In
direkter Kommunikation sind die Teilnehmer leicht zu bestimmen -
anders bei der Massenkommunikation. Die Aussage eines Massenmediums
wird von einer Gruppe von Personen geschaffen, und es ist manchmal
schwierig auszumachen, wer wofür verantwortlich ist.
Der Autor eines Buches beispielsweise mag den Ausgangstext schreiben,
doch ein Lektor oder Herausgeber redigiert ihn, Zeichner und Grafiker
bestimmen die Schrifttype, entwerfen Illustrationen und gestalten
den Text, Spezialisten für die Produktion stellen das Buch
her, Spezialisten für Marketing und Verkauf überwachen
die Auslieferung. Obwohl traditioneller Weise die "Autorenschaft"
demjenigen zugeschrieben wird, der den ursprünglichen Text
geschrieben hat, spielen alle diese Personen eine Rolle im Kommunikationsprozess.
Elektronische Medien sind noch komplizierter organisiert. In einer
Fernsehproduktion etwa gibt es mehr als einen Drehbuchautor, eine
Anzahl von Schauspielern, einen Produzenten, einen Direktor, Kameraleute
u. a. technisches Personal und eine Menge anderer Beteiligter. Eine
Fernsehshow ist wahrlich ein Gruppenprojekt und hat nicht nur einen
einzelnen "Autor".
Dass Massenkommunikation von einem Unternehmen erzeugt wird, heißt
aber nicht, dass sie zufällig oder "neutral" ist
im Hinblick auf die Ideen und Ansichten, die transportiert werden.
Es gibt beispielsweise "liberale" und "konservative"
Zeitungen, religiös ausgerichtete Fernsehprogramme oder politisch
gefärbte Musik. Eine Diskussion der Massenkommunikation muss
folglich auch die Beschaffenheit der produzierenden Unternehmen
untersuchen ebenso wie die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen
Beziehungen, die zwischen den Medienunternehmen und ihrem Publikum
bestehen können.
Mit der Erkenntnis vom aktiven Publikum war die Einsicht verbunden,
dass der Inhalt von Massenmedien eigentlich ein "Produkt"
ist. Nicht anders als Seife, Müsli oder Autos wird Massenkommunikation
produziert und an Konsumenten geliefert.
Das bedeutet natürlich, dass die Medienunternehmen etwas zu
verkaufen haben und dass das Publikum die Kundschaft ist. Daher
stellt ein Forschungsansatz zur Massenkommunikation den wirtschaftlichen
Aspekt der Medienproduktion in den Mittelpunkt. Betrachten Sie beispielsweise
die folgende Skizze, die das wirtschaftliche Geflecht von kommerziellem
Fernsehen darstellt

Bedenken
Sie, dass die einzelnen Leute, die das Publikum bilden, Produkte
von Medienkonzernen kaufen. Der Rest des Systems hat mit der Verteilung
eines Teils dieser Einkünfte zu tun mit dem Zweck, die Konzernprodukte
zu bewerben.
Gatekeeping
Das Medienprodukt durchläuft viele Produktionsstufen bis es
zum Publikum gelangt, und bei jedem Schritt in diesem Prozess werden
die ursprünglichen Daten gefiltert - in ihrer Länge gekürzt,
stilistisch ausgefeilt, zensiert usw. Jede Stufe in diesem Prozess
ist gleichsam ein Tor, das die Daten passieren müssen, daher
spricht man in diesem Zusammenhang auch von gatekeeping
("Torhüterfunktion").
Stellen Sie sich beispielsweise vor, das Team eine Fernsehgesellschaft
wird in den mittleren Westen der USA geschickt, um von den dortigen
schweren Regenfällen und Überschwemmungen zu berichten.
Das Gatekeeping dieser Geschichte beginnt mit der Beobachtung der
Ereignisse durch das Nachrichtenteam.
Die Flut erstreckt sich möglicherweise über Hunderte von
Quadratkilometern und viele Millionen Menschen sind in ihrer Existenz
davon betroffen, aber das Team kann nur einen kleinen Teil davon
aufnehmen. Nehmen wir an, dass Team entschließt sich, die
Schäden an der Maisernte in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung
zu stellen. Diese Entscheidung filtert die verfügbaren Daten
- Daten im Zusammenhang mit der Maisernte werden aufgenommen, Daten,
die sich auf die Ernte von etwas anderem als Mais oder auf andere
Schäden beziehen, werden weggelassen.
Viele Personen tragen zur Gestaltung dieser "Story" bei.
Redakteure wählen die einzelnen Videosequenzen für die
Präsentation aus; Texter verfassen einen Kommentar für
den Sprecher; Grafiker entwerfen Titel, Karten, Animationen und
andere Videoeffekte; Musiker gestalten die Hintergrundmusik für
den Film usw. Andere Redakteure treffen die Entscheidung, wann die
Story "laufen" und wo sie innerhalb anderer Reportagen,
Werbeeinschaltungen und anderem Sendematerial platziert sein soll.
Ein Moderator wird die Reportage ankündigen und verschiedene
Techniker werden sicherstellen, dass sie "auf Sendung"
geht.
Während ihres Aufenthalts im Überschwemmungsgebiet hat
das Nachrichtenteam vielleicht Videomaterial für mehrere Stunden
aufgenommen, viele Fakten zusammengetragen und viele Leute interviewt.
Gesendet werden dann, wenn überhaupt, nur einige Minuten. Und
jeder "Gatekeeper" wird Inhalt und Stil der Reportage
mitbeeinflusst haben. Jeder wird etwas zu den ursprünglichen
Daten hinzugefügt oder etwas entfernt haben und auf seine Weise
bei der Gestaltung dieses speziellen Kommunikationsprodukts mitgeholfen
haben.
"Agenda Setting"
Das Scheitern der "Magischen Kugel"-Theorie stellte die
Massenkommunikationsforscher vor ein Rätsel. Auf der einen
Seite lieferten die Studien weiterhin wenig Anhaltspunkte dafür,
dass Massenkommunikation die Ansichten und Überzeugungen der
Leute verändern könnte. Auf der anderen Seite spielt Massenkommunikation
eine so große Rolle im Alltag industrieller Gesellschaften,
dass es gegeben schien, dass sie doch in irgendeiner
Weise das Denken der Leute beeinflusst.
In den letzten Jahrzehnten ist es den Medienwissenschaftlern gelungen,
zwischen dem, was die Nachrichtenmedien berichten und dem, was Leute
denken, einen indirekten, aber nichtsdestoweniger starken Zusammenhang
nachzuweisen. Dieser Zusammenhang wurde als agenda
setting bezeichnet.
Bei der Untersuchung der Verbindung zwischen den Spitzenmeldungen
in den Nachrichten und dem, "worüber man spricht",
haben die Kommunikationsforscher herausgefunden, dass breit diskutierte
Themen in der Regel einige Zeit zuvor in den Nachrichten aufgetaucht
sind.
Wir können daraus den Schluss ziehen, dass die Medien tendenziell
die "Tagesordnung" (agenda)
erstellen - die Liste der Themen, über die Leute dann reden.
Folglich liegt die Macht der Medien nicht in der Meinungsbeeinflussung
der Leute, sondern vielmehr darin, dass sie bestimmen, welche Themen
als diskussionswert erachtet werden.
"Agenda setting" stellt einen Zusammenhang her zwischen
dem ständigen Gebrauch der Medien in unserer Gesellschaft und
den Forschungsergebnissen, dass die Meinungsbildung bei den meisten
Menschen auf direkter Face-to-Face-Kommunikation basiert. Diese
Theorie zur Massenkommunikation ist heute weithin anerkannt. |
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