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"Der weiße Hai" (Originaltitel: Jaws), ein Film von Steven Spielberg aus dem Jahr 1975, schildert die mörderischen Attacken eines gigantischen weißen Hais, der einen beliebten Badestrand terrorisiert.Der weiße Hai kann für vieles stehen. Der weiße Hai ist ein Monster, ein Filmmonster und kann für die zurückschlagende, sich rächende Natur stehen. Und der weiße Hai taucht im Film an einer Stelle auf, wo zwei Teenager versuchen, Sex im Meer zu haben. Der Hai kann auch für die Bedrohung Amerikas durch illegale Einwanderer stehen, kommen doch die Illegalen aus dem Meer; oder auch als Antwort auf die Auswüchse des Kapitalismus gelesen werden. "In diesen Deutungshorizont stellt sich ein Kritiker also, wenn er behauptet, seine Interpretation des Hais liefere die besten Einblicke in die Gesellschaft, die ihn hervorgebracht hat. […] geht es hier gerade nicht darum zu entscheiden, welche Deutung des Hais am besten mit der Wahrheit der gegenwärtigen Gesellschaft übereinstimmt, weil der Hai selbst die Gesellschaft in seinem Bild immer neu erschafft. Der Kritiker hat also immer schon etwas über die Gesellschaft zu sagen (irgendeine These über die Umwelt, die Sexualität oder den Kapitalismus), das er dann dem Hai zuschreibt. […] was wir angesichts der überwältigenden physischen Präsenz des Hais vergessen, ist, dass es sich nur um eine Interpretation der Gesellschaft handelt." (Rex Butler: Slavoj Žižek zur Einführung. Junius, Hamburg 2006, S. 82)
Photos by Bud Gray © MPTV - Image courtesy"Die Funktion des Symbols – des Killerhais – liegt weniger in irgendeiner einzelnen Botschaft oder Bedeutung als in seinem Vermögen, all diese völlig unterschiedlichen Ängste zu absorbieren und zu organisieren. Als symbolisches Vehikel muss der Hai also in Termini seiner wesentlich polysemischen Funktion verstanden werden, und nicht als irgendein partikularer Inhalt, der ihm von diesem oder jenem Zuschauer attribuierbar ist." (Frederic James in: Žižek, Slavoj: Grimassen des Realen. Jacques Lacan und die Monstrosität des Aktes. Kiepenheuer & Witsch, 1993, S. 177) Dieser Hai wäre damit mehr als jede einzelne Interpretation, er wäre etwas, was sich in gewissem Sinne nicht bezeichnen lässt. Der Hai kann kein neutrales oder natürliches Objekt sein, sondern ist immer auch schon Ausdruck von Ideologien, denn jede Beschreibung ist nicht nur Beschreibung, sondern immer auch Metabeschreibung. Siehe Tutorial: Wie entsteht Bedeutung?
Photos by Bud Gray © MPTV - Image courtesyJede Deutung versucht, eine gewisse Distanz gegenüber anderen Darstellungen zu gewinnen, die als ideologisch wahrgenommen werden, und über das zu sprechen, was diese auslassen. Doch genau dadurch entfaltet der Hai einmal mehr seine Magie. Wir können nämlich andere Interpretationen nur als ideologisch kritisieren, wenn wir unterstellen, dass es einen echten Hai gibt, den die anderen – und in letzter 'postmodernen' Konsequenz vielleicht auch wir – missverstehen. Um anderen zu unterstellen, sie nähmen den Hai ideologisch verzerrt wahr, nämlich nur als Spiegel ihrer eigenen Interessen, müssen wir davon ausgehen, dass es einen 'wahren' Hai gibt, über den sie nicht sprechen, der nur ein Spiegel von uns sein kann. In Žižeks Worten: "This tension introduces a kind of reflecive distance into the very heart of ideology: ideology is always, by definition, 'ideology of ideology' [...] There is no ideology that does not assert itself by means of delimiting itself from another mere 'ideology'" (Rex Butler: Slavoj Žižek zur Einführung. Junius, Hamburg 2006, S. 86) Linktipp: Jacques Lacan - Der große Andere |
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