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Inwieweit ist es von Bedeutung, dass Menschen in all ihren tatsächlichen oder möglichen Handlungen abhängig sind von anderen Menschen? Inwieweit ist es von Bedeutung, dass Menschen immer in Gesellschaft anderer Menschen leben, in Kommunikation, im Austausch, im Wettbewerb, in Kooperation mit anderen (und auch gar nicht anders leben können)? (Bauman, Zygmunt)

Stellen Sie sich einmal alle Menschen auf der Welt vor:



Etwas, das diese Menschen gemeinsam haben, ist, dass sie einen Gutteil ihrer Zeit damit verbringen, miteinander zu kommunizieren. Bei näherer Betrachtung stellt sich allerdings heraus, dass nicht alle Menschen gleich gut miteinander kommunizieren.

WissenschaftlerInnen können zwischen bestimmten Gruppen von Menschen unterscheiden. Die einer solchen Gruppe angehörenden Menschen neigen dazu, wesentlich mehr untereinander - also unter ihresgleichen - zu kommunizieren als mit Mitgliedern einer anderen Gruppe. Darüber hinaus entwickelt in der Regel jeder dieser Gruppen eine eigene Sprache, eigene Werte und Grundhaltungen. Solche Gruppen werden als "Gesellschaften" bezeichnet.



Selbstverständlich muss die Erforschung der menschlichen Kommunikation im Kontext von menschlichen Gesellschaften erfolgen - dabei haben WissenschaftlerInnen herausgefunden, dass Kommunikation dabei hilft, das Leben innerhalb dieser Gesellschaften zu gestalten. Im Besonderen:

Jede Gesellschaft zeichnet sich durch einzigartige Merkmale aus, das heißt durch einen Lebensstil, der sich von denen aller anderen Gesellschaften unterscheidet.
Eine Gesellschaft verlangt ein Zusammenwirken ihrer Mitglieder.
Gesellschaften bestehen über eine lange Zeitspanne hinweg.

Gesellschaften können auf unterschiedliche Art und Weise voneinander unterschieden werden. Die japanische Gesellschaft beispielsweise wird üblicherweise (von den Amerikanern) als eine in hohem Maße auf die Gemeinschaft hin ausgerichtete Gesellschaftsform angesehen, während die amerikanische Gesellschaft (wiederum aus Sicht der Amerikaner) als stark individualistische Gesellschaftsform gilt. Amerikaner stufen sowohl die französische als auch die japanische Gesellschaft als materialistisch ein, die chinesische hingegen wird üblicherweise weit weniger so gesehen. Den Franzosen wird zugeschrieben, dass sie besonderen Wert auf Essen, Mode und Kunst legen - die Briten verbindet man mit Handel und Industrie - die Hindu mit Spiritualität usw.

Das impliziert, dass bestimmte Vorstellungen, Werte, Traditionen und Ähnliches von den Mitgliedern einer Gesellschaft geteilt werden, andere hingegen nicht, oder der dass zumindest manche davon in einer Gesellschaft mehr Bedeutung haben als in einer anderen. Wir fassen diese gemeinsam getragenen Elemente einer Gesellschaft unter dem Begriff "Kultur" zusammen.

Natürlich treffen die kulturellen Merkmale nicht unbedingt auf jeden Einzelnen innerhalb der Gesellschaft zu. Gewiss gibt es gemeinschaftlich denkende Amerikaner, materialistische Chinesen und arbeitsame Franzosen. Es ist wichtig zu berücksichtigen, dass wir uns bei einer gesamtgesellschaftlichen Betrachtungsweise nicht auf Einzelpersonen, sondern auf das Kollektiv beziehen. Durch Kommunikation werden innerhalb einer Gesellschaft bestimmte Charakteristika verstärkt und andere abgeschwächt. Das ist ein spannender Aspekt, und ein späteres Kapitel dieses Tutorials wird zur Gänze der Kultur gewidmet sein.

Kommunikation zwischen den Gesellschaften erweist sich als kompliziert, denn dieselben Unterscheidungsmerkmale, die eine Gesellschaft von einer anderen abheben - Sprache, Traditionen, Bedeutungen - sind es, die die Verständigung zwischen Sender und Empfänger erschweren. Auch darauf wird in einem der folgenden Kapitel noch ausführlich eingegangen.

Wir gehen davon aus, dass frühere Gesellschaften wie die der Römer, Maya oder Assyrer über einen langen Zeitraum hinweg existiert haben. In ähnlicher Weise wird von bestehenden wie der chinesischen oder der Hindu-Gesellschaft angenommen, dass sie seit mehreren Jahrhunderten bestehen. Das impliziert, dass die Kultur einer Gesellschaft von ihren Mitgliedern durch Partizipation aufrechterhalten und über die Jahrhunderte hinweg irgendwie bewahrt wird. Damit eine Kultur überlebt, müssen ihre Mitglieder in Übereinstimmung und Kooperation miteinander an ihr partizipieren. Eine Gesellschaft, deren Mitglieder in Konflikte verwickelt sind, wird wahrscheinlich eine Veränderung in eine andere Gesellschaft erfahren oder vollkommen verschwinden. In späteren Kapiteln wird die Rolle der Kooperation bei der menschlicher Kommunikation beleuchtet und auch die Frage, welche Rolle die Kommunikation bei der Aufrechterhaltung der kooperativen Existenz von Gesellschaften spielt.
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