Hinhören, zuhören, Radio machen! Das Radiomanual ist online!

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Florian Danhel

Florian Danhel: Verfasser des Radiomanual

 

„Medienprojekte sind für SchülerInnen ein guter Anlass, sich mit der Welt außerhalb der Schule zu befassen. Im Idealfall entdecken sie dabei auch neue Potenziale bei sich selbst.“

 

 

 

Das soeben erschienene Radiomanual ist ein praktischer Leitfaden, der für den eigenen Unterricht bequem downgeloaded werden kann. Das Kompendium ist für LehrerInnen aller Schultypen und Erfahrungsleveln gedacht. Florian Danhel hat das Radiomanual konzipiert und verfasst. Ein Gespräch über die Faszination von Radio und Tipps zum Selbermachen.

 

 

Lisa Badura: Florian, du selbst bist ein eingefleischter Radio-Fan. Du hast früh mit dem Radiomachen begonnen, hast u.a. als Moderator und Redakteur bei Orange 94.0 gearbeitet, hast mehrere Jahre lang die Schülergruppe „RadioPoly “ aus Wien unterstützt und du hast auch jede Menge Workshops und Seminare im Bereich der medienpädagogischen Radioarbeit gemacht.

Was kann Radio, was Film nicht kann? Oder nicht so überspitzt gefragt, was macht für dich den Reiz auditiver Medien aus?

 

Florian Danhel: Den Reiz macht sicher der überschaubare technische Aufwand aus: Man kann gleich mal los legen und sich inhaltlichen Fragen widmen. Noch ein Vorteil: Es gibt kaum ein Thema, dass sich nicht fürs Hören aufbereiten lässt. Gleichzeitig ist man auch hinsichtlich Gestaltung und Umsetzung sehr frei und die kreativen Möglichkeiten sind wirklich vielfältig. Die Schüler und Schülerinnen können bei Themenwahl und Gestaltung ihre Ideen sehr gut einbringen, was meist zu einer höheren Identifikation mit dem Projekt führt und sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt.

 

Das Radiomanual ist ein ganz praktischer Leitfaden, der für Lehrerinnen und Lehrer als Hilfestellung dienen soll, Audioprojekte im Unterricht zu realisieren. Über auditive Medien sind schon unzählige Bücher erschienen. Aber wie so oft liegt in der „Kürze die Würze“. Was war dir bei der Erstellung des Kompendiums persönlich am wichtigsten?

 

Am allerwichtigsten war, dass man beim Lesen Lust bekommt, ein Audio- und Radioprojekt zu starten. Im Mittelpunkt stand deshalb die Idee, in kompakter und übersichtlicher Form all jene Informationen zu finden, die man benötigt, um los starten zu können – von der Ideenfindung bis hin zur Präsentation oder Ausstrahlung. Für jene, die dann (hoffentlich) Feuer fangen, gibt es am Ende weiterführende Links zu weiteren empfehlenswerten Publikationen im Netz.

 

Du selber hast schon viele Gruppen bei der Erstellung von Hörspielen, Podcasts oder klassischen Radio-Beiträgen unterstützt. Angenommen einE LehrerIn kennt sich mit der Erstellung eines audiovisuellen Projekts noch nicht so gut aus und möchte im Unterricht ein erstes Projekt realisieren. Welches Format würdest du zu Beginn empfehlen? Auf was sollte man achten, dass man zu einem wünschenswerten Ergebnis kommt? Gibt es gute Freeware-Programme, die du empfehlen kannst?

 

Zu Beginn würde ich ein paar Übungen vorschlagen, um mit dem Medium vertraut zu werden. Für viele SchülerInnen ist es manchmal neu, dass es im Radio mehr als nur Musik zu hören gibt. Kurze Interviews eignen sich für den Start ganz gut. Sowohl als Übung innerhalb der Klasse (z.B. in 2er oder 3er Teams mit Smartphones aufnehmen und dann gemeinsam in der Klasse anhören), aber auch als ein erstes „richtiges“ Radioprojekt. Fragen vorbereiten, ein Gespräch führen, die Technik meistern, im Schnitt Fehler ausbessern – all das lässt sich anhand eines Interviews durchspielen und man kommt recht schnell zu ersten Ergebnissen. Ein Tipp: Auf mediamanual.at kann man die Audiopreisträger-Projekte der letzten Jahre nachhören. (Anmerkung: Hier geht’s zu den [mla]-PreisträgerInnen der letzten Jahre. Suche unter: „Audio-Preisträger“.)

 

Bei der Realisierung auditiver Medien – wie bei der Realisierung aller Medien – lernen junge Menschen ganz „nebenbei“, d.h. sie sind oft so vertieft, dass sie gar nicht merken, dass sie lernen. Kannst du dich an eine Situation aus deiner Arbeit als Medienpädagoge erinnern, in der du diesbezüglich ein „Aha-Erlebnis“ mit Jugendlichen hattest? Etwa einen besonders unerwarteten Lerneffekt? Unmotivierte SchülerInnen, die plötzlich Top in Form waren? Schüchterne Schüler, die ihre eigene Stimme gefunden haben?

 

Generell sind Medienprojekte für SchülerInnen meist ein guter Anlass, sich mit der Welt außerhalb der Schule zu befassen und im Idealfall entdecken sie dabei auch neue Potenziale bei sich selbst.

Ich kann mich an eine Radiosendung erinnern, bei der SchülerInnen Konflikte in der Familie thematisierten, u.a. ging es auch um Krisen-WGs und Notunterkünfte. Aus diesen sehr persönlichen Erzählungen in der Vorbereitung auf die Sendung entwickelte sich ein extrem starker Zusammenhalt, der sich positiv sowohl auf Motivation, Gruppendynamik und Engagement ausgewirkt hat – die SchülerInnen sind im Laufe des Semesters wirklich über sich hinausgewachsen. Das hat mir gezeigt, welch wichtige Rolle soziale Aspekte spielen, wenn es ums Lernen geht.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Hier gibt’s mehr Infos zum Radiomanual und zu unseren weiteren Arbeitsmaterialien. 

 

 

Radiomanual

 

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