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noch als viele technische Neuerungen davor, war Film eine "gemeinschaftliche"
Entwicklung und beruht auf einer Reihe von Erfindungen, die jeweils
wieder mehrere Urheber für sich in Anspruch nahmen. Thomas
Edison versuchte 1897, in einer langen Serie von Gerichtsverfahren,
lästige Konkurrenten loszuwerden. Insgesamt wurden im ersten
Jahrzehnt des Films über fünfhundert Prozesse angestrengt.
Mit der Gründung der Motion Picture
Patents Company (MPPC) einigten sich die größten
Produzenten - Edison, Biograph, Vitagraph, Essany, Selig, Kalem,
Méliès und Pathé - mit dem Vertreiber Georg
Kleine, alle Patente in einen Pool einzubringen. Edison erhielt
Tantiemen aus allen produzierten Filmen, Georg Eastman verpflichtete
sich, nur Mitglieder der MPPC mit Filmmaterial zu versorgen und
kein Vertrieb, der mit Filmen anderer Firmen handelte, durfte die
Filme der MPPC verwerten.
Verständlicherweise widersetzten sich eine Reihe von Vertrieben
diesen Monopolvereinbarungen und gründeten eigene Produktionsfirmen,
von denen Carl Laemmles Independent
Motion Picture Company (IMP), aus der später die Universal-Studios
hervorgingen, die wichtigste war.
In
einer weiteren zehnjährigen Runde juristischer Streitigkeiten
- amerikanische Antitrustprozesse
- wurde die MPPC schließlich wegen ihres Monopols für
illegal erklärt. Die MPPC kontrollierte um 1912 mehr als die
Hälfte der Nickelodeons
(ein Nickel - entsprach fünf Cents - als Eintrittspreis in
die Vorführstätten, Nickelodeons genannt. "Odeon",
das griechische Wort für kleines Gebäude zur Aufführung
von Musik und Schauspiel).
Trotz dieser Vormachtstellung blieb unabhängigen Firmen genügend
Spielraum, um gegen den Trust zu bestehen. In den Nickelodeons wurden
so genannte Ein- oder Zwei-Akter mit einer Aktlänge von ca.
zehn Minuten vorgeführt. Die Unabhängigen wehrten sich
nicht mit Hilfe gerichtlicher Auseinandersetzungen, sondern führten
eine neue Form des Films ein: den von italienischen und französischen
Filmemachern entwickelten "Feature-Film",
also den Langspielfilm.
Nachdem
sich D. W. Griffith von Biograph, eine der Trust-Firmen, getrennt
hatte, erprobte er als einer der ersten Amerikaner die Möglichkeiten
des Langspielfilms. Und mit dem Erfolg von The
Birth of a Nation (1915) prägte er auch das Muster
des so genannten "blockbuster"
(Produktionen, in die riesige Summen investiert werden, in der Hoffnung,
noch höhere Einnahmen zu erzielen). The
Birth of a Nation kostete rund 110 000 Dollar - noch
nie zuvor wurde so viel Geld für einen Film ausgegeben - und
spielte schließlich zwischen 50 und 100 Millionen Dollar ein.
Damit hatte sich das Filmgeschäft vom Nickelodeon hin zum Filmtheater
verschoben. - Zum Schaden der Monopol-Trusts.
Zur
gleichen Zeit in Europa: Der 1. Weltkrieg ließ die Filmproduktion
verkümmern; die Filmindustrien in Frankreich, Dänemark,
Deutschland und Italien waren dem Druck der unabhängigen amerikanischen
Filmfirmen nicht gewachsen. Diese hatten leichtes Spiel, konsolidierten
sich auf dem Binnenmarkt und versorgten ab jetzt den Weltmarkt.
Zu
dieser Zeit entstanden noch heute bekannte Film- und Verleihfirmen
wie Paramount, Universal, MGM ,Twentieth
Century Fox, United Artists. Bis 1920 hatten diese "Unabhängigen"
selbst wieder ein informelles, unauffälliges Oligopol geschaffen,
das bis in die 40er-Jahre die Filmindustrie auf allen Ebenen - Produktion,
Distribution und Präsentation - kontrollierte. Erst Ende der
40er-Jahre gelang es, vor Gericht dieses Monopol anzufechten, indem
die "companies" zumindest dazu gezwungen wurden, ihre
Abspielstätten abzustoßen. Die Kontrolle über den
Vertrieb konnte man ihnen allerdings nicht entreißen, was
sich bis heute auf die Marktbedingungen in der Filmindustrie auswirkt.
Eine
dieser Firmen hatte eine andere Entstehungsgeschichte: United
Artists wurde am 15. Januar 1919 von Charles
Chaplin, Mary Pickford, Douglas Fairbanks
und David W. Griffith
gegründet. Erklärtes Ziel von United Artists war der Vertrieb
von Filmen, die von Stars produziert wurden. So sollten die erzielten
Gewinne den Künstlern selbst zukommen.
United Artists feierte große Erfolge mit Filmen wie The
mark of Zorro (1920, Das Zeichen des Zorro) mit Douglas
Fairbanks in der Titelrolle, Little Lord
Faunteroy (1921, Der kleine Lord) mit Mary Pickford und
The Gold Rush (1925, Goldrausch)
mit Charles Chaplin.
Obwohl United Artists (UA) nicht genügend Filme auf den Markt
bringen konnte - nur alle 24 Monate einen, wurde UA dennoch auf
lange Sicht eine Anlaufstelle für unabhängige Produzenten,
die sich den großen Hollywood Studios entziehen wollten.
Im
Gegensatz dazu sollte das standardisierte System der Hollywood-Filmherstellung
die wöchentliche Auslieferung von Spielfilmen an die Betreiber
der Kinos garantieren. Um dies zu ermöglichen, entwickelten
die Studios effiziente Produktionsmethoden. So merkten die Filmproduzenten
bald, dass es kostengünstiger war, eine Geschichte nicht in
chronologischer Abfolge zu filmen, sondern mit Hilfe eines Drehplans
(shooting script) zusammenfassend nach Orten und Schauplätzen
zu drehen und die Einstellungen nach Vorgabe des Drehbuchs zu montieren.
Auch das Drehbuchschreiben wurde systematisiert, Handlung und Charaktere
aufgelistet. So konnte ein Drehbuch sofort einem Genre (z. B. Komödie
oder Drama) zugeordnet werden. Ausgehend von dieser Gliederung konnte
der Film-Mogul entscheiden, ob er diesen Film realisieren wollte.
Die Studiobosse planten ihre Filmprojekte ein Jahr im Voraus, bestehende
Sets wurden wiederverwendet und die Produktionsteilung
mit Art Director, Maskenbildner, Kameraleuten etc. perfektioniert.
Durch
die Verlagerung der Produktion in große Ateliers in den Westen,
nach Hollywood, Los Angeles (wegen des gemäßigten Klimas,
des billigen Baulands und des geringen Einflusses der Gewerkschaften)
und die Erfindung des Starsystems in Verbindung mit den neuen Techniken
der Massenreklame und Massenkommunikation gelang es der Filmindustrie,
im Bewusstsein der wachsenden Mittelschicht das Gefühl des
Besonderen zu erzeugen. Um Stars aufzubauen wurden aufwändige
Szenarien entwickelt. Stars wurden festangestellte Studiomitarbeiter
und waren nicht selten vertraglich für lange Zeit an ein Studio
gebunden.
Mitte
der 20er-Jahre war der Stummfilm als wichtigste Unterhaltungsform
fest etabliert und im Europa der 20er-Jahre verbreitete sich die
Idee, Hollywoods Vorherrschaft durch Zusammenarbeit auf internationaler
Ebene entgegenzutreten. Einer der energischsten Vertreter dieser
Idee war der deutsche UFA-Produzent
Erich Pommer. Im Zentrum seiner
Politik stand die Herstellung von Qualitätsfilmen, oft auch
mit "deutschen Themen" wie: Die
Nibelungen (1922-24), Faust,
eine deutsche Volkssage (1925/26).
Pommer, der Mitte der 20er-Jahre selbst kurze Zeit in Hollywood
gearbeitet hatte, übertrug das amerikanische Produktionssystem
auf europäische Verhältnisse, oft auch ohne Rücksicht
auf Kosten wie bei dem Film Metropolis
(1925/26) von Fritz Lang.
Wäre
es beim Stummfilm geblieben, hätten europäische Produktionen
vielleicht wieder an Boden gewinnen können. Doch mit der Einführung
des Tonfilms und dem Insistieren auf die Synchronisation in die
jeweilige Landessprache hatte die europäische Filmindustrie
mit ihren vielen verschiedenen Sprachen keine gemeinsame Identität
mehr. Zahlreiche europäische Regisseure wanderten mit der Einführung
der Nachsynchronisationstechnik (1932) in den 30er-Jahren nach Amerika
aus. Darunter William Dieterle
(Deutscher), Edgar Ulmer (Österreicher),
Robert Florey (Franzose), Michael
Curtiz (Ungar), Ernst Lubitsch
(Deutscher), Fritz Lang (Österreicher)
u.v.m. Nach 1933, nach der Machtergreifung Hitlers, flohen Filmschaffende,
die weil sie Juden waren oder aus anderen Gründen unerwünscht
waren, nach Hollywood.
1932
war der technische Umbruch zum Tonfilm
vollzogen. Die Filmstudios arbeiteten als straff geführte Film-Fabriken.
Schauspieler, Regisseure und Techniker waren vertraglich an das
Studio gebunden, die Studio-Chefs trafen die künstlerischen
Entscheidungen und nur einigen wenigen berühmten Regisseuren
wurde mitunter das Recht auf den Endschnitt (Final-Cut) gestattet.
Ungewöhnlich war auch die Anzahl der Filme, die Regisseure
Jahr für Jahr ablieferten. Zwischen 1930 und 1939 drehte Michael
Curtiz 44 Filme, Mervyn LeRoy
36 und John Ford 26. Kein Wunder
also, dass die Filme dieser Periode durch Konformität geprägt
waren, denn im "goldenen Zeitalter" waren die mächtigen
Studiobosse um den Warenwert ihrer Filme besorgt und ein Film sollte
so sein wie der andere.
"So besteht die Beschäftigung mit Hollywood vor allem
in der Untersuchung von Typen, Mustern, Konventionen und Genres
und nicht im Herausarbeiten der Qualitäten einzelner Filme."
(Monaco, James: Film verstehen, S. 247)
Hollywood
machte auch während des 2. Weltkriegs gute Geschäfte.
1946, in seinem besten Jahr, beliefen sich die Kino-Einnahmen auf
1,7 Milliarden Dollar. Die Einführung
des Fernsehens Anfang der 50er-Jahre wirkte sich allerdings
verheerend auf die Studios aus. Sie weigerten sich, ihre Archive
auszuwerten, zerstörten eher Filme als diese zu erhalten und
erkannten nicht, dass sie ebenso gut Filme fürs Fernsehen wie
für die Kinos produzieren könnten. Damit gewannen neue
Produktionsstrukturen an Bedeutung. Die großen Studios brauchten
annähernd fünfzehn Jahre, um sich mit den neuen Methoden
der Massenproduktion zu arrangieren. Ihre Vermögenswerte sanken
beständig und wurden in den 50er- und 60er-Jahren verkauft
oder von neuen Eigentümern aufgesogen. Damit endet die Geschichte
des Kinos und die Geschichte des Fernsehens beginnt - zumindest
aus dem Blickwinkel der Ökonomie.
Alfred
Hitchcock
war einer von ganz wenigen Regisseuren, die innerhalb des Hollywood-Systems
persönliche Filme drehten. Mit den Thrillern Rear
Window (1953), Vertigo
(1958) und North by Northwest
(1959) schuf er Meisterwerke. In seinem Buch "Mr. Hitchcock,
wie haben Sie das gemacht?" (ein Klassiker der Filmliteratur)
würdigt der französische Filmkritiker und Filmemacher
Francoise Truffaut den Meister des klassischen Hollywoodkinos.
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