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Aufgabenstellung
Auf einer geraden Linie rollt ein Ball von Punkt A nach B.
 
Version A

 
Gleichmäßige Abstände
Der Weg von A nach B wird auf einem Blatt Papier aufgezeichnet, die Ausgangs- und Endposition werden durch senkrechte Striche markiert, danach wird in der Mitte zwischen den beiden Hauptphasen die erste Zwischenphase gesetzt.

 
In einem nächsten Schritt werden weitere Markierungen für Zwischenphasen eingefügt, sodass die Linie durch kleine Striche in fünf gleich große Abstände unterteilt wird.

 
Danach wird die Kugel an diesen fünf Positionen eingezeichnet. Die auf der Skizze eingezeichneten Positionen werden auf fünf einzelne Blätter übertragen und mit der Einzelbildkamera aufgenommen.

 
Ergebnis
Die Kugel bewegt sich mit gleichmäßiger Geschwindigkeit von A nach B.

Analyse
Pfadanimation, Hauptphasen und In-Betweens

Der von A nach B rollende Kugel illustriert das Prinzip der Pfadanimation, sämtliche nur erdenklichen Animationen, und seien sie auch noch so kompliziert, können nach demselben Prinzip aufgeschlüsselt oder aus mehreren Pfadanimationen zusammengesetzt werden.

Bei jeder neuen Animationssequenz wird zuerst ein Ausgangs- und ein Endbild festgelegt, diese beiden Zeichnungen nennt man Haupt- oder Eckphasen ("keyframes"). Anschließend wird jene Zeichnung festgelegt, die im zeitlichen Mittelpunkt zwischen den Hauptphasen liegt. Die Position dieser Mittelphase (erstes "In-Between") bestimmt wesentlich die grundsätzliche Form der Animation. In unserem Beispiel ist die Distanz zwischen der mittleren Zwischenphase zu beiden Hauptphasen gleich groß und die Kugel behält Form und Größe. Theoretisch könnten aber alle drei Parameter verändert werden, was zu einem völlig anderen Ergebnis führen würde.
Die ersten drei Phasen einer Animation: Hauptphasen und erstes In_Between sind also von allergrößter Bedeutung, weil sie bereits den Charakter der Animation, den zeitlichen und räumlichen Verlauf festlegen. (Im industriellen Produktionsprozess kommt dem/der HauptphasenzeichnerIn - nach dem Character Design - die wichtigste Rolle zu, denn er/sie legt den Charakter und die Stimmung einer Animationssequenz fest.)


Version B

 
Größer und kleiner werdende Abstände
Am Beginn und Ende der Skizze zur Animation von Version A werden der hier abgebildeten Zeichnung folgend jeweils zwei Striche eingefügt. Die Abstände zwischen den Strichen sollen in Richtung Mittelpunkt der Linie kontinuierlich größer werden.

 
Analog zur Version A werden an den Markierungen der obigen Skizze die neuen Kreise eingezeichnet, die wiederum auf neun einzelne Blätter übertragen werden, damit sie für die Animation aufgenommen werden können.

 

Ergebnis
Die Kugel bewegt sich von A nach B, beschleunigt in der ersten Hälfte und bremst in der zweiten Hälfte der Wegstrecke wieder ab.


Analyse
Timing, Beschleunigen und Abbremsen
Die Animation in Version A war - aufgrund der gleich großen Abstände - eine völlig gleichförmige Bewegung; dies wirkt mechanisch und unnatürlich.

Durch das Einfügen der zusätzlichen vier Phasen wird die Bewegung beschleunigt und verlangsamt - kurze Abstände ergeben langsame Bewegung, große Abstände ergeben schnelle Bewegung - im Gesamtbild wirkt die Animation jetzt eleganter und natürlicher.
Was hier in einem einfachen Beispiel nur vom Prinzip her veranschaulicht werden soll, spielt bei komplexen Animationen eine entscheidende Rolle. Für die Qualität einer Animation ist nicht ausschlaggebend, wie die einzelnen Zeichnungen für sich alleine stehend aussehen, sondern wie sie sich zeitlich zueinander verhalten. Animationen mit immer gleichen Abständen ergeben eine langweilig gleichförmige Bewegung. Die Dynamik der Bewegung, der bewusste Einsatz von Beschleunigung und Verlangsamung (im Fachjargon "slow in" und "slow out"), von Stillstand und Bewegung macht Animation interessant.

Beispiel: Das Pendel

 
Ein anderes Beispiel für "slow in" und "slow out" ist das Pendel, das auch als Variante der Übung "Rollender Ball" betrachtet werden kann. Ein wichtiger Tipp ist, die senkrechte Phase wegzulassen, weil die "statische" Senkrechte einen Widerspruch zur Bewegungsdynamik darstellt.

 
Analyse
Die Pendelbewegung kommt in dieser Form und in Variationen davon als Bestandteil komplexerer Bewegungsabläufe immer wieder vor. Variationen der einzelnen Parameter (Größe der Kugel, Länge der Schnur, Pendelradius, Variationen der Abstände, Wiedergabefrequenz) ergeben unterschiedliche Eindrücke der physikalischen Eigenschaften des Pendels.
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