Das Filmprojekt: MACHT, dass ihr wegkommt!

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Normalerweise sind die SchülerInnen der 4 A der Neuen Mittelschule Lehen in Salzburg nicht auf den Mund gefallen. Als sie für ihr Filmprojekt ohne ihre Stimme auskommen mussten, war das für sie eine völlig neue Erfahrung. In ihrem Stummfilm „MACHT, dass ihr wegkommt“ setzte sich die Klasse mit Macht und Gewalt auseinander und bewies eindrücklich, dass man auch ohne Worte viel sagen kann.


In Kooperation mit externen PartnerInnen (SchauspielerInnen, Medienschaffende) betreute Karin Helml das Projekt. Die Auseinandersetzung mit Gewalt, Ausgrenzung und Mobbing war der Lehrerin ein großes Anliegen, da es in der Klasse immer wieder zu Reibereien und Konflikten gekommen war. Durch das Filmprojekt lernte die Klasse, eine gemeinsame Vereinbarungskultur zu schaffen und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

„Frankenstein Junior“ und „Metropolis“ dienten der Projektgruppe als Ausgangsfilme. Den jungen Filmschaffenden hat es vor allem Spaß gemacht, von Profis Schauspielunterricht zu bekommen und sich mit Pantomime und Gestik auseinanderzusetzen.

 

Wir trafen Karin Helml und einige Schülerinnen in ihrer Schule und waren angetan, dass die Schülerinnen von Karin Helml dazu angeregt wurden, sich mit selbstgeführten Interviews einzubringen. Es war spannend zu hören, wie es dem Team bei seiner Arbeit ergangen ist.

 

 

 

 

FACTS:

 

– Das Projekt wurde im Rahmen des Schwerpunktes „Kreative Mediengestaltung“ an der NMS Lehen durchgeführt, einbezogen waren die Gegenstände Bildnerische Erziehung und Deutsch.

– Anzahl der SchülerInnen: 13 / Alter: 13 Jahre

– Projektdurchführungszeitraum: November 2011 – Mai 2012

– Ungefähres Stundenausmaß: 36 Stunden

– Budget / Finanzierung: ca. 2.500 Euro. Förderung von KulturKontakt Austria – „Neue Lernkultur: Kunst macht Schule – Art meets NMS“: 1.400 Euro, Stadt Salzburg – Kultur und Schule: 500 Euro, der Rest waren Eigenmittel

– Kooperation mit den SchauspielerInnen Dorit Ehlers und Thomas Beck sowie den Vereinen „ohne titel“ (Arthur Zgubic) und „Studio West“ (Christian Vizi und Piet Six)

– Der Kurzfilm wurde beim media literacy award und dem This Human World Film Festival eingereicht und wird kommenden Herbst beim KLAPPE Filmfestival in Salzburg gezeigt.

 

 

FACTS zur UMSETZUNG:


Die SchülerInnen schauten sich zu Beginn des Projekts die Filmparodie „Frankenstein Junior“ (USA 1974) und den Stummfilmklassiker „Metropolis“ (Deutschland 1927) an und analysierten die expressionistischen Stilmittel und die Machart der Filme. Anschießend entwickelten sie eigene Ideen zum Thema „Macht und Gewalt“.

 

In Kleingruppen wurden die einzelnen Szenen aus ihrem Erlebnisumfeld (Misshandlung, Manipulation und Mobbing) gemeinsam mit den beiden SchauspielerInnen erarbeitet Im Rahmen eines Schauspiel-Workshops wurden die SchülerInnen in Pantomime, Mimik und Gestik eingeführt.

 

Die Texte der Zwischentitel und die Bilderrahmen wurden im Unterrichtsfach „Bildnerische Erziehung“ kreativ gestaltet und dann eingescannt.

 

In einem künstlerischen Arbeitsprozess erarbeiteten die SchülerInnen gemeinsam mit ihrer Lehrerin für künstlerische Mediengestaltung und zwei professionellen Filmleuten die filmische Umsetzung (Konzept, Dreh, Schnitt und Fertigstellung). Die SchülerInnen übernahmen dabei sämtliche Aufgabenbereiche (Konzept, Drehbuch, Kamera, Licht, Set Design und Regiearbeit).

 

In einer ersten Schnittphase wurden die einzelnen Szenen von den SchülerInnen geschnitten (iMovie). Die endgültige Schnittversion und Fertigstellung mit Stummfilmfilter und Musik erfolgte durch einen professionellen Cutter.

 

 

FEEDBACK DER TEILNEHMERINNEN


Feedback von Dorit Ehlers (Schauspielerin):

Die Arbeit mit den Kids war extrem anstrengend. Da sie vorher noch nie Theater gespielt hatten, musste die Einführungsphase ins Schauspielen ausgedehnt werden. Die SchülerInnen sind auch in einem Alter, in dem es nicht so leicht ist, vor den anderen aus sich herauszugehen, also musste die Technik des Übertreibens (besonders beim Stummfilm) erst gelernt werden. Die Szenenerarbeitung erwies sich dann als einfacher. Die Kinder waren mit großem Engagement dabei und setzten Inhalte um, die sie aus ihrem Schulalltag kennen. Schwieriger war dann die Übertreibung und Stilisierung.

 

Feedback von Veronika (Schülerin):

Ich habe vorher noch nie Theater gespielt und es hat Spaß gemacht, sich zu schminken und in eine andere Rolle zu schlüpfen. Ich war eines der Mädchen, die ein anderes Mädchen ausschließen. In der Schule bin ich das eigentlich gar nicht, also war es neu für mich.

 

Feedback von Karin Helml:

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema war gerade für diese Gruppe besonders wichtig. Machtspiele und Aggressionen körperlicher Art sind leider Schulalltag. Die Überzeichnung erlaubte es den SchülerInnen, sich mit einer gewissen Distanz an die Sache heranzumachen. Ich denke, dass das Klassenklima durch das Projekt insgesamt gewonnen hat.

 

 

Warum realisiert Karin Helml mit Leidenschaft Medienprojekte mit ihren SchülerInnen?

 

Einerseits habe ich eine Leidenschaft für Filme und für kreatives Schaffen im Allgemeinen und auch persönlich tolle Erfahrungen mit der Umsetzung eigener Projekte gemacht. Diese Freude an Kreativität möchte ich gerne den Kindern und Jugendlichen mitgeben und vermitteln. Zudem habe ich bemerkt, dass die Kinder und Jugendlichen in der Umsetzung von Medienprojekten Stärken entwickeln und ausbauen können, von denen in anderen Unterrichtsfächern vielleicht nicht so viel zum Ausdruck kommt. Auch kognitiv schwächere SchülerInnen bringen im Medienfach oft tolle Leistungen und gewinnen so an Selbstvertrauen.

 

Welche Tipps hat sie für KollegInnen?

 

Jede und jeder hat einen eigenen Stil. Die Vielfalt in der Ausrichtung von Medienprojekten ist spannend und mir gefällt diese Offenheit. Ich halte nichts von 1:1-Modellen, die aufbereitet und von KollegInnen dann nachgemacht werden. Vielmehr sollte jede Lehrperson ihre eigenen Interessen einbringen und ihre Stärken forcieren, nur dann kann Unterricht erfolgreich sein. Zudem ist natürlich auch jede Klasse/jede Gruppe verschieden und trotz aller Vorbereitung muss man auch immer flexibel bleiben und auf die jeweiligen Gegebenheiten eingehen. Prinzipiell gilt: Just do it! Einfach anfangen, ausprobieren, Fehler machen und sich gemeinsam mit der Gruppe weiterentwickeln. Medienprojekte sind immer eine Bereicherung – an Know-how, an Inhalten und vor allem auch am Miteinander!

 

 

Das vollständige Video der SchülerInnen:

http://www.youtube.com/watch?v=w5xxMY_jxGQ

 

Das Projekt wurde an der Neuen Mittelschule Lehen realisiert:

http://www.hs.lehen.eduhi.at

 

 

 


 

 

 

 

 

 

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