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Das Wesen der Identität erlebt im 21. Jahrhundert gravierende Veränderungen. Wir müssen digitale Kompetenz erwerben, um uns in dieser komplizierten und ambivalenten Welt zurechtzufinden. Davon sind alle betroffen, die in vernetzten Gesellschaften leben. Das Internet ist auch ein virtuelles Labor für Experimente mit der Identitätsentwicklung. Besonders Jugendliche nutzen vernetzte öffentliche Räume als Umgebungen, um Sozialisationsprozesse und Identitätsentwicklung zu trainieren. Sie verstehen Information als etwas Formbares, das ihnen zur Verfügung steht, um etwas Neues und Spannendes daraus zu gestalten. Und sie gewinnen unter Umständen einen nie da gewesenen Einfluss auf ihr kulturelles Umfeld. Die verschiedensten Medieninhalte werden bearbeitet und remixed.
In zunehmendem Maße sind es auch Mobilgeräte, die für viele die Schnittstelle bilden, über die sie ihrer Identität und der ihrer Freunde und Bekannten Ausdruck verleihen. Viele zeigen Bilder von sich, die sie mit ihrem Mobiltelefon aufgenommen haben. Sie sind keine passiven Konsumenten, sondern ausgesprochen aktive TeilnehmerInnen an den Meinungsbildungsprozessen innerhalb ihrer Kultur. Ihre Kunstform ist der Remix.
Soziale Netzwerke sind auch wichtige Hilfsmittel zum Flirten, zur Pflege von Beziehungen und für die tägliche Kommunikation. Wir müssen erst verstehen lernen, wie besonders Jugendliche ihre Identität gestalten, wie sie Informationen kreieren und bearbeiten und Neues ersinnen. Dabei erstaunt die Tatsache, wie freizügig oft mit persönlichen Daten und mit Privatsphäre umgegangen wird. Viele Bereiche der persönlichen Identität, die wir in sozialen Netzwerken preisgeben, lassen sich ganz schnell und unkompliziert modifizieren oder auch wieder löschen. Doch es muss darauf hingewiesen werden, dass wir nahezu keine Kontrolle über unsere soziale Identität im Internet haben. Der Vernetzungseffekt verringert paradoxerweise unsere Möglichkeiten und schränkt so auch unsere Freiheit wieder ein. In der vernetzten Welt sind die digitalen Spuren der sozialen Identität ständig präsent. Und sie begleiten uns. Wir können zwar den Wohnort wechseln, aber Google wird uns finden. Und wenn nicht, ist das auch schon wieder verdächtig.
Digitale BewohnerInnen von Blogs, Foren, Flickr, StudiVZ, Xing, Facebook … verändern nahezu ständig Bereiche persönlicher und sozialer Identität. Das Öffentlichmachen bestimmter Informationen – z. B. die Kommunikation über Freundschaften – ist eine Technik zur Eindrucksteuerung und Selbstdarstellung. Wir ergänzen oder löschen manchmal ganze Profile, Bilder und Videos. Weil unsere "Freunde" öffentlich einsehbar in einem sozialen Netzwerk miteinander verbunden sind, wissen sie auch, dass ihr Ansehen und das ihrer Freunde auf dem Spiel steht, falls sie sich schlecht benehmen. Soziale Netzwerke beruhen im Kern also auf der Herausbildung von Identitäts- und Vertrauensnetzwerken.
Identitäten im Internet aufzubauen und zu verwalten ist eine vielschichtige Sache. Noch niemand hat bisher die Erfahrung gemacht, wie sich ein digital gefärbtes Leben im Laufe von Jahren entwickelt und welche Auswirkungen es haben kann. Wir werden die ersten sein, die mit den Effekten digitaler Identitätskonstruktion und digitaler Dossiers langfristig umgehen müssen. "Eine Digital Native sollte sich fragen, ob sie das Bild, das sie gerade hochlädt, auf der Titelseite der New York Times oder in ihrem Lebenslauf oder ihrer Lehrstellen-Bewerbung sehen möchte. Wenn nicht, sollte sie es lieber nicht ins Netz stellen." (Palfrey, John; Gasser, Urs: Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben – Was sie denken – Wie sie arbeiten. Hanser, München 2008, S. 85) Digital Natives: http://digitalnative.org Sicherheit Das Internet bietet großartige Möglichkeiten, ist aber gleichzeitig mit Risiken verbunden. Auf das Internet zu verzichten oder die Nutzung radikal einzuschränken kann keine Lösung sein, daher ist es wichtig Kinder auch aktiv auf die Risiken vorzubereiten und nicht zu kritisch bei ihren Entdeckungsreisen zu sein. www.saferinternet.at bietet dazu hervorragende Begleitinformationen. |
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