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Diskursive Formationen und Positionen

"Think different!"
Cultural Studies [CS] waren im deutschsprachigen Raum noch vor einigen Jahren als ein Zugang zur Erforschung von Kultur und kulturellen Konflikten wenig bekannt. Diese Situation hat sich grundlegend geändert. In den letzten Jahren sind auch im deutschsprachigen Raum zahlreiche "Reader" erschienen - einige davon stellen wir Ihnen weiter unten vor – und vieles findet sich im Internet: Ganze Netzwerke von AutorInnen sorgen für die Behandlung kulturell-politischer Fragestellungen und leisten anregende gesellschaftskritische Theoriearbeit.

High & Low
Die CS wenden sich gegen den elitären Kanon von Literatur und anderen Leitmedien in den Geisteswissenschaften. Sie fordern eine umfassendere Theoriebildung über kulturelle Phänomene jeder Art - wie Texte, Bilder, Praktiken, ... - und bilden dabei interdisziplinäre Brückenschläge zwischen Geschichte, Soziologie und Ethnographie. Aber auch zu den in ihren Sprachen beheimateten Literaturwissenschaften und anderen verwandten Disziplinen.
 
"Der neue Hang zum interdisziplinären Seitensprung weckte indes nicht nur den Argwohn der Fachwissenschafter, die den 'Kuwis' gerne den Hang zur dilettantischen Überfliegerei vorwerfen. Auch das aufrechte Fähnlein der Poststrukturalisten protestierte, weil es das literarische Kunstwerk seiner ästhetischen Eigenart beraubt und zum bloßen Dokument verkommen glaubte. Ebenso ist der respektlose Anspruch der neuen Kulturwissenschaften, die Grenzen zwischen E- und U-Kultur zu sprengen, oft als grundlagenlose Beliebigkeit missverstanden worden: als der Wille, alles mit jedem zu vergleichen, und wenn´s sein muss, eben King Lear mit Burger King."
(Clemens Ruthner: Schwerleibige Liebe zur Theorie. In: Der Standard, 15. Jänner 2005)

Kontextualität
Das mediamanual versucht Wissen in Beziehung zum Kontext einer praxisorientierten Verwertung zu setzen, denn Kontextualität ist eine Voraussetzung dafür, dass wissenschaftliches Wissen in außeruniversitären Handlungsfeldern umgesetzt werden kann.

CS und Medien
"Erst seit Ende der 80er-Jahre hat sich auch eine Medienwissenschaft etabliert, die wesentlich von der Literaturwissenschaft beeinflusst wurde. Zunehmend herrscht in beiden Disziplinen die Einsicht vor, dass man nur noch mit interdisziplinären Ansätzen der sich ausweitenden Medienlandschaft erklärend und interpretierend nahe kommen kann. Daher lag es nur nahe, dass seit den 90er-Jahren auch verstärkt der Ansatz der so genannten Cultural Studies rezipiert wurde – der nicht mit der in Deutschland üblichen Kulturwissenschaft geisteswissenschaftlicher Prägung zu verwechseln ist. Inter- und Transdisziplinarität ist eines der wesentlichen Kennzeichen dieses Ansatzes. Zudem erhebt er den Anspruch politisch interventionistisch zu sein. Er möchte mit seinen Erkenntnissen zur Veränderung der Gesellschaft beitragen. Kultur wird als Feld sozialer, politischer und ökonomischer Auseinandersetzungen begriffen, auf dem sich die verschiedenen Machtgruppen der Gesellschaft und die 'Leute' gegenüber stehen. Die Cultural Studies haben sich recht früh mit den populären Medien beschäftigt und das Vergnügen und die Selbstermächtigung des Publikums in den Blick genommen, die zu den Machtstrukturen der Medien und der Gesellschaft in Beziehung gesetzt werden, denn Medien wie das Fernsehen schaffen bedeutungsvolle Diskurse." (Lothar Mikos – In: Goldbeck, Kerstin: Gute Unterhaltung, schlechte Unterhaltung. Die Fernsehkritik und das Populäre. Cultural Studies 7, hg. von Rainer Winter. transcript-Verlag, Bielefeld 2004)

CS und der Kulturbegriff
"Dort, wo Kultur draufsteht, sind Unterschiede drin." - Mit dieser einfachen Formel wäre zum Begriff "Kultur" eine weitere Spur gelegt. Kultur ist vielfältig und hochkomplex, ein Terrain, das unsere individuellen Lebensstile und Identitäten formt und prägt. Dass dabei die Politik schnell ins Visier gerät, scheint logisch.

Die theoretische "Annäherung zwischen Politik und Kultur sollte ihre Verkörperung bald in der Kulturpolitik der sechziger Jahre finden. Doch in dem Maße, wie diese politischen Hoffnungen schwanden, expandierte in den siebziger Jahren und achtziger Jahren die Kulturindustrie, bis man schließlich einen neuen Begriff für das Phänomen benötigte, das sie bezeichnete, und im 'Postmodernismus' auch fand. Was dieses Wort nämlich im Grunde signalisierte, war die offizielle Beendigung des altmodischen Kulturkampfes zwischen Minderheitenzivilisation und Massenbarbarei.

[...] Doch um sich für das Markenzeichen 'postmodern' zu qualifizieren, musste die Kultur noch einiges mehr vorzuweisen haben. Man empfand nicht nur den Inhalt der Kultur, sondern auch ihren Status als geändert. Was zählte, war der transformierende Einfluß der Kultur auf andere Ebenen der Gesellschaft, nicht nur der Umstand, dass sie stärker präsent war. [...] so schien Kultur das neue 'Dominante' in der Gesellschaft geworden zu sein, auf ihre Weise so verankert und alles durchdringend wie im Mittelalter die Religion, im 19. Jahrhundert in Deutschland die Philosophie oder im viktorianischen Britannien die Naturwissenschaften. 'Kultur' bedeutete, dass das soziale Leben ,konstruiert’ war und damit auf eine für radikale Aktivisten wie für Konsumexperten annehmbare Weise veränderlich, vielfältig und fließend." (Terry Eagleton: Was ist Kultur? Eine Einführung. C. H. Beck Verlag, München 2001)

CS und kritische Pädagogik

"Dabei gilt das pädagogische Interesse von Cultural Studies aber primär den Bedeutungen und Vergnügen, die Personen und Gruppen helfen können, ihre Interessen zu artikulieren, Freiräume zu entfalten, Fluchtlinien zu finden und ihre Handlungsmächtigkeit zu erweitern. Auf diese Weise sind Texte in die Zirkulation von Bedeutungen und affektiven Energien innerhalb einer Kultur eingebunden. [...] Wie die Arbeiten von Henry Giroux, Douglas Kellner, Peter McLaren und anderen zeigen, sollten Medien- und Kulturanalyse im Rahmen von Cultural Studies immer auch verknüpft sein mit einer kritischen Pädagogik, die der impliziten Pädagogik medialer Texte opponiert und eine produktive Auseinandersetzung intensivieren oder erst ermöglichen möchte. Dabei wird der Alltag als 'contested terrain' bestimmt, der auf einen kollektiven Dialog hin geöffnet werden soll, damit viele unterschiedliche Stimmen sich artikulieren können, um eine demokratischere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen." (Rainer Winter: Cultural Studies und kritische Pädagogik: www.medienpaed.com/03-2/winter03-2.pdf)

CS – Ansätze und Formationen

Der Focus der Cultural Studies definiert und diversifiziert sich auch länderspezifisch: Der Politikbegriff bei den Cultural Studies britischer Prägung betont vor allem Konstellationen von Konflikt, Macht und Machtsymmetrien, Anerkennung von Identitäten und Lebensweisen. Und damit verschiebt sich der Blick von der "großen Politik" auf andere Felder wie: class, race und gender, Alter und Konfession, Politik der Lebensstile, Konsumsphären, Familienformen und sexuelle Orientierung.

Cultural Studies untersuchen kulturelle Angebote und ihre Wirkung. Dabei wird die Bedeutungsdimension nicht allein dem Bereich der Angebote zugewiesen, sondern den kulturellen und sozialen Kontexten. In den CS kann man einen theoretisch fundierten, interdisziplinären Ansatz der Kulturanalyse, insbesondere auf eine Beschäftigung mit Alltagspraktiken, alltäglichen kulturellen Konflikten und Fragen der soziokulturellen Macht beobachten. Die Gegenstandsbereiche wären: Kultur, Medien und Macht.

Wie oben schon erwähnt liegen die Schwerpunkte der englischen CS in der Verbindung zwischen Theorie und Politik, Codierung und Decodierung, Rassismus und Medien. Bei den amerikanischen CS eher auf der Analyse von Zeichensystemen der Populärkultur, dabei werden TV und Film als Träger kollektiver Ideologien, Medienkultur als visuelle und akustische Kultur identifiziert.
Die deutschsprachigen Cultural Studies richten ihr Augenmerk eher auf die Analyse von Medienangeboten und Medienwirkung.

Medien verstehen heißt Gesellschaft verstehen. Und Cultural Studies sind ohne Brückenschläge nicht zu denken, sind also im besten Sinne "undiszipliniert" - womit auch der Kreis zur Medienpraxis, zum Eigensinn der Kulturproduktion, geschlossen wäre:

"Denn die Cultural Studies sind eben nicht der Auffassung, dass Kultur sich in erster Linie durch die Gemeinsamkeit von Werten und Bedeutungen bestimmen ließe und als verbindender Kitt der Gesellschaft anzusehen sei. Vielmehr zeigen ihre Vertreter das Aufbrechen oder das Fehlen eines Konsens in Wert- und Bedeutungsfragen und die ihnen zugrunde liegenden Konflikte auf, indem sie die nach Lebensform, Klasse, Geschlecht, Alter und ethnischer Zugehörigkeit differenzierten und hierarchisierten Gesellschaften untersuchen und so die Vorstellung einer Kultur als Trugbild entlarven. Nicht die integrative Funktion von Kultur, sondern der Kampf um Bedeutungen, der nie zu beendende Konflikt über Sinn und Wert von kulturellen Traditionen, Erfahrungen und Praktiken prägt ihre besondere Optik. Dabei werden kulturelle Formen und Prozesse nicht als etwas Sekundäres, Abgeleitetes betrachtet, sondern sie treten als dynamische und produktive Kräfte, die für die Gesellschaft selbst konstitutiv sind, in den Mittelpunkt. Was zugleich das Vergnügen an Cultural Studies erklären mag." (Rainer Winter: Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader. Hg.: Jan Engelmann, Campus Verlag, Frankfurt am Main 1999)
 
Einige grundlegende Erkenntnisse könnten, uns ständig unter Zeitmangel Leidenden, genügen, den Kern im Wesentlichen zu erfassen, wichtiger noch: ermutigen, die im Grundsatzerlass für Medienerziehung empfohlenen "Tipps" zu Medienbildungsprozessen im Unterricht zu integrieren. Medien verstehen heißt Gesellschaft verstehen. In diesem Sinne hier Positionen, Literaturempfehlungen, Links und Anregungen.

Anregungen zur Recherche im Internet
z. B. mit der Suchmaschine Google oder bei Wikipedia, der freien Enzyklopädie im Internet

Einige Suchbegriffe:
Behinderte Menschen Identität
Die Kultfilm Erfahrung Kinder und Fernsehen
Die Science Fiction Tradition Kultur, Massenkultur, Populärkultur
Die Unterhaltungsindustrie Leben in Technokulturen – Video und Computer
Ethnische Minderheiten Nachrichten und Ideologie
Fernsehen Oral History – Mündliche Überlieferung
Fernsehpublikum beim Fernsehen Pop
Formen der Intertextualität Postkolonialismus
Gender Postmoderne für Anfänger
Geschlecht und Kultur Randgruppen
Geschlecht und Identität Shakespeare in Hoch- und Populärkultur
Horrorfilm und Sexuelle Identität Stereotypen
Ideologie Teenager und Kultur

Literaturempfehlungen

Cultural Studies. Grundlagentexte zur Einführung
Hg.: Roger Bromley, Udo Göttlich, Carsten Winter. Mit Beiträgen von Ien Ang, John Fiske, Simon Frith, Lawrence Grossberg, Stuart Hall, Richard Hoggart, Richard Johnson, Douglas Kellner, David Morley, Edward P. Thomson, Raymond Williams. zu Klampen Verlag, Lüneburg 1999

Cultural Studies nehmen in den Humanwissenschaften der angelsächsischen Länder einen zentralen Platz ein. Sie untersuchen mit einer offenen Methodologie kulturelle, geschlechtsspezifische und mediale Phänomene.
Die Grundlagentexte geben dem deutschsprachigen Publikum eine Einführung in die Cultural Studies. Historisch gibt der Reader einen Überblick über die entscheidenden Etappen der Entstehung und Entwicklung der Cultural Studies seit den fünfziger Jahren bis zur Mitte der neunziger Jahre. Systematisch werden die theoretischen Grundlagen der Cultural Studies behandelt sowie die Themengebiete Populär- und Medienkultur vorgestellt.

Die Cultural Studies Kontroverse

Hg.: Andreas Hepp und Carsten Winter. Mit Beiträgen von Ien Ang, Chris Barker, Stuart Hall, Colin Mercer, David Morley, Meaghan Morris, John Storey. zu Klampen Verlag, Lüneburg 2003

Cultural Studies haben sich zum wichtigsten Zweig kritischer Sozialwissenschaft in den angelsächsischen Ländern entwickelt und finden inzwischen auch im deutschsprachigen Raum breite Aufmerksamkeit. Die Fülle der in ihrem Rahmen behandelten Themen wie auch der Anspruch, in zeitgemäßer Form Kritik zu üben, haben jedoch eine breite Kontroverse über die Frage entstehen lassen, was der Focus der Cultural Studies sein sollte. Der Band bietet einen Überblick über die angelsächsische Diskussion der letzten Jahre.

Die kleinen Unterschiede. Der Cultural Studies-Reader
Hg. Jan Engelmann, Campus Verlag, Frankfurt/New York 1999

Der Band beleuchtet die Entstehungsgeschichte, Stellenwert und Anspruch der Cultural Studies, er sondiert ihre ebenso zögerliche wie kontroverse Aufnahme hierzulande und er führt nicht zuletzt die aktuelle Diskussion um ein spannendes Forschungsfeld fort. Britische und deutsche Autoren äußern sich zu Themen wie Multikulturalismus, Globalisierung, Identität, Popkultur, Musik, Medien, Konsum, Kunst, Mode und Feminismus.

Links

Wikipedia – Die freie Enzyklopädie
"Cultural studies sind ein Feld der Sozialwissenschaften. Dieser in den 1960er Jahren entstandene interdisziplinäre Forschungsansatz kombiniert Soziologie, Filmtheorie, Literaturtheorie und Kulturanthropologie in der Betrachtung von kulturellen Phänomenen der Gesellschaft. Wichtiges Anliegen ist das Hinterfragen und Aufspüren von Ideologien und Identitäten. Dabei werden partikulare und lokale Erscheinungen auf ihren Zusammenhang mit sozialstrukturellen Merkmalen, wie z. B. Rasse, Ethnie, Klasse, Schicht, Gender und sexuelle Orientierung hin untersucht."
http://de.wikipedia.org/wiki/Cultural_studies

Volltexte von Prof. Dr. Hartmut Böhme, Lehrstuhl für Kulturtheorie des Kulturwissenschaftlichen Seminars an der Humboldt-Universität zu Berlin. http://www.culture.hu-berlin.de/hb/volltexte.html

Cultural Studies and Critical Theory combine sociology, literary theory, film/video studies, and cultural anthropology to study cultural phenomena in industrial societies. Cultural studies researchers often concentrate on how a particular phenomenon relates to matters of ideology, race, social class, and/or gender.
Cultural studies concerns itself with the meaning and practices of everyday life. Cultural practices comprise the ways people do particular things (such as watching television, or eating out) in a given culture. Particular meanings attach to the ways people in particular cultures do things.
http://theory.eserver.org/

INST - Institut zur Erforschung und Förderung österreichischer und internationaler Literaturprozesse: http://www.inst.at/
z. B.: Kulturwissenschaften und Europa oder die Realität der Virtualität:
http://www.inst.at/ausstellung/ebene2.htm

TEXTEM: http://www.textem.de/28.0.html

matrix - computer und neue medien
Auf der Website der Ö1-Sendereihe "matrix - computer und neue medien" finden sich interessante und spannende Artikel über Themen wie Digital Lifestyle, Mobile Computing, Communities oder neue Informations- und Kommunikationstechnologien. http://matrix.orf.at/

medien heft - Dossier 19: Medien im Lebenszusammenhang
Warum Cultural Studies vieles sind, aber nicht alles. Zum Kultur- und Medienbegriff der Cultural Studies: http://www.medienheft.ch/dossier/archiv/uebersicht_19.html


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