"Die
Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung."
(Heinz von Foerster)
Wirklichkeitsentwürfe
Die Welt, in der wir leben, existiert nicht als objektiv vorhandene
Wirklichkeit. Das, was wir als Wirklichkeit erleben, entsteht fortwährend
von Neuem in Form einer Übereinkunft mit anderen Menschen,
die die Welt ähnlich wahrnehmen, aber niemals genau so auffassen,
wie wir selbst.
Die Welt ist ein Konstrukt. Was wir als "objektive" Wirklichkeit
wahrnehmen, wird erst durch uns selbst mit Hilfe kognitiver Fähigkeiten
erzeugt.
Unsere Wirklichkeitsentwürfe bilden sich dabei keineswegs willkürlich
heraus, sondern sind unserer natürlichen Umwelt unterworfen.
Wir bemerken daher die "Konstruiertheit unserer Wirklichkeit"
erst, wenn wir uns dabei beobachten, wie wir beobachten, handeln
und kommunizieren.
Folgendes Experiment verdeutlicht dies eindrucksvoll.
Anleitung zur Selbstbeobachtung
Experiment:
Blinder
Fleck
Wenn wir den Punkt im Popup-Fenster aus
verschiedenen Entfernungen betrachten, verschwindet dabei, je
nach Entfernung, der Stern - obwohl er sich weiterhin in unserem
Blickfeld befindet. |
Der "blinde Fleck" kann von jedem selbst beobachtet werden.
Es handelt sich dabei um eine bestimmte Stelle an der Netzhaut,
wo keine Lichtsinneszellen vorhanden sind, weil dort die Nervenfasern
aus der lichtempfindlichen Schicht des Auges zum Sehnerv zusammenlaufen.
An diesem Punkt ist unsere Netzhaut also "blind", wir
können diese partielle Blindheit nur unter bestimmten Bedingungen
selbst erkennen.
Massenmedien
und Realität
Marshall McLuhan definiert Medien grundsätzlich als Ausweitung
unserer Sinnesorgane. Die meisten Medien greifen in unsere sinnliche
Wahrnehmung ein und verändern und strukturieren diese. Daher
ist an die Kultur der Medien auch immer eine Kultur der Wahrnehmung
gebunden.
"Wirklichkeit
ist in einer von Massenmedien geprägten Gesellschaft also
zunehmend das, was wir über Mediengebrauch als Wirklichkeit
konstruieren, dann daran glauben und entsprechend handeln und
kommunizieren".
(Berger,
Peter L.; Luckmann, Thomas: Die gesellschaftliche Konstruktion
der Wirklichkeit. Eine Theorie der Wissensoziologie. Fischer 1997,
S. 18)
Daher
hat die Realität mit dem, was uns die Medien vor Augen führen,
nur sehr entfernt etwas zu tun:
| 1) |
Wir
haben es durchgängig mit einer "verzerrten"
Medienrealität zu tun, die der "objektiven
Wirklichkeit" bestenfalls in Ansätzen entspricht.
|
| 2) |
Medien
können allerdings die Realität gar nicht abbilden,
sie sind als "Weltbildapparate"
zu begreifen, mit denen Journalisten Wirklichkeit konstruieren.
|
| 3) |
Diese
Wirklichkeitskonstruktionen erfolgen nicht zufällig,
sondern regelgeleitet. Sie entsprechen so genannten "Nachrichtenfaktoren".
|
| 4) |
Nachrichtenfaktoren
sind jedoch nicht so sehr als objektive Eigenschaften der
Wirklichkeit, sondern eher als Interpretationen seitens der
Journalisten zu begreifen.
|
| 5) |
Diese
Interpretationen erfolgen nicht zufällig, sondern zielgerichtet:
Nachrichten sind in der Regel Mittel
zum Zweck.
|
| 6)
|
Den
Zweck bestimmen oft nicht die Journalisten selbst, sondern
außermediale Instanzen, die die Regeln der Nachrichtengebung
für ihre Zwecke instrumentalisieren.
|
| 7) |
Öffentlichkeitsarbeiter
(und damit: außermediale Wirklichkeitskonstrukteure)
haben bis zu einem gewissen Grad die journalistische Berichterstattung
unter Kontrolle.
|
(
Burkart, Roland: Kommunikationswissenschaft.
Böhlau, 1998, S. 269)
|