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Interviews können kontroversl oder beschreibend angelegt sein. Je nachdem, welche Stoßrichtung das Interview verfolgt, nehmen auch die GesprächspartnerInnen, also Interviewerin und Interviewter, unterschiediche Rollen ein. Je ungeklärter das Rollenspiel abläuft, umso unberechenbarer wird der Interviewverlauf, weiß der Journalist Michael Haller in seinem Handbuch "Das Interview" zu berichten. Da wechselt der Interviewpartner plötzlich seine Rolle (etwa: von der Hauptperson zum bemitleidenswerten Opfer) und verunsichert den Frager, was diesen wiederum zu einem Wechsel in die Rolle des Verärgerten veranlasst, was zusätzlich verunsichernd wirkt und dem Gespräch vielleicht eine unvermutete Wende gibt. Der Journalist sollte deshalb am Ende seiner Interviewvorbereitung festlegen, welche Rolle er seinem Interviewpartner zuweisen möchte. Außerdem ist es notwendig, sich auch der eigenen Rolle als InterviewerIn bewusst zu sein.

In der Praxis gibt es dabei drei Grundmuster an Rollen, die die Interviewerin einnehmen kann und die sie beherrschen sollte:

Nimmt sie eine bestätigende Haltung ein, geht es ihr vor allem darum, dem Publikum das Wissen des Gesprächspartners zur Verfügung zu stellen. Sie spielt die Rolle einer Animateurin, die den Interviewpartner dazu bringt, bestimmte Äußerungen zu machen. Dem Interviewten wird sozusagen ein Forum geboten, auf dem er sich darstellen kann.
Als zweite Variante des Rollenspiels beim Interview kann der Interviewer als Vertreter des Publikums auftreten. Die Journalistin stellt die Fragen aus der Sicht des Publikums, sie orientiert sich an dessen vermuteten Interessen und Wissensbedarf. Die Antworten des Interviewpartners sind an das Publikum adressiert. Diese Form des Interviews dient der Wissensvermehrung und dem besseren Verständnis von Sachverhalten.
Die Interviewerin kann aber auch auf Konfrontationskurs gehen: Dann fragt sie nicht naiv, sondern hält dem Interviewpartner kritisch diverse Argumente entgegen, die sie vorher natürlich gründlich recherchiert hat. Das Interview hat in diesem Fall die Funktion einer Bühne, bei der sich zwei DiskutantInnen gegenüberstehen. Das Publikum ist in der Rolle des Zuschauers. (vgl. HALLER, 209)

Welche Rolle auch immer ein Interviewer einnimmt - Interviews sollten immer nach allen Geboten der Fairness geführt werden. Dazu gehört, dass die zu befragende Person rechtzeitig und hinreichend über die Tatsache des Interviews in Kenntnis gesetzt wird. Auch in harten Interviews sollte der Interviewer Takt bewahren und ein "sachlicher" Anwalt der Interessen des Publikums bleiben. Wo die Grenze zwischen Takt und Zudringlichkeit gezogen werden muss, hängt aber auch von der Position des Interview-Partners ab. "Bei einem Politiker, der grundsätzlich verpflichtet ist, die BürgerInnen zu informieren, wird drängendes Fragen viel länger innerhalb der Taktgrenze liegen als bei Privatpersonen. Überhaupt hat der Interviewer gegenüber Leuten, die es nicht gewohnt sind, interviewt zu werden, eine erhöhte Verantwortung." (HALLER, 227)

Ein Interviewer, der grundlos einen rhetorisch schwachen, verunsicherten Gesprächspartner mit heimtückischen Fragen attackiert, steht vor dem Publikum nicht gut da. Er wird als unfair und damit auch als unglaubwürdig betrachtet.
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