Koordinierte
Interaktion ist eng gebunden an unserer Fähigkeit, Definitionen
von uns selbst und den anderen zu erschaffen und zu bewahren. Diese
Definitionen werden von der Gesellschaft erschaffen und durch Kommunikation
gestärkt. Die meisten Theoretiker vertreten die Ansicht, dass
die Beziehung zwischen dem Ich, der Kommunikation und der Gesellschaft
komplex und kreisförmig ist. Gesellschaftliche Strukturen sagen
uns zuerst, wer wir zu sein und wie wir zu kommunizieren haben,
aber diese Strukturen sind in ihrer Erhaltung von Kommunikation
abhängig. Durch Kommunikation können wir genau die Strukturen
bearbeiten und verändern, die uns erschaffen haben. (Trentholm,
Sarah)
Wenn es stimmt, dass die Bedeutungen, die Menschen aus empfangenen
Botschaften gewinnen, stark von dem abhängen, was Berger
und Luckmann die "Wirklichkeit des Alltags" nennen,
dann sollte es möglich sein, Beispiele für Situationen
zu finden, in denen dieselbe Mitteilung für Menschen mit unterschiedlicher
Alltagsrealität unterschiedliche Bedeutung hat. Eine Möglichkeit
diese Theorie zu überprüfen bietet sich, indem man ermittelt,
welche Bedeutungen den Aussagen entspringen, die von Massenmedien
verbreitet wurden.
Nehmen wir zum Beispiel an, dass eine Aussage über einen Fernsehkanal
gesendet wurde. Das Signal wird von vielen Tausenden Fernsehapparaten
empfangen und es liefert an jeden dieselben Daten; das heißt
jeder Empfänger erhält genau dieselben Bilder und Töne.
Wenn also Leute meinen, dieser Text habe unterschiedliche Bedeutungen,
können diese ihren Ursprung nur in den Köpfen der Leute
haben.
Angenommen also, in den Abendnachrichten wird berichtet, dass ein
großer Chemiekonzern ein Werk in einer bestimmten Stadt eröffnen
wird. Welche unterschiedlichen Bedeutungen kann diese Mitteilung
erhalten?
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Für
einen Arbeitslosen kann sie die Hoffnung auf Arbeit bedeuten. |
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Für
einen Makler kann sie einen besseren Markt für Hausverkäufe
bedeuten. |
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Für
einen Vertreter der Schulbehörde kann sie bedeuten, dass
er einen Anstieg der Klassenschülerzahlen in den örtlichen
Volks- und Hauptschulen befürchtet. |
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Für
die Stadtverwaltung kann sie höhere Einkünfte aus
der Körperschaftssteuer bedeuten. |
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Für
einen Umweltschützer kann sie eine potenzielle Gefährdung
der Umwelt bedeuten. |
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Und
so weiter ... |
Die Bedeutungen, die die Leute dieser Mitteilung geben, gehen zu
einem Gutteil aus der Wirklichkeit ihres Alltags hervor. Berger
und Luckmann heben hervor, dass diese Wirklichkeiten intersubjektiv
sind - was heißt, dass die Bedeutung jedes Einzelnen in Beziehung
steht zu den Bedeutungen der anderen und bis zu einem gewissen Grad
von ihnen abhängt. Folglich können sich die Menschen nicht
dem Schluss entziehen, dass ihre Kommunikationsumwelt eine aktive
und wichtige Rolle in ihrem Leben spielt. Oder wie Wilden es formuliert:
Viele unserer augenscheinlich einzigartigen
persönlichen Ansichten sind tatsächlich auf gesellschaftliche
Konditionierung durch beherrschende Codes oder Werte zurückzuführen,
vermittelt durch andere von der Wiege an - Medien, Familie, Schule
und Unterhaltung eingeschlossen - und nicht so sehr auf persönliche,
informierte Entscheidungen, die wir wirklich selbst treffen. (Wilden,
Anthony, S. 125)
Doch wie Trentholm im Zitat zu Beginn dieses
Abschnitts bemerkt, ist es nicht nur so, dass die Wirklichkeit des
Alltags Auswirkungen auf unsere Kommunikation hat - unsere Kommunikation
hat auch Auswirkungen auf die Wirklichkeit des Alltags. Das meinen
wir, wenn wir von gesellschaftlicher Konstruktion der Wirklichkeit
sprechen - dass wir, wenn wir kommunizieren, uns am Aufbau der Wirklichkeit,
in der wir leben, beteiligen. |
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