Medienkompetenz

Das war die Woche der Medienkompetenz – Interview mit Koordinator Christoph Kaindel

 

Wenn Christoph Kaindel mal nicht gerade Kooperationen voran treibt, mag er es gern sportlich (zum Beispiel wie hier in den Schladminger Tauern)

 

 

 

 

„Mein eigener Medienbegriff ist sehr umfassend und fängt bei der gesprochenen Sprache an.“

 

 

 

 

 

 

 

 

Lisa Badura: Die Woche der Medienkompetenz ist vorbei und wir blicken auf ein beachtliches Programm zurück! Über 120 Aktivitäten wurden heuer bundesweit in den Veranstaltungskalender eingetragen. Was hat dich persönlich am meisten erfreut?

 

Christoph Kaindel: Es ist toll, dass es heuer so unglaublich viele Beiträge geworden sind. Im Vergleich zum vergangenen, ersten Jahr, wurde die Zahl der Eintragungen nahezu verdoppelt. Das bedeutet aber nicht, dass es wegen der Woche der Medienkompetenz mehr medienpädagogische Angebote gibt; nur wenige Angebote sind eigens für die Aktionswoche veranstaltet worden. Es zeigt hingegen, dass die Akteurinnen und Akteure aufmerksam geworden sind, ihre Aktivitäten eintragen und damit das vielfältige medienpädagogische Angebot in Österreich sichtbar machen.

 

Das Programm zeichnete sich durch eine große medienpädagogische Vielfalt aus. Es gab Führungen und Workshops sowohl in „klassisch“ ausgerichteten Institutionen, wie beispielsweise der Österreichischen Nationalbibliothek, Unis und Medienzentren. Es gab aber auch Programm mit Fokus auf Gaming und Coding.

Welche Fragen und Themen gehören deiner Meinung nach noch mehr in den Unterricht? Welche Institutionen sollten nächstes Jahr im besonderen Maße adressiert werden?

 

Ich finde die Arbeit mit Medien soll ein selbstverständlicher Teil des Unterrichts sein: Medien aller Art als Thema, als Methode zur Bearbeitung von Themen oder als Lehrmittel. Dabei müssen es durchaus nicht nur elektronische Medien sein: Heuer war zum Beispiel das Volkstheater mit der multimedialen Produktion „Verteidigung der Demokratie“ im Veranstaltungskalender. Und eben die Nationalbibliothek mit Führungen im Papyrusmuseum. Mein eigener Medienbegriff ist ohnehin sehr umfassend und fängt bei der gesprochenen Sprache an.

Allerdings finde ich auch, dass das Smartphone ein tolles Medienproduktionsgerät ist, welches in dieser Funktion eingesetzt werden sollte. Einige Ideen dazu haben wir in unserem neuen Unterrichtsmaterial, der „Medienfit Challenge“ zusammengefasst und laden Lehrerinnen und Lehrer ein, es auszuprobieren.

 

Anmerkung: Die „Medienfit Challenge“ enthält sechs medienpädagogische Aufgaben. Man benötigt dafür nur das eigene Smartphone. Hier weitere Infos!

 

 

Schülerinnen und Schüler arrangieren eigene Film-Screenings. Wo das geht? Bei „One World Filmclubs“. Mehr Infos hier: https://www.oneworldfilmclubs.at/

 

Ein Ziel der Woche der Medienkompetenz war es, Schulen, Institutionen und Medien zusammenzubringen. Ist dieses Vorhaben aufgegangen? Wo lagen für dich als Koordinator die Herausforderungen? Und wo gab es erfreuliches mediales Echo? 

 

Es haben wieder einige Schulen teilgenommen, allerdings nicht so viele wie ich es mir gewünscht hätte. Da müssen wir eventuell im nächsten Jahr eine eigene Schiene anbieten. Die Medienberichterstattung war sehr erfreulich, dank einer Kooperation mit dem KURIER gab es dort einige Ankündigungen und die Artikel-Serie „Mit Medien umgehen«“. Diese ist die online unter https://kurier.at/wissen abrufbar. In einigen anderen Medien sind ebenfalls Berichte erschienen, es gab auch schon Kontakte mit dem ORF.

Meine Aufgabe lag vor allem darin, in den vergangenen Monaten Kontakte zu pflegen und Veranstalterinnen und Veranstalter auf die Aktionswoche aufmerksam zu machen und zur Teilnahme einzuladen. Aber mit steigendem Bekanntheitsgrad der Woche der Medienkompetenz wird das in den kommenden Jahren sicher immer einfacher.

 

Radiomacherinnen und Radiomacher aufgepasst! Auch das Freie Radio B138 in Kirchdorf an der Krems war bei der Woche der Medienkompetenz mit dabei. Mehr Infos hier: http://www.radiob138.at/

 

Die Dringlichkeit von Medienkompetenz und Medienbildung kann man an der großen Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sehen. Wenn alle Pläne aufgehen, wird die Woche der Medienkompetenz auch nächstes Jahr wieder stattfinden. Gibt es Bereiche (bestimmte Themen, Zielgruppen, Institutionen), die du noch stärker ausbauen willst?

 

Ich möchte weiterhin mehr Schulen zur Teilnahme einladen, wie auch Hochschulen und Universitäten. Die Universität Innsbruck hat uns heuer beispielsweise wieder sehr unterstützt und mehrere Veranstaltungen fürs Publikum geöffnet. Ich möchte erreichen, dass sich möglichst viele Bildungseinrichtungen in ganz Österreich anschließen. Die Angebote gibt es ja bereits, wir würden sie gerne sichtbar machen.

 

Im Filmcasino Wien wurde der Film „5 vor 12 – ein inklusivo Spaghetti Western“ vorgestellt. Am Podium u.a. Christoph Kaindl und Franz-Josef Huainigg, ehemaliger Nationalratsabgeordneter und Behindertensprecher der ÖVP

 

Du selbst warst bei vielen Veranstaltungen live dabei. Was waren deine persönlichen Highlights? Was darf auch nächstes Jahr nicht fehlen?

 

Mich hat heuer besonders eine Filmvorführung beeindruckt: Ernst Tradinik hat „5 vor 12 – ein Inklusivo-Spaghettiwestern“ im Wiener Filmcasino vor mehreren Inklusionsklassen gezeigt. In dieser Westernparodie spielen fast ausschließlich Menschen mit körperlicher oder Lernbehinderung mit und hatten augenscheinlich viel Spaß dabei, was sich auf die Zuseherinnen und Zuseher überträgt. Franz-Josef Huainigg, ehemaliger Nationalratsabgeordneter und Behindertensprecher der ÖVP, sagte in seinem anschließenden Statement, er wünsche sich mehr solche Darstellungen von Menschen mit Behinderung in den Medien. Meistens würden sie entweder als arme Opfer oder als Helden mit übernatürlicher Willenskraft dargestellt, nicht als ganz normale Menschen. Er hat die Schülerinnen und Schüler aufgefordert, ihren Weg zu gehen und ihre eigenen Themen und Ideen etwa in Form von Filmen umzusetzen. Das werden allerdings eher keine Western werden, denn dieses Genre war den Jugendlichen kaum bekannt.

Also, kurz gesagt: Beiträge zum Thema Inklusion würde ich mir auch im nächsten Jahr wieder wünschen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Infos rund um die Woche der Medienkompetenz:

Mehr Infos zur Woche der Medienkompetenz, finden Sie hier.

Mehr Infos zu den einzelnen Veranstaltungen finden Sie hier.

Mehr Infos auch auf unserem Instagram Kanal.

 

 

Das war die Woche der Medienkompetenz – unser Newsletter ist online!

 

 

Jetzt, wo die Woche der Medienkompetenz vorbei ist, wollen wir auf die Veranstaltung zurück blicken. Wir freuen uns, dass mit fast 130 Angeboten und Aktivitäten die Anzahl der Events im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt wurde!

 

Im November-Newsletter fassen wir die wichtigsten News rund um die Woche der Medienkompetenz zusammen. 

Hier nachzulesen!

 

Auch auf unsrem Instagram-Kalender gibt’s jede Menge spannender Eindrücke und Infos.

 

Und was erwartet uns in Kürze?

 

Demnächst erscheint ein ausführliches Interview mit Christoph Kaindel, dem Koordinator der Woche der Medienkompetenz.

 

 

 

Fachtagung „Wie kann Medienbildung im Schulalltag gelingen?“

 

Digitale Grundbildung im Schulalltag verankern – aber wie? Die diesjährige Fachtagung erörterte theoretische und praktische Aspekte der neuen verbindlichen Übung und zeigte Best Practice Beispiele auf.

 

Auch in diesem Jahr wollten wir in unserer Fachtagung der Frage auf den Grund gehen, wie Medienbildung im Schulalltag gelingen kann. Mit Beginn des Schuljahres 2018/19 wurde im Lehrplan die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ für alle Schulen der Sekundarstufe I (NMS und AHS) flächendeckend eingeführt.

 

Wir haben diese Neuerung zum Anlass genommen, uns in der diesjährigen Fachtagung der Erörterung von Chancen, Herausforderungen und Perspektiven der „Digitalen Grundbildung“ zu widmen. In zwei Panels wollten wir mit unseren Gästen die theoretischen und praktischen Aspekte von Medienbildung und Digitaler Grundbildung thematisieren sowie Strategien für Beispiele gelungener Medienkompetenz diskutieren.

 

v.l.n.r.: Julia Wippersberg, Christian Swertz, Alicia Bankhofer, Gerhard Brandhofer, Conny Lee (Foto: Hans Hochstöger)

 

Die zentralen Fragen

 

Die zentralen Fragen der Tagung lauteten wie folgt: Was kann und soll Bildung leisten? Wie muss Unterricht im „Internetzeitalter“ – wo man Wissen „googeln“ kann – aussehen? Für welche zukünftige Gesellschaft müssen wir unsere Kinder vorbereiten, damit ihr Leben gelingt?

Eingeladen waren Lehrende aus der Bildungs- und Kommunikationswissenschaft sowie Preisträgerinnen und Preisträger des media literacy awards [mla]. Die anwesenden Experten aus der Wissenschaft hatten teils selbst am Lehrplan für Digitaler Grundbildung mitgearbeitet, verfügen über Erfahrungen aus der medienpädagogischen LehrerInnenfort- und Weiterbildung oder arbeiten als IKT- bzw. Informatik-KoordinatorInnen. Durch das Programm und die Diskussionen der Tagung führte Conny Lee (fm4).

 

Keynote: Christian Swertz (Foto: Hans Hochstöger)

 

Keynote Christian Swertz

 

Man kann Schülerinnen und Schüler nicht auf die eine Zukunft vorbereiten. Wir müssen Zukunft offen denken, da man Entwicklungen nicht voraussehen kann. Wir können Kinder nur dazu verhelfen, ihre Verhältnisse zur Welt selbst zu gestalten.

 

Universitätsprofessor Dr. Christian Swertz hob in seiner einleitenden Keynote hervor, dass der Lehrplan zur Digitalen Grundbildung als verbindliche Übung international einzigartig sei. Fachlich fundierte Inhalte aus der Fachdidaktik Informatik werden mit bildungstheoretisch fundierten Inhalten aus der Medienkompetenzvermittlung verbunden.

 

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Fachtagung Medienbildung 18. Oktober 2018

 

Einladung

 

Wir laden herzlich ein zur FACHTAGUNG MEDIENBILDUNG 2018
Gelingensfaktoren – Stolpersteine – Strategien

 

Ziel der Tagung ist es, Schulen dabei zu unterstützen, einen möglichst hohen Standard im Bereich Medienbildung und Digitaler Grundbildung zu erreichen. Sie ist als Forum für LehrerInnen und SchulleiterInnen zum Austausch von Erfahrungen und Anliegen konzipiert.

 

Ausgangspunkte: Konkrete Projekte, Erfahrungen, Modellvorstellungen, potenzielle Kooperationsüberlegungen
Ziele: Wertschätzung, Erfahrungsaustausch (Gelingensfaktoren), gemeinsame Weiterentwicklung, Vernetzung, Dokumentation.

 

 

 

Panel 1 | Zeit: 14:00 – 15:30
Medienbildung und Digitale Grundbildung
Eine Debatte zur Zukunft der Bildung im Internetzeitalter
Keynote: Christan Swertz
Es diskutieren: Alicia Bankhofer, Gerhard Brandhofer, Christian Swertz, Julia Wippersberg

 

Panel 2 | Zeit: 15:45 – 17:00
Wie kann Medienbildung gelingen?
Gelingensfaktoren – Stolpersteine – Strategien
Es diskutieren: Klaus Himpsl-Guterman, Matthias Leichtfried, Julia Weißenböck, Susi Windischbauer

Moderation: Conny Lee (fm4)

 

Termin: 18. Oktober 2018
Zeit: 14:00 – 17:00 Uhr
Ort: Dschungel Wien, MuseumsQuartier

 

Die Tagung ist leider schon ausgebucht.

 

Hier gibt’s weitere Infos!

 

Last Call: Der [mla] geht in die letzte Runde


Last Call: der media literacy award 2018 geht in die letzte Einreich-Phase! Die Anmeldefrist für den [mla] endet am 15. Juli. Nutzen Sie die Möglichkeit und reichen Sie uns Ihre Medienprojekte ein! Die Preisverleihung findet  vom 17. bis 19. Oktober im Theater DSCHUNGEL im MQ Wien statt. Mehr Infos hier.

 

Save the date: WOCHE DER MEDIENKOMPETENZ

Vom 14. bis 22. Oktober 2018  findet österreichweit wieder die „WOCHE DER MEDIENKOMPETENZ“ statt. Ziel der Aktionswoche ist es, das Thema Medienbildung in den gesellschaftlichen Mittelpunkt zu rücken. Machen Sie mit! Weitere Informationen zur Teilnahme finden Sie hier.

 

In vielen Bundesländern haben die Ferien schon begonnen. Wer noch auf der Suche nach einer Leseempfehlung ist, dem sei unser aktueller Newsletter ans Herz gelegt. Darin haben wir interessante Bücher und Links rund um Medien und Bildung gesammelt.

Wir wünschen allen LehrerInnen und SchülerInnen erholsame und schöne Ferien!

 

Hier geht’s zum Newsletter!

 

Wie junge VolksschülerInnen die Leinwand erobern – Interview mit Elisabeth Köbke (VS Rötzergasse, Wien)

 

Elisabeth Köbke

 

 

 

 

„Beim Projekt wurde eine Vielzahl an Kompetenzen abgedeckt. Fragestellungen waren unter anderem: Wie kann ich meine Meinung äußern und begründen? Wie kann ich in Konflikten nach Lösungen suchen? Wie kann ich in Gesprächen respektvoll und angemessen sprachlich handeln?“

 

 

 

 

 

 

 

Klein hatte alles begonnen. Und dann kamen sie ganz groß heraus. Beim media literacy award 2017 wurden die Schülerinnen und Schüler von Elisabeth Köbke (Volksschule Rötzergasse, Wien) für ihr Projekt „Die Geisterjagd“ in der Kategorie „Video“ ausgezeichnet.  

 

Lisa Badura: Ihre SchülerInnen hatten voriges Jahr einen Legetrickfilm erstellt, in dem alle Aspekte eines gelungenen Films enthalten sind: Eine spannende Geschichte, gute Dialoge und eine technisch schöne Ausarbeitung. Beim Anschauen des Films bekommt man den Eindruck, dass Ihre SchülerInnen viel Spaß hatten. Die Stimmen der Dialoge zeugen von Enthusiasmus und Gefühlen der Involviertheit.

Vielleicht könnten Sie kurz umreißen, wie das Projekt entstanden ist, warum es eine fächerübergreifende Kooperation war und wie lang die SchülerInnen am Projekt gearbeitet haben.

 

Elisabeth Köbke: Die im Projekt „Die Geisterjagd“ verwendete Stop-Motion-Technik hat mich schon seit längerem fasziniert, nicht nur im schulischen Kontext. Als eine Kollegin an meiner Schule dann damit begonnen hat, mit einer SchülerInnengruppe einen Film in dieser Technik zu erstellen, war ich sofort inspiriert, dies auch in meinem Unterricht durchzuführen. Am Anfang stand natürlich das eigene Einarbeiten in die Thematik und die Technik, dann entwickelte ich ein erstes Konzept für die konkrete Umsetzung. Dabei stand nicht nur die Deutschförderung im Vordergrund, auch Kompetenzen in Medienbildung und Bildnerischer Erziehung kamen zum Tragen.

Im Oktober 2016 stellte ich das Projektvorhaben schließlich meiner Arbeitsgruppe, bestehend aus sieben SchülerInnen von acht bis zehn Jahren, vor, die sich von meiner eigenen Motivation für die Sache sofort überzeugen ließen. Insgesamt arbeiteten wir etwa neun Monate intensiv an „Die Geisterjagd“, von der Einführung, der Skizzierung erster Handlungsideen, bis hin zur Premiere.

 

Szene aus „Die Geisterjagd“

 

Es liegt nahe, dass junge SchülerInnen noch nicht so viel Erfahrung mit der Realisierung eigener Medienprojekte haben. Wie viel Freiraum haben Sie Ihren SchülerInnen eingeräumt? Welche Vorgaben gab es?

 

Es war mir wichtig, den SchülerInnen viel Freiheit bei der Umsetzung des Projektes zu geben, um die kreativen Prozesse so wenig wie möglich einzuschränken. Zu meinen Vorgaben gehörte die Stop-Motion-Technik, die ich im Vorfeld präsentierte und für die SchülerInnen der Altersgruppe auch gut umsetzbar ist. Eine Limitierung stellte zudem das Material dar: Da es nur eine Kamera und einen Laptop gab, war klar, dass es ein gemeinsamer Film werden musste.

Ich muss zugeben, dass es für mich zu Beginn schwer war, mich aus den Prozessen herauszunehmen und die Entscheidungen und den Ablauf zum größten Teil in die Hände der SchülerInnen zu legen. In kurzer Zeit konnten sie so aber vollkommen selbstständig sämtliches Equipment auf- und abbauen, die Technik bedienen, die Geschichte nach ihren Vorstellungen entwickeln und umsetzen.

 

„Es war nun nicht einfach ein Projekt, es war IHR Projekt.“

 

Die Debatten über Kinder und Medienkonsum sind momentan besonders hitzig und emotional. Übermäßiger Handykonsum ist oft schon bei jungen SchülerInnen ein Thema. Ihre Klasse hat bewiesen, wie man kreativ und ergebnisorientiert mit Medien arbeiten kann.

Wie haben Ihre SchülerInnen den Prozess der Realisierung (Themenfindung, Teammanagment, Austausch kreativer Ideen, technische Ausarbeitung) erlebt? Mit welchen Herausforderungen waren Ihre SchülerInnen bei diesem Medienprojekt – vielleicht das erste Mal – konfrontiert? Was hat gut geklappt?

 

Der Prozess war, vor allem zu Beginn, sehr konfliktreich. Die SchülerInnen haben viele Fragen zur Handlung diskutiert: Worum handelt unsere Geschichte? Wer sind die ProtagonistInnen? Wo findet die Geschichte statt?

Aber auch auf einer Metaebene mussten Aspekte der Zusammenarbeit besprochen werden: Wie werden Entscheidungen in unserer Gruppe getroffen? Wer hat Mitspracherecht? Welche Inhalte sind legitim?

Teilweise wurde von den SchülerInnen auch ein Abbruch des Projekts thematisiert. Doch dazu kam es glücklicherweise nicht, obwohl ich ihnen die Option in diesem Fall offen gelassen hätte.

 

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Der media literacy award [mla] – Ein Gespräch über Zahlen und Fakten

 

Der [mla] besteht nun schon seit 18 Jahren. Einmal jährlich werden herausragende Medienprojekte österreichischer und europäischer Schulen ausgezeichnet. Angelika Fürst hat eine Auswertung des Wettbewerbs von 2017 vorgenommen. Mithilfe des Projektbegleitbogens, der den eingereichten Projekten beigelegt werden soll, hat sie interessante Erkenntnisse gewonnen.

 

Angelika Fuerst und Renate Holubek im Buero

Angelika Fürst und Renate Holubek

 

„Die spannendsten Projekte entstehen meist, wenn die Inhalte aus der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen kommen. Dann entsteht die Möglichkeit mit Hilfe von Medien ihre eigenen Anliegen zu artikulieren.“

 

 

Lisa Badura: Angelika, du hast den media literacy award [mla] 2017 unter die Lupe genommen. Kannst du einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten geben?

 

Angelika Fürst: Insgesamt wurden letztes Schuljahr mehr als 500 Medienprojekte beim media literacy award eingereicht. Sehr viele Menschen haben sich beteiligt, rund 375 Personen pro Tag – SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen sowie Fachtagungs-TeilnehmerInnen – sind im Herbst zum Festival nach Wien gekommen. Diese Resonanz ist sehr erfreulich.

 

Anschließend hast du die Ergebnisse 2017 mit jenen von vor zehn Jahren verglichen. Die Festivalleiterin des [mla] Renate Holubek hat diese 2007 im Rahmen ihrer Masterthesis erhoben. Ein interessanter Vergleich, welche Erkenntnisse konntest du daraus ableiten?

 

Es war wirklich spannend, sich die Veränderungen anzusehen, vor allem, weil sich im letzten Jahrzehnt auch technologisch unglaublich viel verändert hat. Die daraus resultierenden Abweichungen herauszulesen, sorgte für ein paar überraschende Erkenntnisse.

Dabei hat sich die Kategorieverteilung beispielsweise gar nicht verändert. Genau wie 2007 werden die meisten Projekte in der Kategorie „Video“ eingereicht. Wie vor zehn Jahren machen diese auch heuer rund 70% der Einreichungen aus. „Audio“ war die zweit häufigste Kategorie, knapp gefolgt vom Multimedia-Bereich. Den geringsten Anteil machen, damals wie heute, Print-Projekte aus.

 

Neben deutlich mehr Einreichungen wird der Großteil der Projekte mittlerweile im Unterricht gemacht. Gleich zwei erfreuliche Tendenzen! Welche weiteren Aspekte haben dich bei der Auswertung positiv gestimmt?

 

Richtig, 2007 wurden 238 Projekte beim [mla] eingereicht, zehn Jahre später waren es bereits knapp über 500. Besonders positiv stimmt uns, dass die Unterrichtseinheiten, in denen Medienprojekte realisiert werden, zugenommen hat: Von durchschnittlich 12 bis 15 Stunden auf nun rund 23 Unterrichtsstunden. 2007 wurden noch viele Projekte in der Freizeit realisiert, mittlerweile wird der Großteil der eingereichten Projekte im Unterricht erarbeitet. Eine Entwicklung, die sich hoffentlich fortsetzt.

 

Interessant ist weiters, dass viele Einreichungen im fächerübergreifenden Unterricht entstehen. Die Gegenstände, in denen sehr viele Projekte umgesetzt wurden sind neben jenen, die einen Medienbezug aufweisen, Deutsch, Bildnerischer Erziehung und Englisch.

 

Gibt es Ergebnisse, die dich überrascht haben?

 

Dass etwa im Deutschunterricht so viele Medienprojekte entstehen, ist wirklich erstaunlich und haben wir so nicht erwartet. Auffallend ist auch, dass heute wesentlich mehr weibliche Lehrpersonen Medienprojekte realisieren.

Zudem finde ich spannend, dass gegenüber 2007 die Anzahl der berufsbildenden Schulen stark zugenommen hat. Das ist eine überaus positive Entwicklung. 2007 waren es nur ein Dutzend Schulen, die am [mla] teilgenommen haben, 2017 bereits knapp über 100.

 

Der media literacy award ist ein europäisch ausgeschriebener Medienwettbewerb. Deswegen sind wir besonders stolz, letztes Jahr aus zwölf verschiedenen Ländern insgesamt 85 Projekte bekommen zu haben. Die meisten davon erreichten uns aus Spanien. Dass sich in den letzten zehn Jahres dieses Netzwerk in Europa von fünf auf zwölf Länder ausgeweitet hat, das bestätigt unseren europäischen Ansatz.

 

Bestimmt habt ihr schon Schlüsse und Gedanken zur Auswertung bzw. zum Vergleich von 2007 zu 2017 gezogen. Gibt es Bereiche, auf die ihr euch in Zukunft verstärkt fokussieren wollt? Gibt es bestimmte Tendenzen, die ihr fördern möchtet?

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Datenschutz in Schule und Jugendarbeit – Ja, aber wie?

 

Barcamp_2018
Seit dem Jahr 2001 prämiert der media literacy award [mla] Medienprojekte, die im Unterricht realisiert werden. Mit „Big Poop Data(.com)“ wurde 2017 erstmals ein Schulprojekt ausgezeichnet, dass sich mit den Themen „Datenschutz und Überwachung“ beschäftigt.
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Im Rahmen des Barcamps von Medienbildung JETZT! präsentiert mediamanual das Projekt und lädt im Anschluss alle TeilnehmerInnen ein, zu diskutieren, wie man sich in Schule oder Jugendarbeit dem Thema DATENSCHUTZ widmen könnte.
 
TERMIN des BARCAMPS:
Donnerstag 26. April: 11 bis 19 Uhr
Freitag 27. April: 10 bis 17 Uhr
im wienXtra-medienzentrum
Anmeldung: https://barcamptools.eu/mbjetzt2018/
Teilnahme kostenlos!
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Zum 7. Mal lädt die Initiative Medienbildung JETZT! österreichische MedienpädagogInnen aus der Theorie, Praxis und Verwaltung, Bildungsinitiativen, medieninteressierte PädagogInnen und zivilgesellschaftliche Organisationen mit medienpädagogischen Anliegen zu einem Barcamp ein. Zwei Tage lang Zeit, um Projekte kennen zu lernen, Neues auszuprobieren, vertiefende Gespräche zu führen und sich zu vernetzen.
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Hier gibt’s weitere Infos zum Barcamp!

Hier gibt’s mehr Infos zum Projekt „BigPoopData(.com)“

 

 

Hinhören, zuhören, Radio machen! Das Radiomanual ist online!

 

Florian Danhel

Florian Danhel: Verfasser des Radiomanual

 

„Medienprojekte sind für SchülerInnen ein guter Anlass, sich mit der Welt außerhalb der Schule zu befassen. Im Idealfall entdecken sie dabei auch neue Potenziale bei sich selbst.“

 

 

 

Das soeben erschienene Radiomanual ist ein praktischer Leitfaden, der für den eigenen Unterricht bequem downgeloaded werden kann. Das Kompendium ist für LehrerInnen aller Schultypen und Erfahrungsleveln gedacht. Florian Danhel hat das Radiomanual konzipiert und verfasst. Ein Gespräch über die Faszination von Radio und Tipps zum Selbermachen.

 

 

Lisa Badura: Florian, du selbst bist ein eingefleischter Radio-Fan. Du hast früh mit dem Radiomachen begonnen, hast u.a. als Moderator und Redakteur bei Orange 94.0 gearbeitet, hast mehrere Jahre lang die Schülergruppe „RadioPoly “ aus Wien unterstützt und du hast auch jede Menge Workshops und Seminare im Bereich der medienpädagogischen Radioarbeit gemacht.

Was kann Radio, was Film nicht kann? Oder nicht so überspitzt gefragt, was macht für dich den Reiz auditiver Medien aus?

 

Florian Danhel: Den Reiz macht sicher der überschaubare technische Aufwand aus: Man kann gleich mal los legen und sich inhaltlichen Fragen widmen. Noch ein Vorteil: Es gibt kaum ein Thema, dass sich nicht fürs Hören aufbereiten lässt. Gleichzeitig ist man auch hinsichtlich Gestaltung und Umsetzung sehr frei und die kreativen Möglichkeiten sind wirklich vielfältig. Die Schüler und Schülerinnen können bei Themenwahl und Gestaltung ihre Ideen sehr gut einbringen, was meist zu einer höheren Identifikation mit dem Projekt führt und sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt.

 

Das Radiomanual ist ein ganz praktischer Leitfaden, der für Lehrerinnen und Lehrer als Hilfestellung dienen soll, Audioprojekte im Unterricht zu realisieren. Über auditive Medien sind schon unzählige Bücher erschienen. Aber wie so oft liegt in der „Kürze die Würze“. Was war dir bei der Erstellung des Kompendiums persönlich am wichtigsten?

 

Am allerwichtigsten war, dass man beim Lesen Lust bekommt, ein Audio- und Radioprojekt zu starten. Im Mittelpunkt stand deshalb die Idee, in kompakter und übersichtlicher Form all jene Informationen zu finden, die man benötigt, um los starten zu können – von der Ideenfindung bis hin zur Präsentation oder Ausstrahlung. Für jene, die dann (hoffentlich) Feuer fangen, gibt es am Ende weiterführende Links zu weiteren empfehlenswerten Publikationen im Netz.

 

Du selber hast schon viele Gruppen bei der Erstellung von Hörspielen, Podcasts oder klassischen Radio-Beiträgen unterstützt. Angenommen einE LehrerIn kennt sich mit der Erstellung eines audiovisuellen Projekts noch nicht so gut aus und möchte im Unterricht ein erstes Projekt realisieren. Welches Format würdest du zu Beginn empfehlen? Auf was sollte man achten, dass man zu einem wünschenswerten Ergebnis kommt? Gibt es gute Freeware-Programme, die du empfehlen kannst?

 

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Ich seh was, was du nicht siehst…! Besuch einer Dokumentarfilm-Lecture im Österreichischen Filmmuseum

 

Wenn alte Filme auf ein junges Publikum treffen wird man skeptisch. Kann das gut gehen? Dass dies eine durchaus gelungene Kombination sein kann, beweist die Lecture „Auf der Suche nach dem Realen: Dokumentarfilm“. Fünf Volksschulklassen aus Wien nehmen an einer Veranstaltung im Österreichischen Filmmuseum teil.

 

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Durchaus spürbar wird, dass selbst historische Filme Kinder regelrecht „versinken“ lassen können. In ihre teils körnigen Projektionen, in ihre schwarz-weiß gehaltenen Leinwandwelten, ins Geschehen, das oftmals ohne Ton auskommt.

 

Selbst junge Menschen lassen sich auf vergangene Welten ein. Auch auf Welten, die anhand von Dokumentarfilmen präsentiert werden. Trotz, oder vielleicht gerade, weil sich die Sehgewohnheiten geändert haben. Während man sich früher oftmals auf langsame Einstellungen einzustellen hatte, verzichtet eine heutige Produktion – ob TV- oder Kinoproduktion, ob Dokumentar- oder Spielfilm – selten auf kurze Einstellungen, ungewohnte Kameraperspektiven oder einen aufwendig produzierten Ton.

 

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Heutige KinozuschauerInnen werden durch schnell aufeinander folgende, visuelle und akustische Reize in immer neue Bilderfolgen geleitet – bei Actionfilmen vielmehr: katapultiert. Aus heutiger Sicht ist für das Sehen von Filmen, die vor 100 Jahren entstanden sind, vielmehr so etwas wie Geduld gefragt. Einstellungen waren oftmals nicht nur länger, sondern durch viele Szenen mit wenig Handlung gekennzeichnet.

 

Alte Filme können bei jungen ZuschauerInnen gut ankommen. Denn Geschichten und Emotionalität entstehen unabhängig von der Zeit, in der ein Film entstanden ist. Davon können sich die etwa 100 Schülerinnen und Schüler im Alter von 7 bis 10 Jahren überzeugen. Stefan Huber, Filmvermittler und Mitarbeiter des Filmmuseums, präsentiert vier Filmbeispiele aus der Zeit zwischen 1895 und 1954. Nach jedem Beispiel gibt es Raum für Diskussion und Erörterung der Hintergrundinformationen.

 

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Die Frage nach dem Gesehenen ist die Eingangsfrage jeder Diskussion. Eine vermeintlich einfache Frage. Aber sie kann das Gespräch in viele verschiedene Richtungen öffnen. Denn wenn man sammelt, was es in einem Bild alles zu sehen gibt, kommt man rasch auf eine Fülle von Details. Und schließlich greift auch jedeR ZuschauerIn auf seine eigene Medienbiographie zurück. Filmerfahrungen und Vorlieben unterscheiden sich. Den SchülerInnen wird somit bewusst, dass „die Suche nach dem Realen“ durchaus kniffelig sein kann. Alle sehen etwas anderes. Die Reflexion der Erzählperspektive verhilft zu Rückschlüssen, ob wir uns als ZuschauerIn eher „weiter weg“ vom Geschehen oder „mittendrin“ fühlen.

 

 

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