Eine
Regel erzwingt die Erzeugung eines bestimmten Musters bei einem
Vorgang, sie wirkt wie ein Verbot und spezifiziert, was innerhalb
des Prozesses nicht geschehen darf. Obwohl das nach Einschränkung
klingt, ist es das nicht. Jede Regel verbietet nur eine Aktion,
jede andere kann innerhalb des Prozesses stattfinden.
Eine geringe Anzahl von Regeln erzeugt ein einfaches Muster. Soll
eine Fläche beispielsweise eingefärbt werden, so könnte
das Muster in Abbildung 1 durch eine einzige Regel erwirkt werden:
Es darf nicht mehr als eine Farbe geben.
Das Muster in Abbildung 2 hingegen erfordert bereits drei Regeln:
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Es
muss mehr als eine Farbe vorkommen. |
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Es
darf nicht mehr als zwei Farben geben. |
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Keine
Farbe darf mehr als die Hälfte der Abbildung ausmachen.
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Und
das Muster in Abbildung 3 benötigt fünf Regeln:
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Es
muss mehr als eine Farbe vorkommen. |
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Es
darf nicht mehr als zwei Farben geben. |
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Die
dunklere Farbe darf nicht in Streifen aufscheinen, die
breiter als 2,5 cm sind. |
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Die
hellere Farbe darf nicht in Streifen aufscheinen, die
breiter als 5 cm sind. |
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Die
Grenzen zwischen den dunkel- und hellgrauen Feldern
dürfen in keinem anderen Winkel liegen als 45 Grad.
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Je komplizierter das Muster, desto größer die Zahl der
Regeln, die zu seiner wiederholten Erzeugung nötig sind. Menschliche
Kommunikation stellt sich als sehr komplexer Prozess dar,
eine Vielzahl von Regeln wäre daher in diesem Zusammenhang
keineswegs überraschend.
Eine Regel schränkt einen Prozess ein - das heißt sie
stellt den Anspruch, dass irgendeine Aktion unterbunden wird. In
den vorangegangenen Beispielen wurden die Regeln als Verbote formuliert,
und zwar deshalb, um eine Verwechslung zwischen "Regel"
und "Gebot" zu vermeiden.
Es ist wichtig, dass Regeln nicht
als Gebote gesehen werden. Sie erteilen niemandem irgendwelche Anweisungen,
was zu tun ist, sondern sie geben an, was regelwidrig und verboten
ist. Innerhalb der Regeln sind Menschen frei zu tun, was immer sie
tun möchten.
Dennoch hätten die oben angeführten Regeln ebenso gut
als positive Gebote geschrieben werden können, die Regeln zu
Abbildung 3 etwa in folgender Weise:
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Es
dürfen nur genau zwei Farben vorkommen. |
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Die
Felder der beiden Farben müssen abwechseln. |
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Auf
einer Strecke von genau 2,5 cm müssen Punkte der helleren
Farbe aufgetragen werden. |
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Auf
einer Strecke von genau 5 cm müssen Punkte der dunkleren
Farbe aufgetragen werden. |
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Die
Grenzen zwischen den dunkel- und hellgrauen Feldern dürfen
in keinem anderen Winkel liegen als 45 Grad. |
Da je nach Situation die eine oder andere Formulierungsvariante
für Regeln zweckmäßig ist, bedient sich dieses Tutorial
beider Möglichkeiten. Wesentlich ist nur im Auge zu behalten,
dass eine Regel keine Anweisung oder Anleitung ist, sondern eine
Richtlinie, die eine Sache verbietet, alles andere aber zulässt.
Nehmen wir zum Beispiel das Mobile.
Hier
wird das Muster durch die Position einer Reihe von bunten Objekten
im Raum gebildet. Jedes der Objekte hängt an einem Stück
Faden von einem der Arme des Mobiles. Die Arme und Fäden sind
die Regeln des Mobiles - sie wirken eingrenzend und beschränken
die Bewegung der Objekte auf einen bestimmten Radius. Obwohl die
Objekte gehindert werden sich auf und ab und über die Bügel
hinaus zu bewegen, können sie sonst zu jedem beliebigen Punkt
schwingen, was noch immer eine Vielzahl von Erscheinungsmustern
zulässt.
Praktische Übung:
Denken Sie an Regeln aus dem Straßenverkehr - zum Beispiel:
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Stop
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Einbahn |
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Rechts
abbiegen |
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Rechts
abbiegen verboten |
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Keine
Lastwagen auf der Überholspur |
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... |
Erläutern Sie, wie diese Regeln einschränkend auf den
Straßenverkehr wirken, und geben Sie Beispiele für "Verkehrs"-Muster",
die sie zulassen.
In jedem dieser Fälle organisieren die Regeln die Bewegung
der Objekte. Sie limitieren die Bewegung, aber indem sie dies tun,
schaffen sie eine Struktur für die Existenz des Systems. Der
Begriff der Struktur, innerhalb derer ein Prozess bestimmte Muster
bilden mag, ist von grundlegender Bedeutung für viele Theorien
zur menschlichen Kommunikation. Der nächste Abschnitt befasst
sich mit einer der wichtigsten Strukturen von Kommunikation: dem
Code.
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