Medienerziehung
und Lehrziel - lassen sich diese beiden Begriffe überhaupt vereinen?
"Bildungs- und Lehraufgabe" - der kategorische Imperativ des Lehrplans
- wie kann man sie auf einen Bereich anwenden, der sich überwiegend
außerhalb der Schule abspielt? Die Schule, hier ist besonders die
Volksschule angesprochen, solle sich in erster Linie darum kümmern,
dass die Kinder ordentlich schreiben und lesen lernen. War da nicht
vor kurzem schon wieder das Ergebnis einer Umfrage in den Tageszeitungen,
das neuerlich einen alarmierenden Rückgang der Lesefertigkeit vermeldet?
Lesen sollten die Kinder in der Schule, die Fertigkeit fernzusehen,
Filme anzuschauen und Videospiele zu spielen hätten sie ohnehin
schon! Haben sie sie wirklich? Sind unsere Kinder, sind wir nicht
fast alle mediale Analphabeten?
Kann es sich die Schule leisten, "Medienerziehung" immer noch
am Rande, als Belohnung, am Ende des Schuljahrs , wenn das "schulisch"
Vermittelbare, das Seriöse, das vom Lehrplan Geforderte, das Messbare
und Abprüfbare erledigt ist, zu behandeln?
Es
heißt überall: Ein Erlass* als Aufforderung zur Einbeziehung eines
Unterrichtsprinzips in die Unterrichtsgegenstände ist zu wenig,
es ist zu unverbindlich, ist ein Alibi der Verantwortlichen, denen
zur Durchführung von Erziehungsaufgaben nichts Weiteres eingefallen
ist. Diesen Vorwurf zu mildern, vielleicht gar zu entkräften, ist
die Absicht des folgenden Versuchs, Medienerziehung, ganz genau
so wie den "richtigen" Gegenständen Bildungs- und Lehraufgaben zuzuordnen,
sie gleichsam mit ihnen zu legitimieren.
Medienerziehung
unterscheidet sich vom "Normalunterricht" primär dadurch, dass sie
wesentlich von dem Wissen, den Erfahrungen abhängt, die die Kinder
außerhalb der Schule erworben haben. Daheim, bei Gleichaltrigen
und in der Welt als Ganzes. Die schulische Medienerziehung setzt
bei diesem Wissen ein und versucht, es zu strukturieren, zu artikulieren,
es bewusst und auch vielfältiger zu machen.
Medienerziehung
sollte die Beziehung zwischen der Schule und der Welt außerhalb
der Schule fördern und vertiefen - die Erfahrungen der Kinder außerhalb
("... diese Sendungen gefallen mir ...", "... das sind unsere Urlaubsfotos
...") werden zwanglos in den Unterrichtsprozess eingebaut.
*
BMUK-Rundschreiben Nr. 19/1994, GZ: 33.223/14-V/13b/94 vom 20. April
1994
Das
zwanglose Einbauen geschieht durch Aktivitäten, die nichtsdestoweniger
bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten, Wissen und Verständnis verlangen.
Wir sind damit schon bei der Terminologie von Bildungs- und Lehraufgaben
angelangt, sind also schon mitten im Lehrplan. Noch eine kurze Überlegung:
Als Strukturleitfaden für die Aktivitäten der Medienerziehung will
ich vom einfachen Kommunikationsmodell ausgehen. Ähnlich der Textbetrachtung
handelt es sich hier auch um eine Betrachtung - statt eines Textes,
den wir als eine Organisation von sprachlichen Zeichen gewohnt sind,
steht ein audiovisuelles Medium als Objekt unserer Betrachtungen.
Der Einfachheit halber wird also in der Folge das audiovisuelle
Medium ebenfalls als TEXT bezeichnet'
Lassen Sie sich durch die Fragen nicht zu sehr verwirren, wir werden
in der Folge sehen, dass sie miteinander verflochten sind! Und nun
viel Erfolg beim Einsatz der folgenden Bausteine, die Ihnen, liebe
Kollegin, lieber Kollege, praktische Einstiegsmöglichkeiten in die
Thematik bieten wollen.
Nach
dem Curriculum Statement für Primary Media Education der BFI/DES
National Working Party for Primary Media Education, edited by Cary
Bazalgette, British Film Institute Education Department, London
1989.
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