Fachtagung „Wie kann Medienbildung im Schulalltag gelingen?“

 

Digitale Grundbildung im Schulalltag verankern – aber wie? Die diesjährige Fachtagung erörterte theoretische und praktische Aspekte der neuen verbindlichen Übung und zeigte Best Practice Beispiele auf.

 

Auch in diesem Jahr wollten wir in unserer Fachtagung der Frage auf den Grund gehen, wie Medienbildung im Schulalltag gelingen kann. Mit Beginn des Schuljahres 2018/19 wurde im Lehrplan die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“ für alle Schulen der Sekundarstufe I (NMS und AHS) flächendeckend eingeführt.

 

Wir haben diese Neuerung zum Anlass genommen, uns in der diesjährigen Fachtagung der Erörterung von Chancen, Herausforderungen und Perspektiven der „Digitalen Grundbildung“ zu widmen. In zwei Panels wollten wir mit unseren Gästen die theoretischen und praktischen Aspekte von Medienbildung und Digitaler Grundbildung thematisieren sowie Strategien für Beispiele gelungener Medienkompetenz diskutieren.

 

v.l.n.r.: Julia Wippersberg, Christian Swertz, Alicia Bankhofer, Gerhard Brandhofer, Conny Lee (Foto: Hans Hochstöger)

 

Die zentralen Fragen

 

Die zentralen Fragen der Tagung lauteten wie folgt: Was kann und soll Bildung leisten? Wie muss Unterricht im „Internetzeitalter“ – wo man Wissen „googeln“ kann – aussehen? Für welche zukünftige Gesellschaft müssen wir unsere Kinder vorbereiten, damit ihr Leben gelingt?

Eingeladen waren Lehrende aus der Bildungs- und Kommunikationswissenschaft sowie Preisträgerinnen und Preisträger des media literacy awards [mla]. Die anwesenden Experten aus der Wissenschaft hatten teils selbst am Lehrplan für Digitaler Grundbildung mitgearbeitet, verfügen über Erfahrungen aus der medienpädagogischen LehrerInnenfort- und Weiterbildung oder arbeiten als IKT- bzw. Informatik-KoordinatorInnen. Durch das Programm und die Diskussionen der Tagung führte Conny Lee (fm4).

 

Keynote: Christian Swertz (Foto: Hans Hochstöger)

 

Keynote Christian Swertz

 

Man kann Schülerinnen und Schüler nicht auf die eine Zukunft vorbereiten. Wir müssen Zukunft offen denken, da man Entwicklungen nicht voraussehen kann. Wir können Kinder nur dazu verhelfen, ihre Verhältnisse zur Welt selbst zu gestalten.

 

Universitätsprofessor Dr. Christian Swertz hob in seiner einleitenden Keynote hervor, dass der Lehrplan zur Digitalen Grundbildung als verbindliche Übung international einzigartig sei. Fachlich fundierte Inhalte aus der Fachdidaktik Informatik werden mit bildungstheoretisch fundierten Inhalten aus der Medienkompetenzvermittlung verbunden.

 

Swertz nannte in seinem Vortrag einige Beispiele, wie Bildungsanlässe bei der Implementierung von Digitaler Bildung aussehen könne. Eingangs hob er hervor, dass es nicht möglich sei, sich an einer bestimmten Zukunft zu orientieren. Daher müssten Schülerinnen und Schüler stets dazu angeregt werden, ihre Verhältnisse zur Welt, zu anderen und zu sich selbst selbst zu gestalten. Sapere aude! Sich des eigenen Verstandes zu bedienen, genau darum gehe es bei Medienkompetenz und sei Ziel digitaler Grundbildung. Viele würden heutzutage verwechseln, dass man Wissen „googeln“ könne. Aber Wissen meine auch immer die subjektive Produktion von Bedeutung. Erst wenn Menschen etwas einen Sinn geben, entstehe Wissen. Mehr denn je gehe es heutzutage darum, sich zwischen widersprüchlichen Wahrheitsansprüchen und heterogenen Wahrheitssystemen zu positionieren. Es solle also nicht „richtiges Wissen“ vermittelt werden, sondern die Fähigkeit, mit Widersprüchen umzugehen; sowohl Widersprüche in einem selbst als auch im Austausch mit anderen.

Die Konfrontation mit verschiedenen Wahrheitssystemen könne beispielsweise im Fremdsprachenunterricht erlernt werden. Jede Übersetzung berge die Notwendigkeit, sich auf eine andere Wahrheit – eine leicht veränderte Bedeutung – einzulassen. Auch Computersprachen zu lernen und dabei anzuregen, über Unterschiede zu anderen Sprachen nachzudenken und zu thematisieren, sei ein geeigneter Ansatz.

Swertz betonte, dass Digitale Grundbildung nicht notwendigerweise mit digitalen Medien vermittelt werden müsse. Man könne beispielsweise – ganz verbal – verschiedene Typen von Programmiersprachen, Schnitttechniken des Film Noir oder Kennzeichen der Comictheorie erörtern.

Als Möglichkeit, gesellschaftliche Prozesse zu verstehen und politische Teilhabe einzuüben, nannte Swertz die Möglichkeit, virtuelle Planspiele durchzuführen. Politische Praktiken würden erprobt und wünschenswerte Aspekte der Medienkompetenzvermittlung, digitalen und politischen Bildung ineinanderfließen. Im Sinne eines integrierten Unterrichts, könnten so externe Anforderungen an die Schule und der innere Auftrag der Schule verbunden werden.

 

Panel 1 (Foto: Hans Hochstöger)

 

Ansätze Panel 1

 

Bei der Diskussion, wie Digitale Grundbildung im Unterricht aussehen könnte, boten die Anwesenden Diskutanten aus der Bildungs- und Kommunikationswissenschaft verschiedene Ansätze und Sichtweisen.

 

Im neuen Lehrplan fehlt mir vor allem die Bedeutung journalistischer Kompetenzen bei der Implementierung von Digitaler Grundbildung. Einen Text auf Facebook veröffentlichen zu können, ist nicht mit Journalismus gleichzusetzen. 

 Julia Wippersberg

 

Die Kommunikationswissenschaftlerin Mag. DDr. Julia Wippersberg verwies auf die Notwendigkeit journalistischer Kompetenzen bei der Implementierung der Digitalen Bildung. Medien wie Facebook anwenden zu können, habe nichts mit Journalismus zu tun. Spracherwerb und Alphabetisierung solle fernab von digitalen Medien eingeübt werden. Schließlich gehe es darum, Texte generell sinnerfüllt erfassen zu können und Erfahrungen außerhalb der digitalen Welt zu machen. Trotz aller Notwendigkeit analoger Fähigkeiten müssten Jugendliche heute darauf vorbereitet werden, dass die Abhängigkeit zur Technik zunehme und es daher notwendig werde, Programmiersprachen o.ä. zu verstehen.

 

Beim Lehrplan bedarf es der Überarbeitung aller Fächer. Medien durchdringen unsere gesamte Alltagswelt. So muss auch Digitale Grundbildung integrativ – in allen Fächern – unterrichtet werden.

Gerhard Brandhofer

 

Mediendidaktiker Mag. Dr. Gerhard Brandhofer, BEd betonte, dass technische Anwendungskenntnisse auf Seiten der Pädagoginnen und Pädagogen besser seien, als oftmals vermutet. Schwieriger für viele Lehrende sei, das eigene Wissen auch sinnvoll im Unterricht umzusetzen und die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur digitalen Mündigkeit zu begleiten. Hilfreich sei, die Medientools der Jugendlichen, etwa soziale Medien, selber zu nutzen. Dann könnten deren Eigenschaften besser verstanden werden. Digitale Grundbildung müsse integrativ – in allen Fächern – unterrichtet werden, so wie auch unsere Alltagswelt in allen Bereichen von Medien durchdrungen ist.

 

Alicia Bankhofer, Gerhard Brandhofer und Conny Lee (Foto: Hans Hochstöger)

 

Bei aller Notwendigkeit der technischen Anwendungskompetenzen ist eines nicht zu vergessen: Das Wichtigste ist und bleibt die Reflexion über Medien und das Schaffen eigener Medien.

Alicia Bankhofer

 

Ein Lehrer aus dem Publikum betonte die Notwendigkeit, Kinder darauf vorzubereiten, dass sie mit technischen Entwicklungen vor allem emotional umgehen können. Schließlich bestehe die Herausforderung, dass gerade für Jüngere die Trennung zwischen digitaler und analoger Welt schwierig sei. So sei vielen Kindern nicht bewusst, was digitale Inhalte mit ihrem wirklichen Leben zu tun haben.

Alicia Bankhofer, BEd BA hat als eLearning-Koordinatorin die Digitale Grundbildung in ihrer Schule in einer Pilotphase bereits implementiert. Ihren Erfahrungen aus der Praxis nach, sei die Herausforderung für Lehrende besonders groß, sie verwies auf die hohe Anzahl der „digitalen Analphabeten“ in der Lehrerschaft. Bankhofer stützte die Auffassung, dass Lehrerende sich mit den Medientools der Jugendlichen auseinandersetzen müssten. Bei aller Notwendigkeit, technische Grundfertigkeiten einzuüben, solle die Reflexion über Medien und das Schaffen eigener Medienprojekte immer im Zentrum stehen.

 

Trotz unterschiedlicher beruflicher Schwerpunkte waren sich die PaneldiskutantInnen in einem Punkt einig: Man müsse mediale Heterogenitäten anerkennen und Schülerinnen und Schüler vermitteln, dass jedes Medium Vor- als auch Nachteile biete und man sich darum mit der Beschaffenheit und Berechtigung des entsprechenden Mediums in seinem jeweiligen Kontext auseinandersetzen müsse.

 

Christian Swertz wies darauf hin, dass GitHub – ein übergreifender Bildungsserver – zur Verfügung stehe, um kollaborativ Ideen, Ansätze und Methoden zu sammeln. Auf Basis dessen soll ein Lehrbuch für Digitale Grundbildung verfasst werden. Jeder sei eingeladen, mitzuarbeiten.

 

Anmerkung: Das OER – Lehrbuch Digitale Grundbildung ist für den Unterricht in der verbindlichen Übung „Digitale Grundbildung“ in der Sekundarstufe I in Österreich konzipiert.

 

https://github.com/cswertz/LehrbuchDigitaleGrundbildung

 

v.l.n.r.: Susi Windischbauer; Matthias Leichtfried, Julia Weißenböck, Klaus Himpsl-Gutermann, Conny Lee (Foto: Lisa Badura)

 

Projektpräsentationen Panel 2

 

Viele Schülerinnen und Schüler thematisierten in ihren Projekten die negativen Aspekte unserer Zeit. Das ist für mich ein Zeichen von tiefgründiger, reflexiver Auseinandersetzung.

Klaus Himpsl-Gutermann

 

Während in der Diskussion von Panel 1 die theoretischen Aspekte von Digitaler Grundbildung im Vordergrund standen, wurden in Panel 2 praktische Beispiele gelungener Medienbildung vorgestellt und thematisiert. Dr. Klaus Himpsl-Gutermann, MSc ist Leiter des Zentrums für Lerntechnologie und Innovation und war Juror des media literacy awards [mla] 2018. Er betonte die große Bandbreite verschiedener Themen und Medienformate der diesjährigen Einreichungen und die hohe Qualität einzelner Projekte. Auffällig sei, dass in vielen Projekten vor allem negative Aspekte der heutigen Zeit (z.B. die Schattenseiten der Digitalisierung, Umweltkatastrophen etc.) thematisiert wurden und dies seitens der Schülerinnen und Schüler auf eine reflexive Auseinandersetzung schließen lasse. Sich externe Partnerinnen und Partner wie etwa WorkshopbetreuerInnen zu holen, sei oft ratsam und verhelfe zu guten Ergebnissen.

 

Drei Preisträgerinnen und Preisträger des diesjährigen Medienwettbewerbs stellten anschließend ihre Projekte vor.

 

 

Die Traumschaukel – Ausloten von analoger und virtueller Welt

 

Das Projekt „Meine Traumschaukel“ wurde von Susi Windischbauer betreut und an der Volksschule Pettenbach in Oberösterreich in der 1. – 4. Schulstufe realisiert. Das Virtual Reality Projekt ist Preisträger in der Kategorie MULTIMEDIA.

 

Making-of vom Projekt: „Meine Traumschaukel“

 

Bei „Meine Traumschaukel“ machte Susi Windischbauer deutlich, dass das Projekt für ihre Volkschulklasse die Möglichkeit geboten hatte, die Grenzen und Verbindungen zwischen analoger und digitaler Welt, zwischen Realität und Fiktion, sichtbar und erfahrbar zu machen. In einem ersten Schritt hatten die Schülerinnen und Schüler ihre individuellen Traumwelten auf ein Würfelnetz gezeichnet und daraus einen Kartonwürfel gebastelt. Die fertigen Würfel wurden schließlich mit einem Foto von sich selbst auf einer Schaukel sitzend ergänzt. Die analogen gezeichneten Traumwelten wurden anschließend digitalisiert, damit sie mittels VR-Brille betrachtet werden konnten. Am Ende des Projekts stand ein Ausflug auf den Spielplatz auf dem Programm, wo die Schülerinnen und Schüler ihre „Traumwelten“ auf der Schaukel ausprobierten konnten.

 

Die Lehrerin verdeutlichte mit dem Projekt, dass Kinder auf spielerische und lustvolle Weise eingeladen wurden, die Grenzen nebeneinander existierender Welten auszuloten und zu erfahren, wie das eigene kreative Basteln in die virtuelle Realität übersetzt werden kann. Susi Windischbauer – ehemalige Kultur- und Projektmanagerin für die Ars Electronica in Linz – stellte klar, dass man keine Medienexepertin oder -experte sein müsse, um ein Projekt auszugestalten. Wichtig sei, mit den Schülerinnen und Schülern im Dialog zu bleiben und nach Möglichkeit ihre Ideen und Ansätze aufzugreifen. Der „Morgenkreis“ biete beispielsweise eine gute Gelegenheit, Themen, Anliegen und Fragen im Klassenverband bereits mit jungen Kindern zu verhandeln und somit verschiedene Sichtweisen partizipatorisch auszuloten.

 

 

Medien und Dystopie – eine multimedial angelegte Forschungsarbeit

 

Das Projekt „Medien und Dystopie“ wurde von Matthias Leichtfried betreut und am Hernalser Gymnasium Geblergasse in Wien in der 9. Schulstufe realisiert. Das Forschungsprojekt ist Preisträger in der Kategorie MEDIENDIDAKTIK.

 

 

Filmstill aus einem selbstproduzierten Film vom Projekt: „Medien und Dystopie“

 

Zentrale Ausgangsfrage des Projekts war der Einfluss der neuen Medien auf unsere Demokratie, Politik und Gesellschaft. Im Zentrum standen didaktisch aufbereitete Themen, darunter u.a. Überwachung, Datenschutz, Big Data oder Medien und Politik. In einmonatigen Forschungsprojekten sammelten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Informationen zu unterschiedlichen Themen, entwickelten kritische Fragestellungen und präsentieren ihre Ergebnisse; in Form von klassischen Vorträge oder durch künstlerisch-kreative Zugänge. Im Zuge des Projekts entstanden Kurzfilme, Texte, Filmanalysen und Recherchen (u.a. zu den Themen Sozialkredit-System der Volksrepublik China; dem Roman „1984“ von George Orwell oder dem Film „Wag the dog“). Es wurden stets Querverbindungen zur Gegenwart hergestellt und somit Abhörmethoden via Siri, Alexa und Co. thematisiert.

 

Die Lernenden wurden durch das Projekt dazu eingeladen, ihre Perspektiven einzubeziehen und Bezüge zur eigenen Lebensrealität herzustellen. Die Präsentation des Projektes offenbarte einen mediendidaktischen Zugang, der die Reflexion der Medien in den Mittelpunkt rückte und die essentielle Frage stellte, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft leben möchten. Sowohl Medien- als auch Nachrichtenkompetenz wurden somit gefördert.

 

Leichtfried betonte, dass es sich bei dem Projekt um ein „Experiment“ gehandelt habe. Die Möglichkeit des Scheiterns als Konsequenz machte der Lehrer zu Beginn den Schülerinnen und Schülern deutlich. Wichtig sei gewesen, alle Beteiligten als gleichberechtigte „Forschergemeinschaft“ zu betrachten. So sollten die Jugendlichen selbst entscheiden, welche Forscherfrage sie stellen, welche Methode sie wählen und wie sie ihre Ergebnisse präsentieren. Leichtfried habe als Lehrer lediglich den Rahmen – Zeitplan, Koordination des Gesamtprojekts – gesetzt. Selbständig geforscht hätten die Schülerinnen und Schüler. Anhand ihres Medienprojekts hatten sie somit die Vorteile und Herausforderung selbstverantwortlichen Handelns kennengelernt.

 

 

Speak Out“ – Mut zur eigenen Sprache im klasseneigenen Blog

 

Das Projekt „Speak Out“ wurde von Julia Weißenböck betreut und am BG Salzburg Zaunergasse in der 7. Schulstufe realisiert. Der Lernblog ist Preisträger in der Kategorie MULTIMEDIA und kann hier abgerufen werden: https://speakoutbgz.wordpress.com

 

Filmstill aus einem Video vom Projekt: „Speak Out“

 

Im Englischunterricht bekamen die Schülerinnen und Schüler über das gesamte Schuljahr verteilt sogenannte „Speaking Homeworks“ zu verschiedenen Themen. Der Auftrag lautete, ein Video von sich aufzunehmen und auf den Blog hochzuladen. Zu Halloween forderte die Englischprofessorin beispielsweise gruselige Videos in Present Tense und passendem Halloween Kostüm. Ein anderes Mal präsentierten die Schülerinnen und Schüler – klarerweise auf Englisch – ihre Lieblingsrezepte oder führten ein Interview zum Thema „Aberglaube“.

 

Das pädagogische Konzept bot die Gelegenheit, sich in Onlinekommunikation auszuprobieren und Feedback von Gleichaltrigen zu holen. Scheinbar nebenbei wurde eine moderne Lernkultur gelebt, in der Fehler erlaubt waren, um sich ständig zu verbessern. Bei den „Speaking Homeworks“ ging nicht vordergründig um grammatikalisch perfekte Videos, sondern darum, das Selbstvertrauen beim Sprechen generell zu fördern. Der Blog bietet die Möglichkeit die eigene Performance einzuschätzen und zu beobachten, welche Fortschritte gemacht werden.

 

 

Unser Fazit

 

Was haben uns die Diskussionen und Präsentationen der Projekte gezeigt? Wie kann Medienbildung gelingen und welche Kompetenzen sind erforderlich bzw. werden eingeübt?

Wir wurden in unserer Einschätzung bestärkt, dass gelungene Medienbildung immer eine allumfassende Bildung meint und einen Prozess umfasst, in dem Selbstwirksamkeit zum Tragen kommt. Selbstverantwortliches Handeln wird eingeübt und kreatives, problemlösendes Denken ist gefordert. Urteilskraft und abzuschätzen zu können, welche Auswirkungen das Erlernte auf die eigene Lebenswelt haben, gehören zu diesem Prozesse gleichermaßen dazu, wie die Etablierung eines Wertesystems. Dieses hilft einzuschätzen, wie man sich in der (digitalen) Welt positionieren möchte und welche Wahrheitssysteme man für sich beansprucht – und welche nicht.

 

Welche Voraussetzungen sind nötig, dass solch eine allumfassende (Medien-)Bildung geschehen kann? Agile Teamarbeit, bei der Flexibilität und Autonomie Vordergrund stehen und angstfreies Lernen in Form von – wenn möglich – eigenverantwortlicher Wissensaneignung scheinen die ideale Voraussetzung bei Bildungsprozessen zu sein. Die Ermöglichung von praktischen Erfahrungen in Verbindung mit der Reflexion seines Handelns ermöglichen Lernräume, die lustvoll, allumfassend und nachhaltig gestaltet sind. Regeln und Vereinbarungen, die gemeinsam formuliert und getroffen werden, scheinen zur größtmöglichen Akzeptanz zu führen und damit am meisten Verbindlichkeit hervorzurufen. Demokratische und partizipatorische Entscheidungsprozesse können so eingeübt und auch in Medienprojekten ganz „nebenbei“ vertieft werden.

 

Die schulautonome Umsetzung der verbindlichen Übung Digitale Grundbildung räumt Schulen eine Reihe von Gestaltungsmöglichkeiten ein. Wir wünschen allen Lehrerinnen und Lehrern viel Erfolg bei der Implementierung und bei der Realisierung eigener Medienprojekte und freuen uns über Rückmeldungen, Vernetzung und Austausch – hoffentlich bis zur nächsten Fachtagung!

 

 

Infos Fachtagung

 

Die Fachtagung findet immer im Rahmen des „media literacy awards [mla]“ statt. Heuer fand sie bereits zum zehnten Mal statt. Ziel der Tagung ist es, Schulen dabei zu unterstützen, einen möglichst hohen Standard im Bereich Medienbildung und Digitaler Grundbildung zu erreichen. Sie ist als Forum für Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter zum Austausch von Erfahrungen und Anliegen konzipiert.

 

Das Tagungsprogramm der Fachtagung 2018:

https://www.mediamanual.at/fileadmin/user_upload/Programm_Fachtagung_2018.pdf

 

Mehr Infos, sowie mp3-Dateien zum nachhören:

https://www.mediamanual.at/veranstaltungen/

 

Artikel von Klaus Himpsl-Gutermann und Christian Berger (ZLI PH Wien): “Highlight in der Woche der Medienkompetenz: der Media Literacy Award“:

https://zli.phwien.ac.at/mla-podiumsdiskussion/

 

 

 

 

 

Die Panel-Gäste im Überblick:

 

Panel 1

Univ. Prof. Dr. Christian Swertz

Leiter der Abteilung Medienpädagogik am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. Bildungstheorie der Medien, Mediendidaktik und E-Learning, pädagogische Computerspielforschung, Medienbildung im schulischen und außerschulischen Bereich.

 

HS-Prof. Mag. Dr. Gerhard Brandhofer, BEd

Hochschulprofessor für Mediendidaktik und informatische Bildung an der PH Niederösterreich. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. die Lehre und Forschung im Bereich des Einsatzes von digitalen Medien im Unterricht der Primar- und Sekundarstufe und die Implementierung visueller Programmiersprachen in der Schulbildung.

 

Mag. DDr. Julia Wippersberg

Senior Lecturer Universität Wien, Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehören u.a. Qualitäts- und Evaluationsforschung von Journalismus und Auftragskommunikation (PR, Werbung, Public Affairs), Messung von Kommunikationsaktivitäten, sowie aktuelle Fragen des Journalismus und des Informationsverhaltens.

Alicia Bankhofer BEd BA

ZLI-Ansprechpartnerin am Institut für weiterführende Qualifikationen und Bildungskooperationen, IKT-Lehrerin in der Sekundarstufe l in Wien. In ihrer Rolle als eLearning-Koordinatorin an der Schule RGORG Anton-Krieger-Gasse ist sie auf Mobiles Lernen, Flipped Learning sowie Game-Based-Learning spezialisiert.

 

PANEL 2

Mag. Matthias Leichtfried

Lehrer am Hernalser Gymnasium Geblergasse (GRG17) in Wien (Fächer: Deutsch, Philosophie und Psychologie), sowie Lehrbeauftragter an der Universität Wien für Fachdidaktik Deutsch

[mla]-Preisträger für das Forschungsprojekt „Medien und Dystopie“ (Kategorie: Mediendidaktik)

 

Mag. Susi Windischbauer, BBEd

Lehrerin an der VS Pettenbach (Oberösterreich), gelernte Kunsthistorikerin und Coautorin von „Ich und Medien – Medienpädagogik in der Primarstufe“; zuvor Kultur- und Projektmanagerin für die Ars Electronica in Linz

[mla]-Preisträgerin für das Projekt „Meine Traumschaukel“ (Kategorie: Preisträger Multimedia & Neue Medien)

 

Mag. Julia Weißenböck, MSc, BA

Lehrerin an der BG Zaunergasse Salzburg (Fächer: Biologie und Englisch) sowie Lehrbeauftragte

an der Universität Salzburg für Fachdidaktik

[mla]-Preisträgerin für das Projekt „Speak Out“ (Kategorie: Multimedia & Neue Medien)

 

Dr. Klaus Himpsl-Gutermann, MSc

Hochschulprofessor an der Pädagogischen Hochschule Wien und Institutskoordinator und Leiter des Zentrums für Lerntechnologie und Innovation (ZLI). Zu den Arbeitsbereichen zählen u.a. Hochschuldidaktik, E-Learning, Medienbildung und Informatische Bildung. Jury-Mitglied [mla] 2018.

 

Moderation: Conny Lee

Studium an der Universität Wien (Theater-, Film- und Medienwissenschaft), seit 2001 Moderatorin und Produzentin bei FM4 (u.a. „FM4 Morning Show“,„FM4 Connected“); Themen: Comics, Street Art, Games, Literatur.

 

Hier finden Sie alle Preisträgerinnen und Preisträger des media literacy awards [mla] 2018 im Überblick: https://www.mediamanual.at/best-practice/

 

 

 

Digitale Grundbildung – ein Kurzüberblick:

 

Als Pilotprojekt startete im Schuljahr 2017/18 an 178 Neuen Mittelschulen und AHS-Unterstufen die verbindliche Übung „Digitale Grundbildung“.

 

Die Schülerinnen und Schüler erwerben dabei im Umfang von zwei bis vier Wochenstunden innerhalb von vier Jahren Kompetenzen in folgenden Bereichen:

  • Gesellschaftliche Aspekte von Medienwandel und Digitalisierung
  • Informations-, Daten- und Medienkompetenz
  • Betriebssysteme und Standard-Anwendungen
  • Mediengestaltung
  • Digitale Kommunikation und Social Media
  • Sicherheit
  • Technische Problemlösung
  • Computational Thinking

 

Schulen entscheiden selbst, ob sie die verbindliche Übung in speziellen Stunden oder integriert in anderen Fächern vermitteln.

In der Volksschule werden digitale Kompetenzen im Lehrplan verankert. Im Vordergrund stehen die Medienbildung und der reflektierte Umgang mit dem Internet sowie ein spielerischer Zugang zu Technik und Problemlösung. An Pädagogischen Hochschulen wurden in allen Bundesländern sowie an 100 Volksschulen „Education Innovation Studios“ eingerichtet. Darin wird der Umgang mit Robotik und Coding auf spielerische Art und Weise erlernt. Weitere Informationen dazu:

https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/schule40/dgb/index.html

 

Im Rahmen der eEducation Praxistage 2018 hat Alicia Bankhofer über ihre Erfahrungen in der Pilotphase der Digitalen Grundbildung am RGORG Kriegergasse in Wien berichtet. Die Präsentation kann hier online abgerufen werden:

https://content.evernote.com/shard/s1/sh/b0879ea5-cf27-4068-90c4-f08e91629888/dbaa46361f33a1ee/res/2f1a6655-5b81-4a41-9f50-cb345811b852/digibild_eept2018.pdf

 

 

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