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Querdenker

HTBLVA Graz Ortweinschule (Stmk.)
10. Schulstufe
Kurzfilm - VIDEO PREISTRÄGER 2019

Inhalt

Weder Schwarzblende noch Vorspann, kein Filmtitel, keine Einleitung. Ohne Vorankündigung und ganz plötzlich legt ein Jugendlicher los: „Ich bin’s, Mad Max – wieder on air live hier in der Hood! Mit dabei die Gang, selbstverständlich, wie immer: Julian, hier oben. Andi ist auch dabei!“

Das Hochformat des Smartphones im Selfie-Modus, viele kleine Emojis und die Kommentare einer Online-Community machen klar: Hier handelt es sich um einen Live-Stream, der gerade in einem sozialen Netzwerk übertragen wird. Die drei Jugendlichen filmen sich im Park beim Herumalbern und Biertrinken – soweit eigentlich alles im grünen Bereich. Bis sie einen Altersgenossen sehen, der gerade im Querformat filmt.
Mad Max und seine Freunde beginnen ihn zu schikanieren: „Hey, Schwuchtel, kannst du das Handy nicht normal halten?“ Der Bursche wehrt sich, doch er hat keine Chance: Er wird verprügelt und landet im Krankenhaus. Am Abend berichtet das Fernsehen in den Nachrichten über die Schlägerei. Zu den Sehern gehören auch die Familien der jugendlichen Gewalttäter, die die News apathisch und ohne Regung zur Kenntnis nehmen. Die Rundfunkanstalt hingegen setzt ein Zeichen gegen den brutalen Übergriff: Das Programm wird ab sofort im Quer- anstatt im Hochformat ausgestrahlt.

Der Kurzfilm „Querdenker“ zeichnet das Bild einer sensationslüsternen Gesellschaft, der die moralischen Werte abhandengekommen zu sein scheinen. Das wirft viele hochaktuelle Fragen im Umgang mit Medien auf. Nicht nur wunderbar gespielt, sondern auch aufwändig und kreativ inszeniert. Chapeau!

Projektleitung: Franz Leopold Schmelzer und Johannes Steger

Jurybegründung

Der Kurzfilm “Querdenker” überzeugt nicht nur wegen der eindeutigen Botschaft, die er übermittelt (um gegen Hass und Mobbing vorzugehen, benötigt es Zivilcourage und Zusammenhalt), sondern auch durch die technische Umsetzung. Durch den Perspektivenwechsel zwischen Hoch- und Querformat wird für die Zuseherinnen und Zuseher sofort klar, aus wessen Sichtweise eine Szene dargestellt wird. Auch das Einblenden von Kommentaren in den Live-Stream zu Beginn des Videos zeigt sowohl technische Kompetenz als auch Reflexion der Darstellungsweisen von Jugendlichen in sozialen Netzwerken. Die Dramaturgie ist gut aufgebaut, sodass der Spannungsbogen aufrechterhalten wird und aufzeigt, welche Auswirkungen vermeintlich kleine Zwischenfälle auf die Gesellschaft haben können.