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Der Filmkritik kommt allgemein die Aufgabe zu, Brücke zwischen Produzenten und Rezipienten zu sein. Filmkritik trägt zur Markttransparenz bei, indem sie ihr Publikum über die aktuellen Filme informiert. Umstritten ist, inwieweit die in den Rezensionen enthaltenen Bewertungen die Rezipienten bei der Beurteilung des Filmangebots beeinflussen.
Die LeserInnen von Filmkritiken suchen Informationen und Bewertungen. Die Kritik dient dabei in den meisten Fällen als Entscheidungshilfe und führt nicht zu einer Meinungsänderung.
In einem Experiment mit 113 Versuchspersonen haben Sabine Holicki und Michaela Krcho herausgefunden, dass die Darstellung von Schauspielern und Regisseur sowie die Darstellung der Filmhandlung in einer Filmkritik bei der Beurteilung des Films eine wichtige Rolle spielen. Dabei wird der Film umso negativer beurteilt, je unvorteilhafter Schauspieler und Regisseur erscheinen, je unvorteilhafter die Handlung wahrgenommen wird und je unvorteilhafter die Kritik einstuft. (Siehe Holicki, Sabine, Krcho, Michaela: Filmkritik, Filmbeurteilung und der Wunsch, den Film zu sehen. Zum Einfluß von Struktur und Inhalt einer Filmrezension. In: Publizistik, 37. Jahrgang, Konstanz 1992, S. 361ff)

Filmjournalisten regeln den Informationsfluss. Ihre Aufgabe besteht darin, die Informationen der Filmproduzenten und Verleiher zu komprimieren und bewertet an das Publikum weiterzugeben. Dass die FilmkritikerGeschlechtsspezifische Bezeichnungen dabei nicht vollkommen frei von Zwängen ihre Sicht der Dinge publizieren können, scheint einleuchtend. Schon die zur Auswahl gestellten Filme ergeben eine auf Verleih- und Produktionsinteressen, als auch auf Zeitungsinserate abgestimmte Medien-Realität. In der Beurteilung des Produktes selbst scheint der Filmkritiker einen gewissen Freiraum zu genießen, da es keine Patentrezepte bei der Beurteilung der Filme gibt. Denn manchmal scheinen gerade Verrisse das Publikum in die Kinos zu treiben.

Das Startwochenende eines Films entscheidet in der Regel darüber, ob ein Film ein Erfolg wird oder nicht. In den letzten Jahren hat die Multiplex-Kultur die Kinolandschaft sehr verändert. Anstatt wie erwartet länger ein Publikum zu haben, führten die zahlreichen Kinosäle dazu, dass die Filme viel schneller von der Leinwand verschwinden. Kinofilme werden heute mit Hunderten von Kopien auf den Markt gebracht und die massiven Werbekampagnen sorgen für so viel Aufmerksamkeit wie nur möglich, denn bereits das erste Wochenende entscheidet bei 99 Prozent aller Filme über Erfolg oder Misserfolg ("Box-Office-Schicksal").

Welche Rolle spielt dabei die Filmkritik? Empirische Untersuchungen konnten keine Hinweise darauf liefern, dass mit einer Filmkritik Werbung für einen Film gemacht werden kann: ,,Die verbreitete Annahme, die Zuwendung der Kinogänger zu bestimmten Filmen würde durch die Medienberichterstattung mit hervorgerufen, lässt sich aufgrund der Ballung von Zeitungsbeiträgen zum Starttermin empirisch nicht nachprüfen[...]." (Rössler, Patrick: Die Filmberichterstattung in der deutschen Tagespresse. In: Publizistik, 42. Jahrgang, Konstanz 1997, S. 191)


Daher haben viele Filmkritiker für sich akzeptiert, dass ihre Arbeit, was den Verkaufserfolg des Films anbelangt, weitgehend wirkungslos bleibt. - Was einen Teil der Kritiker dazu veranlasst hat, eine kulturpessimistische Haltung einzunehmen, während die Mehrzahl darin eher eine Befreiung sieht. Das äußert sich im Extremfall einerseits in einer filmfernen, nicht nachprüfbaren abstrakten und allgemeinen Kritik, andererseits in einem Festhalten am Informations- und Bewusstseinsvorsprung, der darauf hinweist, dass von vorneherein nur die Kommunikation mit einer "Elite" gesucht wird.

Wie demografische Untersuchungen belegen, ist die überwiegende Mehrzahl der Kinobesucher zwischen 16 und 30 Jahre alt. (Lucie Bader, Barbara Haberl, Isabella Urban, Christine Weingartner (Hg.) Sehen und Gesehen werden, PVS Verleger, Wien 2000, S 86ff)

Sorgfältige Filmberichterstattung könnte daher ein Weg sein, Jugendliche für die Zeitung zu gewinnen. Nämlich dann, wenn Kulturredakteure stärker auf die Kinointeressen von Jugendlichen eingehen und diese ernst nehmen. Die österreichische Tageszeitung "Der Standard" hat hier wesentlich zu einer qualitätvollen Filmberichterstattung beigetragen.

Wie alle Journalisten sind auch Filmkritiker in die redaktionellen Abläufe des Medienbetriebs, für den sie arbeiten, eingebunden. Der Raum für Kritiken ist begrenzt, Kritiken werden häufig auch unter Zeitdruck geschrieben und dazu kommt, dass die Kritik so formuliert sein sollte, dass sie vom Großteil der Leserschaft auch verstanden werden kann.

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