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Die publizistische Vielfalt im Internet  
Durch das Internet als sozialer und kultureller Raum einer globalisierten Gesellschaft verlieren die Nationalstaaten ein gewisses Maß an Kontrolle über digital verbreitete Information. Damit nimmt notgedrungen auch die politische Klasse einer demokratischen Gesellschaft Abschied von ihrer traditionellen Meinungsführerschaft und den damit verbundenen Informationskontrollen.

Der offizielle, durch traditionelle Medien verbreitete Diskurs erhält durch das Internet neue Impulse, denn InformationskonsumentInnen sind auch potenzielle InformationsproduzentInnen. Somit wird die Informationskultur im Internet maßgeblich durch die Kompetenz der Beteiligten und deren Interessen bestimmt. Eine zentrale Rolle bei der Auffindung von Informationen nehmen Suchmaschinenbetreiber ein.

Was passiert, wenn Google mehrheitlich die Suchanfragen im Internet beantwortet?
"Dieses Problem kann man sich am besten dadurch ausmalen, wenn man sich vorstellt, es gibt nur noch eine einzige Zeitung und das für die ganze Welt. Das, was da nicht drin steht, das gibt es nicht. Das, was da drin steht, kann man an keiner anderen Stelle mehr kontrollieren. Dazu kommt verschärfend und erstmalig überhaupt, dass dieses Medienimperium dann die Kunden persönlich kennt und dazu die Interessenprofile kennt und deren soziales Netz kennt. So etwas ist einmalig in der Mediengeschichte, das hat es bisher noch nie gegeben."
(Wolfgang Sander-Beuermann, Suchmaschinen-Experte, Universität Hannover)
"Quelle: NDR-Fernsehen"

Im Folgenden Zitate aus dem Film "Google – Die Macht einer Suchmaschine" von Julia Salden (Fernsehfilm des NDR 2006).

Prof. Hendrik Speck, Fachhochschule Kaiserslautern: "Google, und das ist auch ein offen eingestandenes Betriebsgeheimnis von Google, zensiert. Google muss bestimmte Informationen zurückhalten oder hält bestimmte Informationen zurück."

Experimente mit Google

Um mit Google China zu suchen, geben Sie bitte in das Suchfeld "google.cn" ein und klicken dann auf "im Cache".
Im "Cached"-Google geben Sie bitte "tiananmen square" ein.
Als ersten Eintrag finden Sie hier www.tiananmen.org.cn/. Klicken Sie auf diesen Link.
Wiederholen Sie nun die Suchanfrage "tiananmen square" mit www.google.com. Resultat der Suchanfrage: Tiananmen Square protests of 1989

Prof. Hendrik Speck, Fachhochschule Kaiserslautern: "Der Hintergrund dafür ist relativ banal. Google bewegt sich innerhalb seiner Geschäftsaktivitäten, innerhalb von bestimmten Ländern und damit auch politischen Systemen."



Und Google weiß auch, wofür Sie sich interessieren.
Prof. Hendrik Speck: "Google als Suchmaschine beispielsweise, kann ohne Probleme nachvollziehen, was Sie gerade suchen, was Sie jemals gesucht haben, und kann das über mehrere Dutzend Jahre hinweg abspeichern und weiter erfassen …
Wer zusätzlich noch 'Google Desktop' installiert, um den eigenen Rechner zu durchsuchen, verrät noch mehr. Das bedeutet, dass Google ganz genau kontrollieren kann, was haben Sie auf Ihrem Rechner drauf? Wie viele Files haben Sie heruntergeladen und dann vielleicht doch vergessen zu bezahlen? Wie vielen Leuten haben Sie E-Mails geschrieben? Und wie viele bildliche Darstellungen haben Sie auf Ihrer Festplatte, bei denen Sie nicht wünschen, dass Ihre Kinder oder Ihre Frau die irgendwann findet."

David A. Vise, Pulitzer-Preisträger und Autor des Buches "Die Google-Story": "Jeder muss wissen, wenn er mit Google etwas sucht oder das E-Mail-Programm von Google nutzt, was ja auch in Deutschland existiert, wird jede E-Mail und jede Suche gespeichert. Und alles kann bis zum Nutzer zurückverfolgt werden. So häuft Google auf seinen Computern die größte Sammlung privater Daten in der Welt an."

Zitiert aus dem Film von Julia Salden: Google – Die Macht einer Suchmaschine.
Zum Film.

 


Amnesty International kritisiert Yahoo!, Microsoft und Google
Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat den US-Konzernen Yahoo!, Microsoft und Google vorgeworfen, bei der Zensur des Internets in China mitzuwirken und damit die Meinungsfreiheit zu verletzen.

Yahoo! muss sich den Vorwurf gefallen lassen, mit der Weitergabe von Kontendaten die Strafverfolgung chinesischer E-Mail-Benutzer ermöglicht zu haben.
Wer in China aus einem Internetcafé eine E-Mail versendet, muss sich registrieren lassen. Der chinesische Journalist Shi Tao wurde zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil er über seinen Yahoo-Account eine E-Mail an eine in den USA angesiedelte Website für die Demokratiebewegung in China versendet hatte. Er gab in dieser E-Mail den Inhalt eines Kommuniqués des chinesischen Propagandaministeriums wieder, wie die Zeitung, für die Shi Tao arbeitete, zum Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung von 1989 zu berichten hätte.


Die Ausforschung war nur deshalb möglich, weil Yahoo! die Daten des Journalisten weitergab. Yahoo! bedauert das Schicksal von Shi Tao, doch er ist leider kein Einzelfall. (Quelle: AI Österreich)


Amnesty International: Undermining Freedom of Expression in China. The role of Yahoo!, Microsoft and Google (Juli 2006)

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