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Diskursive Formationen
und Positionen
"Think
different!" High
& Low
Die
CS wenden sich gegen den elitären Kanon von Literatur und anderen
Leitmedien in den Geisteswissenschaften. Sie fordern eine umfassendere
Theoriebildung über kulturelle Phänomene jeder Art - wie Texte,
Bilder, Praktiken, ... - und bilden dabei interdisziplinäre Brückenschläge
zwischen Geschichte, Soziologie und Ethnographie. Aber auch zu den in
ihren Sprachen beheimateten Literaturwissenschaften und anderen verwandten
Disziplinen. "Der
neue Hang zum interdisziplinären Seitensprung weckte indes nicht
nur den Argwohn der Fachwissenschafter, die den 'Kuwis' gerne den Hang
zur dilettantischen Überfliegerei vorwerfen. Auch das aufrechte Fähnlein
der Poststrukturalisten protestierte, weil es das literarische Kunstwerk
seiner ästhetischen Eigenart beraubt und zum bloßen Dokument
verkommen glaubte. Ebenso ist der respektlose Anspruch der neuen Kulturwissenschaften,
die Grenzen zwischen E- und U-Kultur zu sprengen, oft als grundlagenlose
Beliebigkeit missverstanden worden: als der Wille, alles mit jedem zu
vergleichen, und wenn´s sein muss, eben King Lear mit Burger King."
(Clemens Ruthner: Schwerleibige Liebe zur Theorie. In: Der Standard, 15. Jänner 2005) Kontextualität Das mediamanual versucht Wissen in Beziehung zum Kontext einer praxisorientierten Verwertung zu setzen, denn Kontextualität ist eine Voraussetzung dafür, dass wissenschaftliches Wissen in außeruniversitären Handlungsfeldern umgesetzt werden kann. CS und Medien "Erst
seit Ende der 80er-Jahre hat sich auch eine Medienwissenschaft etabliert,
die wesentlich von der Literaturwissenschaft beeinflusst wurde. Zunehmend
herrscht in beiden Disziplinen die Einsicht vor, dass man nur noch mit
interdisziplinären Ansätzen der sich ausweitenden Medienlandschaft
erklärend und interpretierend nahe kommen kann. Daher lag es nur
nahe, dass seit den 90er-Jahren auch verstärkt der Ansatz der so
genannten Cultural Studies rezipiert wurde – der nicht mit der in
Deutschland üblichen Kulturwissenschaft geisteswissenschaftlicher
Prägung zu verwechseln ist. Inter- und Transdisziplinarität
ist eines der wesentlichen Kennzeichen dieses Ansatzes. Zudem erhebt er
den Anspruch politisch interventionistisch zu sein. Er möchte mit
seinen Erkenntnissen zur Veränderung der Gesellschaft beitragen.
Kultur wird als Feld sozialer, politischer und ökonomischer Auseinandersetzungen
begriffen, auf dem sich die verschiedenen Machtgruppen der Gesellschaft
und die 'Leute' gegenüber stehen. Die Cultural Studies haben sich
recht früh mit den populären Medien beschäftigt und das
Vergnügen und die Selbstermächtigung des Publikums in den Blick
genommen, die zu den Machtstrukturen der Medien und der Gesellschaft in
Beziehung gesetzt werden, denn Medien wie das Fernsehen schaffen bedeutungsvolle
Diskurse." (Lothar Mikos – In:
Goldbeck, Kerstin: Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung. Die Fernsehkritik
und das Populäre. Cultural Studies 7, hg. von Rainer Winter. transcript-Verlag,
Bielefeld 2004)CS und der Kulturbegriff "Dort,
wo Kultur draufsteht, sind Unterschiede drin." - Mit dieser einfachen
Formel wäre zum Begriff "Kultur" eine weitere Spur gelegt.
Kultur ist vielfältig und hochkomplex, ein Terrain, das unsere individuellen
Lebensstile und Identitäten formt und prägt. Dass dabei die
Politik schnell ins Visier gerät, scheint logisch. Die theoretische "Annäherung zwischen Politik und Kultur sollte ihre Verkörperung bald in der Kulturpolitik der sechziger Jahre finden. Doch in dem Maße, wie diese politischen Hoffnungen schwanden, expandierte in den siebziger Jahren und achtziger Jahren die Kulturindustrie, bis man schließlich einen neuen Begriff für das Phänomen benötigte, das sie bezeichnete, und im 'Postmodernismus' auch fand. Was dieses Wort nämlich im Grunde signalisierte, war die offizielle Beendigung des altmodischen Kulturkampfes zwischen Minderheitenzivilisation und Massenbarbarei. [...] Doch um sich für das Markenzeichen 'postmodern' zu qualifizieren, musste die Kultur noch einiges mehr vorzuweisen haben. Man empfand nicht nur den Inhalt der Kultur, sondern auch ihren Status als geändert. Was zählte, war der transformierende Einfluß der Kultur auf andere Ebenen der Gesellschaft, nicht nur der Umstand, dass sie stärker präsent war. [...] so schien Kultur das neue 'Dominante' in der Gesellschaft geworden zu sein, auf ihre Weise so verankert und alles durchdringend wie im Mittelalter die Religion, im 19. Jahrhundert in Deutschland die Philosophie oder im viktorianischen Britannien die Naturwissenschaften. 'Kultur' bedeutete, dass das soziale Leben ,konstruiert’ war und damit auf eine für radikale Aktivisten wie für Konsumexperten annehmbare Weise veränderlich, vielfältig und fließend." (Terry Eagleton: Was ist Kultur? Eine Einführung. C. H. Beck Verlag, München 2001) CS und kritische Pädagogik "Dabei
gilt das pädagogische Interesse von Cultural Studies aber primär
den Bedeutungen und Vergnügen, die Personen und Gruppen helfen können,
ihre Interessen zu artikulieren, Freiräume zu entfalten, Fluchtlinien
zu finden und ihre Handlungsmächtigkeit zu erweitern. Auf diese Weise
sind Texte in die Zirkulation von Bedeutungen und affektiven Energien
innerhalb einer Kultur eingebunden. [...] Wie die Arbeiten von Henry Giroux,
Douglas Kellner, Peter McLaren und anderen zeigen, sollten Medien- und
Kulturanalyse im Rahmen von Cultural Studies immer auch verknüpft
sein mit einer kritischen Pädagogik, die der impliziten Pädagogik
medialer Texte opponiert und eine produktive Auseinandersetzung intensivieren
oder erst ermöglichen möchte. Dabei wird der Alltag als 'contested
terrain' bestimmt, der auf einen kollektiven Dialog hin geöffnet
werden soll, damit viele unterschiedliche Stimmen sich artikulieren können,
um eine demokratischere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen."
(Rainer Winter: Cultural Studies und kritische
Pädagogik: www.medienpaed.com/03-2/winter03-2.pdf)
CS – Ansätze und Formationen Der
Focus der Cultural Studies definiert und diversifiziert sich auch länderspezifisch:
Der Politikbegriff bei den Cultural Studies britischer Prägung betont
vor allem Konstellationen von Konflikt, Macht und Machtsymmetrien, Anerkennung
von Identitäten und Lebensweisen. Und damit verschiebt sich der Blick
von der "großen Politik" auf andere Felder wie: class,
race und gender, Alter und Konfession, Politik der Lebensstile, Konsumsphären,
Familienformen und sexuelle Orientierung. Cultural Studies untersuchen kulturelle Angebote und ihre Wirkung. Dabei wird die Bedeutungsdimension nicht allein dem Bereich der Angebote zugewiesen, sondern den kulturellen und sozialen Kontexten. In den CS kann man einen theoretisch fundierten, interdisziplinären Ansatz der Kulturanalyse, insbesondere auf eine Beschäftigung mit Alltagspraktiken, alltäglichen kulturellen Konflikten und Fragen der soziokulturellen Macht beobachten. Die Gegenstandsbereiche wären: Kultur, Medien und Macht. Wie oben schon erwähnt liegen die Schwerpunkte der englischen CS in der Verbindung zwischen Theorie und Politik, Codierung und Decodierung, Rassismus und Medien. Bei den amerikanischen CS eher auf der Analyse von Zeichensystemen der Populärkultur, dabei werden TV und Film als Träger kollektiver Ideologien, Medienkultur als visuelle und akustische Kultur identifiziert. Die deutschsprachigen Cultural Studies richten ihr Augenmerk eher auf die Analyse von Medienangeboten und Medienwirkung. Medien verstehen heißt Gesellschaft verstehen. Und Cultural Studies sind ohne Brückenschläge nicht zu denken, sind also im besten Sinne "undiszipliniert" - womit auch der Kreis zur Medienpraxis, zum Eigensinn der Kulturproduktion, geschlossen wäre: "Denn die Cultural Studies sind eben nicht der Auffassung, dass Kultur sich in erster Linie durch die Gemeinsamkeit von Werten und Bedeutungen bestimmen ließe und als verbindender Kitt der Gesellschaft anzusehen sei. Vielmehr zeigen ihre Vertreter das Aufbrechen oder das Fehlen eines Konsens in Wert- und Bedeutungsfragen und die ihnen zugrunde liegenden Konflikte auf, indem sie die nach Lebensform, Klasse, Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit differenzierten und hierarchisierten Gesellschaften untersuchen und so die Vorstellung einer Kultur als Trugbild entlarven. Nicht die integrative Funktion von Kultur, sondern der Kampf um Bedeutungen, der nie zu beendende Konflikt über Sinn und Wert von kulturellen Traditionen, Erfahrungen und Praktiken prägt ihre besondere Optik. Dabei werden kulturelle Formen und Prozesse nicht als etwas Sekundäres, Abgeleitetes betrachtet, sondern sie treten als dynamische und produktive Kräfte, die für die Gesellschaft selbst konstitutiv sind, in den Mittelpunkt. Was zugleich das Vergnügen an Cultural Studies erklären mag." (Rainer Winter: Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader. Hg.: Jan Engelmann, Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999)
Einige grundlegende Erkenntnisse könnten, uns ständig unter
Zeitmangel Leidenden, genügen, den Kern im Wesentlichen zu erfassen,
wichtiger noch: ermutigen, die im Grundsatzerlass für Medienerziehung
empfohlenen "Tipps" zu Medienbildungsprozessen im Unterricht
zu integrieren. Medien verstehen heißt Gesellschaft verstehen. In
diesem Sinne hier Positionen, Literaturempfehlungen, Links und Anregungen.
Anregungen zur Recherche im Internet z. B. mit der Suchmaschine Google oder bei Wikipedia, der freien Enzyklopädie im Internet Einige Suchbegriffe:
Literaturempfehlungen Cultural
Studies. Grundlagentexte zur Einführung ![]() Die Grundlagentexte geben dem deutschsprachigen Publikum eine Einführung in die Cultural Studies. Historisch gibt der Reader einen Überblick über die entscheidenden Etappen der Entstehung und Entwicklung der Cultural Studies seit den fünfziger Jahren bis zur Mitte der neunziger Jahre. Systematisch werden die theoretischen Grundlagen der Cultural Studies behandelt sowie die Themengebiete Populär- und Medienkultur vorgestellt. Die Cultural Studies Kontroverse Hg.: Andreas Hepp und Carsten Winter. Mit Beiträgen von Ien Ang, Chris Barker, Stuart Hall, Colin Mercer, David Morley, Meaghan Morris, John Storey. zu Klampen Verlag, Lüneburg 2003 ![]() Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader Hg. Jan Engelmann, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1999 ![]() Links Wikipedia
– Die freie Enzyklopädie Volltexte
von Prof. Dr. Hartmut Böhme, Lehrstuhl für Kulturtheorie
des Kulturwissenschaftlichen Seminars an der Humboldt-Universität
zu Berlin. http://www.culture.hu-berlin.de/hb/volltexte.html
Cultural Studies and Critical Theory combine sociology, literary theory, film/video studies, and cultural anthropology to study cultural phenomena in industrial societies. Cultural studies researchers often concentrate on how a particular phenomenon relates to matters of ideology, race, social class, and/or gender. Cultural studies concerns itself with the meaning and practices of everyday life. Cultural practices comprise the ways people do particular things (such as watching television, or eating out) in a given culture. Particular meanings attach to the ways people in particular cultures do things. http://theory.eserver.org/ INST - Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse: http://www.inst.at/ z. B.: Kulturwissenschaften und Europa oder die Realität der Virtualität: http://www.inst.at/ausstellung/ebene2.htm TEXTEM: http://www.textem.de/28.0.html matrix
- computer und neue medien medien
heft - Dossier 19: Medien im Lebenszusammenhang
Warum Cultural Studies vieles sind, aber nicht alles. Zum Kultur- und Medienbegriff der Cultural Studies: http://www.medienheft.ch/dossier/archiv/uebersicht_19.html |
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