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Durch Zuhören können wir – wie durch Beobachten – sehr viel lernen:

Die verschiedensten Arten des Redens, die unterschiedlichsten Gestaltungsformen (Stimmungen), die unterschiedliche Wirkung auf andere (und mich), das Prägen einer Figur, einer Rolle durch die bewusste Gestaltung der Sprache.



Es ist jedoch nicht nur sinnvoll anderen zuzuhören, sondern auch sich selbst. Für das Selbststudium, die Selbsterfahrung eignen sich wiederum ein einfacher Kassettenrecorder, ein Mikro und viel Geduld. Worte, Sätze, Texte beim Sprechen aufnehmen, abhören – wie wirke ich? Wie klingt meine Stimme?

Innere Stimme
Äußere Stimme
Beim ersten Mal Anhören sehr fremd – das ist aber auch verständlich, denn:

Wir hören uns "innen und außen", die anderen hingegen hören uns nur "außen". Dies kann gut erfahren werden, wenn man die Hände einmal vor die Ohren hält, dabei "Hallo" sagt (= "innere Stimme"), dann hält man die Hände hinter die Ohren und sagt wieder "Hallo" (= "äußere Stimme"). – So kann man sich schon ein wenig an die "fremde Stimme" einer Aufnahme gewöhnen.
Für die Arbeit vor der Kamera – also für Publikum – ist es allerdings nicht nur nötig, sich an die eigene Stimme gewöhnt zu haben, sondern auch Gestaltungsvarianten zu erproben, um der jeweiligen Rolle oder Situation bewusst entsprechen zu können.

ÜBUNG:

RÖSCHEN
kriecht, leise stöhnend, langsam zum Sofa, zieht sich hinauf und lässt sich hineinfallen. Sie ist blutüberströmt
Gemurmel, was ist dazu zu sagen, wie sind die Erinnerungen daran? Falls es welche gibt.
Wir saßen im Abteil eines Zuges, von dem wir wussten, dass er bald abfahren werde. Aber wir hatten kein Geld (Sie kennen diese Geschichten. Diese trockenen und doch so weinerlichen Geschichten. Sie stinken auf den Bahnhöfen und an vielen anderen Stellen in allen Städten)
Pause
wir waren rechtzeitig ausgestiegen und sahen dem Zug nach, als er abgefahren war. Und sahen ihm noch nach, als er längst nicht mehr zu sehen war
Pause
dieses Kleid lässt sich sowohl an- als auch ausziehen
Pause
immer ein Feind in der Nähe, meistens unsichtbar
Pause
ich habe noch nie meinen Ellbogen gesehen
Pause
wir blieben am Bahnhof und lachten über die Leute, aber auch über uns, was bedeutsam ist, wenn bedacht wird, wie ernst wir uns zu nehmen pflegten. Wir lachten und warteten auf unseren nächsten Zug
Pause
aber er ist nie gekommen
lange Pause
da war etwas, das ich noch sagen wollte
lange Pause
ich habe es vergessen
Bildschirme schwarz


aus "JOKEBOX. Stille Stimmen" von Thomas Kamper (2003)

 
  HÖRBEISPIEL 36 
Zum Begräbnis seines Vaters kehrt der junge Lehrer Radu nach 15 Jahren aus der Großstadt zurück in die Siedlung am Rande einer Müllhalde irgendwo in Rumänien. Und dabei findet er seine Jugendliebe wieder.

Liebe, Leidenschaft und die Suche nach der verlorenen Identität in ebenso schönen wie kraftvollen Bildern - darum geht es in "Dallas Pashamende". Aber noch viel wichtiger - es ist ein Film über die immer noch ziemlich ausweglose Situation der Roma heute in den ehemaligen Ostblockländern. Inszeniert hat der in Siebenbürgen geborene Österreicher Robert Adrian Pejo.

"Dallas Pashamende" - trotz aller Poesie realistisch und ganz ohne folkloristische Schönfärberei.
(Karl Khely, ZIB1, 11.04.2005)
 
  HÖRBEISPIEL 37 
 
Diesen Text
1) auf Inhalt einmal leise durchlesen
2) halblaut anlesen
3) präsentieren (und aufnehmen!)
4)
anhören und notieren, wie ich die Aufnahme finde
(zu laut, zu leise, zu schnell, zu fad, … – oder: Ich bin zufrieden. Fein!)
Nun eine kleine Verdauungspause einlegen, dann die Aufnahme wieder anhören – mich an meine aktuelle Stimme und Präsentationsart gewöhnen.
5) Drei Gestaltungsvarianten und ihre Reihenfolge festlegen:
z.B. ernst, liebevoll, lachend, …
6) diese drei Varianten aufnehmen
7)
anhören und jeweils feststellen, ob die Wirkung der Regieanweisung entspricht. Wenn ja – fein, gratuliere!

Das wird jedoch nur den wenigsten gleich gelingen. Wenn also die Wirkung nicht ganz den Erwartungen entspricht, die Aufnahmen nochmals einzeln anhören, sozusagen sich selbst zuhören, und die Regieanweisung ggf. korrigieren (z. B. statt ernst "sehr ernst" oder auch "etwas freundlicher" (falls ernst eher unwirsch klingt).
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