Wie junge VolksschülerInnen die Leinwand erobern – Interview mit Elisabeth Köbke (VS Rötzergasse, Wien)

 

Elisabeth Köbke

 

 

 

 

„Beim Projekt wurde eine Vielzahl an Kompetenzen abgedeckt. Fragestellungen waren unter anderem: Wie kann ich meine Meinung äußern und begründen? Wie kann ich in Konflikten nach Lösungen suchen? Wie kann ich in Gesprächen respektvoll und angemessen sprachlich handeln?“

 

 

 

 

 

 

 

Klein hatte alles begonnen. Und dann kamen sie ganz groß heraus. Beim media literacy award 2017 wurden die Schülerinnen und Schüler von Elisabeth Köbke (Volksschule Rötzergasse, Wien) für ihr Projekt „Die Geisterjagd“ in der Kategorie „Video“ ausgezeichnet.  

 

Lisa Badura: Ihre SchülerInnen hatten voriges Jahr einen Legetrickfilm erstellt, in dem alle Aspekte eines gelungenen Films enthalten sind: Eine spannende Geschichte, gute Dialoge und eine technisch schöne Ausarbeitung. Beim Anschauen des Films bekommt man den Eindruck, dass Ihre SchülerInnen viel Spaß hatten. Die Stimmen der Dialoge zeugen von Enthusiasmus und Gefühlen der Involviertheit.

Vielleicht könnten Sie kurz umreißen, wie das Projekt entstanden ist, warum es eine fächerübergreifende Kooperation war und wie lang die SchülerInnen am Projekt gearbeitet haben.

 

Elisabeth Köbke: Die im Projekt „Die Geisterjagd“ verwendete Stop-Motion-Technik hat mich schon seit längerem fasziniert, nicht nur im schulischen Kontext. Als eine Kollegin an meiner Schule dann damit begonnen hat, mit einer SchülerInnengruppe einen Film in dieser Technik zu erstellen, war ich sofort inspiriert, dies auch in meinem Unterricht durchzuführen. Am Anfang stand natürlich das eigene Einarbeiten in die Thematik und die Technik, dann entwickelte ich ein erstes Konzept für die konkrete Umsetzung. Dabei stand nicht nur die Deutschförderung im Vordergrund, auch Kompetenzen in Medienbildung und Bildnerischer Erziehung kamen zum Tragen.

Im Oktober 2016 stellte ich das Projektvorhaben schließlich meiner Arbeitsgruppe, bestehend aus sieben SchülerInnen von acht bis zehn Jahren, vor, die sich von meiner eigenen Motivation für die Sache sofort überzeugen ließen. Insgesamt arbeiteten wir etwa neun Monate intensiv an „Die Geisterjagd“, von der Einführung, der Skizzierung erster Handlungsideen, bis hin zur Premiere.

 

Szene aus „Die Geisterjagd“

 

Es liegt nahe, dass junge SchülerInnen noch nicht so viel Erfahrung mit der Realisierung eigener Medienprojekte haben. Wie viel Freiraum haben Sie Ihren SchülerInnen eingeräumt? Welche Vorgaben gab es?

 

Es war mir wichtig, den SchülerInnen viel Freiheit bei der Umsetzung des Projektes zu geben, um die kreativen Prozesse so wenig wie möglich einzuschränken. Zu meinen Vorgaben gehörte die Stop-Motion-Technik, die ich im Vorfeld präsentierte und für die SchülerInnen der Altersgruppe auch gut umsetzbar ist. Eine Limitierung stellte zudem das Material dar: Da es nur eine Kamera und einen Laptop gab, war klar, dass es ein gemeinsamer Film werden musste.

Ich muss zugeben, dass es für mich zu Beginn schwer war, mich aus den Prozessen herauszunehmen und die Entscheidungen und den Ablauf zum größten Teil in die Hände der SchülerInnen zu legen. In kurzer Zeit konnten sie so aber vollkommen selbstständig sämtliches Equipment auf- und abbauen, die Technik bedienen, die Geschichte nach ihren Vorstellungen entwickeln und umsetzen.

 

„Es war nun nicht einfach ein Projekt, es war IHR Projekt.“

 

Die Debatten über Kinder und Medienkonsum sind momentan besonders hitzig und emotional. Übermäßiger Handykonsum ist oft schon bei jungen SchülerInnen ein Thema. Ihre Klasse hat bewiesen, wie man kreativ und ergebnisorientiert mit Medien arbeiten kann.

Wie haben Ihre SchülerInnen den Prozess der Realisierung (Themenfindung, Teammanagment, Austausch kreativer Ideen, technische Ausarbeitung) erlebt? Mit welchen Herausforderungen waren Ihre SchülerInnen bei diesem Medienprojekt – vielleicht das erste Mal – konfrontiert? Was hat gut geklappt?

 

Der Prozess war, vor allem zu Beginn, sehr konfliktreich. Die SchülerInnen haben viele Fragen zur Handlung diskutiert: Worum handelt unsere Geschichte? Wer sind die ProtagonistInnen? Wo findet die Geschichte statt?

Aber auch auf einer Metaebene mussten Aspekte der Zusammenarbeit besprochen werden: Wie werden Entscheidungen in unserer Gruppe getroffen? Wer hat Mitspracherecht? Welche Inhalte sind legitim?

Teilweise wurde von den SchülerInnen auch ein Abbruch des Projekts thematisiert. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht, obwohl ich ihnen die Option in diesem Fall offen gelassen hätte.

 

Weiterlesen

Der media literacy award [mla] – Ein Gespräch über Zahlen und Fakten

 

Der [mla] besteht nun schon seit 18 Jahren. Einmal jährlich werden herausragende Medienprojekte österreichischer und europäischer Schulen ausgezeichnet. Angelika Fürst hat eine Auswertung des Wettbewerbs von 2017 vorgenommen. Mithilfe des Projektbegleitbogens, der den eingereichten Projekten beigelegt werden soll, hat sie interessante Erkenntnisse gewonnen.

 

Angelika Fuerst und Renate Holubek im Buero

Angelika Fürst und Renate Holubek

 

„Die spannendsten Projekte entstehen meist, wenn die Inhalte aus der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen kommen. Dann entsteht die Möglichkeit mit Hilfe von Medien ihre eigenen Anliegen zu artikulieren.“

 

 

Lisa Badura: Angelika, du hast den media literacy award [mla] 2017 unter die Lupe genommen. Kannst du einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten geben?

 

Angelika Fürst: Insgesamt wurden letztes Schuljahr mehr als 500 Medienprojekte beim media literacy award eingereicht. Sehr viele Menschen haben sich beteiligt, rund 375 Personen pro Tag – SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen sowie Fachtagungs-TeilnehmerInnen – sind im Herbst zum Festival nach Wien gekommen. Diese Resonanz ist sehr erfreulich.

 

Anschließend hast du die Ergebnisse 2017 mit jenen von vor zehn Jahren verglichen. Die Festivalleiterin des [mla] Renate Holubek hat diese 2007 im Rahmen ihrer Masterthesis erhoben. Ein interessanter Vergleich, welche Erkenntnisse konntest du daraus ableiten?

 

Es war wirklich spannend, sich die Veränderungen anzusehen, vor allem, weil sich im letzten Jahrzehnt auch technologisch unglaublich viel verändert hat. Die daraus resultierenden Abweichungen herauszulesen, sorgte für ein paar überraschende Erkenntnisse.

Dabei hat sich die Kategorieverteilung beispielsweise gar nicht verändert. Genau wie 2007 werden die meisten Projekte in der Kategorie „Video“ eingereicht. Wie vor zehn Jahren machen diese auch heuer rund 70% der Einreichungen aus. „Audio“ war die zweit häufigste Kategorie, knapp gefolgt vom Multimedia-Bereich. Den geringsten Anteil machen, damals wie heute, Print-Projekte aus.

 

Neben deutlich mehr Einreichungen wird der Großteil der Projekte mittlerweile im Unterricht gemacht. Gleich zwei erfreuliche Tendenzen! Welche weiteren Aspekte haben dich bei der Auswertung positiv gestimmt?

 

Richtig, 2007 wurden 238 Projekte beim [mla] eingereicht, zehn Jahre später waren es bereits knapp über 500. Besonders positiv stimmt uns, dass die Unterrichtseinheiten, in denen Medienprojekte realisiert werden, zugenommen hat: Von durchschnittlich 12 bis 15 Stunden auf nun rund 23 Unterrichtsstunden. 2007 wurden noch viele Projekte in der Freizeit realisiert, mittlerweile wird der Großteil der eingereichten Projekte im Unterricht erarbeitet. Eine Entwicklung, die sich hoffentlich fortsetzt.

 

Interessant ist weiters, dass viele Einreichungen im fächerübergreifenden Unterricht entstehen. Die Gegenstände, in denen sehr viele Projekte umgesetzt wurden sind neben jenen, die einen Medienbezug aufweisen, Deutsch, Bildnerischer Erziehung und Englisch.

 

Gibt es Ergebnisse, die dich überrascht haben?

 

Dass etwa im Deutschunterricht so viele Medienprojekte entstehen, ist wirklich erstaunlich und haben wir so nicht erwartet. Auffallend ist auch, dass heute wesentlich mehr weibliche Lehrpersonen Medienprojekte realisieren.

Zudem finde ich spannend, dass gegenüber 2007 die Anzahl der berufsbildenden Schulen stark zugenommen hat. Das ist eine überaus positive Entwicklung. 2007 waren es nur ein Dutzend Schulen, die am [mla] teilgenommen haben, 2017 bereits knapp über 100.

 

Der media literacy award ist ein europäisch ausgeschriebener Medienwettbewerb. Deswegen sind wir besonders stolz, letztes Jahr aus zwölf verschiedenen Ländern insgesamt 85 Projekte bekommen zu haben. Die meisten davon erreichten uns aus Spanien. Dass sich in den letzten zehn Jahres dieses Netzwerk in Europa von fünf auf zwölf Länder ausgeweitet hat, das bestätigt unseren europäischen Ansatz.

 

Bestimmt habt ihr schon Schlüsse und Gedanken zur Auswertung bzw. zum Vergleich von 2007 zu 2017 gezogen. Gibt es Bereiche, auf die ihr euch in Zukunft verstärkt fokussieren wollt? Gibt es bestimmte Tendenzen, die ihr fördern möchtet?

Weiterlesen

Politische Bildung und Big Data

 

Datenschutz

Unser Mai-Newsletter ist da!

 

 

Die Datenschutz-Grundverordnung tritt am 25. Mai 2018 europaweit in Kraft. Bis dahin müssen alle Datenanwendungen an die neue Rechtslage angepasst werden. Wer hat die Kontrolle über die Daten? Liegt der Datenschutz in der Verantwortung des Einzelnen oder beim Staat? Was wissen Bürgerinnen und Bürger zu Big Data

 

Im Mai-Newsletter widmen wir uns diesen aktuellen Themen.

 

Mitmachen! 2018 finden die Aktionstage Politische Bildung bereits zum 16. Mal im Zeitraum vom 23. April bis zum 9. Mai statt.

 

Alle Aktivitäten der Aktionstage auf einen Blick!

 

 

Datenschutz in Schule und Jugendarbeit – Ja, aber wie?

 

Barcamp_2018
Seit dem Jahr 2001 prämiert der media literacy award [mla] Medienprojekte, die im Unterricht realisiert werden. Mit „Big Poop Data(.com)“ wurde 2017 erstmals ein Schulprojekt ausgezeichnet, dass sich mit den Themen „Datenschutz und Überwachung“ beschäftigt.
– 
Im Rahmen des Barcamps von Medienbildung JETZT! präsentiert mediamanual das Projekt und lädt im Anschluss alle TeilnehmerInnen ein, zu diskutieren, wie man sich in Schule oder Jugendarbeit dem Thema DATENSCHUTZ widmen könnte.
 
TERMIN des BARCAMPS:
Donnerstag 26. April: 11 bis 19 Uhr
Freitag 27. April: 10 bis 17 Uhr
im wienXtra-medienzentrum
Anmeldung: https://barcamptools.eu/mbjetzt2018/
Teilnahme kostenlos!
 –
Zum 7. Mal lädt die Initiative Medienbildung JETZT! österreichische MedienpädagogInnen aus der Theorie, Praxis und Verwaltung, Bildungsinitiativen, medieninteressierte PädagogInnen und zivilgesellschaftliche Organisationen mit medienpädagogischen Anliegen zu einem Barcamp ein. Zwei Tage lang Zeit, um Projekte kennen zu lernen, Neues auszuprobieren, vertiefende Gespräche zu führen und sich zu vernetzen.
 –
Hier gibt’s weitere Infos zum Barcamp!

Hier gibt’s mehr Infos zum Projekt „BigPoopData(.com)“

 

 

Ohren auf – Radio im Unterricht!

 

Welche Klassenteams haben sich eigentlich schonmal mit dem Thema Radio befasst? Und welche Erfahrungen haben die SchülerInnen und LehrerInnen dabei gemacht? Hier zwei Projektteams, die wir einmal während ihrer Arbeit besucht haben und die bewiesen haben, wie man lustvoll und ergebnisorientiert mit diesem spannenden Medium umgehen kann!

 

Als wir dem Team von Radioigel an der Pädagogischen Hochschule Steiermark bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen durften, erfuhren wir, wie sich Lehrerausbildung, Schulunterricht und weiterführende Fortbildung bei der Förderung von Medienkompetenz optimal ergänzen können.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=e-4rCQNl6nQ

 

Am Wiener GWIKU Haizingergasse werden Audioprojekte großgeschrieben. Denn zusammen mit Video, Print und Internet ist hier die Produktion von Medienprojekten curricular verankert. Was man sich davon verspricht? Durch die Realisierung von Medienprojekten erweitern die SchülerInnen ihre Teamfähigkeit, erlernen kreative Problemlösungen und vergrößern ihr Verständnis über die Wirkungsweisen von Medien.

 

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=HPu2rGz137Y

 

Zum weiterlesen! Vor Kurzem ist das Radiomanual erschienen. Dieses Kompendium ist ein praktischer – und sehr ansprechend aufbereiteter – Leitfaden für den Unterricht.

Hier zum downloaden!

 

Radiomanual

 

 

 

 

 

 

Hinhören, zuhören, Radio machen! Das Radiomanual ist online!

 

Florian Danhel

Florian Danhel: Verfasser des Radiomanual

 

„Medienprojekte sind für SchülerInnen ein guter Anlass, sich mit der Welt außerhalb der Schule zu befassen. Im Idealfall entdecken sie dabei auch neue Potenziale bei sich selbst.“

 

 

 

Das soeben erschienene Radiomanual ist ein praktischer Leitfaden, der für den eigenen Unterricht bequem downgeloaded werden kann. Das Kompendium ist für LehrerInnen aller Schultypen und Erfahrungsleveln gedacht. Florian Danhel hat das Radiomanual konzipiert und verfasst. Ein Gespräch über die Faszination von Radio und Tipps zum Selbermachen.

 

 

Lisa Badura: Florian, du selbst bist ein eingefleischter Radio-Fan. Du hast früh mit dem Radiomachen begonnen, hast u.a. als Moderator und Redakteur bei Orange 94.0 gearbeitet, hast mehrere Jahre lang die Schülergruppe „RadioPoly “ aus Wien unterstützt und du hast auch jede Menge Workshops und Seminare im Bereich der medienpädagogischen Radioarbeit gemacht.

Was kann Radio, was Film nicht kann? Oder nicht so überspitzt gefragt, was macht für dich den Reiz auditiver Medien aus?

 

Florian Danhel: Den Reiz macht sicher der überschaubare technische Aufwand aus: Man kann gleich mal los legen und sich inhaltlichen Fragen widmen. Noch ein Vorteil: Es gibt kaum ein Thema, dass sich nicht fürs Hören aufbereiten lässt. Gleichzeitig ist man auch hinsichtlich Gestaltung und Umsetzung sehr frei und die kreativen Möglichkeiten sind wirklich vielfältig. Die Schüler und Schülerinnen können bei Themenwahl und Gestaltung ihre Ideen sehr gut einbringen, was meist zu einer höheren Identifikation mit dem Projekt führt und sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt.

 

Das Radiomanual ist ein ganz praktischer Leitfaden, der für Lehrerinnen und Lehrer als Hilfestellung dienen soll, Audioprojekte im Unterricht zu realisieren. Über auditive Medien sind schon unzählige Bücher erschienen. Aber wie so oft liegt in der „Kürze die Würze“. Was war dir bei der Erstellung des Kompendiums persönlich am wichtigsten?

 

Am allerwichtigsten war, dass man beim Lesen Lust bekommt, ein Audio- und Radioprojekt zu starten. Im Mittelpunkt stand deshalb die Idee, in kompakter und übersichtlicher Form all jene Informationen zu finden, die man benötigt, um los starten zu können – von der Ideenfindung bis hin zur Präsentation oder Ausstrahlung. Für jene, die dann (hoffentlich) Feuer fangen, gibt es am Ende weiterführende Links zu weiteren empfehlenswerten Publikationen im Netz.

 

Du selber hast schon viele Gruppen bei der Erstellung von Hörspielen, Podcasts oder klassischen Radio-Beiträgen unterstützt. Angenommen einE LehrerIn kennt sich mit der Erstellung eines audiovisuellen Projekts noch nicht so gut aus und möchte im Unterricht ein erstes Projekt realisieren. Welches Format würdest du zu Beginn empfehlen? Auf was sollte man achten, dass man zu einem wünschenswerten Ergebnis kommt? Gibt es gute Freeware-Programme, die du empfehlen kannst?

 

Weiterlesen

Auf ins Filmmuseum! – Wie Filmvermittlung mit Volksschulkindern aussehen kann

 

richard_cieslar

In seiner Freizeit trainiert Richard Cieslar Kinder und Jugendliche in einem Fußballverein.

 –

.

 

 

 

 

„Beim Anschauen von historischem Filmmaterial ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass es sich um ‚altes‘ Material handelt. Ich verwende da gerne den Vergleich mit Dingen des täglichen Lebens, die sich ja auch weiterentwickelt haben.“

 

 

Richard Cieslar ist Volksschullehrer an der GTVS Reichsapfelgasse im 15. Bezirk in Wien und hat mit seiner Klasse im Österreichischen Filmmuseum die Lecture „Auf der Suche nach dem Realen: Dokumentarfilm“ besucht. Welche Beobachtungen wir in der Lecture gemacht haben, haben wir in einem Artikel schon festgehalten. Aber wie hat die Klasse die Veranstaltung aufgenommen? Und wie hat der Lehrer seine SchülerInnen auf die Filme vorbereitet?

 

Wir sprachen mit Richard Cieslar.

 

Lisa Badura: Sie haben im Jänner eine Dokumentarfilm-Lecture mit Ihren SchülerInnen besucht. „Auf der Suche nach dem Realen“ –  kein leicht verdaulicher Titel für ein junges Publikum. Ihre SchülerInnen schauen vermutlich sonst eher YouTube, Netflix oder Fernsehen. Mit historischen Filmen sind die meisten Ihrer SchülerInnen vorher wohl eher weniger in Berührung gekommen. Wie haben Sie Ihre SchülerInnen auf die Veranstaltung im Filmmuseum vorbereitet? Haben Sie sie in bestimmte Themen eingeführt?

 

Richard Cieslar: Wir sind bereits einiges zum Thema „Medien“ und im Besonderen „Film“ gewöhnt. So hatten wir seit der 1. Klasse regelmäßig Theaterprobenbesuche beim Theater der Jugend, Theaterbesuche im „Dschungel Wien“, es entstehen während des Unterrichtes immer wieder Filme und wir sehen regelmäßig Filme zu Sachthemen. So konnte ich den Kindern recht leicht erklären, was ein „Dokumentarfilm“ ist.

 

Während der Veranstaltung diente jeder ca. 5-minütiger Filmausschnitt als Diskussionsgrundlage. Ausgangsfrage war nach jedem Filmbeispiel, was die Kinder gesehen haben. Welche Gedanken, Reaktionen oder Antworten hat Sie bei Ihren SchülerInnen während der Veranstaltung am meisten überrascht?

 

Vor allem bei „Nanook“ (Anm. „Nanook of the North” von Robert Flaherty, USA 1922) gingen die Kinder trotz des „nur schwarz-weiß“ und der „geringen Bildqualität“ überraschend viel mit, beim abschließenden Jazz-Film (Anm. „Jazz Dance“ von Roger Tilton, USA 1954) „steppte“ fast „der Bär“, weil die – obwohl „alte“ – Musik und der Rhythmus auf die Kinder übersprang.

 

Haben Sie die Veranstaltung später im Unterricht noch nachbereitet? Wenn ja, wie?

 

Weiterlesen

Newsletter: FILM AB!

Filmvermittlung

 

Bei uns dreht sich in diesem Monat alles um FILMVERMITTLUNG! 

 

Vom 13. – 18. März heißt es in Graz bei der Diagonale wieder „FILM AB“! Diesen Monat nehmen wir wieder zum Anlass darüber nachzudenken, wie Filmvermittlung im digitalen Zeitalter aussehen kann. Wir haben uns nach Literatur und hilfreichen Ansätzen umgeschaut, wie man Film im Unterricht einbeziehen kann.

 

Hier geht’s zum aktuellen Newsletter!

 

„Denken in Bewegtbildern“: Filmvermittlung im Österreichischen Filmmuseum: Interview mit Alejandro Bachmann

 

Bachmann

Foto: Natascha Unkart

 

 –

 

„Was wir versuchen, ist genau dafür zu sensibilisieren: Was denke ich, wenn ich ein Bild sehe, was fühle ich, wenn ich einer Folge von Bildern beiwohne und worin könnte der Grund dafür liegen, dass ich dies denke oder jenes fühle?“

 

 

 

Lisa Badura: Alejandro, du bist langjähriger Mitarbeiter im Filmmuseum und leitest die Abteilung für „Vermittlung, Forschung und Publikationen“. Seit 2002 legt das Filmmuseum verstärkten Wert darauf, seine Sammlungen aber auch seine spezielle Perspektive auf das Medium Film Schülerinnen und Schülern zugänglich zu machen. Ihr bietet eigens konzipierte Lectures und Workshops an. Ihr bezeichnet euch selbst als „Schule des Sehens“. Warum muss das Sehen gelernt werden?

 

Alejandro Bachmann: Das Filmmuseum hat 2002 begonnen, spezielle Veranstaltungen für jüngere Menschen anzubieten. Mittlerweile besuchen uns im Jahr rund 6000 SchülerInnen. Mit der „Schule des Sehens“ verbinden wir mehrere Ideen, die sich nicht ganz leicht zusammenfassen lassen. Diese Ideen bilden so etwas wie die Basis unserer Veranstaltungen. Wir konzipieren Veranstaltungen beispielsweise zur Zeiterfahrung im Film, zur Montage, zur filmischen Apparatur, zu Filmfarben, zu ephemeren Bildern rund um das Jahr 1938 oder zum Genre des Zombiefilms. Worum es uns im Kern geht, ist den Blick zu öffnen und einzustudieren, dass Sehen immer schon auch Denken bedeutet.

 

Was wir also versuchen, ist genau dafür zu sensibilisieren: Was denke ich, wenn ich ein Bild sehe, was fühle ich, wenn ich einer Folge von Bildern beiwohne und worin könnte der Grund dafür liegen, dass ich dies denke oder jenes fühle? Es geht also tatsächlich um eine Sensibilisierung für das eigene Sehen. Dieses herbeizuführen ist das Ziel unserer Vermittlungsveranstaltungen. Sobald man sich dem mal bewusst geworden ist, wird es unserer Erfahrung nach deutlich leichter, sich mit ungewohnten, sperrigen, vielleicht auch verstörenden Formen des Films auseinander zu setzen. Man merkt, dass man durch neue Seh-Erfahrungen, völlig neue Gedanken und Gefühle an sich selbst beobachten kann.

 

Das Kino, seine Geschichte und seine Ästhetiken sind bei diesen Überlegungen der Ausgangspunkt, weil das Kino nicht nur eine der dominantesten Formen des Denkens in Bildern im 20. Jahrhunderts war, sondern weil es auch eine ungeheure Formenvielfalt zutage gefördert hat. Zudem liegt dem Kino auch von Anfang an eine gewisse Selbstreflexivität zugrunde – Serge Daney hat mal gesagt, das Kino sei die Reflexion der Bilder von Wirklichkeit, das Fernsehen sei einfach nur Wirklichkeit. Diese Vielfalt an Bildern, die über sich selbst als Bilder nachdenken, sichtbar zu machen, ist für uns Vermittlung. Filmgeschichte zu vermitteln, Genres zu besprechen, Gattungen kennen zu lernen, all das entsteht aus dieser Grundüberlegung. Ausgangspunkt bleibt dabei aber immer die eigene Erfahrung, das eigene Sehen, mit dem man ohne großes Wissen um Hintergründe oder Fachbegriffe erstaunlich weit kommen kann. Hier und da erläutern wir vielleicht spezielles Wissen, aber das ist aus unserer Sicht erstmal nur Beiwerk.

 

IMG_2722

Einlass bei einer Filmlecture, Foto: Lisa Badura

 

Das digitale Zeitalter bedeutet vor allem für junge Menschen, Filme und YouTube-Clips via iPad und Handy zu konsumieren. Kino ist eher „out“. Und schwarz-weiß oder Stummfilme gehören einer für viele völlig unbekannten Medienära an. Neben einigen aktuelleren Produktionen präsentiert ihr vor allem historisches Material.

Welche Eindrücke zeigen dir, dass eure Vorstellungen bei Schulklassen gut ankommen?

 

  Weiterlesen

Ich seh was, was du nicht siehst…! Besuch einer Dokumentarfilm-Lecture im Österreichischen Filmmuseum

 

Wenn alte Filme auf ein junges Publikum treffen wird man skeptisch. Kann das gut gehen? Dass dies eine durchaus gelungene Kombination sein kann, beweist die Lecture „Auf der Suche nach dem Realen: Dokumentarfilm“. Fünf Volksschulklassen aus Wien nehmen an einer Veranstaltung im Österreichischen Filmmuseum teil.

 

IMG_9596

 

Durchaus spürbar wird, dass selbst historische Filme Kinder regelrecht „versinken“ lassen können. In ihre teils körnigen Projektionen, in ihre schwarz-weiß gehaltenen Leinwandwelten, ins Geschehen, das oftmals ohne Ton auskommt.

 

Selbst junge Menschen lassen sich auf vergangene Welten ein. Auch auf Welten, die anhand von Dokumentarfilmen präsentiert werden. Trotz, oder vielleicht gerade, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Während man sich früher oftmals auf langsame Einstellungen einzustellen hatte, verzichtet eine heutige Produktion – ob TV- oder Kinoproduktion, ob Dokumentar- oder Spielfilm – selten auf kurze Einstellungen, ungewohnte Kameraperspektiven oder einen aufwendig produzierten Ton.

 

IMG_9601

 

Heutige KinozuschauerInnen werden durch schnell aufeinander folgende, visuelle und akustische Reize in immer neue Bilderfolgen geleitet – bei Actionfilmen vielmehr: katapultiert. Aus heutiger Sicht ist für das Sehen von Filmen, die vor 100 Jahren entstanden sind, vielmehr so etwas wie Geduld gefragt. Einstellungen waren oftmals nicht nur länger, sondern durch viele Szenen mit wenig Handlung gekennzeichnet.

 

Alte Filme können bei jungen ZuschauerInnen gut ankommen. Denn Geschichten und Emotionalität entstehen unabhängig von der Zeit, in der ein Film entstanden ist. Davon können sich die etwa 100 Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 bis 10 Jahren überzeugen. Stefan Huber, Filmvermittler und Mitarbeiter des Filmmuseums, präsentiert vier Filmbeispiele aus der Zeit zwischen 1895 und 1954. Nach jedem Beispiel gibt es Raum für Diskussion und Erörterung der Hintergrundinformationen.

 

IMG_9538

 

 

Die Frage nach dem Gesehenen ist die Eingangsfrage jeder Diskussion. Eine vermeintlich einfache Frage. Aber sie kann das Gespräch in viele verschiedene Richtungen öffnen. Denn wenn man sammelt, was es in einem Bild alles zu sehen gibt, kommt man rasch auf eine Fülle von Details. Und schließlich greift auch jedeR ZuschauerIn auf seine eigene Medienbiographie zurück. Filmerfahrungen und Vorlieben unterscheiden sich. Den SchülerInnen wird somit bewusst, dass „die Suche nach dem Realen“ durchaus kniffelig sein kann. Alle sehen etwas anderes. Die Reflexion der Erzählperspektive verhilft zu Rückschlüssen, ob wir uns als ZuschauerIn eher „weiter weg“ vom Geschehen oder „mittendrin“ fühlen.

 

 

Weiterlesen