Startseite
bm:ukk
editorial
info
themen
leitfaden
projekte
workshop
e-academy
network
media literacy
Grundsatzerlass
Bausteine
Lehrplan
Grundelemente
Filmanalyse
Filmgeschichte
Filmkritik
Funktionen_Aufgaben
Bewertungskriterien
Arbeitsfeld
Grundelemente
Darstellungsformen
Radiolandschaft
 
 

 

Anfänge
Seit es Filmkritik gibt, wird auch über ihre Funktion und ihr Aussehen (wer was wo und wie berichten solle) diskutiert.
Filmkritik gab es in den Anfangszeiten dieses Mediums noch nicht. Erst ab 1910 entstand langsam so etwas wie Filmkritik. - Zu dieser Zeit waren die Filme länger geworden und dadurch auch eine anspruchsvollere Dramaturgie möglich. Die Filme mit dem Stummfilmstar Asta Nielsen waren die ersten, die man regelmäßig der Presse vorführte.
Im Jahr 1912 haben sich ständige Filmberichte in den Lokalteilen der Tagespresse weitgehend durchgesetzt.
Der Einzug der Filmkritik in die Feuilletons der Tagespresse gelang mit dem Autorenfilm "Der Andere" in der Regie von Max Mack (1884-1973). Die Tageszeitungen schickten zur Pressevorführung im Jänner 1913 nicht die Lokalreporter, sondern die Kunstkritiker! - Ein Wendepunkt im Verhältnis von Film und Tagespresse: "Zum erstenmal haben sich die ersten Kritiker der Tagespresse zu einer Film-Premiere bemüht. […] Der Film ist feuilletonfähig geworden." (Erste Internationale Film-Zeitung)

Paul Wegener in 'Der Student von Prag'Zum ersten großen Erfolg bei Kritikern und Publikum wurde der Film "Der Student von Prag" (1913). Hauptdarsteller Paul Wegener, ein Star des Theaters, lockte die Kritiker ins Kino. - 224 positive Urteile der deutschen Presse zählte die Produktionsfirma "Deutsche Bioscop" schon wenige Wochen nach der Premiere. - "Der Student von Prag" markiert den Beginn der ästhetischen Filmkritik - eine soziologische Filmkritik gab es vor dem 1. Weltkrieg noch nicht.

In den zwanziger Jahren etablierte sich die Filmkritik in den Tageszeitungen und Kulturzeitschriften.

Siegfried KracauerSiegfried Kracauer (1889-1966), der renommierteste Filmkritiker seiner Zeit (er schrieb von 1921 - 33 Kritiken für die Frankfurter Zeitung) postulierte in seinem Programm der soziologischen Filmkritik (1932) die These: "Der Filmkritiker von Rang ist nur als Gesellschaftskritiker denkbar." - Filme sollten als Spiegelbild gesellschaftlicher Verhältnisse verstanden werden. Aufgabe des Filmkritikers sei es, das Gesellschaftsbild der durchschnittlichen Filme aufzuzeigen, die Scheinwelt dieser Filme mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit zu konfrontieren.
(Quelle: Kracauer, Friedrich: Über die Aufgabe des Filmkritikers. Artikel in der Frankfurter Zeitung vom 23. 5. 1932) Kracauer ist auch Autor des filmtheoretischen Werkes "Von Caligari bis Hitler" (1947, einer Filmgeschichte der Weimarer Republik).

Weitere wichtige Filmkritiker dieser Zeit waren: Béla Balázs, Rudolf Arnheim und Alfred Polgar.

Im Dritten Reich war Filmkritik als solche verboten. Ein Zusammenhang zwischen Inhalt und Form eines Films wurde nur vereinzelt hergestellt. Es wurde ein inhaltlicher Bericht erstattet und dieser mit propagandistischen Prädikaten verknüpft.

Nouvelle Vague
In den 50-er Jahren verfolgten der französische Filmkritiker André Bazin (1918-1958) und seine Schüler in der 1951 von Bazin u. a. gegründeten Filmzeitschrift "Cahiers du Cinéma" eine Methode, die darauf ausging, die spezifischen filmischen Strukturen nachzuzeichnen, aufzudecken und zu interpretieren.
Diese Form- und Strukturzusammenhänge, die Bazin seinen Schülern vermittelte, haben maßgeblich die so genannte Nouvelle Vague geprägt. Dabei wird der Abbildcharakter des Films und die Bezugsetzung auf die äußerliche Wirklichkeit in Frage gestellt und der Schwerpunkt immer mehr auf die filmische Konstitution des fiktiven Imaginären gelegt.
André Bazin verstand Filmkritik als eine Aufgabe, den Film in hingebungsvoller Kennerschaft als Kunstwerk zu artikulieren und dabei die gesamte Welt der Kunst mit einzubeziehen. (Eine Filmkritik soll in die Tiefe gehen - und nicht nur die Handlung bewerten.)

Jean-Luc GodardDer Einfluss der französischen Filmkritik mit Jean-Luc Godard, François Truffaut - um die zwei Berühmtesten zu nennen, war in der Folge enorm.
Godard als der Provokativste brach mit filmischen Konventionen, gab dabei den fiktionalen Handlungszusammenhang auf und wandte sich der Form des Filmessays zu. Truffaut hingegen propagierte ein "unperfektes Kino der Autoren", das den persönlichen Stil und die individuelle Sicht der Regisseure nicht leugnen sollte. Die Autoren des Kinos, so Truffaut, müssten von der Literatur lernen, statt sie zu imitieren.

In der Auseinandersetzung zwischen "neuen" und "alten" Filmkritikern kämpfte die so genannte "Politische Linke" gegen die "Ästhetische Linke". Der konventionellen Kritik hingegen warf man vor, die unterschwelligen politischen Manipulationen des Konsumfilms zu ignorieren, während die andere Seite konterte, diese "Gefahr" wäre schlichtweg reine Erfindung.

Zur aktuellen Filmkritik-Diskussion sei hier Irmbert Schenk zitiert: "Allgemein zu fragen wäre also, ob heute der kunstrichterliche Diskurs mittels geschriebener Texte überhaupt noch möglich, noch nötig ist, ob er in neuen medialen Umfeldern noch kommunikationsfähig ist. [...] Oder positiv gefragt, ob es nicht längst medial und außermedial andere Diskurssysteme gibt, in denen sich die aktuelle Verständigung über Film abspielt. Haben nicht z. B die Schwarzenegger- wie die Godard-Fans ihr eigenes Signal- und Informationssystem jenseits räsonierender Texte?" (Schenk, Irmbert: "Politische Linke" versus "Ästhetische Linke". In: (Schenk, Irmbert (Hg.): Filmkritik. Bestandsaufnahmen und Perspektiven, S. 71-72)

Das Pressewesen in den USA kennt die Form von Filmkritik, wie sie im deutschsprachigen Raum üblich ist, nicht. Stattdessen haben sich im angelsächsischen Raum zwei Formen von Berichterstattung etabliert, die sich durch unterschiedliche Grade der Kritik auszeichnen: "review" und "criticism".

Pauline KaelPauline Kael und der Spaß, respektlos zu schreiben. Als kontroverseste und einflussreichste Filmkritikerin in den USA und als Wegbereiterin von "New Hollywood" in den 70er-Jahren trug Pauline Kael nicht unwesentlich zu den Erfolgen von Regisseuren wie Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Steven Spielberg u.v.a. bei. Dabei konstatierte die Grande Dame der amerikanischen Filmkritik respektlos: "Es ist besser, sich unter seinem Niveau zu amüsieren, als sich über Niveau zu langweilen."
Ganz unverkrampft beschreibt sie damit die amerikanische Position zwischen Kunst und Kommerz. In ihren Betrachtungen bewegt sie sich mühelos zwischen "reviewing" und "criticism" und verbindet "Consumer guide" mit "deep analysis". Ihre Texte sind dabei oft unterhaltender als die Filme, die sie besprechen musste.
Pauline Kael schrieb über Jahrzehnte für den "New Yorker". Ihr großstädtischer Witz und ihr Credo "Das Kino ist unser Nationaltheater" geben Aufschluss über kulturelle Verfasstheiten der USA im 20. Jahrhundert. Ihre Beiträge zum Thema "Art and the Movies" (1969) werden in einer Liste der 100 besten journalistischen Texte (USA) des vergangenen Jahrhunderts geführt. (Essaysammlung: "I lost it at the movies")
Pauline Kael in ihrer "movie critic's speech" für den National book Critics Circle awards (16. März 2000):
"Writing about movies, you don't have to treat them all respectfully. Your job is to sort out the rare great from the adequate and the frequent appalling. In the process you can pep up what you're doing by letting go with a little savagery. You can treat bum work as a hanging offense. You can even crack a joke about it now and then. Even mediocre pop art is a lot more fun than failed high art, and it's more fun to write about".

Weitere wichtige FilmkritikerInnen: Otis Ferguson, James Agee, Stanley Kauffman, Andrew Sarris, Frieda Grafe ...

Quellen:
Helmut H. Diederichs: Anfänge deutscher Filmkritik. Stuttgart 1986
Grob, N.: Pamphlet für den ästhetischen Diskurs. In: epd-Film 2/1988, Frankfurt/Main
Ernst, G., Haberl, G., Schlemmer, G. (Hg.): Film Kritik Schreiben. Wien - Zürich 1993
Kracauer, Siegfried: Von Caligari bis Hitler . Frankfurt/Main 1979
Schenk, Irmbert (Hg.): Filmkritik. Bestandsaufnahmen und Perspektiven. Marburg 1998
Seidl. C.: No Interpretation! In: epd-Film 2/1988, Frankfurt/Main

Top

©
mediamanual.at 2012 | site map

Social Bookmarks:   Bookmark bei: Mr. Wong Bookmark bei: Del.icio.us Bookmark bei: Facebook Bookmark bei: Twitter