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Die einfache Version des Shannon/Weaver-Modells der Kommunikation nimmt an, dass das Signal den Sender verlässt, entlang eines einzelnen Kanals übermittelt wird und beim Empfänger ankommt. Aber das ist nicht immer der Fall.

Obgleich beispielsweise menschliche Sprache durch Ton-Signale in der Luft übermittelt wird, sprechen wir häufig über Telefon - ein elektronisches Medium, das uns über einen Kanal verbindet, der nicht aus Luft besteht. Betrachten wir dies einmal näher:

Bei Verwendung eines Telefons müssen die Worte des Sprechenden von Lautsignalen in elektrische Signale umgewandelt werden, ehe sie über das Telefonsystem versendet werden - um danach, am anderen Ende der Leitung, vor der Übermittlung an den Zuhörenden wieder in Lautsignale rückverwandelt zu werden. Etliche Fragen ergeben sich bei Betrachtung dieses Vorgangs, darunter folgende:


Was passiert mit einem Signal, wenn es sich von einem Medium in ein anderes bewegt - und wie erfolgt dieser Wechsel?
Welche Garantie haben wir, wenn das Signal in das neue Medium eintritt, dass es sich noch um dasselbe Signal handelt - und was bedeutet "dasselbe" in Anbetracht der Tatsache, dass es das Medium wechselt?
Wie wissen wir, wenn das Signal am Ende der Leitung rückverwandelt wird, dass das dasselbe Signal ist, das der Sprecher gesandt hat? Welche Auswirkungen kann "Rauschen", können Störquellen auf diesen Vorgang haben?

Diese und ähnliche Fragen führen zu einigen Teilgebieten der Kommunikationsforschung, die zu den komplizierteren - aber auch interessanteren - zählen. Natürlich können diese Fragen hier nicht zur Gänze beantwortet werden, aber sie werden wie ein roter Faden in der Diskussion der folgenden Abschnitte immer wieder auftauchen.

Befassen wir uns zuerst mit dem Konzept von Inhalt und Code. Der Inhalt eines Signals ist sein Sinn oder seine Bedeutung, den er für den Sender und/oder den Empfänger hat. Ein Code ist ein Prozess, der die Umwandlung einer Signalkette in eine andere und wieder zurück ermöglicht, ohne dass dabei der Inhalt verändert wird.

Geht man davon aus, dass eine Nachricht einen Inhalt hat, so verlagert sich der Fokus der Betrachtungen und Studien vom Signal selbst zum anfänglichen Akt der Erzeugung des Signals durch den Sender und den darauf folgenden Akt der Interpretation des Signals durch den Empfänger. Klarerweise wählt der Empfänger dieses spezielle Signal aus einer Vielzahl möglicher Signale aus, die er ebenfalls hätte senden können und misst seinerseits der Empfänger eben diesem speziellen Signal statt irgendwelchen anderen ankommenden Signalen eine signifikante Bedeutung bei.

Die Bedeutung eines Signals ergibt sich daher nicht nur in seiner eigenen Zusammensetzung, sondern auch in seiner Relation zu anderen Signalen, die gesendet und empfangen hätten werden können.

Als Beispiel mag folgende Stelle aus Henry Longfellows Gedicht "Paul Revere's Ride" dienen:
  He said to his friend, "If the British march
By land or sea from the town to-night,
Hang a lantern aloft in the belfry arch
Of the North Church tower as a signal light, -
One, if by land, and two, if by sea;
And I on the opposite shore will be,
Ready to ride and spread the alarm …"
 

In dem Gedicht wird eine Situation geschildert, in der das Medium Licht und das Signal entweder ein oder zwei Lichtstrahle sind. Der Inhalt der Nachricht bezieht sich auf die Bewegungen der Britischen Truppen nahe Boston. Der Sender wird sich je nachdem, welchen Weg die Truppen nehmen, für ein Signal von ein oder zwei Lichtern entscheiden. Der Empfänger wird folgende Interpretationen treffen: Ein Licht bedeutet, dass die Briten auf dem Landweg, zwei Lichter hingegen melden, dass die Briten über Meer heranrücken.

Die folgende Grafik veranschaulicht, wie das Signal bedeutsam für die beiden miteinander Kommunizierenden wird.


Die Funktionsweise einer von einem Thermostat geregelten Heizung bietet eine weitere Veranschaulichung für den Inhalt eines Signals. Hier ist das Medium Elektrizität und das Signal ist ein höheres oder niedrigeres Niveau elektrischer Spannung. Wenn der Sensor im Thermostat eine Temperatur unterhalb einer bestimmten Einstellung misst (in der Abbildung unten sind dies 21 Grad Celsius), ändert er das Spannungssignal von niedrig auf hoch. Wenn je nach Art der Heizung der Heizkessel bzw. die Therme die höhere Stromspannung empfängt, schaltet er bzw. sie sich ein. Ist die Temperatur dann auf 21 Grad oder mehr gestiegen, sendet der Sensor im Thermostat eine niedere Spannung aus, und sobald dieses Signal vom Heizkessel bzw. der Therme empfangen wird, stellt er bzw. sie sich ab. So hat das vom Thermostat ankommende Signal Bedeutung für den Heizkessel bzw. die Therme.



In jedem dieser Beispiele erfolgte die Auswahl und Interpretation des Signals durch Sender bzw. Empfänger unter Anwendung eines Codes. Jedes Mal wurde das ursprüngliche Signal in eine andere Art Signal umgewandelt - und zwar so, dass es ohne Bedeutungsveränderung wieder rückverwandelt werden konnte.

Im Gedicht "Paul Revere's Ride" wurden die Worte "zu Land" und "über See" vom Sender in das visuelle Bild von ein oder zwei Lichtern umgewandelt - und danach vom Empfänger rückverwandelt.

Das Konzept von der Kodierung von Signalen, um die Bedeutung von Nachrichten zu konservieren, während sie von einem Übertragungsmedium in ein anderes wechseln, ist für das Studium der menschlichen Kommunikation von zentraler Bedeutung, und hier wiederum insbesondere bei Studien zu Sprache und Kultur, zwei Themen, die in den späteren Abschnitten dieses Tutorials eingeführt werden.
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