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Zum Schluss dieser Ausführungen möchte ich aber noch einmal auf die drei Fragen zu Anfang zurückkommen und dies zu einem Resümée nutzen:

Der Beitrag der Kulturwissenschaften zum Verständnis von Ereignissen wie jenes vom 11. September:

Ich denke, dass die Kulturwissenschaften einen Beitrag zum Verständnis politischer Ereignisse leisten können, wenn sie etwa die Bedeutung symbolischer Formen, die Eigendynamik medialer Inszenierung und die Dynamik interkultureller Differenz und Indifferenz, die die zünftige Politikwissenschaft gern hintanstellt, ins Licht rücken. Auch zwischen Politik- und Kulturwissenschaften gibt es eine gar nicht so heimliche Asymmetrie: während es sich die Politikwissenschaft hochmütig leistet, die Kultur- und Humanwissenschaften nicht ernst zu nehmen, ja zu missachten, interessieren sich diese allemal für den Gegenstand der Politik- und Sozialwissenschaften. Darin drückt sich ein symbolisches wie reales Missverhältnis aus. Das Ereignis des 11. September, das politisch und ökonomisch völlig sinnlos ist, lässt sich in Umkehrung der Frage, ob Kulturwissenschaft einen sinnvollen Beitrag zum 11.9. zu leisten imstande ist, umkehren: es lässt sich ohne kulturwissenschaftliche Analyse nicht wirklich begreifen. Es besteht – wissenschaftspolitisch gesprochen – Bedarf an ihnen in einer Welt mit globalen ökonomischen Strukturen: Globalisierung und Kulturalisierung sind scheinbar gegensätzliche Entwicklungen, die sich wechselseitig bedingen.

Zum Kampf der Kulturen:
Kampf der KulturenDerlei Konzepte fassen - wie schon Herder und später Spengler – Kulturen als kompakte, beinahe veränderungsresistente Entitäten, die stets organisch und metaphysisch um sich selbst kreisen. Der so genannte islamische Fundamentalismus hingegen lässt sich als eine durch und durch moderne Reaktionsbildung begreifen, die durch zwei gegensätzliche Momente charakterisiert ist: Produktion von Differenz (Wir sind anders) und mimetisches Begehren (Wir auch).
Dieser Protest ist eingebettet in das Drama der Moderne, das die nichtokzidentalen Kulturen als ein schicksalhaftes Geschehen von außen erleben, mit dem sie konfrontiert werden und das sie ins Hintertreffen treibt. Der Fundamentalismus ist – so besehen – nicht eine Fortschreibung konservativer vormoderner Konzepte von Gemeinschaft, Religion und Kultur, sondern ähnlich wie der europäische Faschismus des 20. Jahrhunderts genuin modern hinsichtlich des Umgangs mit Medien, Technik und letztendlich auch mit Ökonomie. Er impliziert eher eine kulturpolitische denn eine religiöse Revolte gegen die moderne westliche Welt, mit der er durch eine Mischung aus Lustangst verbunden ist.

Universalismus und Kulturalismus:
Die Betrachtung von Kultur und Kulturen, wie sie in den Kulturwissenschaften vorliegt, ist undenkbar ohne eine Außendistanz. Kulturwissenschaft ist nicht kulturalistisch und – ihrem Ideal nach – nicht ethnozentristisch. Sie kann zeigen, dass Phänomene wie Globalisierung, Menschenrechte und (post)moderne Kultur keineswegs kulturell neutral sind, sondern einer Kultur entspringen, die politisch, sozial und ökonomisch hegemonial ist. Das diskreditiert die Idee der Menschenrechte aber keineswegs. Unter Berufung auf diese kann die missbräuchliche Instrumentalisierung im Namen einer neuen postkolonialen Herrschaft des Westens über den Rest der Welt, wie sie sich nach dem 11. 9. abzeichnet, ebenso einer gründlichen Kritik unterworfen werden wie alle jene sozialen, ökonomischen und politischen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten, die der pax americana zugrunde liegen oder wie der klassische Kolonialismus des 19. Jahrhunderts, der ähnlich seinen Herrschaftsanspruch aus den Narrativen von Fortschritt, Entwicklung und Demokratie abgeleitet hat. Letztendlich geht es um die Frage, ob – theoretisch wie politisch – ein Drittes denkbar ist jenseits der Alternative zwischen einem rabiaten, aber im Grunde verzweifelten Kulturalismus (mitsamt seinem blindwütigen Hass) und jenem übermütigen Universalismus neoliberaler Prägung, der die anderen – auch mit Einsatz von Gewalt – mores lehren und seine politische Dominanz dadurch festigen möchte. In diesem Zusammenhang ist es verräterisch, dass sich die Vereinigten Staaten vehement gegen die Einrichtung eines Internationalen Gerichtshofes stemmen und sich stattdessen selbst als dessen ausführendes Organ begreifen.

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