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Das Gesicht ist als Genre ein ganz zentrales Sujet der Fotografie. Filmschauspieler unterschieden sich von Theaterschauspielern dadurch, dass wir ihre Gesichter verlässlich aus der Nähe betrachten, aus einer Nähe, die im Alltag anstößig wäre. Umgekehrt scheinen uns die Gesichter anzuschauen. Das Gesicht der Schauspielerin Greta Garbo hat aber nicht nur die primäre semiotische Bedeutung, dass dieses fotografierte und gefilmte Gesicht einer amerikanischen Schauspielerin namens Greta Garbo zuzuordnen ist, die in unzähligen Filmen die verschiedensten Rollen gespielt hat, die sie wiederum charakterisieren.

Für Barthes hat das Gesicht der Greta Garbo, wie er am Beispiel des Filmes Königin Christine zeigt, darüber hinaus eine sekundäre ("mythische"), kulturell repräsentative Bedeutung. Ihr geschminktes Gesicht besitzt, wie der französische Philosoph ausführt, die "schneeige Dichte einer Maske. Es ist kein gemaltes Konterfei, sondern ein gipsartiges Gesicht, an der Oberfläche verschlossen durch die Farbe und nicht durch seine Linien." (Roland Barthes).

Greta Garbo steht für den flüchtigen Augenblick in dem neuen Medium Film, der "existentielle Schönheit" aus "essentieller Schönheit" gewinnt. Diese Schönheit resultiert aus dem paradoxen Geheimnis der Geheimnislosigkeit. Hinter der Maske ist nichts oder immer nur die Maske. Das maskenhafte Gesicht der Filmgöttin verbirgt nichts, die Maske ist sie selbst, ist das, was sie ausmacht: das, was Barthes als "Lyrik der Frau" jenseits der "Klarheit des Fleisches" bezeichnet. Das Gesicht der Greta Garbo gehört freilich einem semiotischen System an, dessen Ende sich bereits 1957 abzeichnete. Es wird durch eine neue Aura abgelöst, "durch ein unendliches Gewebe morphologischer Funktionen". Dafür steht symptomatisch das vergleichsweise profane, unmaskierte Gesicht Audrey Hepburns, das zwar individuell,
aber nicht essentiell ist. Das Gesicht der Garbo, resümiert Barthes, ist Idee, das der Hepburn ein Ereignis. So spiegelt sich in der Abfolge verschiedener Gesichter im Film auch der Wandel der Kultur, in diesem Fall eine Entzauberung im und durch das Medium Film.
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