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SternenhimmelMathematik statt Theologie: Zahlen, Gleichungen, Formeln als Sinndeutung. Das Schicksal hat keine Adresse mehr. Der Himmel ist leer und Zahlen bevölkern das Universum. Zahl und Materie. Soweit wir heute wissen, hat die Menschheit erst seit 8000 Jahren erkennbare Vorstellungen davon, was so etwas Abstraktes wie Zahlen sind. Formale, symbolische Mathematik mit Gleichungen, Theoremen und Beweisen gibt es seit 2500 Jahren. Die moderne Algebra, bei der Symbole wie x, y oder z beliebige Größen bezeichnen, ist in etwa 150 Jahre alt. Mathematik ist NICHT die Wissenschaft von den Zahlen. „Mathematik ist die Wissenschaft von den Mustern“ und unterschiedliche Arten von Mustern führen zu unterschiedlichen Zweigen der Mathematik. (Keith Devlin: Das Mathe-Gen. S. 23)

2001: Odyssee im Weltraum Die Komplexität und Abstraktion vieler mathematischer Muster hat zu einer eigenen Symbolik geführt. Die Symbole allerdings sind nicht Mathematik, genauso wenig wie Noten auf Papier Musik sind. Von einer geschulten Person gelesen, verwandeln sich die mathematischen Sachverhalte im Geist des Lesers, der Leserin. Die Mathematik kann nur durch ein „geistiges Auge“ gesehen werden. Computer sind Maschinen, die uns helfen können, einige dieser Muster auch sinnlich zu begreifen, zu manipulieren und einzuordnen. Daher widmen wir uns im Medienlabor an erster Stelle der Mathematik. Sie ist das Werkzeug der modernen Welt, unserer Welt.

Erde vom Mond ausBis 1660 gab es nur zwei Möglichkeiten, die Welt zu verstehen: induktiv anhand von Beispielen und deduktiv auf Axiome gegründet. „Die Wahrheit war entweder das Resultat von Erfahrung – und damit immer in Gefahr, durch Gegenbeispiele widerlegt zu werden, die überall auf der Lauer lagen –, oder sie bestand aus wunderschönen Abstraktionen: rein, widerspruchsfrei und klar wie ein Kristall, aber ohne festen Bezug zur Welt von uns Sterblichen. Diese beiden Wege der Erkenntnis setzten den Antworten, aber auch den Fragen über unser Leben Grenzen. Jenseits dieser Grenzen war alles Zufall, Glück oder Schicksal: das Rätsel unserer Existenz als Individuum. (John) Graunt war der Erste, der versuchte, die Wahrheit in einem Haufen von Daten zu entdecken. Mit seiner Erfindung, die später als Statistik bezeichnet wurde, umging er sowohl die Grundfragen des Seins („Alles ist möglich“) als auch die der Einmaligkeit der individuellen Existenz („Nur Eines wird Wirklichkeit“). Das Problem der Ungewissheit formulierte er in der Frage: „Wie genau muss man etwas wissen, um handeln zu können?(Ellen Kaplan: Eins zu Tausend. Die Geschichte der Wahrscheinlichkeitsrechnung. S. 9 f.)

Galtons BrettDie Kombination aus Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechung ist heute die Grundlage fast aller modernen Naturwissenschaften.

Ein Galtonbrett (nach Francis Galton) ist ein mechanisches Modell zur Demonstration einer Wahrscheinlichkeitsverteilung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Galtonbrett


 
Kopf und Universum – von Hans Magnus Enzensberger
Sierpinski-DreieckDie unvermutete Brauchbarkeit mathematischer Modelle hat etwas Verblüffendes. Es ist keineswegs klar, warum höchst präzise Hirngespinste, die fern von aller Empirie, gewissermaßen als l'art pour l'art, erdacht worden sind, derart geeignet sind, die reale Welt, so wie sie uns gegeben ist, zu erklären und zu manipulieren. Mehr als einer hat sich über the unreasonable effectiveness of mathematics gewundert. Für gläubigere Zeiten war diese prästabilierte Harmonie kein Problem: Leibniz konnte noch in aller Ruhe behaupten, mit Hilfe der Mathematik könnten wir "einen erfreulichen Einblick in die göttlichen Ideen gewinnen", einfach deshalb, weil der Allmächtige persönlich der erste Mathematiker war. Heute tun sich die Philosophen damit erheblich schwerer. Der alte Streit zwischen Platonikern, Formalisten und Konstruktivisten scheint mit einem matten Unentschieden zu versanden. Die Mathematiker kümmern sich in ihrer Praxis kaum um solche Fragen. Eine naheliegende Erklärung, die sich allerdings bei den Hütern der Tradition keiner großen Beliebtheit erfreut, könnte man darin sehen, daß es ein und dieselben Evolutionsprozesse sind, die das Universum und unser Gehirn hervorgebracht haben, so daß ein schwaches anthropisches Prinzip dafür sorgt, daß wir dieselben Spielregeln in der physischen Realität und in unserem Denken wiederfinden.
(Die Mathematik im Jenseits der Kultur. Eine Außenansicht von Hans Magnus Enzensberger
http://www.mathe.tu-freiberg.de/~hebisch/cafe/zugbruecke.html)

Bildung und Mathematik
Bildung und MathematikDass die Mathematik in unserer Gesellschaft zwar faktisch allgegenwärtig ist, im Bewusstsein der Zeitgenossen aber bestenfalls eine Nische besiedelt, liegt daran, dass sie gleichzeitig mit ihrem Einzug in alle Bereiche vom Alltagsleben bis zu den Wissenschaften immer besser unter glatten Oberflächen verborgen wird. Man sieht sie nicht im Fernsehapparat und nicht in den dazu nötigen Sendeanlagen, nicht in den Raketen, die den Sendesatelliten auf die Umlaufbahn brachten, und nicht in den Maschinen, die all dieses herstellten. Die sanfte Stimme des Autopiloten verbirgt die dahinterstehende harte Mathematik. Es ist gleichzeitig immer mehr mathematische Kompetenz zur Herstellung unserer Gebrauchsprodukte nötig und immer weniger zu ihrer Benutzung. Mit dem Verschwinden hinter die sichtbaren Fassaden verschwindet die Mathematik auch aus dem allgemeinen Bewusstsein, obwohl sie dermaßen in unser Leben eingreift, dass wir dieses Eingreifen dringend jeweils bedenken müssten. Dieser Widerspruch wird inzwischen vermehrt wahrgenommen, so etwa in einem Werk, das am Anfang des neuen Jahrtausends einen gewissen Überblick über die Mathematik anbietet unter dem treffenden Titel „Mathematics Unlimited“. Dort heißt es: „In today’s society, mathematics is present more widely than ever before, but this is rarely acknowledged, even by mathematicians.” (Jean-Pierre Bourguignon) Denken wir zum Beispiel daran, dass die heutige Welt in allen Bereichen durch eine Flut von Bildern bestimmt ist. Diese Bilder, selbst wenn sie ursprünglich Fotos waren, werden aber immer stärker durch auf Mathematik beruhende Bearbeitungsverfahren verändert. Das heißt, dass der Zeitgenosse nicht davon ausgehen darf, ein Bild sei einfach Abbild von Realität. Doch wusste schon Goethe, dass man nur sieht, was man weiß. Also muss man wissen, was hier „die Mathematik angerichtet haben kann“, um einen entsprechenden Blick dafür zu entwickeln.
(Hartmut Köhler: Auf dem Weg zu einer anderen Unterrichtskultur.
http://www.hartmutkoehler.de/doc/2001wien_andere_unterrichtskultur.pdf)

Der Natur die Gesetze ablauschen
Silizium Atome abgebildet mit dem RastertunnelmikroskopDie Mathematik ist ein Produkt unserer Kultur und damit auch eine veränderliche Größe. Für die alten Griechen war die Welt geometrische Harmonie. Später verschob die Schule des Aristoteles die Wahrnehmung auf Lebewesen mit Ziel und Zweck. Zweitausend Jahre später begriff Newton die Welt als einen großen determinierten Mechanismus mit der Präzision eines Uhrwerks und in der industriellen Revolution leitete die Dampfmaschine das Denken. Keine Überraschung also, dass sich mit dem Wachstum der Elektroindustrie und der Allgegenwart des Computers ein neues Paradigma herausgebildet hat. Wir sind Gefangene unserer Zeit. Wohin werden wir uns entwickeln? Das kann niemand wissen und diese Frage ist vielleicht auch gar nicht so wichtig.

Der Nobelpreisträger
Richard Feynman:
„Schauen Sie sich eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines Atoms an, okay?
Werfen Sie nicht bloß einen flüchtigen Blick darauf. Es ist wichtig, dass Sie sie ganz untersuchen. Denken Sie darüber nach, was sie bedeutet.“
„Okay.“
„Und dann beantworten Sie folgende Frage. Lässt sie Ihr Herz höher schlagen?“
„Ja oder nein. Das ist eine Frage, die sich nur mit Ja oder Nein beantworten lässt. Gleichungen sind nicht erlaubt.“

(Leonard Mlodinow: Feynmans Regenbogen – Die Suche nach der Schönheit in der Physik und im Leben. S. 186)


Just Think!
Kultur = Kooperation. Spielen wir! Wahrnehmen, Denken, Entwerfen stehen im Zentrum kultureller und wissenschaftlicher Aufmerksamkeit.

Der Einsatz von Mathematica im Mathematikunterricht an der AHS-Oberstufe
MathematicaMartin Dangl, Markus Binder: Computer werden im Unterricht oft als Hilfswerkzeuge gesehen und eingesetzt; die Entwicklung der entsprechenden „Werkzeugkompetenz“ hat in dieser Sichtweise kaum etwas mit der „eigentlichen“ Mathematik zu tun.

 
 
 
Wir sind nicht dieser Ansicht. Im Rahmen des Projekts „Mathematik lernen mit Mathematica“ argumentieren wir, dass eine Trennung in einen mathematischen Kernbereich und in informatisch-technische Hilfsmittel weder notwendig noch sinnvoll, und im konkreten Fall meist auch nicht möglich ist. Der Aufwand, sich in Mathematica einzuarbeiten, ist in jedem Fall gut investiert. Mit dem Computer ändert sich die Art und Weise, wie Mathematik betrieben wird. Was dies für den Unterricht in der Schule bedeuten kann, möchten wir in der vorliegenden Arbeit aufzeigen und diskutieren.


Download "Mathematica im Mathematikunterricht an der AHS-Oberstufe" Download PDF (786kB)

Link: Mathematica http://www.wolfram.com/

ONLINE LABOR
webMathematica – Beispiele:
http://www.wolfram.com/products/webmathematica/examples/examples.html

Wolfram Demonstration Project: 3D
http://demonstrations.wolfram.com

MathePrisma - ein interaktives Multimedia-Projekt
http://www.matheprisma.uni-wuppertal.de/index.htm

Mathematik für alle Sinne
http://www.mathematik.de/mde/allesinne/indexallesinne.html

mathe online - Galerie multimedialer Lernhilfen
http://www.mathe-online.at/

Sie kennen DynaGeo oder GeoGebra? Sie suchen Unterrichtsmaterial, interaktive Übungen? http://www.realmath.de/

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