Crossing Europe – YAAAS! COMPETITON

 

 

YAAAS! zu rufen bedeutet euphorisch „JA!“ zu sagen. Das Crossing Europe Filmfestival, das seit nunmehr 16 Jahren in Linz stattfindet, hat „Ja!“ zu einer neuen Jugendschiene gesagt und somit eine vierte Wettbewerbssektion dazubekommen, die sich speziell an junges Publikum richtet.

 

Das ganzheitliche Angebot an Filmvermittlung, Erwerb von Medienkompetenz und einer Vielzahl an Workshops richtet sich an Jugendliche von 15 bis 20 Jahren, die so auch die Chance erhalten, sich mit internationalen Medienprofis auszutauschen, zu diskutieren und eigene Produktionen zu schaffen.

 

Wir waren dort, haben das vielfältige Angebot miterlebt und waren beeindruckt.

 

Ein Beitrag von Renate Holubek und Angelika Fürst.

 

 

 

Interview mit Robert Hinterleitner, dem Leiter der YAAAS! Jugendschiene:

 

Wir sind hier in einem der Workshop-Räume, kannst du uns zu Beginn erzählen, welchen Ansatz ihr mit eurem Workshop-Konzept verfolgt?

 

Robert Hinterleitner: Bei den Videoworkshops gibt es insgesamt drei Gruppen, mit jeweils einem Mentor oder einer Mentorin. Wir nennen die Workshopleiterinnen und Workshopleiter  „Mentorinnen“ und „Mentoren“, weil diese nicht in die Arbeit der Jugendlichen eingreifen, sondern die jeweils acht Schülerinnen und Schüler lediglich bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Schülerinnen und Schüler kommen aus verschiedenen Schulen und haben unterschiedliche Vorkenntnisse. Es geht hier nicht um Wettbewerb, sondern um den Schaffensprozess und um die Möglichkeit, sich in Fachgebieten wie Kamera, Schauspiel, Ausstattung, Sound und Licht weiterzubilden.

 

Wie bist du auf die Idee gekommen, die „YAAAS!“ Jugendschiene ins Leben zu rufen?

 

Ich bin ja schon einige Jahre auf Jugendfestivals unterwegs (u.a. media literacy award [mla] oder Camera Zizanio in Griechenland) und es war mein Wunsch, neben meiner Tätigkeit in der Schule (Anm.: HBLA für Künstlerische Gestaltung Linz) auch nach draußen zu gehen. Ich bin schon lange bei Crossing Europe dabei und schätze das Festival sehr, besonders weil hier sehr auf gute Kontakte geschaut wird. Dementsprechend entstand die Idee, entweder ein selbstständiges Festival im Bereich Schul- oder Jugendfilm zu gründen oder eine Kooperation mit dem Crossing Europe einzugehen. Und bereits von Beginn an war zudem die Kernidee einer Produktionsschiene vorhanden, in der Schülerinnen und Schüler selbst Videos in gemischten Teams produzieren sollten.

Die Erweiterung des Festivals im Jugendbereich hat Christine Dollhofer, der Leiterin von Crossing Europe, gut gefallen und so konnten wir das gesamte Know-how des Festivals nutzen, was die Organisation für uns enorm erleichtert hat.

 

Ein wesentlicher Teil der YAAAS! Jugendschiene ist das sogenannte „Young Programmers“-Format. Wie funktioniert das?

 

Jugendliche werden von uns eingeladen als KuratorInnen, also als Young Programmers, tätig zu sein. Das heißt wir legen den Jugendlichen eine größere Auswahl an Filmen vor, wo wir meinen, dass diese für ein jugendliches Publikum interessant sind.

Im konkreten Fall wurden fünfzehn Filme von den Young Programmers angesehen – sechs davon haben sie für die Jugendschiene ausgewählt — allesamt Filme, die besonders für das Jugendalter passend sind. In speziellen Schulfilmvorführungen präsentieren die Young Programmers dann diese Filme und moderieren die anschließenden Gespräche mit den Filmgästen auf der Bühne. Die zentrale Idee ist, die Profis direkt mit den Jugendlichen zusammenzubringen.

 

Ein anderes Format von YAAAS! nennt sich „Face-To-Face“. Kannst du erklären worum es dabei genau geht?

 

„Face-To-Face“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, direkt mit Filmprofis aus dem In- und Ausland ins Gespräch zu kommen. In Form von „Speed Dates“ sitzen die Jugendlichen einer Reihe von Profis gegenüber, die aus unterschiedlichsten Bereichen kommen. Wir versuchen dabei ein breites Spektrum anzubieten, u.a. Schauspiel, Regie, Produktion, Festivalleitung bis hin zu Filmkritik. In Gruppen von bis zu drei Personen können die Jugendlichen innerhalb von 15 Minuten alle Fragen stellen, die ihnen einfallen. Dann wird gewechselt.

 

Haben sich die Schülerinnen und Schüler auf die Gespräche vorbereitet?

 

Mehr oder weniger: Manche bereiten sich besser vor, andere weniger — so wie es in der Schule eben ist. Uns war es jedenfalls wichtig, das Setting im Vorfeld zu vermitteln, die Gäste vorab vorzustellen und Schulmaterialien zu den Filmen zur Verfügung zu stellen.

(Hier finden Sie das Programm der Film-Screenings und die erwähnten Schulmaterialien.)

 

Wir waren erstaunt, dass der Ursulinensaal, in dem wir am Vormittag den Film „Schwimmen“  von Luzie Loose gesehen haben, randvoll mit Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrerkräften war. Wie viele Personen fasst er?

 

Wir hatten heute 294 Personen in der Vorstellung.

 

Für das YAAAS! ein toller Erfolg, zumal es ja zum ersten Mal stattfindet. Wie seid ihr an die Schulen herangegangen, damit das Angebot angenommen wurde?

 

Wir haben ein Netzwerk an Schulen, das wir aufgebaut haben. Aber es ist nicht immer leicht, gleich die richtige Ansprechperson zu finden, ich war schon sehr dahinter, diese herauszufinden. Dann haben wir versucht, Leute durch die unterschiedlichen Formate einzubinden, zum Beispiel auch Einladungen für die Video-Workshops ausgeschickt. Über diese Kontakte konnten wir schließlich ganze Schulklassen zu den Schulvorstellungen einladen. In weiterer Folge möchten wir Schritt für Schritt das Netz erweitern und aktualisieren. Ich hoffe zudem, dass die Mundpropaganda gut funktioniert. Ich denke Formate, die den direkten Kontakt mit Filmgästen ermöglichen, sind natürlich wesentlich interessanter als jene, wo man sich ins Kino setzt, um einen Film zu sehen.

 

Wie gelingt es dir eigentlich, deine Tätigkeit als Leiter von YAAAS! und deinen Beruf als Lehrer unter einen Hut zu bekommen?

 

Ich habe derzeit keine volle Lehrverpflichtung und bin für den Zeitraum des Festivals auch freigestellt. Kurz zu meinem Background: Ich habe als Filmemacher und Bildhauer begonnen und selbst eine Galerie gehabt. Eigentlich bin ich dann nur an die Schule gegangen, um meine Dissertation zu finanzieren. Ich bin an die HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz gekommen, wo es mir extrem gut gefallen hat und dort bin ich dann auch geblieben. Die HBLA ist eine tolle Schule wo man – gerade im Filmbereich – vieles machen kann und wo einem viele Möglichkeiten geboten werden. Unser Direktor hat mich nachhaltig dabei unterstützt, dass ich YAAAS! machen kann, unter anderem sicher auch deshalb, weil die Schule ebenfalls einen positiven Effekt daraus zieht. Schulen sind ja mittlerweile in der Situation, dass sie sich für ihre Aufnahmeprüfungen um möglichst viele Bewerberinnen und Bewerber bemühen und das lässt sich gut als Werbung für die Schule verwenden.

 

Und wie zufrieden bist du mit der ersten Edition von YAAAS!? Wird es die Jugendschiene beim Crossing Europe nächstes Jahr wieder geben?

 

Ich habe zwar mit der Festivaldirektorin (Christine Dollhofer) noch nicht gesprochen, aber ich gehe davon aus, dass es YAAAS! nächstes Jahr wieder geben wird. In diese erste Version haben wir viel investiert und – Ja! – die Jugendschiene soll natürlich wachsen. Wir wurden schon etwas ironisch als „die kleine Raupe Nimmersatt“ bezeichnet, weil wir eigentlich alles an uns gerissen haben, aber wir wurden liebevoll so genannt. Wir wollen eine Erweiterung des Crossing Europe sein, als solche verstehen wir uns auch.

 

Vielen Dank für das Gespräch und herzliche Gratulation zu eurem Erfolg!

 

Wir freuen uns auf nächstes Jahr!

 

 

 

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