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So
wie das Feature ist auch das Mini-Feature nichts anderes als ein akustischer
Film. Es ist nur kürzer, ein Mini-Hörbild eben. Doch
auch hier ist es gängige Praxis, den Begriff Feature falsch zu interpretieren.
Vieles, was unter der Rubrik Mini-Feature laufen sollte oder könnte,
ist meist nichts anderes als ein gebauter Beitrag, gemischt mit ein bisschen
Atmo vom Ort des Geschehens. Zu einem Feature, auch wenn es kurz ist,
gehört aber mehr als der Text plus ein paar O-Töne. Ein Feature
vom bunten Treiben auf der Donauinsel muss das Kindergeschrei ebenso akustisch
transportieren wie das Wasserplätschern. O-Ton, Atmo und Geräusch
sind kein mehr oder minder zufälliges Beiwerk. Sie sind Teil der
Information und müssen sorgfältig, eins nach dem anderen, aufgenommen
werden.
Beispiel: Die Donauinsel an einem
herrlichen Sommertag. Wind, Sonnenhungrige, Kinder, Wassergeplätscher.
Die Reporterin interviewt den Eisverkäufer zu den Auswirkungen des
mehrwöchigen Schlechtwetters. Nach dem O-Ton (z. B. die Antwort des
Eisverkäufers) wird die Atmosphäre (z. B. Kindergeschrei) aufgenommen,
dann Geräusche (z. B. Wasserplätschern) und dann vielleicht
Musik (z. B. Radio aus dem nahen Würstelstand - Wunschkonzert auf
Ö2). Auf Band sind dann einzeln und nacheinander alle Elemente
aufgenommen, die das Mini-Feature kulinarisch machen.
Zurück
von der Donauinsel werden all diese akustischen Mosaiksteine getrennt
auf verschiedene Bänder kopiert. Hier ein Band mit Wasserplätschern,
da ein Band mit Kindergeschrei und dort das Band mit dem O-Ton des Eisverkäufers.
Im nächsten Arbeitsschritt wird die Abfolge festgelegt und bestimmt,
wie der akustische Film beginnen soll. Dabei gilt als Grundregel: Mit
Text beginnen ist schlecht, mit Atmo beginnen ist besser. Ein paar Sekunden
Wasserplätschern plus Kindergeschrei vermitteln viel eindrucksvoller
die Stimmung als ein Satz wie: "Ich stehe hier bei herrlichem Sonnenschein
auf der Insel ..." Die Atmo als akustischer Einstieg sollte jedoch
nicht zu lange "frei stehen". Auch bei der weiteren Gestaltung
kommt es auf die Abfolge und auf die Mischung an. Denn erst durch den
Wechsel der Akustik wird das Mini-Feature zu einem lebendigen
Stimmungsbild.
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