Die
Eigenschaften von Medien
Für Talcott Parsons (1902-1979) war "Geld" das
Modell, von dem aus er seine Überlegungen zur Medientheorie
anstellte. Er entwickelte daraus seine Idee
der symbolisch generalisierten Medien. Seinen Ausgangspunkt
bildeten dabei die von den frühen ökonomischen Klassikern
dargestellten Funktionen des Geldes:
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Geld
ist Tauschmittel, das einen Tauschwert, aber keinen Gebrauchswert
hat.
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Geld
dient als Wertmaßstab, weil es Güter, Dienstleistungen
vergleichbar macht.
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Geld
dient als Wertaufbewahrungsmittel. |
Bei seinem Theoriemodell vom Geld als Medium versuchte Parsons
Eigenschaften und Parallelen zu anderen Medien zu finden.
"Erstes
Kriterium oder erste Eigenschaft eines Mediums war der Symbolcharakter.
[...] Es muss zweitens eine spezifische Sinnbedeutung und Wirkungsweise
in der Evaluation und im Austausch geben. Für Geld als Medium
haben wir diese Bedingungen in folgender Weise formuliert: Geld
ist das Medium, das die ökonomischen Tauschvorgänge
zwischen Menschen vermitteln kann, es gibt aber viele andere Tauschvorgänge
zwischen Menschen, die sich nicht durch Geld vermitteln lassen.
[...] Die dritte Eigenschaft könnte man Zirkulationsfähigkeit
nennen. Geld und Güter gehen von Hand zu Hand. [...] Eine
vierte Eigenschaft, die sich als besonders wichtig erwies, als
es um die Einbeziehung der politischen Macht in diesem Zusammenhang
ging, ergibt sich aus der These, dass Macht keine Nullsummen-Eigenschaft
haben kann, obwohl ihr das in allen möglichen Zusammenhängen
unterstellt wird."
(Parsons,
Talcott: Sozialstruktur und die symbolischen Tauschmedien. In:
Pias, Claus; Vogl, Joseph; Engell, Lorenz u.a. (Hg.): Kursbuch
Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard.
Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2000)
Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
Niklas Luhmann baut auf den
Thesen zur Systemtheorie,
die Parsons entwickelt hat, auf und formuliert überspitzt:
"Die
Gesellschaft besteht nicht aus Menschen, sie besteht aus Kommunikation
zwischen Menschen"
(Luhmann,
Niklas. Politische
Theorie im Wohlfahrtsstaat. Guenther Olzog Verlag, 1981)
Kommunikation
ist ein Prozess, bei dem Menschen mit Hilfe von Symbolen einander
wechselseitige Bedeutungen ins Bewusstsein rufen. Der
Symbolische Interaktionismus geht dabei davon aus, dass der Mensch
nicht nur in einer natürlichen, sondern auch in einer symbolischen
Umwelt lebt und begreift ihn daher "als ein Wesen, das den
Dingen seiner Umgebung Bedeutung zuschreibt". Die Kategorie
der "Bedeutung" kennzeichnet denn auch zentral symbolisch-interaktionistisches
Denken. Erfolgreiche Kommunikation bedarf daher eines "Abstimmens"
der zu setzenden kommunikativen Aktivitäten.
Eine Verständigung bei der Interpretation der verwendeten
Symbole und Handlungen kommt aber nur dann zustande, wenn wechselseitig
ein gewisses Maß an gegenseitigen Erwartungen geweckt wird.
Dies trifft aber nur bei den so genannten "signifikanten
Symbolen" zu (das sind Zeichen die auf den Erfahrungsgrundlagen
BEIDER Kommunikationspartner beruhen und daher ähnliche Bedeutungen
hervorrufen). Verständigung im kommunikativen Prozess bedarf
daher signifikanter Symbole, weil sie eine geteilte Bedeutung
repräsentieren, über die ein wechselseitiges Verstehen
erst möglich wird.
Diese Theorie behauptet, dass auch die Massenmedien und die damit
verbundenen Botschaften keine Bedeutung "an sich" besitzen,
sondern ihren Stellenwert erst in unserem Alltag insofern erhalten,
als wir mit ihnen umgehen und sie "nützen". Darüber
hinaus wird behauptet, dass die Medien einen Beitrag zur Entwicklung
von Identitätsvorstellungen leisten, indem sie z.B. Interaktionsprozesse
und Rollen zur Identifikation vor Augen führen und damit
Möglichkeiten zur Bildung eines Selbst-Bewusstseins bieten.
Drei
einfache Prämissen des Symbolischen Interaktionismus:
| 1) |
Menschen
handeln den "Dingen" ihrer Umwelt (Personen, Gegenstände,
Zustände, Ereignisse, Ideen etc.) gegenüber auf
der Grundlage der Bedeutungen, welche diese Dinge für
sie besitzen.
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| 2) |
Die
Bedeutung dieser "Dinge" entsteht in bzw. wird
abgeleitet aus den sozialen Interaktionen, die Menschen
miteinander eingehen.
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| 3) |
Diese
Bedeutungen werden dann in einem interpretativen Prozess
im Zuge der Auseinandersetzung mit diesen "Dingen"
benützt und gegebenenfalls auch wieder verändert. |
(
Vgl.: Burkart, Roland:
Kommunikationswissenschaft. Böhlau, Wien-Köln-Weimar 1998,
S. 421)
Niklas
Luhmann: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation (1981)
"Ohne
Kommunikation gibt es keine menschlichen Beziehungen, ja kein
menschliches Leben. Eine Theorie der Kommunikation kann sich deshalb
nicht nur mit Ausschnitten aus dem Bereich des gesellschaftlichen
Zusammenlebens befassen. Sie kann sich nicht damit begnügen,
einzelne Techniken der Kommunikation zu erörtern, auch wenn
in der heutigen Gesellschaft solche Techniken und ihre Folgen,
weil sie neu sind, besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ebenso
wenig genügt es, mit einer Begriffsdiskussion zu beginnen.
Das würde nur zum Ziel führen, wenn man zuvor schon
weiß, was man mit dem Begriff erreichen will und in welchem
Theoriezusammenhang er arbeiten soll. Darüber kann jedoch
kein Konsens vorausgesetzt werden. Deshalb beginnen wir mit der
Unterscheidung von zwei verschiedenartigen theoretischen Intentionen,
von denen sich der Aufbau einer wissenschaftlichen Theorie leiten
lassen kann."
(Zitiert nach:
Pias, Claus; Vogl, Joseph; Engell, Lorenz u.a. (Hg.): Kursbuch
Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard.
Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 2000,
S. 55)
Filmtipp: Robert Bresson:
L'Argent (Das Geld)
Kurzkritik:
Eine Reihe unglücklicher Zufälle,
die durch den Umlauf von falschen Banknoten verursacht werden,
bringen einen jungen Heizöllieferanten ins Gefängnis
und führen nach seiner Entlassung zum Massaker an der Familie,
die ihn bei sich aufgenommen hatte. Parabel über den Sieg
des Bösen, das Schuldigwerden, das Geld als das anscheinend
alles bestimmende Prinzip und den Verfall einer Zivilisation ohne
Werte. In seiner fatalistisch anmutenden Radikalität und
pessimistischen Gesamtvision drängt der Film auf Reflexion
darüber, wie die ideelle Gegenwelt der geistig-seelischen
Krise der Menschheit gedacht bzw. vorgestellt werden könnte.
Dieser Impetus ist nicht zuletzt aus der formalästhetischen
Vollkommenheit abzuleiten, die den Film wie schon viele frühere
Filme Bressons auszeichnet, und die in ihrer Reduktion der Formelemente
eine mystische Qualität erreicht.
(Quelle: Lexikon des internationalen Films. 1999/2000)
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