sind ebenfalls Berichte erschienen, es gab auch schon Kontakte mit dem ORF.

Meine Aufgabe lag vor allem darin, in den vergangenen Monaten Kontakte zu pflegen und Veranstalterinnen und Veranstalter auf die Aktionswoche aufmerksam zu machen und zur Teilnahme einzuladen. Aber mit steigendem Bekanntheitsgrad der Woche der Medienkompetenz wird das in den kommenden Jahren sicher immer einfacher.

 

Radiomacherinnen und Radiomacher aufgepasst! Auch das Freie Radio B138 in Kirchdorf an der Krems war bei der Woche der Medienkompetenz mit dabei. Mehr Infos hier: http://www.radiob138.at/

 

Die Dringlichkeit von Medienkompetenz und Medienbildung kann man an der großen Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen. Wenn alle Pläne aufgehen, wird die Woche der Medienkompetenz auch nächstes Jahr wieder stattfinden. Gibt es Bereiche (bestimmte Themen, Zielgruppen, Institutionen), die du noch stärker ausbauen willst?

 

Ich möchte weiterhin mehr Schulen zur Teilnahme einladen, wie auch Hochschulen und Universitäten. Die Universität Innsbruck hat uns heuer beispielsweise wieder sehr unterstützt und mehrere Veranstaltungen fürs Publikum geöffnet. Ich möchte erreichen, dass sich möglichst viele Bildungseinrichtungen in ganz Österreich anschließen. Die Angebote gibt es ja bereits, wir würden sie gerne sichtbar machen.

 

Im Filmcasino Wien wurde der Film „5 vor 12 – ein inklusivo Spaghetti Western“ vorgestellt. Am Podium u.a. Christoph Kaindl und Franz-Josef Huainigg, ehemaliger Nationalratsabgeordneter und Behindertensprecher der ÖVP

 

Du selbst warst bei vielen Veranstaltungen live dabei. Was waren deine persönlichen Highlights? Was darf auch nächstes Jahr nicht fehlen?

 

Mich hat heuer besonders eine Filmvorführung beeindruckt: Ernst Tradinik hat „5 vor 12 – ein Inklusivo-Spaghettiwestern“ im Wiener Filmcasino vor mehreren Inklusionsklassen gezeigt. In dieser Westernparodie spielen fast ausschließlich Menschen mit körperlicher oder Lernbehinderung mit und hatten augenscheinlich viel Spaß dabei, was sich auf die Zuseherinnen und Zuseher überträgt. Franz-Josef Huainigg, ehemaliger Nationalratsabgeordneter und Behindertensprecher der ÖVP, sagte in seinem anschließenden Statement, er wünsche sich mehr solche Darstellungen von Menschen mit Behinderung in den Medien. Meistens würden sie entweder als arme Opfer oder als Helden mit übernatürlicher Willenskraft dargestellt, nicht als ganz normale Menschen. Er hat die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, ihren Weg zu gehen und ihre eigenen Themen und Ideen etwa in Form von Filmen umzusetzen. Das werden allerdings eher keine Western werden, denn dieses Genre war den Jugendlichen kaum bekannt.

Also, kurz gesagt: Beiträge zum Thema Inklusion würde ich mir auch im nächsten Jahr wieder wünschen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Infos rund um die Woche der Medienkompetenz:

Mehr Infos zur Woche der Medienkompetenz, finden Sie hier.

Mehr Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier.

Mehr Infos auch auf unserem Instagram Kanal.

 

 

„We make Games“: Computerspiele im Unterricht – wir programmieren selbst!

 

Lena Robinson (Projektmanagerin bei „Playful Solutions“)

 

„Uns hat besonders gefreut, dass die Themen sowohl vielfältig als auch aktuell waren – von Umwelt über Migration zur eigenen Gesundheit.“

 

 

 

Lisa Badura: Lena, ihr habt mit „Playful Solutions“ die Initiative für „We make Games“ gehabt und nun erstmalig ein österreichweit großangelegtes Spielentwicklungsprojekt für Schulklassen etabliert. 

Die Projekte befinden sich in den letzten Zügen der Realisierung und werden im Oktober vor großem Publikum bei der „Game City “ vorgestellt. Die Ergebnisse kennt ihr somit noch nicht. 

Wagen wir ein Zwischenfazit: Was hat euch an den Themen der eingereichten Ideen am meisten gefreut und überrascht? 

 

Lena Robinson: Uns hat besonders gefreut, dass die Themen sowohl vielfältig als auch aktuell waren – von Umwelt über Migration zur eigenen Gesundheit. Was uns überrascht hat ist, dass die Themen auch sehr verschränkt miteinander waren: Es gab Spielideen die Armut, Sucht und Gesundheit behandelt haben, oder Flucht und Bildung. Man hat gesehen, dass sich viele Teams intensiv mit den ausgewählten Themen auseinandergesetzt haben.

 

Vor jedem Projektstart gibt Hoffnungen, Ziele und Wünsche. Sind eure Ziele bis jetzt aufgegangen? Was lief besonders gut? Was war herausfordernd?

 

Ehrlich gesagt wurden unsere Hoffnungen und Ziele bis jetzt stark übertroffen. Wir hätten uns nicht erwartet, dass fast 80 SchülerInnen-Teams einreichen. Das ist eine normale Einreichzahl für jeden Award! Wir haben die Einreichung (Anm. d. Redaktion: die BewerberInnen mussten sich und ihr Projekt mit einem selbstgedrehten Video vorstellen) absichtlich hochschwellig gehalten, da wir uns motivierte, spielbegeisterte SchülerInnen gewünscht haben. Teams, die sagen: „Da kriegen wir eine Chance, was cooles zu machen, da hängen wir uns rein“. Diese motivierte Haltung wurde auch bei den meisten der Videos deutlich.

Herausfordernd war die Tatsache, dass wir relativ knapp vor den Sommerferien 2017 gestartet haben und LehrerInnen zu diesem Zeitpunkt mit Matura, Zeugnissen, etc. beschäftigt sind. Wir hatten nicht genug Zeit vorher mit Lehrenden zu sprechen und sie in die allererste Konzeption des Projekts miteinzubeziehen. Ich glaube, das hat sich aber dann zum positiven gewendet, als die LehrerInnen beim ersten Workshop gemeinsam an den Unterrichtskonzepten arbeiten konnten.

 

Was wünscht ihr euch für die Zeit nach „We make Games“? Gibt es Ideen für weitere Projekte/Netzwerke dieser Art?

 

Ja, es gibt ein „We Make Games“ 2018/2019! Für jede Lehrperson einer Oberstufenklasse jeden Schultyps, jeden Schulfachs, mit oder ohne Programmierkenntnissen, aus ganz Österreich: Wir wollen, dass ihr mitmacht! Schreibt mir eine Mail an lena@playfulsolutions.net.

Es gibt einen Fixtermin bei „We Make Games“, das ist der Lehrpersonen-Trainingsworkshop in Wien am 18. und 19. Oktober 2018. Wir haben bewusst diese Woche gewählt, denn es ist die Woche der Medienkompetenz und die Woche, in der die Game City stattfindet, auf der die Spiele der letzten Kohorte präsentiert werden.

 

Danke für das Gespräch!

 

Mehr Infos zu „We make Games“:

http://www.playfulsolutions.net/we-make-games/

http://wien.orf.at/news/stories/2898217/

 

Und hier gibt’s auch ein Video zu „We make Games“:

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=mnZpW7PVrTM

 

 

 

„We make Games“: Computerspiele im Unterricht – wir programmieren selbst!

 

Dass so manches Computerspiel sowohl technische Raffinesse als auch medienpädagogischen Anspruch haben kann, beweisen die Projekte, die im Rahmen des Projekts von „We make Games“ realisiert worden sind.

Erstmalig wurde in diesem Semester ein Spielentwicklungsprojekt initiiert, das in den Schulklassen der Sekundarstufe II durchgeführt wurde. 78 Spielkonzepte wurden zu Beginn des Semesters eingereicht. Acht Projekte schafften es in die Endrunde und wurden im Rahmen der „Game Jam“ auserkoren, um mittels professioneller SpieleentwicklerInnen realisiert zu werden. Auf der Spielemesse „Game City“ (19. bis 21. Oktober 2018) werden die acht Projekte vorgestellt. Letztendlich sollen die „Serious Games“ ihren Weg in die Klassenzimmer finden und dort zum Einsatz kommen.

 

Interview mit Christian Gürtler und Tamaris Neubauer über das Projekt „We make Games“

 

Sophia Kaserbacher, Bernadette Ackerl und Tamaris Neubauer (Schülerinnen des Projektes „Media Attack“)

 

„Unser Spiel fokussiert sich auf die Medienkompetenz sowie die Handysucht von Jugendlichen und Kindern der heutigen Generation.“

 

 

 

Lisa Badura: Tamaris, ihr geht ins „Multi Augustinum“ in Salzburg und habt euer Projekt bei „We make Games“ eingereicht. Euer Team (du, Sophia und Bernadette) hat es geschafft. Ihr durftet mit professioneller Hilfe ein Game entwickeln. Um was geht es bei eurem Game?

 

Tamaris: In unserem Game „Media Attack“ geht es darum, Social Media besser kennen zu lernen. Das Game ist optisch so aufgebaut, dass man seine Hände am Handy sieht. Man wird von Viren verfolgt und muss dabei alle Level schaffen. Die Levels sind Social Media Apps wie zum Beispiel WhatsApp, Instagram, Facebook etc. In jeder App muss man spezifische Aufgaben richtig lösen, um ins nächste Level zu gelangen. Diese werden von Level zu Level schwieriger.

Das Ziel besteht darin, alle Aufgaben zu meistern, denn dann kommt man ins Darknet. Zum Abschluss bekommt man eine Auswertung seiner Leistungen mit dem Sinn: „Das Internet vergisst nichts!“

 

Gibt es einen „Hintergedanken“ bei eurem Projekt?

Unser Spiel fokussiert sich auf die Medienkompetenz sowie die Handysucht von Jugendlichen und Kindern der heutigen Generation. Die Gefahren des Internets sollen erfasst werden und auch der richtige Umgang mit dem Smartphone, denn das ist unserer Meinung nach heutzutage sehr wichtig.

 

 

Christian Gürtler (Lehrer am Multi Augustinum/Privatschule Salzburg)

 

„Wenn man die einfachsten Strukturen kennt, kann man sich durchaus vorstellen, wie komplexe Programme funktionieren, ohne sie gleich entwickeln zu können.“

 

 

 

Lisa Badura: Herr Gürtler, unter sehr vielen BewerberInnen haben sich Ihre Schülerinnen beim Jam von „We make Games“ mit ihrer Projektidee durchgesetzt und wurden dieses Semester von SpieleentwicklerInnen unterstützt, ihr Game auch wirklich zu realisieren. Sie haben sich also aktiv darum bemüht, dass Ihre SchülerInnen beim Wettbewerb – dieser Game-Challenge – mitmachen und ein eigenes Computerspiel programmieren dürfen.

Warum ist Ihnen wichtig, dass Ihre SchülerInnen selber Programmmieren lernen? Eine Fertigkeit, die heute zwingend ist?

 

Christian Gürtler: Programmieren zu lernen ist wichtig, um ein Gefühl zu bekommen, wie Algorithmen funktionieren, welche Abläufe es bei einem Programm gibt. Dies ist besonders für einen Schultyp mit IT-Schwerpunkt wichtig. Es ist auch für das Verständnis wichtig, eher abstrakte Algorithmen – wie zum Beispiel Kaufempfehlungen von Amazon oder Suchalgorithmen von Google – besser verstehen zu können. Wenn man die einfachsten Strukturen kennt, kann man sich durchaus vorstellen, wie komplexe Programme funktionieren, ohne sie gleich entwickeln zu können.

 

 

Computerspiele haben nicht den allerbesten Ruf. Serious Games sind da wohl eher eine Ausnahme. Was würden Sie sich wünschen, was Ihre SchülerInnen durch das Projekt mitnehmen?

 

Dass sich auch schon ansehnliche Programme mit einfachen Methoden realisieren lassen, dass es nicht immer darum geht, mit den tollsten und umfassendsten Programmierumgebungen zu arbeiten und dass die SchülerInnen Lust aufs Programmieren bekommen.

 

Gibt es Ihrer Meinung nach wichtige Fertigkeiten, die über das Programmieren hinaus gehen?

 

Ein wichtiger Faktor ist einerseits das Erlernen von Teamwork, dass mehrere EntwicklerInnen an einem Projekt arbeiten und dabei unterschiedliche Fähigkeiten und Know-how einbringen. Beim Programmieren erlernt man andererseits auch das strukturierte Arbeiten generell, was für berufliche Projekte später hilfreich ist. Man muss planen, ob und wie ein Ziel erreichbar ist, welcher Zeit- und Personalaufwand dafür nötig ist und wie man bei Problemen Alternativen sucht.

 

Vielen  Dank für eure Ideen und Gedanken!

 

Mehr Infos zu „We make Games“:

http://www.playfulsolutions.net/we-make-games/

http://wien.orf.at/news/stories/2898217/

 

„We make Games“: Computerspiele im Unterricht – Interview mit Christoph Kaindel

 

Christoph Kaindel (Medienpädagoge und Game-Entwickler bei „We make Games“)

 

„Bei der Spieleentwicklung kann man zunächst mit der Entwicklung von Brettspielen beginnen. Auch so können grundlegende Spielmechaniken anschaulich gemacht werden, und ein Serious Game muss durchaus nicht digital sein.“

 

 

 

Lisa Badura: Christoph, du bist ein leidenschaftlicher Gamer und kennst dich auch mit dem Programmieren von Computerspielen aus. Als Juror und medienpädagogischer Begleiter von „We make Games“ hast du dir viele Game-Ideen angesehen.

Welche Kriterien habt ihr bei der Vergabe der acht begehrten Plätze angelegt?

 

Christoph Kaindel: Grundlage der Bewertung waren Präsentationsvideos, in denen die Spielidee und meist auch schon Prototypen vorgestellt wurden, sowie schriftliche Konzepte. Es gab drei Kategorien, die zu bewerten waren: Zweck des Spiels, Kreativität und Machbarkeit. Mit „Zweck“ war der zu vermittelnde Inhalt gemeint, es sollten „Serious Games“ entstehen, die auch im Unterricht eingesetzt werden können. Im Hinblick auf die Kreativität haben wir uns angeschaut, ob die Spielidee neu und originell ist und ob das Spiel einen innovativen Zugang zum Thema oder auch zur Steuerung bietet. Die Einschätzung der Machbarkeit war nicht ganz einfach, weil wir ja über die Vorkenntnisse der Schülerinnen und Schüler wenig wussten. Allerdings waren die Teams, unterstützt durch ihre LehrerInnen, da sehr gut in der Selbsteinschätzung und haben durchaus realistische Konzepte geliefert.

 

 

Wobei kommt es bei einem Serious Game an?

 

Das Lernen muss in die Spielhandlung eingebettet sein und mit dem Spielen passieren. Das Abfragen von Wissen darf also nicht getrennt vom Gameplay stattfinden. Es sollen zwar „Lerninhalte“ im weiteren Sinn vermittelt werden – oft werden nur Anregungen zu einem Thema gegeben, das Interesse gefördert, Fragen gestellt – aber das Spielen muss auf jeden Fall Spaß machen. Spielen ist immer eine freiwillige Tätigkeit, also hat ein Spiel dann versagt, wenn ich zum Spielen gezwungen werden muss.

 

 

Viele LehrerInnen trauen sich in das Feld von Games geschweige denn Programmierung im eigenen Unterricht nicht wirklich hinein. Hast du Tipps, die den Einstieg erleichtern?

 

Es gibt viele Möglichkeiten, Spiele im Unterricht zum Thema zu machen. Schülerinnen und Schüler können sich mit ihrer eigenen Spielenutzung in Form von Texten oder Bildern auseinandersetzen, in Form von Analysen oder indem sie Spielehandlungen kreativ weiterspinnen und Geschichten in der Spielwelt ansiedeln. Spiele, wie etwa historische Strategiespiele, können Interesse wecken und dem Einstieg in ein Thema dienen. Viele Spiele eignen sich für den Einsatz im Unterricht. Bei manchen liegt der Fokus auf der Spielmechanik, etwa Logikrätsel. Manche bieten offene Welten zum Experimentieren an. Alleine in der Spielwelt von Minecraft – oder der kostenlosen Alternative Minetest – können viele Unterrichtsideen, von Architektur bis Programmierung, umgesetzt werden, dazu gibt es bereits eine große Zahl an Materialien.

Bei der Spieleentwicklung kann man zunächst mit der Entwicklung von Brettspielen beginnen. Auch so können grundlegende Spielmechaniken anschaulich gemacht werden, und ein Serious Game muss durchaus nicht digital sein.

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Kulturelle Bildung in der Schule – Interview mit Sirikit Amann und Ulrike Gießner-Bogner von KulturKontakt Austria

 

Im Juni liegt unser Schwerpunkt auf kulturelle Bildung und Medienbildung. Wir sprachen mit den Bereichsleiterinnen Dr. Sirikit Amann und Mag. Ulrike Gießner-Bogner von KulturKontakt Austria über die Notwendigkeit kultureller Bildung an Schulen und über konkrete Maßnahmen der Umsetzung.

 

Sirikit Amann und Ulrike Gießner-Bogner

„Im Mittelpunkt der einzelnen Projekte steht immer die Idee, Kinder und Jugendlichen aktiv in die Entwicklung und Umsetzung einzubeziehen, an ihre Lebens- und Erfahrungswelt anzuknüpfen und sie zum eigenen kreativen Tun anzuregen.“

 

 

 

 

 

Lisa Badura: KulturKontakt Austria bringt junge Menschen mit Kunst- und Kulturschaffenden zusammen. Ihr fördert Projekte, in denen gemeinsam Kunst und Kultur gestaltet, umgesetzt und diskutiert wird. Warum ist es euch ein Anliegen, die Tore der Schulen für Kunst- und Kulturschaffende zu öffnen? Was sind häufige Erfahrungswerte mit SchülerInnen und LehrerInnen? Was sind häufige Erfahrungswerte der KünstlerInnen?

 

Sirikit Amann: Der Programmbereich „Kulturvermittlung mit Schulen“ arbeitet im Auftrag des BMBWF an der Schnittstelle zwischen Schule, Kunst und Kultur. Unser Schwerpunkt liegt in der Begleitung, Beratung und Finanzierung von partizipativen Projekten und Aktivitäten der kulturellen Bildung mit Schulen in ganz Österreich.

 

Im Zentrum unserer Arbeit steht der Ansatz, Kinder und Jugendliche ausgehend von ihrer eigenen Lebenswirklichkeit zur aktiven Teilhabe an künstlerischen und kulturellen Prozessen anzuregen und ihre Kompetenzen zu stärken. Um dies zu erreichen, hat sich die Einbindung von Kulturschaffenden in den Unterricht als essentielles Bindeglied zur kulturellen Bildung bewährt. Gerade die unmittelbare Begegnung mit KünstlerInnen eröffnet Kindern und Jugendlichen neue Wege im Umgang mit Kunst und Kultur und ist so – auch im Kontext von Chancengerechtigkeit – eine wichtige Voraussetzung für die Partizipation an gesellschaftlichen Prozessen. Gerade am Umgang mit digitalen Medien in den Schulen zeigt sich, dass sich ein Paradigmenwechsel abzeichnet, wie Lernen gelernt wird. Daher ist es im kreativen Bereich wichtig, dass SchülerInnen sich aktiv mit digitaler Bildung befassen, da diese eine Voraussetzung für zukunftsweisendes, individualisiertes Lernen darstellt, das Selbstkompetenz, Kreativität und Flexibilität fördert. Deshalb sind wir als KulturKontakt Austria auch Partner der von mediamanual organisierten „Woche der Medienkompetenz“. 

 

Die Erwartungshaltung an den Schulen ist ganz unterschiedlich: sehr oft wissen die Lehrpersonen schon, wie Kunstschaffende arbeiten, welche Rolle sie einnehmen und was vermittelt werden soll. Für die SchülerInnen ist die Begegnung in vielen Fällen erstmalig und die Neugierde auf das Kennenlernen hoch. Aus den Rückmeldungen der Schulen wissen wir, dass die Zusammenarbeit dieser doch unterschiedlichen Arbeitsfelder wie Schule und Kunst gewinnbringend ist, weil sie voneinander lernen und neue Einblicke in die jeweilige Lebenswelt erhalten.

Daher ist es ein wichtiges Ziel von uns, dass wir gemeinsame und individuelle Lern- und Lehrprozesse von SchülerInnen, LehrerInnen, KünstlerInnen und VermittlerInnen unterstützen, auch im Sinne einer neuen Lernkultur an Schulen.

 

Eure Angebote sind vielseitig. Lehrerinnen und Lehrer können Beratung erfahren, ihr setzt euch für finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten ein und vernetzt junge Menschen mit Personen aus dem Kunst- und Kulturbereich. Angenommen eine LehrerIn hat noch wenig Erfahrung mit kultureller Bildung/Kulturvermittlung im Unterricht und möchte bei einem Projekt mitmachen. Wohin kann sich der/die LehrerIn bei euch wenden? Gibt es Dinge, sie zu beachten sind? 

 

Sirikit Amann: Wir haben gut vernetzte BeraterInnen, die Lehrpersonen aber auch Kunstschaffende beraten, wie künstlerische Begegnungen oder Projekte in der Schule durchgeführt werden können. Wir nennen diese Begegnungen „Dialogveranstaltungen“, von denen rund 2.800 im Jahr verteilt auf alle Bundesländer stattfinden und von uns finanziert werden. Gerade die Dialogveranstaltungen eignen sich besonders gut für einen niederschwelligen Einstieg und können daher jederzeit seitens der Schule angefragt werden.

KulturKontakt Austria bietet den Lehrpersonen aktiv die Möglichkeit für ein direktes Gespräch mit unseren BeraterInnen oder wir stellen die Leistungen von KulturKontakt Austria bei Konferenzen, Messen oder anderen Veranstaltungen vor. Wenn alles schon klar ist (Kunstschaffende, Honorar, Thema, Zeitraum) können sich Lehrkräfte auch auf unserer Website informieren und gleich die Dialogveranstaltung unkompliziert selbst anmelden. Mehr Infos findet man unter: http://www.kulturkontakt.or.at/dva.

 

Selbstverständlich haben wir einige wenige Richtlinien, die zu berücksichtigen sind. Da wir wollen, dass alle Beteiligten sich einbringen können, gibt es eine HöchstteilnehmerInnengrenze von 2 Klassen pro Vermittlungseinheit.

Auch tragen wir die Honorarkosten der KünstlerInnen nicht zu 100%, sondern anteilsmäßig. Um planen zu können, sollte idealerweise 6 -8 Wochen vorher eine Anmeldung der Dialogveranstaltung stattfinden.

 

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Wie junge VolksschülerInnen die Leinwand erobern – Interview mit Elisabeth Köbke (VS Rötzergasse, Wien)

 

Elisabeth Köbke

 

 

 

 

„Beim Projekt wurde eine Vielzahl an Kompetenzen abgedeckt. Fragestellungen waren unter anderem: Wie kann ich meine Meinung äußern und begründen? Wie kann ich in Konflikten nach Lösungen suchen? Wie kann ich in Gesprächen respektvoll und angemessen sprachlich handeln?“

 

 

 

 

 

 

 

Klein hatte alles begonnen. Und dann kamen sie ganz groß heraus. Beim media literacy award 2017 wurden die Schülerinnen und Schüler von Elisabeth Köbke (Volksschule Rötzergasse, Wien) für ihr Projekt „Die Geisterjagd“ in der Kategorie „Video“ ausgezeichnet.  

 

Lisa Badura: Ihre SchülerInnen hatten voriges Jahr einen Legetrickfilm erstellt, in dem alle Aspekte eines gelungenen Films enthalten sind: Eine spannende Geschichte, gute Dialoge und eine technisch schöne Ausarbeitung. Beim Anschauen des Films bekommt man den Eindruck, dass Ihre SchülerInnen viel Spaß hatten. Die Stimmen der Dialoge zeugen von Enthusiasmus und Gefühlen der Involviertheit.

Vielleicht könnten Sie kurz umreißen, wie das Projekt entstanden ist, warum es eine fächerübergreifende Kooperation war und wie lang die SchülerInnen am Projekt gearbeitet haben.

 

Elisabeth Köbke: Die im Projekt „Die Geisterjagd“ verwendete Stop-Motion-Technik hat mich schon seit längerem fasziniert, nicht nur im schulischen Kontext. Als eine Kollegin an meiner Schule dann damit begonnen hat, mit einer SchülerInnengruppe einen Film in dieser Technik zu erstellen, war ich sofort inspiriert, dies auch in meinem Unterricht durchzuführen. Am Anfang stand natürlich das eigene Einarbeiten in die Thematik und die Technik, dann entwickelte ich ein erstes Konzept für die konkrete Umsetzung. Dabei stand nicht nur die Deutschförderung im Vordergrund, auch Kompetenzen in Medienbildung und Bildnerischer Erziehung kamen zum Tragen.

Im Oktober 2016 stellte ich das Projektvorhaben schließlich meiner Arbeitsgruppe, bestehend aus sieben SchülerInnen von acht bis zehn Jahren, vor, die sich von meiner eigenen Motivation für die Sache sofort überzeugen ließen. Insgesamt arbeiteten wir etwa neun Monate intensiv an „Die Geisterjagd“, von der Einführung, der Skizzierung erster Handlungsideen, bis hin zur Premiere.

 

Szene aus „Die Geisterjagd“

 

Es liegt nahe, dass junge SchülerInnen noch nicht so viel Erfahrung mit der Realisierung eigener Medienprojekte haben. Wie viel Freiraum haben Sie Ihren SchülerInnen eingeräumt? Welche Vorgaben gab es?

 

Es war mir wichtig, den SchülerInnen viel Freiheit bei der Umsetzung des Projektes zu geben, um die kreativen Prozesse so wenig wie möglich einzuschränken. Zu meinen Vorgaben gehörte die Stop-Motion-Technik, die ich im Vorfeld präsentierte und für die SchülerInnen der Altersgruppe auch gut umsetzbar ist. Eine Limitierung stellte zudem das Material dar: Da es nur eine Kamera und einen Laptop gab, war klar, dass es ein gemeinsamer Film werden musste.

Ich muss zugeben, dass es für mich zu Beginn schwer war, mich aus den Prozessen herauszunehmen und die Entscheidungen und den Ablauf zum größten Teil in die Hände der SchülerInnen zu legen. In kurzer Zeit konnten sie so aber vollkommen selbstständig sämtliches Equipment auf- und abbauen, die Technik bedienen, die Geschichte nach ihren Vorstellungen entwickeln und umsetzen.

 

„Es war nun nicht einfach ein Projekt, es war IHR Projekt.“

 

Die Debatten über Kinder und Medienkonsum sind momentan besonders hitzig und emotional. Übermäßiger Handykonsum ist oft schon bei jungen SchülerInnen ein Thema. Ihre Klasse hat bewiesen, wie man kreativ und ergebnisorientiert mit Medien arbeiten kann.

Wie haben Ihre SchülerInnen den Prozess der Realisierung (Themenfindung, Teammanagment, Austausch kreativer Ideen, technische Ausarbeitung) erlebt? Mit welchen Herausforderungen waren Ihre SchülerInnen bei diesem Medienprojekt – vielleicht das erste Mal – konfrontiert? Was hat gut geklappt?

 

Der Prozess war, vor allem zu Beginn, sehr konfliktreich. Die SchülerInnen haben viele Fragen zur Handlung diskutiert: Worum handelt unsere Geschichte? Wer sind die ProtagonistInnen? Wo findet die Geschichte statt?

Aber auch auf einer Metaebene mussten Aspekte der Zusammenarbeit besprochen werden: Wie werden Entscheidungen in unserer Gruppe getroffen? Wer hat Mitspracherecht? Welche Inhalte sind legitim?

Teilweise wurde von den SchülerInnen auch ein Abbruch des Projekts thematisiert. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht, obwohl ich ihnen die Option in diesem Fall offen gelassen hätte.

 

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Der media literacy award [mla] – Ein Gespräch über Zahlen und Fakten

 

Der [mla] besteht nun schon seit 18 Jahren. Einmal jährlich werden herausragende Medienprojekte österreichischer und europäischer Schulen ausgezeichnet. Angelika Fürst hat eine Auswertung des Wettbewerbs von 2017 vorgenommen. Mithilfe des Projektbegleitbogens, der den eingereichten Projekten beigelegt werden soll, hat sie interessante Erkenntnisse gewonnen.

 

Angelika Fuerst und Renate Holubek im Buero

Angelika Fürst und Renate Holubek

 

„Die spannendsten Projekte entstehen meist, wenn die Inhalte aus der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen kommen. Dann entsteht die Möglichkeit mit Hilfe von Medien ihre eigenen Anliegen zu artikulieren.“

 

 

Lisa Badura: Angelika, du hast den media literacy award [mla] 2017 unter die Lupe genommen. Kannst du einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten geben?

 

Angelika Fürst: Insgesamt wurden letztes Schuljahr mehr als 500 Medienprojekte beim media literacy award eingereicht. Sehr viele Menschen haben sich beteiligt, rund 375 Personen pro Tag – SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen sowie Fachtagungs-TeilnehmerInnen – sind im Herbst zum Festival nach Wien gekommen. Diese Resonanz ist sehr erfreulich.

 

Anschließend hast du die Ergebnisse 2017 mit jenen von vor zehn Jahren verglichen. Die Festivalleiterin des [mla] Renate Holubek hat diese 2007 im Rahmen ihrer Masterthesis erhoben. Ein interessanter Vergleich, welche Erkenntnisse konntest du daraus ableiten?

 

Es war wirklich spannend, sich die Veränderungen anzusehen, vor allem, weil sich im letzten Jahrzehnt auch technologisch unglaublich viel verändert hat. Die daraus resultierenden Abweichungen herauszulesen, sorgte für ein paar überraschende Erkenntnisse.

Dabei hat sich die Kategorieverteilung beispielsweise gar nicht verändert. Genau wie 2007 werden die meisten Projekte in der Kategorie „Video“ eingereicht. Wie vor zehn Jahren machen diese auch heuer rund 70% der Einreichungen aus. „Audio“ war die zweit häufigste Kategorie, knapp gefolgt vom Multimedia-Bereich. Den geringsten Anteil machen, damals wie heute, Print-Projekte aus.

 

Neben deutlich mehr Einreichungen wird der Großteil der Projekte mittlerweile im Unterricht gemacht. Gleich zwei erfreuliche Tendenzen! Welche weiteren Aspekte haben dich bei der Auswertung positiv gestimmt?

 

Richtig, 2007 wurden 238 Projekte beim [mla] eingereicht, zehn Jahre später waren es bereits knapp über 500. Besonders positiv stimmt uns, dass die Unterrichtseinheiten, in denen Medienprojekte realisiert werden, zugenommen hat: Von durchschnittlich 12 bis 15 Stunden auf nun rund 23 Unterrichtsstunden. 2007 wurden noch viele Projekte in der Freizeit realisiert, mittlerweile wird der Großteil der eingereichten Projekte im Unterricht erarbeitet. Eine Entwicklung, die sich hoffentlich fortsetzt.

 

Interessant ist weiters, dass viele Einreichungen im fächerübergreifenden Unterricht entstehen. Die Gegenstände, in denen sehr viele Projekte umgesetzt wurden sind neben jenen, die einen Medienbezug aufweisen, Deutsch, Bildnerischer Erziehung und Englisch.

 

Gibt es Ergebnisse, die dich überrascht haben?

 

Dass etwa im Deutschunterricht so viele Medienprojekte entstehen, ist wirklich erstaunlich und haben wir so nicht erwartet. Auffallend ist auch, dass heute wesentlich mehr weibliche Lehrpersonen Medienprojekte realisieren.

Zudem finde ich spannend, dass gegenüber 2007 die Anzahl der berufsbildenden Schulen stark zugenommen hat. Das ist eine überaus positive Entwicklung. 2007 waren es nur ein Dutzend Schulen, die am [mla] teilgenommen haben, 2017 bereits knapp über 100.

 

Der media literacy award ist ein europäisch ausgeschriebener Medienwettbewerb. Deswegen sind wir besonders stolz, letztes Jahr aus zwölf verschiedenen Ländern insgesamt 85 Projekte bekommen zu haben. Die meisten davon erreichten uns aus Spanien. Dass sich in den letzten zehn Jahres dieses Netzwerk in Europa von fünf auf zwölf Länder ausgeweitet hat, das bestätigt unseren europäischen Ansatz.

 

Bestimmt habt ihr schon Schlüsse und Gedanken zur Auswertung bzw. zum Vergleich von 2007 zu 2017 gezogen. Gibt es Bereiche, auf die ihr euch in Zukunft verstärkt fokussieren wollt? Gibt es bestimmte Tendenzen, die ihr fördern möchtet?

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Hinhören, zuhören, Radio machen! Das Radiomanual ist online!

 

Florian Danhel

Florian Danhel: Verfasser des Radiomanual

 

„Medienprojekte sind für SchülerInnen ein guter Anlass, sich mit der Welt außerhalb der Schule zu befassen. Im Idealfall entdecken sie dabei auch neue Potenziale bei sich selbst.“

 

 

 

Das soeben erschienene Radiomanual ist ein praktischer Leitfaden, der für den eigenen Unterricht bequem downgeloaded werden kann. Das Kompendium ist für LehrerInnen aller Schultypen und Erfahrungsleveln gedacht. Florian Danhel hat das Radiomanual konzipiert und verfasst. Ein Gespräch über die Faszination von Radio und Tipps zum Selbermachen.

 

 

Lisa Badura: Florian, du selbst bist ein eingefleischter Radio-Fan. Du hast früh mit dem Radiomachen begonnen, hast u.a. als Moderator und Redakteur bei Orange 94.0 gearbeitet, hast mehrere Jahre lang die Schülergruppe „RadioPoly “ aus Wien unterstützt und du hast auch jede Menge Workshops und Seminare im Bereich der medienpädagogischen Radioarbeit gemacht.

Was kann Radio, was Film nicht kann? Oder nicht so überspitzt gefragt, was macht für dich den Reiz auditiver Medien aus?

 

Florian Danhel: Den Reiz macht sicher der überschaubare technische Aufwand aus: Man kann gleich mal los legen und sich inhaltlichen Fragen widmen. Noch ein Vorteil: Es gibt kaum ein Thema, dass sich nicht fürs Hören aufbereiten lässt. Gleichzeitig ist man auch hinsichtlich Gestaltung und Umsetzung sehr frei und die kreativen Möglichkeiten sind wirklich vielfältig. Die Schüler und Schülerinnen können bei Themenwahl und Gestaltung ihre Ideen sehr gut einbringen, was meist zu einer höheren Identifikation mit dem Projekt führt und sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt.

 

Das Radiomanual ist ein ganz praktischer Leitfaden, der für Lehrerinnen und Lehrer als Hilfestellung dienen soll, Audioprojekte im Unterricht zu realisieren. Über auditive Medien sind schon unzählige Bücher erschienen. Aber wie so oft liegt in der „Kürze die Würze“. Was war dir bei der Erstellung des Kompendiums persönlich am wichtigsten?

 

Am allerwichtigsten war, dass man beim Lesen Lust bekommt, ein Audio- und Radioprojekt zu starten. Im Mittelpunkt stand deshalb die Idee, in kompakter und übersichtlicher Form all jene Informationen zu finden, die man benötigt, um los starten zu können – von der Ideenfindung bis hin zur Präsentation oder Ausstrahlung. Für jene, die dann (hoffentlich) Feuer fangen, gibt es am Ende weiterführende Links zu weiteren empfehlenswerten Publikationen im Netz.

 

Du selber hast schon viele Gruppen bei der Erstellung von Hörspielen, Podcasts oder klassischen Radio-Beiträgen unterstützt. Angenommen einE LehrerIn kennt sich mit der Erstellung eines audiovisuellen Projekts noch nicht so gut aus und möchte im Unterricht ein erstes Projekt realisieren. Welches Format würdest du zu Beginn empfehlen? Auf was sollte man achten, dass man zu einem wünschenswerten Ergebnis kommt? Gibt es gute Freeware-Programme, die du empfehlen kannst?

 

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