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Stimmungen sind merkbar. – Ich treffe einen Bekannten, er hat noch nichts gesagt und doch merke ich eine spezielle Ausstrahlung, er vermittelt mir eine Veränderung. Üblicherweise folgt dann die Frage "Wie geht es dir?" oder direkter "Was ist mit dir, was ist los?". Selten lasse ich einfach den optischen Eindruck auf mich wirken und versuche meine Überlegungen dazu zu konkretisieren. Das klappt schon deshalb selten, da meist zu wenig Zeit dafür bleibt.

Damit ist ein wichtiges Element aus dem Bereich "Erfahren von Körpersprache" angesprochen: Zeit haben, sich Zeit nehmen um Aktionen und Reaktionen wahrzunehmen. Alles hat aber nicht nur seine Zeit, sondern auch seinen Platz: manches ist im Alltag erfahr- und erprobbar, manches besser und sinnvoller vor der Kamera, dem Spiegel.

Im Alltag – durch eigenes Verhalten
Ein paar mögliche Situationen, in denen ich meine körpersprachliche Wirkung erproben kann:
 
Im Caféhaus: Statt "zahlen" zu rufen, mit der Kellnerin bzw. dem Kellner Blickkontakt suchen, dann entweder mimisch oder auch mithilfe einer Hand- oder Armbewegung den Wunsch nach Kontakt signalisieren. Meistens erfolgt eine mimische oder verbale Reaktion.
Um aber möglicherweise nicht ewig im Caféhaus sitzen bleiben zu müssen (falls meine Ausdrucksstärke nicht ausreicht, die Hektik des Alltags zu durchdringen) ist es sinnvoll, ab einem gewissen Zeitpunkt doch die Stimme einzusetzen.

Fazit:
Erfahren in welchen Situationen (z.B. wenig oder stark besuchtes Café, …) welche Sprache bereits wirkt – kleine Gesten oder große Gesten; normale oder angehobene Stimme ... oder nur mehr das Aufstehen und "Zahlen"-Rufen.
 
In der Straßenbahn oder U-Bahn: Beim Lesen einer Zeitung bzw. eines Buches erst lächeln, dann lachen oder auch (hörbar) seufzen – Blick-Reaktionen der anderen sind meist die Folge. Nun kann ich entweder aufschauen und die Reaktionen optisch wahrnehmen oder ich kann das Aufschauen vermeiden und die Reaktionen versuchen zu spüren. Und auch meine Gefühle dabei, denn es ist ein wichtiges Moment, diese Reaktionen aufzunehmen und auch auszuhalten. – Wenn mir die Situation unangenehm wird, ist das Element "Auflösen" angesagt: Körperhaltung verändern und ein freundliches Lächeln aufsetzen z.B. Womit ein weiteres Element bewusst werden kann: Haltungsänderungen wirken sich auf Reaktionen aus, können Situationen vertiefen oder auflösen.
 
Im Alltag – durch Beobachten: Beobachten ist eines der wichtigsten Elemente – ob am Bahnhof, in einem Lokal, im Park, in der Disco – ich erhalte dadurch viele Impulse bezüglich Varianten von Körpersprache. Diese Wahrnehmungen sind dann mit der Wirkung, die sie bei mir auslösen, zu verbinden. So ist der erste Kontext gegeben: Ausdruck löst etwas aus, nämlich Stimmung und Einschätzung. Der nächste Schritt ist dann, eine kleine Geschichte damit zu verknüpfen, meine Phantasie zu nutzen.
Diese Erfahrungen können als Basis für Situationsimprovisationen dienen. Die Umsetzung wird umso leichter möglich und effizienter in der Wirkung, wenn ich fokussiert beobachte, z.B. zum Thema "Sitzen in der U-Bahn", "Warten", "Lachen" ...

Auch ohne Schauspielschule oder entsprechenden Workshop, kann ich nun daran gehen das Beobachtete selbst auszuprobieren, umzusetzen.
Dafür eignen sich Kamera und/oder Spiegel.
Es ist gar nicht so einfach fremde Verhaltensweisen nachzuahmen, also: bitte Geduld!

Außerdem stellt sich oft heraus, dass ich – um das auszudrücken, was ich beobachtet habe – nicht nur eventuell andere, mir adäquate Bewegungsabläufe einsetzen muss, sondern auch die Situation, den inhaltlichen Background beachten muss. Denn: einfach Nachahmen ist ein eher technisches Element.

Um Beobachtungen sinnvoll für die Erweiterung meiner Körpersprache bzw. für meine Rolle nutzen zu können, ist immer der inhaltliche Aspekt zu beachten.
Beispiel: Der Regisseur sagt beim Vorsprechen "Gehen Sie doch einmal betrunken über die Bühne". Ich kann nun einfach über die Bühne torkeln oder nachfragen: "Wie betrunken? Leicht angetrunken, besoffen, wie ein Spiegeltrinker oder vielleicht nur leicht beschwipst?" So kann ein Dialog entstehen, eine differenzierte Performance.
Dafür ist es aber wichtig, mich vorher durch Beobachten und spielerisches (nüchternes!) Erproben mit diesem Thema auseinander zu setzen.
 

Als Abrundung einige mimische Beispiele, für deren persönliche Nachahmung ein Spiegel genügt:
 
So locker freundlich zu wirken, ob offen gezeigt wie bei ihr oder noch etwas verdeckt wie von ihm, ist anfangs oft nur zufällig möglich. Rein technisch hilft hier zur Vorbereitung das Gesichts-Warm-up (also Grimassieren, Massieren, Gähnen etc.) und Körperlockerung.
Und natürlich: an etwas Angenehmes, Fröhliches denken.
Zwei Varianten der für Clown- oder Harlekinfiguren typischen Traurigkeits"maske".
Der Eindruck für die BetrachterInnen ist ein eindeutiger. Für die Gesichtsmuskulatur bedeutet es eine einseitige Belastung, daher ist es gerade in diesem Fall wichtig das entsprechende Warm-up mit Gegenübungen ("friendly-face") im Vorfeld gemacht zu haben.

Was immer sich die zwei gerade gedacht haben, was sie ausdrücken wollten:

Wie wirkt ihr bzw. sein Gesichtsausdruck?


In welcher Situation einer Szene könnten diese mimischen Varianten sinnvoll eingesetzt werden?
Sie: "Das finde ich jetzt äußerst eigenartig, beinahe befremdlich, bedrohlich …"

Er:
Ich bleibe nah bei ihr, muss wachsam bleiben, zuhören ..."

Ein situatives Bild, eine Standaufnahme ... welche Situation kann damit assoziiert werden?
 
 
 
 
 
Tja, das wars - ausprobieren ist alles!


Viel Spaß dabei!
 
Autorin: Vera Albert
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