Der media literacy award [mla] – Ein Gespräch über Zahlen und Fakten

 

Der [mla] besteht nun schon seit 18 Jahren. Einmal jährlich werden herausragende Medienprojekte österreichischer und europäischer Schulen ausgezeichnet. Angelika Fürst hat eine Auswertung des Wettbewerbs von 2017 vorgenommen. Mithilfe des Projektbegleitbogens, der den eingereichten Projekten beigelegt werden soll, hat sie interessante Erkenntnisse gewonnen.

 

Angelika Fuerst und Renate Holubek im Buero

Angelika Fürst und Renate Holubek

 

„Die spannendsten Projekte entstehen meist, wenn die Inhalte aus der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen kommen. Dann entsteht die Möglichkeit mit Hilfe von Medien ihre eigenen Anliegen zu artikulieren.“

 

 

Lisa Badura: Angelika, du hast den media literacy award [mla] 2017 unter die Lupe genommen. Kannst du einen Überblick über die wichtigsten Eckdaten geben?

 

Angelika Fürst: Insgesamt wurden letztes Schuljahr mehr als 500 Medienprojekte beim media literacy award eingereicht. Sehr viele Menschen haben sich beteiligt, rund 375 Personen pro Tag – SchülerInnen, LehrerInnen, DirektorInnen sowie Fachtagungs-TeilnehmerInnen – sind im Herbst zum Festival nach Wien gekommen. Diese Resonanz ist sehr erfreulich.

 

Anschließend hast du die Ergebnisse 2017 mit jenen von vor zehn Jahren verglichen. Die Festivalleiterin des [mla] Renate Holubek hat diese 2007 im Rahmen ihrer Masterthesis erhoben. Ein interessanter Vergleich, welche Erkenntnisse konntest du daraus ableiten?

 

Es war wirklich spannend, sich die Veränderungen anzusehen, vor allem, weil sich im letzten Jahrzehnt auch technologisch unglaublich viel verändert hat. Die daraus resultierenden Abweichungen herauszulesen, sorgte für ein paar überraschende Erkenntnisse.

Dabei hat sich die Kategorieverteilung beispielsweise gar nicht verändert. Genau wie 2007 werden die meisten Projekte in der Kategorie „Video“ eingereicht. Wie vor zehn Jahren machen diese auch heuer rund 70% der Einreichungen aus. „Audio“ war die zweit häufigste Kategorie, knapp gefolgt vom Multimedia-Bereich. Den geringsten Anteil machen, damals wie heute, Print-Projekte aus.

 

Neben deutlich mehr Einreichungen wird der Großteil der Projekte mittlerweile im Unterricht gemacht. Gleich zwei erfreuliche Tendenzen! Welche weiteren Aspekte haben dich bei der Auswertung positiv gestimmt?

 

Richtig, 2007 wurden 238 Projekte beim [mla] eingereicht, zehn Jahre später waren es bereits knapp über 500. Besonders positiv stimmt uns, dass die Unterrichtseinheiten, in denen Medienprojekte realisiert werden, zugenommen hat: Von durchschnittlich 12 bis 15 Stunden auf nun rund 23 Unterrichtsstunden. 2007 wurden noch viele Projekte in der Freizeit realisiert, mittlerweile wird der Großteil der eingereichten Projekte im Unterricht erarbeitet. Eine Entwicklung, die sich hoffentlich fortsetzt.

 

Interessant ist weiters, dass viele Einreichungen im fächerübergreifenden Unterricht entstehen. Die Gegenstände, in denen sehr viele Projekte umgesetzt wurden sind neben jenen, die einen Medienbezug aufweisen, Deutsch, Bildnerischer Erziehung und Englisch.

 

Gibt es Ergebnisse, die dich überrascht haben?

 

Dass etwa im Deutschunterricht so viele Medienprojekte entstehen, ist wirklich erstaunlich und haben wir so nicht erwartet. Auffallend ist auch, dass heute wesentlich mehr weibliche Lehrpersonen Medienprojekte realisieren.

Zudem finde ich spannend, dass gegenüber 2007 die Anzahl der berufsbildenden Schulen stark zugenommen hat. Das ist eine überaus positive Entwicklung. 2007 waren es nur ein Dutzend Schulen, die am [mla] teilgenommen haben, 2017 bereits knapp über 100.

 

Der media literacy award ist ein europäisch ausgeschriebener Medienwettbewerb. Deswegen sind wir besonders stolz, letztes Jahr aus zwölf verschiedenen Ländern insgesamt 85 Projekte bekommen zu haben. Die meisten davon erreichten uns aus Spanien. Dass sich in den letzten zehn Jahres dieses Netzwerk in Europa von fünf auf zwölf Länder ausgeweitet hat, das bestätigt unseren europäischen Ansatz.

 

Bestimmt habt ihr schon Schlüsse und Gedanken zur Auswertung bzw. zum Vergleich von 2007 zu 2017 gezogen. Gibt es Bereiche, auf die ihr euch in Zukunft verstärkt fokussieren wollt? Gibt es bestimmte Tendenzen, die ihr fördern möchtet?

 

Die meisten Einreichungen kommen nach wie vor aus Wien und Oberösterreich. Erfreulich ist der Anstieg jener Schulen aus Salzburg und der Steiermark. Nun wollen wir verstärkt versuchen, auch die Beteiligung aus den Bundesländern zu fördern, aus denen wir bis jetzt etwas weniger Einreichungen erhalten haben. Aus Tirol kamen etwa 2007 mehr Projekte als 2017, diese Motivation wollen wir zurückgewinnen.

 

Es gibt demnächst ein von mediamanual entwickeltes Arbeitsheft, speziell für VolksschülerInnen und ihre LehrerInnen. Unser Ziel ist, LehrerInnen aus der Volksschule dafür zu gewinnen, ihre Projekte beim media literacy award einzureichen. Selbstverständlich berücksichtigt die Jury die Rahmenbedingungen, sprich das Alter, den Entwicklungsstand und die technischen Voraussetzungen der Kinder bei der Auswahl der GewinnerInnen. Manche LehrerInnen denken vielleicht „das ist nicht gut genug, um es beim [mla] einzureichen“ – diese Bedenken wollen wir ihnen nehmen. Das Wichtigste ist, dass die SchülerInnen selbstständig und mit Freude am Projekt arbeiten. Das merkt man den Ergebnissen immer auch an.

 

Die persönliche Ausstattung an Medien hat sich in den letzten zehn Jahren fundamental geändert. Es gab noch keine Smartphones, die SchülerInnen waren meist auf die technischen Voraussetzungen der Schulen angewiesen. Heute werden viele gute Videos oder Podcasts mit dem Smartphone aufgenommen. JedeR hat ihr/sein eigenes Medienwerkzeug in der Hand.

 

Die Analyse zeigt, dass sich die Rahmenbedingungen für die Projekte verändert haben: Während sich die schulorganisatorischen Gegebenheiten laut unserer Auswertung gebessert haben, sind die technischen Bedingungen für Medienprojekte in den Schulen etwas schlechter geworden. Bei dieser Bewertung sollte man die gleichzeitig gewachsenen technologischen Möglichkeiten bedenken. Eine größere Auswahl an technischen Geräten erhöht die Ansprüche.

 

Eure persönliche Einschätzung, bedeutet der enorme Anstieg der eigenen Medien Fluch oder Segen?

 

Aus unserer Sicht ist der enorme Anstieg eine Tatsache, mit der man heutzutage lernen muss umzugehen. Es ist daher wichtig, einen kritischen und reflektierten Umgang schon in der Schule zu erlernen. Dass Kinder und Jugendlichen Medien nutzen ist klar, wir Erwachsenen – ob als PädagogInnen oder Eltern – sollten sie beim Umgang dabei begleiten. Dass sie Quellen unterscheiden können, sich kein X für ein U vormachen lassen und auf ihre Daten achten, das und vieles mehr ist Aufgabe der Medienbildung und diese sollte am besten schon in der Primarstufe beginnen. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche am besten lernen, wenn sie selbst aktiv und kreativ an Medien herangehen. Medienprojekte an der Schule können dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

 

Was sollten LehrerInnen eurer Meinung nach bei der Medienproduktion beachten? Habt ihr Tipps für einen verantwortungsbewussten und lustvollen Umgang mit Medien?

 

Die spannendsten Projekte entstehen meist, wenn die Inhalte aus der Alltagswelt der Kinder und Jugendlichen kommen. Dann entsteht die Möglichkeit mit Hilfe von Medien ihre eigenen Anliegen zu artikulieren. Es ist jedes Mal aufs Neue erstaunlich, wie schnell sie Feuer für ihre Ideen fangen und wie ihre intrinsische Motivation geweckt wird. Für LehrerInnen ist das eine gute Möglichkeit, soziales Lernen und das Arbeiten in der Gruppe zu motivieren. Es ist ihre Aufgabe, die Lernumgebung so zu gestalten, dass dieses Lernen ermöglicht wird.

 

Der media literacy award [mla] feiert schon bald sein 20-jähriges Bestehen. Wie geht es in den nächsten Jahren weiter, habt ihr bestimmte Ziele, die erreicht werden sollen?

 

Medienkompetenz ist in unserer mediatisierten Welt wichtiger denn je. Die Vermittlung in der Schule wird daher unentbehrlich, damit werden auch die Herausforderungen an LehrerInnen nicht kleiner. Der media literacy award zeigt, welch tolle Ansätze es gibt, um Medienbildung in der Schule zu vermitteln. Wir möchten gerne noch mehr Best Practice Beispiele für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Das Ziel ist PädagogInnen zu motivieren und anzuregen, sich an das oft umfangreich wirkende Thema Medienbildung heranzuwagen. Bereits kleine Ansätze können zielführend sein, es geht um ein allgemeines Verständnis, dass Medien immer ein Ausschnitt der Wirklichkeit sind.

 

Renate Holubek und Angelika Fuerst

Renate Holubek und Angelika Fürst

 

Engl. Kurzfassung der Masterthesis von Renate Holubek (2008):
https://www.mediamanual.at/en/pdf/study_holubek_short_en.pdf

 

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